juna im netz

Das Netz ist das, was Du draus machst

In eigener Sache, Kinder

Oh, the irony!

Da verfasse ich diese Woche noch einen Blogpost über Selbstbestimmtheit bei Geburten, und dass wir dankbar sein sollten für die medizinische Versorgung, die wir haben, und am Sonntag stecke ich selbst in einer Situation, in der in einer Klinik versucht wird, meine Selbstbestimmtheit mal schnell gegen die Wand zu klatschen. Gott hat einen schwarzen Humor.

Der Reihe nach.

Unseren Sonntagsausflug ins Mannheimer Naherholungszentrum Luisenpark beendete ich heute nicht, wie ursprünglich erwartet, mit vertobtem Junior, der nach seinen frisch abgegebenen Schnullern brüllt. Ich beendete ihn mit einer Fahrt in einem Rettungswagen in Richtung Mannheimer Kinderspital, mit zwar wachem, aber merkwürdig ruhigem Dreijährigen, der nach einem Sturz ohnmächtig geworden war.

Es gibt im Luisenpark einen wunderschönen Abenteuerspielplatz im Stil einer Ritterburg. Den müssen wir zum Schluss eines jeden Aufenthalts dort besuchen. Und immer übt das nun gar nicht mehr so kleine unserer Kinder, von welcher Höhe aus es bereits in den Sand hüpfen kann. Die Steinstufen haben ganz verschiedene Höhen, und heute tastete er sich langsam an eine bereits recht beachtliche Höhe von etwa einem Meter zwanzig heran. Wir beobachteten ihn dabei. Oben kniete er, sprang, und traute sich dann scheinbar doch nicht so recht. Er drehte den Oberkörper, fing sich mit den Händen an einer etwas tieferen Steinstufe ab und kam offenbar dabei etwas härter mit dem Brustkorb auf die Stufe auf. Um dann loszubrüllen.

Ich rannte hin, hatte aber den „Sturz“ überhaupt nicht als dramatisch eingeschätzt. Ich trug  das schreiende Kind, das bereits von alleine wieder aufgestanden war, zum Gatten und versuchte, es zu trösten. Junior hat die Angewohnheit, beim Brüllen immer erst sehr spät Luft zu holen. Als er das als Baby gemacht hat, hielt er den Schrei manchmal so lange aus, dass er merklich an Farbe verlor und einer von uns immer „Atmen, Atmen!“ schrie. Das machte er nun auch, er schrie ohne Luft zu holen. Dann seufzte er, verdrehte die Augen – und war weg. Ohnmächtig! Er wurde sofort schwer und kippte nach hinten. Ich fing ihn auf, fühlte nach dem Puls, sah dann, dass er atmete und konstatierte laut: „Das Kind ist ohnmächtig.“

Danach habe ich nicht mehr funktioniert. Ich meine, echt nicht. Mein Mann nahm ihn und reichte mir sein Handy, das ich nicht bedienen kann, mit der Anweisung: Ruf den Notarzt! Ich dachte: Ja, Notarzt. Dann gab ich ihm das leidige Ding zurück, denn ich hätte im Leben keinen Anruf zustande gebracht. Ich klopfte derweil meinem ohnmächtigen Sohn gegen die Wangen. Völlig hilflos. Dann kamen mir zwei Frauen zu Hilfe und sagten mir, ich solle ihn auf den Boden legen. Ich dachte: Ja, Boden. Dann wiesen sie an, die Füße hoch zu legen. Ich dachte: Ja, gute Idee. Wird deutlich, was ich meine? Nicht! Funktioniert! Ich habe mit den Kindern schon so viel mitgemacht, und ich habe mich dabei nie handlungsunfähig gefühlt. Aber ein ohnmächtiges Kind scheint meine Grenze überschritten zu haben. Ich hatte keinerlei abrufbares Notfallprogramm. Im Nachhinein total erschreckend. Was, wenn ich allein gewesen wäre?

Dabei war ich zumindest ruhig und hab nicht unnötig im Weg gestanden. Man muss ja auch das Gute sehen.

Die Ohnmacht dauerte etwa 20, vielleicht 30 Sekunden, dann war mein Sohn wieder da und ansprechbar. Der Rettungswagen kam gefühlte sieben Minuten später. Mit ihm zwei wundervoll ruhige, sympathische Sanitäter. Der weibliche Teil fuhr, der männliche sprach mir gut zu. Junior bekam einen Teddy und beantwortete Fragen zu seinem Namen, seinem Alter und seinem Sturz. Der Sani war sich ziemlich sicher: Wir klären das jetzt im Krankenhaus ab, und dann gehen alle nach Hause. Denn, so sagte er, eine kurze Ohnmacht, weil durch Brüllen plötzlich nicht mehr genügend Sauerstoff aufgenommen wird, und eine Kreislaufschwäche durch einen Schlag auf den empfindlichen Brustraum kämen relativ häufig vor, und seien alleine noch kein Grund zur Beunruhigung.

In der Notaufnahme die obligatorische erste Frage nach der Krankenkassenkarte. Und meine Entgegnung: „Wir sind privat versichert.“

Dann stellte sich ein Arzt vor und machte einen Ultraschall. Der Schwester, die kurz hereinschaute, sagte er, er nehme noch Blut ab. Ich wurde gefragt, ob ich im Falle eines stationären Aufenthalts da bleiben würde. Ich sagte, das würden wir dann klären. Der Arzt fragte mich nach dem Sturz, um danach noch etwa 5-6 Mal nachzuhaken, ob er nicht doch auf den Kopf gefallen sei. Sonst sprach er nicht mit mir.

Nach vielleicht vier Minuten Schallen, maximal, war die Untersuchung beendet. Die Schwester kam wieder, mit einem ganzen Tisch voller Kanülen, und sagte: „Soooo, dann legen wir mal einen Zugang!“

Damit war meine unheimliche Lethargie beendet. Ich legte beide Hände auf mein Kind und sagte: „Woah woah, nicht so schnell! Wir machen WAS??“
Das folgende Gespräch versuche ich zu rekonstruieren, so gut ich kann.[1]

Schwester: Ja, er muss ja hierbleiben!
Ich: Sagt wer??
Schwester: Sagt der Arzt? (Es hatte außer der Anweisung zum Blut Abnehmen keinerlei Kommunikation zwischen den beiden stattgefunden, weshalb ich sehr verwirrt reagierte, woher sie das nun wissen könnte.)
Ich: Wann hat er das gesagt?
Arzt: Also, wir beobachten in einem solchen Fall, Sturz auf den Kopf und Ohnmacht …
Ich: Er ist nicht auf den Kopf gefallen!
Arzt: … das Kind stationär zwei Tage lang. Es soll sich dann im Bett ausruhen und sich möglichst wenig bewegen.
Ich: Dazu müssten Sie mein Kind 48 Stunden sedieren. Und Sie legen meinem Kind keinen Zugang. Sie erklären mir jetzt, was sie auf dem Ultraschall gesehen haben! (Denn auch mit mir war ja bisher nicht wirklich kommuniziert worden.)
Der Arzt entgegnete dann, das Ultraschall sei unauffällig, er müsse aber sichergehen und nach den Blutwerten schauen, denn Prellungen der inneren Organe könne man im Ultraschall nicht feststellen, man sehe so etwas aber an den Blutwerten. Ob ich denn keine Blutabnahme wolle, dann müsste ich unterschreiben, dass ich gegen ärztlichen Rat handeln würde.
Ich: Da ich keine Ärztin bin und Ihnen glaube, dass die Blutentnahme notwendig ist, machen wir gerne eine Blutentnahme. Aber Sie legen keinen Zugang!
Schwester: Aber dann müssten wir Ihr Kind ja zweimal mit der Nadel stechen, wenn es bei uns am Ende doch stationär aufgenommen werden muss!
Arzt: Und das wäre ja auch irgendwie grausam, oder?
Ich: Ich weiß genau, was es bedeutet, wenn Sie jetzt einen Zugang legen. Es bedeutet, dass mein Sohn AUF JEDEN FALL hierbleiben wird, egal, ob die Blutwerte unauffällig sind oder nicht. Weil er dann den Zugang schon hat!

Schwester: Na, nun übertreiben Sie aber! Ich kann das doch auch wieder rausziehen!
Ich: Nein, auch den Blödsinn kenne ich. Dann warte ich stundenlang auf jemanden, der Zeit hat, das Ding wieder herauszuziehen, und muss am Ende wieder einen Wisch unterschreiben, oder höre gleich: Nein, das Kind hat ja einen Zugang, das muss nun stationär aufgenommen werden. Alles schon erlebt. Und dieses Ding in der Hand, das ist das Grausame.
Arzt: Verstehe ich Sie richtig, Sie wollen NICHT, dass wir bei Ihrem Kind auf Nummer sicher gehen und innere Verletzungen ausschließen?
Ich: In ein paar Minuten wird mein Mann hier sein. Sie können Blut abnehmen. Aber Sie legen diesem Kind KEINEN Zugang!
Schwester: Ja, dann warten wir jetzt aber mit der Blutabnahme auch einfach noch. Dann können Sie zusammen entscheiden.

Ich nahm mein Kind und rannte draußen sofort in die restliche Familie, die uns mit dem Auto hinterher gefahren war. So kam Plan B, heimlich mit meinem Sohn abzuhauen, nicht zum Zuge. Ich erzählte meinem Mann alles, und er lief, nachdem er eine Weile mit unserem Sohn gesprochen hatte, zu den Schwestern und erklärte, wir gingen jetzt. Daraufhin bat der Arzt uns noch einmal herein.

Während Junior mir Dinge zuflüsterte wie „Ich will nach Hause. Ich will kein Blut abnehmen“, und, ganz groß: „Sag einfach Nein!“, sprach der Gatte mit dem Arzt. Und der war wie ausgewechselt, erklärte sachlich, dass auch eine Blutabnahme „natürlich“ nicht einwandfrei Aufschluss über Verletzungen geben könnte, dass in den meisten Fällen keine Verletzungen vorlägen, dass die vorgeschlagene Beobachtung lediglich eine Sicherheitsmaßnahme sei … Und dass er im Ultraschall wirklich gar keine Anzeichen für Verletzungen gefunden hätte. Und, oh Wunder, er konnte die Entscheidung, nach Hause zu fahren, plötzlich verstehen. Wir müssten halt nur etwas unterschreiben. Dann händigte er uns noch einen Zettel zur Beachtung bei Kopfstürzen aus.

Ich weiß, es gibt ein Restrisiko, dass mein Kind innere Verletzungen hat. Und vielleicht wäre ich, wenn das mein erstes Kind wäre, im Krankenhaus geblieben.  Natürlich hoffe ich sehr, dass unser Eindruck richtig ist – dass unser Sohn sich tatsächlich, wie auch der Sanitäter meinte, vorübergehend ohnmächtig gebrüllt hat und ansonsten völlig in Ordnung ist. (Momentan macht es glücklicherweise den Eindruck.) Dieses Restrisiko muss ich mittragen, wenn ich mich weigere, meinen Sohn zwei Tage in einem Krankenhaus unterzubringen, ohne Befund.

Was ich nach vielen Jahren Erlebnissen rund um die medizinische Betreuung gerade von Kindern aber nicht mehr mittragen muss, ist, einem Dreijährigen völlig ohne medizinische Indikation routinemäßig einen Zugang legen zu lassen. Es ist nicht einmal sicher, ob er überhaupt irgend etwas über diesen Zugang hätte erhalten müssen – denn er wäre ja lediglich zur Beobachtung dageblieben. Wer einmal mit einer Kanüle in der Hand schlafen musste, weiß auch, was das für ein kleines Kind bedeuten kann. Ich werde darüber hinaus nicht mehr erlauben, dass mich eine Schwester, ohne dass irgend eine Kommunikation stattgefunden hätte, zur Seite schiebt und quasi bereits mit der Nadel in Richtung Kind unterwegs ist. Oder dass ich mit einem Arzt auch nur einen Satz länger rede als notwendig, der mich offensichtlich als Person nicht für voll nimmt. Schlimmer, nicht einmal der folgenden Erklärung würdig:
Der Ultraschall ist unauffällig. Nichtsdestotrotz können innere Verletzungen aufgetreten sein, die wir noch nicht sehen. Ich würde empfehlen, Sie bleiben in jedem Fall für zwei Tage hier, und wir nehmen noch Blut ab.“

Wäre mach- und dann besprechbar gewesen. Wurde aber nie geäußert.

Muss ich nicht. Werde ich nicht.

Es wurde versucht, mich handlungstechnisch zu überfahren. Mein Kind wurde dabei instrumentalisiert, denn für das Wohl des Kindes tun Eltern bekanntlich alles. Mir wurde nichts erklärt. Ich sollte meiner Autonomie und der Entscheidungsfreiheit für mein Kind beraubt werden. Als ich mich dagegen wehrte, wurde versucht, mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Mich ärgert das in einem Maße, das ich hier nicht ausdrücken kann. Was mich aber noch mehr ärgert, ist, dass das mit Sicherheit auch Menschen passiert, die in DIESER Situation handlungsunfähig sind – genau wie ich mit ohnmächtigem Kind auf dem Spielplatz. Im Arztzimmer bei wachem, augenscheinlich fittem Kind war ich wieder da. Es hätte nicht allzuviel gefehlt, und ich hätte noch ein wenig randaliert. Kanülen auf den Boden geworfen und so Anarcho-Kram. Aber was ist mit den Müttern und Vätern, die vielleicht etwas leiser und unsicherer sind? Oder denen eine solche Situation noch nie untergekommen ist? (Ich hätte noch ein paar mehr Dinge in der Art auf Lager, zum Beispiel, wie eine Augenärztin mal meine Große ohne jegliche Indikation in einen Kernspin schicken wollte …) Ich fühle mich als Person, als private Versicherungsnehmerin und als Mutter in meiner Intelligenz beleidigt, in meiner Autonomie unterdrückt und aufgrund meiner Sorge für mein Kind missbraucht. Die offensichtliche Verarsche mit der Blutabnahme – denn aus irgend einem Grund war das plötzlich gar nicht mehr wichtig, es wurde kein einziges Mal mehr angeboten (Warum? Es gibt doch auch Telefon, wir hätten angerufen, uns die Ergebnisse mitteilen lassen und wären ggf wiedergekommen), – das Bestehen auf den Zugang ohne jegliche Not und das Rechtfertigen dieses Vorgangs mit „Wir wollen doch das Kind nicht gleich zweimal pieken!“, die Haltung des Arztes, die sich schlagartig änderte, als der in solchen Situationen immer etwas arrogant auftretende Gatte dazu kam … Ich kann gar nicht sagen, was mich davon am meisten aufbringt.

Warum ich mich sofort an die Diskussionen um #selbstgeboren erinnert fühle? Obwohl der Zusammenhang ein anderer ist, geht es hier um Grunde um eine Situation, die die angehende Verfasserin des Geburtsberichte-Buchs vermutlich im Kopf hatte, als sie über ihr Projekt nachdachte. Es ist eine Situation, in der werdende Eltern und Eltern von einer Institution überrannt werden, die oftmals keine Zeit hat, die Individuen hinter den Zahlen und den Standardtherapien zu sehen. Es sind diese Grenzerfahrungen, in denen Du selbst als Elter das Gefühl eines völligen Autonomieverlusts, wie Anatol Stefanowitsch so schön schrieb, hinnehmen musst – zum Wohle der Gesundheit Deines Kindes. Und wäre das wording nicht so daneben und die von Anna vorgenommene Klassifikation der „Geburten“ nicht so ausschließend und emotional verletzend, sähe ich in einem solchen Projekt tatsächlich einen großen Nutzen. Allerdings wäre es vielleicht besser, ein Buch zu schreiben, in dem man Eltern mit ganz unterschiedlichen Berichten darin bestärkt, sich in keiner Situation, JE, egal, WAS, einfach überfahren und instrumentalisieren zu lassen. Denn Eltern sind heute fast überall nur noch potentielle Konsumenten, vom Buchmarkt und 1000-Euro-Kinderwägen, über die berühmten Öko-Dinkel-Brezeln sowie Babyenglischkurse bis hin zur „Sie-wollen-doch-das-Beste-für-Ihr-Kind“-Privatschule. Und während ich es mit Humor nehmen kann, dass Eltern Dinge wie „Kinderketchup“ kaufen oder sich die Nächte wegen Fehlalarmen eines „Angel Care-Systems“ um die Ohren schlagen: Bei der Gesundheit muss das Ganze aufhören.

Im konkreten #selbstgeboren-Fall: Warum nicht ein Buch, das „Selbstbestimmt“ heißt, und das nicht die „Urkraft des Gebärens“ in den Mittelpunkt rückt, sondern die „Urkraft elterlicher Entscheidungen“ – das dafür gedacht ist, mit verschiedensten Geburtsberichten den Müttern (und Vätern. Könnten wir bitte damit aufhören, die Väter aus der Rechnung heraus zu streichen? Was soll das?) Mut zu machen, dass sie bei ihren Entscheidungen ein Recht auf Unterstützung statt Bevormundung haben. Das werdende Eltern darin bestärkt, sich während der Grenzerfahrung „Geburt“ nicht ihre Autonomie nehmen zu lassen. Mann, würde ich mir DAS wünschen. Aber das würde voraussetzen, dass die Autorin in spe die ihren Vorstellungen inhärente Bevormundung aufgibt. So, wie sie momentan agiert, entspricht sie in ihrer Haltung dem Arzt und der Schwester, mit denen wir uns am heutigen Sonntag konfrontiert sahen. Und gegen die ich offiziell eine Beschwerde mit Verweis auf diesen Blogpost einreichen werde.

 

[1: Ich gab mir Mühe. Ob Wörter wie „grausam“ tatsächlich gefallen sind oder ob ich sie in die Äußerungen hineininterpretierte … ich weiß nicht mehr. Das ist der Eindruck, der bei mir entstanden ist. Die Wortwahl mag in diesem konkreten Fall aber eine andere gwesen sein. Der Arzt sprach darüber hinaus kein super-einwandfreies-grammatikalisch total richtiges Deutsch, aber da er im Grunde fließend und sehr verständlich sprach, hätte ich es schlicht dämlich gefunden, seine grammatikalischen Fehler einzubauen.]

[2: Falls dies by accident jemand lesen sollte, der heute im Luisenpark dabei war: Ich danke von ganzem Herzen, dass es heute so viele Menschen gab, die uns sofort beigesprungen sind und uns ihre Hilfe, ihre Decken, ihre Getränke, ihre Traubenzucker, ihr Telefon angeboten haben. Danke, Danke! So weiß ich: Wenn ich nicht mehr kann, gibt es Menschen wie Euch, die helfen.]

  1. Liebe Juna,

    als erstes drücke ich mal hier aus dem Hochland die Daumen, dass der kleine großartige Mann (“sag einfach nein”, ist so großartig!) schnell wieder auf die Beine kommt. Zwei Gedanken schossen mir durch den Kopf, einer als Vater, der andere als Ehemann:

    1) Wir haben auch so einen kleinen Schreifloh hier zu Hause. Die Lady hat auch heute noch immer die Angewohnheut erstmal einzuatmen bis sie dunkelviolett ist (in der Zeit solltest du nach dem Oropax greifen) und dann alles rauszulassen was nur geht. Ich wundere mich jdesmal, wie so ein kleines Zwerchfell mit so einer kleinen Lunge so einen Lärm fabrizieren kann. Unser Kinderarzt (Goldstück!) hat das mal mitbekommen und hat uns erklärt, dass sich Kinder wirklich wegschreien können. Ich hab das nicht so richtig geglaubt. Offensichtlich hatte der Mann Recht. Und ich weiß auch nicht, wie ich das geregelt hätte. Bei Zecken, Stürzen und sonstigem Kleinkram (der beim ersten mal immer riesig aussieht) schalte ich dann in eine Art Managermodus. (Ich schreib mal irgendwann die Geschichte von der Kleinen, ihrer ersten Zecke und dem Bananenbrei auf. Die ist lustig.) Ob der aber bei einem ohnmächtigen Kind auch noch klappt? Ich will es nicht wissen. Ehrlich!

    2) Du beschreibst eindrucksvoll eine Situation, in der du von einer vermeintlich überlegenen Person nicht für voll genommen wurdest. Ich bin jetzt mal so frech zu behaupten, dass das ein Männer-Frauen-Ding ist. Der Kerl hat dich wohl offensichtlich für eine hysterische Mutti gehalten, die nicht zurechnungsfähig und damit nicht ernstzunehmen ist. Erst als Papa auftauchte, und damit ein ‘”gleichwertiger” männlicher Gesprächspartner, war der Herr kompromissbereit.
    Mir scheint das kein spezifisches Medizinerproblem zu sein, erinnert es mich doch frappierend an eine Situation aus unserer Bauzeit. Es ging um den Menschen, der uns den Estrich machen sollte. Ich habe vorher mit ihm telefoniert, und mitgeteilt, dass ich zwar arbeiten sei, meine schwangere Frau aber durchaus auf der Baustelle sei, und ihm dann alle Wünsche und Besonderheiten erklären würde und ihm auch zeigen würde, wo er Wasser her bekommt.
    Ja glaubst du allen Ernstes, der Hornochse hätte mit Heike auch nur ein vernünftiges Wort geredet? Der hatte die Einstellung “Frauen können das nicht” und wollte einfach losbrutscheln. Ich glaub es hackt! Als ich in Oberhemd und Lederschuhen auftauchte, ist er gleich auf mich eingestürmt und wollte alles mit mir klären.
    Mein lieber Schwan…. Ich glaube, ich habe drei oder vier Anläufe gebraucht, um dem Willi klar zu machen, dass ich nicht mit ihm rede, bevor er nicht alles mit meiner Frau geklärt hat. Was für ein A….. In Absprache mit Heike hab ich mich dann verzogen. Da musste der Kerl dann einfach durch, und Anweisungen von einer Frau annehmen.

    Was ich damit sagen möchte: Ich kann gut nochvollziehen, wie du dich in dieser Situation wahrscheinlich gefühlt hast und finde als Mann ein solches Verhalten von Männern in keinster Weise akzeptabel.

    • Danke, Martin, für den mitfühlenden und aufbauenden Kommentar! Ja, ich habe ganz ähnlich gedacht, wollte aber aus Rücksicht auf den kulturellen Hintergrund des Arztes nicht mehr darauf abheben als es nötig war. Auch von Frauen in einem, sagen wir, ungleichen Machtverhältnis werde ich gerne einmal überrannt, und bin davon ähnlich beleidigt. Wenn wir uns mal treffen, wird vielleicht offensichtlich, warum: Ich bin optisch einschüchternd wie ein Hamster und durchsetzungsfähig wie ein Koalabär auf Eukalyptus. Und werde daher regelmäßig unterschätzt. Die beiden wussten gar nicht, wie ihnen geschieht, als ich mich plötzlich zur Wehr gesetzt habe. Aber das ist das wahrhaft Schlimme! Ein zwischenmenschliches Ausreizen, wie viel der andere mit sich machen lässt? Wie viele trifft es, die nicht plötzlich anfangen, zu beißen?

      Ich möchte die Geschichte mit dem Zeckenbiss ganz dringend lesen! Und auch die, wie Heike letztlich mit Eurem Macho-Handwerker verfahren hat! <3 ! Es ist ein weitverbreitetes Missverständnis, dass Frauen keine Ahnung von Hausbau und Heimwerken haben. In diesem Haushalt bin ich die mit der Tischkreissäge. Dafür sagt mein Mann gerne Dinge wie: "Darf ICH das Essen würzen? Dann schmeckt es wenigstens!" Womit er Recht hat.

      Was großartig ist: Zu wissen, dass wir von Euch in solchen Situationen unterstützt werden. Das gibt Rückhalt, aus dem heraus auch Grenzerfahrungen bewältigt werden können, wenn gerade niemand da ist, der eingreift. Ich war heute im Untersuchungszimmer allein. Und so sehr ich das Gefühl hatte, auf dem Spielplatz versagt zu haben, so stolz war ich auf meine feste Haltung in diesem Zimmer, als niemand da war, der mir den Rücken stärken konnte. Ganz zur Not, so war mir klar, würde ich dieses Kind nehmen und rennen. Die Kraft dazu gibt ein Partner, der für einen einsteht. Egal, ob es sich dabei gerade um Estrich handelt oder um etwas anderes. 😀

    • Danke, für diese Geschichte. Ich nehme dich jetzt einfach als Vorbild und hoffe, dass ich es schaffe meine Frau (wenn ich dann mal eine habe 🙂 ) auch so zu unterstützen, wie du es gemacht hast. Zum einen möchte ich, dass sie genauso ernst genommen wird wie jeder andere; und zum anderen kenne ich mich mit so etwas wie Hausbau gar nicht aus, da wäre es noch offensichtlicher, dass der Gegenüber nur nach dem Geschlecht schaut.

  2. Liebe Juna!
    Respekt vor Deinen/Euren klaren Aussagen: NEIN!
    Mir ist es vor ein paar Jahren ähnlich ergangen: Kind (eineinhalb) fällt rückwärts vom Hochstuhl. Schläft nach fünf Minuten Schreien ein. Schläft -unter Beobachtung- 30min, erwacht und kotzt sich die Seele aus dem Leib.
    Notaufnahme.
    Privat versichert? Ja.
    “Dann kleben wir gleich ein Betäubungspflaster, sie muß sicher bleiben, dann braucht sie einen Zugang”
    “Wie bitte?”
    Arzt kann keine Schäden im Hirn feststellen, Gehirnerschütterung wird angenommen.
    Vorgeschlagene Maßnahme: Stationäre Aufnahme für ein paar Tage (!!!!),
    Reflexkontrolle alle 2h.
    “Alle 2h? Nein, das kann ich zu Hause besser überwachen!”
    “Naja, wir haben gedacht, bei Privatpatienten müßten wir auf Nummer sicher gehen. Die Eltern sind da immer ängstlicher!”
    “???? Wir gehen nach Hause! Jetzt! Sofort!”
    Wir haben das Kind dann alle 20min geweckt. Bis es nach 3 h sagte: “Mama gut, is slafen!”
    Und dann war es gegessen.
    Hätte anders ausgehen können. Aber der Hubschrauber ist in 2min direkt bei uns vor der Haustür. Das Risiko konnte ich auf mich nehmen. Um dem Kind eine schlimme Erfahrung zu ersparen.

    Ich bin nach wie vor der Meinung, daß wir auf unsere innere Stimme, den Instinkt -oder wie man auch immer dieses Gefühl nennen will- verlassen sollen. Es sind unsere Kinder! Sie vertrauen uns. Nicht dem Arzt oder der Schwester.

    Danke für Deinen Bericht. Ich finde, besser hättest Du nicht reagieren können!

    • Vielen Dank auch Dir für Deine Erlebnisse! Ich kann Deinen letzten Absatz nur genauso unterschreiben. Solche Erlebnisse braucht kein Mensch, aber noch weniger braucht es einen unnötigen Aufenthalt in einem KH, in dem sich das Kind, mal von dieser “Ruhig-Stellen und Zugang-Legen”-Nummer abgesehen, natürlich auch noch alles mögliche holen kann. Naja, da habe ich jetzt mal kurz dramatisiert, die Kinderchirurgie ist ja die Kinderchirurgie. 🙂 Dennoch: Das Kind sprang gestern abend schon wieder fidel durch die Siedlung, ich immer hinterher mit “Mach doch langsam”, und der Gatte schaute sich das Spielchen an und sagte nur: “Zwei Tage Bettruhe. Na, wir hätten unseren Spaß gehabt!” 😀

  3. Juna, Respekt! Du hast das beneidenswert gut gemacht. Vor allem für einen Hamster. Ich trete dominanter auf als Du, werde aber trotzdem im medizinischen Sektor sehr gern in die Ecke “hysterisches Weib” geschoben. Und das ist kein Männer/Frauen-Ding! Nicht in der Medizin! Da handeln Ärztinnen und weibliches Pflegepersonal ganz genau so paternalistisch wie Ärzte und männliches Pflegepersonal. Und die Geübte Beobachterin weiß: es geht NUR um Geld. Bettenbelegung, Maßnahmen am Kind. Geld. Da zählt nicht ” das Beste fürs Kind”. Da zählt Geld. Ich hab zwar auf der Psychosomatik gearbeitet, aber ich hab genug in der Kinderklinik mitgekriegt, um mir in diesem Punkt sicher zu sein. Und stille unsichere Eltern bedeuten wenig Arbeit aber viel Umsatz. Juhu!

    Müde Grüße,
    Minusch

    • Anita

      Zitat: ” Und die Geübte Beobachterin weiß: es geht NUR um Geld. ,”

      Bei Privatpatienten kann man dann auch gerne noch andere Behandlungen “dazubuchen” und auch die GKV-Versicherten sind vor diesen Maßnahmen NICHT sicher.

      • Das stimmt absolut! Gerade bei Kindern höre ich ständig von diesen IGL-Leistungen, auch in der Klinik. “Sie wollen doch das Beste für …” Schkönntkotzen.

        • Ich meine, bei Kindern!! Ich dachte erst auch nicht, dass es so etwas geben dürfte. Dann erklärte mir die Augenärztin mit dem MRT-Vorschlag, dass das Kontrastmittel nicht von der Kasse getragen würde, denn die zahle erst, wenn man auf den Bildern beim ersten Mal nichts sehe. Dann folge ein zweites MRT MIT Kontrastmittel. Die Strahlung, der mein Kind ausgesetzt gewesen wäre, wäre um einige höher gewesen als die empfohlene Jahreshöchststrahlung!! Aber sicher, erst mal ohne, denn die doofen Eltern zahlen natürlich so oder so ….

          • Anita

            Ist doch “Toll”, oder?? 🙄

            Und ich wurde schon komisch angeschaut, als ich nach dem genauen Grund für ein Lungenröntgen bei meiner damals 4jährigen gefragt habe, weil der histologische Befund nach einer Polypen-OP kritalline Züge aufwies.

            Mein Gott, als ob jeder Mensch mal eben so mit allen medizinischen Fachbegriffen “gefüttert” zum Arzt kommen würde.

            Ich möchte den Grund und die Folgen kennen. Dann kann ich eine vernünftige Entscheidung treffen.

            Und man darf auf Aufklärung in einem ordentlichen Rahmen bestehen. Auch wenn es nicht vorhandene Zeit kostet (es ist ja alles der Effizienz geschuldet). Das darf ich trotz allem und trotz nur GKV erwarten. Und dann will ich das auch haben.

    • Danke, liebe Minusch, für die lieben Worte!
      In der “hysterisches Weib”-Ecke warst Du dieses Wochenende definitiv nicht allein. Vom handzahmen Hamster zur Furie in unter 2 Sekunden 🙂
      Danke auch für die Insights. Das deckt sich mit meinen Beobachtungen. Ich habe in einem anderen Kommentar geschrieben, dass ich um Himmels willen nicht jeder Einzelperson dafür Vorhaltungen machen möchte, denn das gesamte System ist, so wie es ist, unglaublich problematisch. Gleichzeitig erlebe ich ja auch immer wieder Menschen, die sich menschlich verhalten und sich weigern, in den Patienten nur das Trägermedium für Geld zu sehen. Es geht also.

      Nach Eurem vielen Zuspruch und nach den Diskussionen der letzten Tage um das Thema #selbstgeboren, kann ich nur sagen: Mehr Furien braucht die Welt. Sagt alle Nein, wenn einfach über Eure Köpfe hinwegentschieden wird. 🙂

  4. […] Ich fühle mich als Person, als private Versicherungsnehmerin und als Mutter in meiner Intelligenz beleidigt,[…]

    Den zweiten Punkt “private Versicherungsnehmerin” habe ich erst nach Suses Kommentar verstanden. Soll man es so verstehen, dass man bei Privat-Patienten eher bereit ist mehr Einsatz zu zeigen bzw. ganz sicher zu gehen, und somit eine stationäre Aufnahme schneller in Betracht zieht?

    Gruss DD

    • Ja, das ist leider so. Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, es sei die Regel. Allerdings, wenn ich Dir erzähle, wie man meine damals 7-jährige nach einer 30-sekündigen Augenuntersuchung ohne Befund (hö, hö) in ein MRT schicken wollte, inkl. radioaktivem Kontrastmittel …

      Sagen wir: Es ist nicht die erste Klinik, aus der ich ausgebrochen bin. Natürlich sind auch Kassenpatienten bei freien Betten gerne gesehen, denn wenn sie kaum Arbeit machen (“zur Beobachtung”), dann wird das per Pauschale abgerechnet und lohnt sich. Bei Privatpatienten lässt sich dagegen jede medizinische Maßnahme einzeln abrechnen. Für Kliniken, die heute allesamt das Problem der klammen Finanzlage haben, ist das angenehm.

      Ich mache den einzelnen Menschen da gar nicht so schlimme Vorwürfe. Sie haben alle ihre Anweisungen. Dass der Arzt gestern ein unsensibles Stück war und die Schwester so weit ging, mich von der Seite zu bullshitten, NACHDEM ich ihr auf den Kopf zugesagt hatte, was sie bezweckt, – das ist jetzt auch nichts, was wir täglich erleben 🙂 Die meisten versuchen sicherlich, das irgendwie zu vereinbaren. Ich habe mir allerdings mal sagen lassen, eine Schwester habe jeden Tag sechs Minuten pro Patient, rein rechnerisch (egal, ob Kasse oder nicht). Ich weiß nicht, ob diese Zahl so stimmt. Wenn ja, wird klar, warum bereits in der Notaufnahme ohne Grund Zugänge gelegt werden sollen …
      Ein System, bei dem letztlich jeder auf der Strecke bleibt: Die Kinder, die Eltern, die PflegerInnen, die ÄrztInnen. Die Insights, die Christina uns in obigem Kommentar gab, sollten uns da wirklich zu denken geben …

      Im Einzelfall hilft natürlich das Wissen darum nur sehr bedingt. Denn es geht ja um das Kind, und dessen Sicherheit. Darum ist es extrem perfide von dem gestrigen Personal gewesen, noch die “Sie sind eine fahrlässige Mutter”-Karte auszuspielen. Das darf im Grunde nicht passieren. Ich kann in solchen Fällen auch nur dazu raten, sich nicht überfahren zu lassen und alle Maßnahmen so lange zu verbieten, bis allen Beteiligten genau erklärt worden ist, was warum und wie lange gemacht werden soll. Und dabei, wie Suse schrieb, auf die innere Stimme zu hören. Die ist ein guter Rategeber. 🙂

  5. Anita

    Bevor ich jetzt die all die Kommentare lese,
    ich hoffe Deinem Kleinen (und SEHR mutigen) Mann geht es heute gut!
    Und ich hoffe, Du hast Dich auch erholt!

    Die Handlungsunfähigkeit, die Du gespürt hast, ist einem Schock zuzuschreiben. Es wundert mich, dass dies keiner gemerkt, bzw. wenn sie es gemerkt haben, dies ausgenutzt haben im KH.

    Dein Wunsch, nach einem Buch, das Eltern stärkt, den kann ich nur voll unterstreichen!

    Und beim lesen dieser Sätze, ist mir wieder eingefallen, wie ich in der 25. SSW mit Blutungen im KH lag, und der Arzt mit den aufgezogenen Cortison-Spritzen auf einmal vor mir stand. Ich heulte gerade meiner Mutter am Telefon vor, wie sch…. gerade alles ist und was ich mir für Sorgen mache, da sagt dieser Mensch, “krempeln sie mal ihren Ärmel hoch, ich setze ihnen gerade mal eine Spritze. OHNE mir IRGENDWAS zu erklären. Visite war auch noch nicht gewesen und überprüft, ob die Blutung steht hat auch keiner, geschweige denn geschallt.

    Mein klares NEIN, wurde so aufgenommen, dass er meine Mutter sprechen wollte, die mich zur Vernunft bringen sollte. Dann sollte mein Mann angerufen werden, damit er was ausrichten könnte, um meinen Verstand wieder anzuschalten.

    Ebenso wurde ich von einer Ärztin mitten unter Presswehen mal angewiesen, mir jetzt eine PDA setzen zu lassen. Ich konnte aber keine 2 sek. still halten. Und im Stehen sollte es geschehen, weil ich mich grad nicht anders halten konnte, Ich hätte nach allem gegriffen und damit um mich geworfen, wenn sie mit der Nadel noch näher gekommen wäre.

    Oder der Kinderarzt, der bei einem 3 Tage alten Kind, mit Verdacht auf Entzündungwerte, “mal eben” das Lippenbändchen durch”fitchen” zu wollen.

    Dieser Arzt hatte enorm damit zu kämpfen, mich “ruhig” zu halten, damit ich nicht Station zusammenbrüllte, und ihn auf seinen Geisteszustand überprüfen zu lassen.
    Diesem Arzt habe ich bei den nachfolgenden Geburten Kontaktverbot zu meinen Kindern (schriftlich in der Akte) gegeben. Und im Notfall würde ich ins nächste KH fahren, als dass dieser Mensch eins meiner Kinder je wieder anfassen dürfte.

    Geschichten dieser Art habe ich auch mit meinem Vater auf der ITS oder mit meiner Mutter erlebt. Und es macht mich immer wieder so granaten wütend.

    Ich glaube, dass sich dadurch bei mir eine Art aggressive Grundstimmung gebildet hat, sobald ich es mit Ärzten zu tun habe. 😉

    • “Oder der Kinderarzt, der bei einem 3 Tage alten Kind, mit Verdacht auf Entzündungwerte, “mal eben” das Lippenbändchen durch”fitchen” zu wollen.”

      Wuäh. Mir hat man das Lippenbändchen durchtrennt, als ich so ca. 6 war (man hoffte, damit eine Zahnfehlstellung zu beheben – hat leider nix genützt). Ich fand das damals eher spannend, aber das ist definitiv nichts, was man “mal eben” macht. Ein Zahnarzt und zwei Helferinnen waren involviert, lokale Betäubung, es hat geblutet wie ein Schwein. Meine Mutter ist dann auch beim Anblick umgekippt. Mit welcher Begründung sollte das denn gemacht werden? Ich weiß auch leider nicht, was “fitchen” genau bedeutet, ist das ne spezielle Methode?

      • Anita

        Tschuldige, “Fitchen” = Durchschneiden 😆

        Ist hiesiger Dialekt. Sollte wohl in irgendeiner Zukunft das Sprechen erleichtern. Gemeinte Tochter ist jetzt 15 und hat nie was daran gemacht bekommen.

    • Danke für diese Erlebnisse! Horror …

      Interessant, dass Du sagst, es hätte sich um einen Schockzustand gehandelt. Darüber habe ich überhaupt nicht nachgedacht. Macht aber Sinn. Ich bin sicher, in Deiner Familie sind alle froh, wie entschieden Du in solchen Fällen schon aufgetreten bist!!
      Danke auch Deiner lieben Nachfrage, das Kind ist putzmunter! 😀 Ich bin froh.

  6. Ich finde das Qualitätsmanagement des Krankenhauses sollte über diesen Umgang informiert werden. Nur so sind Veränderungen möglich.

  7. Ich habe zuerst nicht kapiert, warum du das “privat versichert” so betonst, aber dann… Maaaaann, regt mich sowas auf!
    Ich habe auch schon ein paar Erlebnisse mit arroganten Ärzten hinter mir, davon mindestens einer, der mir deutlich zu verstehen gab, dass ich erst wieder das Wort an ihn richten solle, wenn ich ein abgeschlossenes Medizinstudium hinter mir habe. Aber den hab ich ordentlich zusammen gestaucht ^^ Die Schwester stand daneben und schien sich nach einer Schrecksekunde tierisch zu freuen. Und plötzlich wurde er handzahm! Ich glaube, ICH sehe ebenfalls wesentlich harmloser aus, als ich bin…

    Ich finde es gut, dass du dieses Erlebnis in einen Kontext setzt mit #selbstgeboren. So blöd diese ganze Aktion auch ist – es stimmt leider wirklich, dass im Krankenhaus gerne auch mal völlig ohne Grund das Maximum an medizinischen Zuwendungen über Neugeborene ausgeschüttet wird, da hat die Mutter kaum Gelegenheit es zu sehen und schon fallen zehn Ärzte mit Stethoskop, Beatmungsgerät etc. über das Würmchen her… Da gab es mal einen tollen Artikel mit einem Vergleich von Geburten durch eine Hebamme/in einem Geburtshaus/in einer Uniklinik, aber ich finde ihn leider nicht mehr :/ (war’s bei Dr. Mutti? Ich weiß es wirklich nicht mehr)
    Diese Hysterie, die schon im Kreißsaal anfängt und sich beispielsweise in einem Reinlichkeitswahn, der für Kinder einfach nicht gesund ist, fortsetzt, ist sicher nicht geeignet, um die Kinder optimal aufs Leben vorzubereiten. Deshalb finde ich es auch gut, dass du deinem Kleinen Gelegenheit gibst, sich und sein Können auszuprobieren. Wenn es dann mal wie in diesem Fall schief geht – naja. Kinder haben ein Recht darauf, sich zu verletzen, MÜSSEN sich vielleicht verletzen, denn wie sollen sie sonst ihre Grenzen kennen lernen?

    Ich finde, du hast das alles super hingekriegt, und beim nächsten Mal, sollte es denn kommen, bist du auch bestimmt nicht mehr so erstarrt 😉

    • Ich habe gerade mal in meinem Tagebuch den alten Vorfall mit dem Arzt nachgelesen… seine genauen Worte waren gewesen: “Was SIE denken, ist unwichtig.”

      Well…!

      • Ach, Du liebe Zeit!… . Ja, es ist schon großartig, was man sich so alles anhören darf/muss. Nicht!

        Danke für Deinen Kommentar und die lieben Worte! Der Kontext zum vorherigen Blogpost hatte sich quasi aufgedrängt 🙂 Ich will dazu unter dem Blogpost auch gleich nochmal etwas ergänzen, denn mir scheint, die Diskussion läuft in eine völlig kranke, eigentlich von niemandem beabsichtigte Richtung …
        Wichtig ist, und daher der Vergleich zu der Debatte, den Frauen und Männern gerade wenn sie noch etwas jünger sind, den Rücken wirklich zu stärken und ihnen zu sagen: Alles, was sie in diesen Zusammenhängen entscheiden, ist ok. Wir reden ja jetzt nicht von krassen Fällen, die sich entscheiden, Tumore beim Kind mit Singen bei Mondschein zu therapieren. ÄrztInnen aber neigen dazu, Eltern genau dieses Gefühl zu geben. Während es aber auf der anderen Seite auch Hebammen gibt, die finden, jede Frau müsse trotz akuter Brustentzündung weiterstillen, Schnuller wären des Teufels und Dammschnitte mindestens so schlimm wie ein Auftragsmord. Oder so. Wenn sich alle mal an den Gedanken gewöhnen könnten, dass es hier kein richtig und falsch gibt, wäre wohl viel gewonnen. 🙂
        Nochmal Danke!

  8. Wieso verrutschen hier eigentlich die Kommentare? Kriegt Ihr es vernünftig zugeordnet? Die Antworten an Suse und an Anita stehen ja sonstwo! *kopfschüttel

  9. Willkommen im Land der Apparatemedizin. Wie kannst Du Dich da nur erdreisten, gegen den Einsatz des maximal Möglichen zu sein, wo doch klar ist, das so ein Notdienst am Sonntag richtig Geld kostet und das bekommt man eben nur rein, wenn man das volle Programm abspult. 🙂

    Nein, ernsthaft, ich finde es schon richtig dass Du die versammelten Götter in Weiß nicht alles machen lässt was ihnen in den Sinn kommt, denn es steht zu befürchten, dass vieles eben aus den eingangs erwähnten Gründen passiert. Als entlastendes Argument fällt mir allerdings ein, dass diese Praxis für das Team in der Notaufnahme wohl mittlerweile “Alltag” ist während es für Dich als Patient bzw. Mutter eines Patienten keineswegs alltäglich ist, was ja auch Deine Handlungsunfährigkeit auf dem Spielplatz zeigt. Über letztere brauchst Du Dich nicht grämen. Meine Frau ist Ärztin und trotzdem stand sie ziemlich hilflos da als beim ersten Kind der erste Milchzahn rausfiel und das ganze mit Blut begleitet war. 🙂

    Wichtig ist, dass es Deinem kleinen Helden wieder gut geht. Die Fähigkeit sich selbst ohnmächtig zu schreien ist allerdings schon krass, mein Sohn bringt es zwar auch locker auf den Schallpegel eines durchstartenden Kampfjets, aber er kippt deswegen nicht um. Und ja, mit Notaufnahmen hatte ich auch schon so meine Erfahrungen, nicht unbedingt schlechte aber durchaus stressige, was aber eher am jeweiligen Patienten lag. 🙂

  10. Liebe Juna,

    Zum funktionieren in Notsituationen, wenn niemand sonst anwesend ist: Du WIRST funktionieren. Ich bin auch so, dass ich in schlimmen Situationen, wann immer ich kann, mein Hirn auf Standy-bye geht. Aber als mein Sohn einen Atemstillstand hatte als ich allein mit ihm war, habe ich ihn reanimiert (ich weiss zwar bis heute nicht, wie, aber Fakt ist, dass er in diesem Moment zufrieden und gesund neben mir schnarcht). In diesem Punkt kannst Du voll und ganz auf Deine Instinkte vertrauen, die übernehmen die Kontrolle wenn es sein muss.

    Ärzte, die die Kontrolle übernehmen (und erst wenn das Alphamännchen kommt den Schwanz einziehen *grummelmummel*) habe ich auch kennen gelernt (siehe Link) und fand sie genau so nervtötend, wie Du. Aber auch hier: Frau wird in solchen Situationen zur Muttersau (im besten Sinn! ich habe noch kein anderes Tier oder Mensch sich so für seine Jungen einsetzen sehen) und stellt sich vor ihr Kind um es, wenn’s denn sein muss, auch vor Ärzten zu beschützen die überflüssige Tests und Massnahmen anordnen.

    Wie geht’s dem Kurzen überhaupt?

  11. Dieses Verhalten kann man leider häufig beobachten, wenn Patienten mit privater Krankenversicherung kommen. Die will das Krankenhaus möglichst lange behalten. Eine private Krankenkasse für den Kleinen ist vielleicht gut gemeint, aber vielleicht ist eine gesetzliche Krankenkasse mit Zusatzversicherung die bessere Wahl.

    • Danke für Deinen Kommentar. Obwohl das wie eine Entschuldigung klingt, war die Private nie unsere Idee. Mein Mann hat im Ausland gearbeitet, da war die private Versicherung die günstigste Variante. Wir fragen uns seitdem, ob wir umschwenken sollen. Gleichzeitig ist das gar nicht so einfach. Das System liebt es nicht, wenn man sich am Ende wieder für die Gesetzliche entscheidet 🙂

      Grundsätzlich ist in meinen Augen jede Versicherung in Ordnung, so lange die Menschen nicht aktiv verarscht werden. Das aber werden sie aktuell in beiden Systemen, mal so, mal so :/

  12. Heute aus gegebenem Anlass an diesen Post gedacht und ihn wieder gelesen. Mann & Kind sind gerade im Krankenhaus um was mit – eventuell – Gehirnerschütterung abzuklären. Wir konnten natürlich selbst entscheiden, ob wir ins KH wollen oder nicht. Die Ärztin am Telefon meint zwar, wie wir auch, die Symptome seien wohl sehr schwach, aber zwecks Abklären sollte/könnte/dürfte man doch wohl bitte besser kommen und dann notfalls auch gleich übernachten. Hm.

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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