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Minenfelder

Auftritt der „Nicht-Männchen“

Hier ist ein Foto von einem Schild, auf dem die Aufschrift "Kaltbrause in der Damen-Außentoilette des Freizeithauses" zu lesen ist.

Eine Debatte über Prostitution, angestoßen von der selbsternannten Sprecherin aller Frauen. Ein offener Brief. Ein Für und Wider der Argumente, Repliken, Artikel, manche davon lesenswert, andere eher grottig. Ping-Pong im Netz. Und ich denke wochenlang: Neee, macht Ihr mal alleine, ich tue mal so, als hätte ich zu dem Thema keine Meinung.

Dann gibt es da diesen einen Moment, eine unerwartete Einmischung oder ein neuer Fakt, und ich kann die Finger nicht mehr von der Tastatur fernhalten. Wie heute.

Der Hintergrund der Geschichte dürfte weitgehend bekannt sein: Alice Schwarzer veröffentlicht ein Buch, übernimmt dessen Vermarktung gleich selbst in hübsch-konformen Talkgruppen und „beweist“, dass Deutschland das Mekka des organisierten Menschenhandels sei und die schrittweise Legalisierung der Prostitution ein Verbrechen an den Frauen.

So weit, so nichts Neues, mal abgesehen von den Studien, auf die sie sich beruft. Die gelten aber als äußerst umstritten.
Das Magazin Emma veröffentlicht just zum Zeitpunkt des Buch-Marketings (wie clever) einen Brief einer ehemaligen Prostituierten – eine Abrechnung mit ihren Freiern, die belegen soll, was für eine zutiefst traumatisierende Erfahrung die freiwillige Prostitution darstellt. Wie bestellt schreien ein paar getretene Hunde, sozusagen als Beweisstück B für das frauenverachtende Bild von Freiern. Von allen Freiern, selbstverständlich, ist klar, wir fangen da jetzt nicht an, unnötig zu differenzieren.

So weit, so Unbehagen, vor allem über das unreflektierte in-einen-Topf-schmeißen von Zwangsprostitution und legaler Sexarbeit. Denn während das erste eine schlimme Straftat darstellt und noch um einiges härter verfolgt werden sollte, stellt sich letzteres – so vermitteln Sexarbeiterinnen es der Öffentlichkeit zumindest recht glaubhaft – vor allem als eines dar: Eine Erwerbstätigkeit. Die wir als Gesellschaft versuchten, in den letzten Jahren zu ent-kriminalisieren, um den Frauen mehr Schutz zu bieten und sicherere Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Alice Schwarzer will nun ein grundsätzliches Verbot des ältesten Gewerbes der Welt in der irrigen Hoffnung, ein strafrechtliches Verfolgen der Freier schaffe die Prostitution ab. Das ist irgendwie süß, aber auch erschreckend reaktionär. Prostitution verschwindet nicht einfach. Sie wird nur unsichtbar. Für die WOZ schreibt Susan Boos:

Nirgendwo sind die Frauen Zuhältern und Freiern mehr ausgeliefert als im Dunkel der Illegalität.

Nun kann ich also die Forderungen der Alice Schwarzer-Fraktion kein bisschen nachvollziehen. Ich muss aber, vor allem im Hinblick auf das heute Gelesene, einräumen, dass hier immerhin Frauen für  Frauen sprechen. Und ich ihnen abnehme, dass sie denken, sie handelten tatsächlich im Interesse einer Mehrheit der Frauen. Dabei machen sie den Fehler, von ihren eigenen Erfahrungen und ihren individuellen Einstellungen zu Sexualität auf die Gesamtheit aller Frauen zu schließen. Was zu nichts führt. Und auch das Frauenbild Alice Schwarzers finde ich bedenklich: Die Frau beim sexuellen Akt gegen Geld als Opfer männlicher Gewalt, das Eindringen des Penis als der aktive Part, der weibliche Part das passive Erdulden. Nach diesem Bild muss Sex mit einem männlichen Partner für die Frau stets strukturelle Gewalt sein, ob sie nun dafür bezahlt wird oder nicht. Das ist so 50er, oder schlimmer.

Aber hey, Schwarzer ist Schwarzer, und wenn Frauen für Frauen sprechen, dann sprechen immerhin Frauen für Frauen. Was viel besser ist, als wenn das Männer übernehmen (An dieser Stelle winken wir Jens Spahn freundlich zu). Und ich Schaf dachte auch bis heute, dabei bliebe es wohl: Bei einer Diskussion zwischen Frauen über Sexarbeit. Haha, was bin ich dumm!

Denn heute kommen die Zéromachos zu Wort. Eine Bewegung, die vor allem in Frankreich für einige Verschlimmbesserungen der Prostitutionsgesetze verantwortlich ist.  Deutsches Aushängeschild: Ein 21-jähriger, privilegierter und, meinen bescheidenen Maßstäben nach, ziemlich gutaussehender Schauspielersohn, dessen Freundinnen bei Femen (ha, ha) ihn bei seinem Kampf gegen die Prostitution in Deutschland unterstützen.

Was Freier tun, ähnelt einer Vergewaltigung,

weiß Hans Broich für den Spiegel zu berichten, und bezieht sich in Schwarzerscher Manier gleich auf alle Freier und auf alle Prostituierten. Gibt ja eh nur Zwangsprostitution, alles andere ist Propaganda von Puffmüttern. Sagt uns ein Junge, der aussieht wie ein Model und vermutlich keinerlei Probleme hat, Sexualpartner oder auch -innen kennen zu lernen. Gefragt, was mit den Männern sei, die keine Lebenspartnerin finden können, entgegnet Hans, es gebe schließlich kein Grundrecht auf Sex. (Das stimmt schon, aber es gilt in jedem Fall für beide Geschlechter. Die Ecke, aus der DER Spruch kommt, sieht das etwas anders. Ich sage nur: Matriarchat. :))


Grundsätzlich würde ich mich über eine Männer-Initiative gegen Zwangsprostitution riesig freuen. Eine, die Frauen als sexuell selbstbestimmt wahrnimmt und sich in politischen Kreisen für ihre Rechte stark macht. Hier aber sehe ich eine Bewegung, die sich nicht entblödet, unter dem lächerlichen Namen Zéromachos zu behaupten, sie als der Idealtypus des neuen Mannes könnte beurteilen, was Frauen zu ihrem Schutz brauchen – und was dafür verboten werden muss. Mensch, Hans Broich, wenn wir Dich nicht hätten.

Es klingt vielleicht, als wäre ich über den gutaussehenden (habe ich erwähnt, dass er gut aussieht?) jungen Mann amüsiert. In Wahrheit bin ich erschreckt. Erschreckend finde ich, dass davon auszugehen ist, dass besagter 21-jähriger seine eigene verklemmte Sexualmoral in Bezug auf das weibliche Geschlecht quasi bumerangmäßig auf die Männer bezieht. Er findet es moralisch verwerflich, mit Geld für Sex zu bezahlen, weil er es moralisch verwerflich findet, für Sex Geld zu nehmen. Seine Sorge gilt nicht der angeblichen Macht, die jeder Freier über jede Sexarbeiterin ausübt – seine Sorge bezieht sich auf die selbstbestimmte Sexarbeiterin, die eine reguläre Dienstleistung anbietet – und die damit so gar nicht in sein Frauenbild passen will. In sein Beziehungsbild auch nicht, was an einer weiteren Äußerung deutlich wird: Zu den Zéromachos befragt, wählt er für diejenigen, die nicht in einer festen Beziehung leben, das Adjektiv „zügellos“. Er sagt nicht offen, polygam oder polyamourös. Er sagt zügelllos. Rühmlich zumindest, dass er immerhin beide Geschlechter in seine Prüderie mit einbezieht.

My two cents, Shortcut:

Männer sollten Frauen darin unterstützen, individuelle Lösungen zu suchen. Und nicht ins Mittelalter zurückfallen. Sonst bin ich sehr gespannt, wann die erste Frau wegen wechselnder Sexualpartner an den öffentlichen Pranger gestellt wird.

Männer (allen voran hübsche, junge, privilegierte solche) sollten nicht versuchen, zu beurteilen, was die richtige Sexualität für alle anderen, männlich wie weiblich, ist, was sie beinhalten darf und was nicht.

Wir haben 2014. Es ist definitiv nicht die Zeit, über die Rekriminalisierung dieses Gewerbes zu reden. Prostitution werden wir nicht mehr los, da können wir uns auf den Kopf stellen. Zeit, sie möglichst sicher zu machen.

Erfolgreiche Unterdrückung von Sexualität durch Androhung von Sanktionen führt zum Missbrauch von Menschen, manchmal Kindern. Ich denke, ich muss hier keine Beispiele nennen. Wer kann das wollen?

Macho“ ist spanisch und bedeutet männlich, Männchen. Nicht Freier. Nicht Unterdrücker. Nicht Frauenhasser. Die Zéromachos sind damit die Nicht-Männchen. O – kay.

 

Update: (06.04.2014)

Hier gibt es einen aktuellen, sehr ausführlichen Artikel, der sich die Entwicklungen der letzten Zeit und den europäischen Hintergrund der Prostitutionsdebatte vornimmt.

  1. Ich habe den Eindruck, dass auch Leute wie Schwarzer und andere vor allem eines wollen: bestimmen, sagen wo es langgeht, beherrschen.

    • Salve!

      Die Differenzierung zwischen freiwilliger, selbstbestimmter Prostitution und Zwangsprostition ist relativ verwaschen im der öffentlichen Meinungsbildung…. da gibt es dann x Schubladen mit perforiertem Boden, die bei Bedarf um x+1 erweitert werden… was bleibt ist die Perforierung…

      Ich habe mich vor kurzem mal ausführlich zu Alice Schwarzer geäußert (die ich noch nie mochte):
      http://www.freitag.de/autoren/christine-quindeau/wuerde-ist-eine-frage-des-preises#1385849242654146

      „Außenstehend“ nimmt diese Diskussion m.E. die Form von „Salonphilosphei“ an, die (nackte) Realität wurde im „freitag.de“ mal kurz von mir angerissen… vll. ergänze ich das mal irgendwann in meinem Blog…

      Na… und Alice Schwarzer hatte von jeher die Methodik inne:

      Viel wirbeln, Extremes fordern, um Aufsehen (~Aufschrei) zu erregen und Minimales zu erreichen…,

      was im Prinzip dem boulevardjournalistischen Prinzipien entspricht.

      Ich persönlich bevorzuge dann doch eher die systematische, teilfraktionierte Realsatire als „Stilmittel der Entrüstung“…

      @Juna: Hm… ich sehe da Korrelationen in unseren Blogthemen : http://www.junaimnetz.de/category/spas-mit-amtern ./. http://frankfutt.de/category/amtsschimmel-wiehert/

      Vll. mal Interesse, eine Blogparade mit dem Thema auf die Beine zu stellen? (Bin bzgl. Blogparaden relativ „unbedarft“)…

      Vll. richte ich auch noch die Kategorie „Prost-Postprostitution“ ein… da scheint es ja derzeit Diskussionsbedarf zu geben…

      Und – hier und jezz outend: Ich bin selber lange Jahre (von 17-21) – bis zum Abitur und Studium – der Prostitution nachgegangen…Habe damit das „unerträglichste Elend dieser Welt“ live erlebt und war später in den 90-igern kurze Zeit bei Hydra aktiv. Als aber Anfragen von „Talkshow-Sendern“ kamen, wollte ich mich doch nicht als „Zugpferd“ einspannen lassen und habe diese Aktionen eingestellt…

      Meine Erfahrungen zu diesem Thema beruhen auf wahren Erlebnissen: querbeet von Autostrich bis 5**-Escort-Service im Hilton Hotel… und aus einer Zeit, in der man mit Prostitution noch „reich werden konnte“… Wie es heute aussieht, habe ich in „derfreitag.de“ kurz erläutert…

      DO {OUTing} : OFF

      Greetz

      Sabine

      • Hallo, Sabine,

        vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich denke, das wird in der Debatte noch viel mehr benötigt: Menschen, die aus der eigenen Perspektive etwas sagen können. Und die dann bitte auch gehört werden sollten, auch von denen, die sie doch schützen wollen.

        Bei der freitag habe ich gerade nachgelesen. Erschreckend, was Du dazu schreibst. Dieser Aspekt war mir überhaupt nicht bewusst. … o_O

        Eine Diskussion unter Deinem Blog würde ich sehr gerne verlinken. Wenn Du sie anstoßen solltest, schreib mir doch noch mal, dann nehme ich sie oben in den Beitrag rein.
        Und Blogparade: Herzlich gerne! Momentan drängen sich die Ämter nicht unbedingt in den Vordergrund, aber wie wir alle wissen, kann das auch nicht lange dauern, bis es wieder etwas zu schreiben gibt. Bis dahin danke, dass Du den Weg hierher gefunden hast, und nochmal Danke!

  2. Nicht nur „sagen wo es langgeht“ – sondern auch, wo es hingeht:

    • Mein grundsätzliches Problem mit Schwarzer, ja.
      Ich kann mir da nicht helfen und denke immer, da möchte jemand geschehenes Unrecht heimzahlen. So a la: die Frau ist jetzt jahrhundertelang unterdrückt worden, drehen wir den Spieß doch mal um. Aber das ist nicht die Gesellschaft, in der ich leben möchte.

      Danke für Eure Kommentare! Die Doku schau ich mir bei Gelegenheit an, 44 Minuten schaffe ich heute nicht mehr ;))

      • Hallo Juna,

        nur ganz kurz heute. Ich spare mir die Verbindlichkeitsfloskeln. Ich denke, dass kann ich mir bei Dir leisten:

        „Mein grundsätzliches Problem mit Schwarzer, ja. (…) So a la: die Frau ist jetzt jahrhundertelang unterdrückt worden, drehen wir den Spieß doch mal um.“

        Frauen werden immer noch weltweit diskriminiert – auch bei uns. Wir leben nach wie vor in einer patriarchalischen und sexistischen Gesellschaft – siehe gläserne Decke, ungleiche Löhne, #aufschrei, Statistiken häusliche Gewalt, Vergewaltigung und Verurteilungen, Frauenhäuser, Objektifizierung in der Werbung, ja und eben auch Prostitution. Dass Du das nicht im selben Umfang wahrnimmst wie Alice Schwarzer, ist imo Deiner Sozialisation und Deinem verinnerlichten Sexismus geschuldet. Es ist imo ein bisschen so, als würde man schon ewig aus einer Tasse mit Sprung trinken: Frau hat sich so sehr an den Fehler gewöhnt, dass er einer nicht mehr auffällt. Dass mir die Sprünge in unserer Gesellschaft (wie Rassismus, Sexismus, Homophobie) und Ungerechtigkeiten gegen Frauen aufgefallen sind, habe ich vor allem Alice Schwarzer zu verdanken. Ohne sie würden die Frauen in unserer Gesellschaft m.E. heute wahrscheinlich noch wesentlich schlechter dastehen. Aber der Kampf um Gleichberechtigung ist noch lange nicht beendet.

        Zur Prostitution: Wer Prostitution für richtig hält, nur weil es sie schon immer gab, kapituliert imo nur vor dem Unrecht. Wer nur Luxus-Prostituierten zuhört (die immer in den Medien gezeigt werden), macht es sich imo zu leicht und lässt all die vielen Frauen im Stich, die sich eben nicht selbstbestimmt und freiwllig prostituieren, sondern aus bitterster Armut oder mit Gewalt dazu gezwungen werden (und das bedeutet eben in der Konsequenz für diese Frauen tägliche, x-fache Vergewaltigung, direkt hier unter uns). Ich finde, das ist, als hätte man bei der Frage nach der Abschaffung der Sklaverei nur den selbsterklärt zufriedenen Haussklaven zugehört.

        Zu Zéromacho – ein Link zu ihrem Manifest: http://zeromacho.wordpress.com/le-manifeste_de/ Auch Männer dürfen meinetwegen sehr gern lautstark für Gleichberechtigung und gegen Gewalt gegen Frauen eintreten!

        • Liebe Loretta

          danke für Deinen ausführlichen Kommentar. In vielem stimme ich Dir uneingeschränkt zu, und ich gehöre auch sicherlich nicht zu den systematischen Schwarzer-Hassern. Ich habe aber ein Problem, wenn – gegen existierende andere Meinungen – ständig generalisiert wird. Das „alle Freier“ stört mich genauso wie das „alle Prostituierte“, „alle Frauen“ und „alle Männer“, weil es mE keineswegs weiterführt. Es lässt auch männliche Sexarbeiter, Gewalt an Männern, und Frauen, die erfolgreich Ringe von Zwangsprostitution unterhalten, aus dem Blick fallen. Das Individuum, das misshandelt wird, fühlt diese Misshandlung in erster Linie als Individuum und erst in zweiter Linie als Teil struktureller Gewalt gegen es selbst, das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Ich halte Zwangsprostitution, fehlende Gleichberechtigung, Diskriminierung und Misshandlung von Frauen und Alltagssexismus für Sprünge in unserer Gesellschaft, wie Du auch. Ich halte freiwillige Prostitution nicht für einen. Sexarbeiterinnen mit zufriedenen Haussklaven zu vergleichen ist Verharmlosung der Sklaverei, denn Sexarbeiterinnen in Deutschland sind frei. Es sei denn, sie haben keinerlei andere Möglichkeit der Erwerbstätigkeit. Aber SexarbeiterInnen erzählen uns da doch ziemlich glaubhaft das Gegenteil.
          Dann der Aspekt der Vergewaltigung. Ich habe das jetzt schon so häufig gelesen, und es geht so sehr an der Realität von Misshandlungen von Frauen vorbei. Die meisten Frauen werden innerhalb einer Ehe oder Lebenspartnerschaft misshandelt und missbraucht. Und auch der Aspekt des weiblichen Begehrens als einzig ausschlaggebend für Sex: Das ist doch nicht die Realität, in der Frauen leben. Ich nehme Sexarbeiterinnen im Übrigen durchaus ab, dass ihnen die Arbeit auch ab und an Spaß macht – nur dass das bitte keine so laut sagen darf, denn weiblicher Spaß am Sex und weibliches Begehren ist in unserer Gesellschaft immer noch nahe am pathologischen Bild der Nymphomanin, worin ich im Übrigen den Sexismus schlechthin sehe. Es ist Sexismus, allen Frauen gleichsam zu unterstellen, sie hätten keine Freude am Sex mit (weitgehend) Unbekannten. Ich finde, wir sollten Frauen da ihre eigene Sexualität zugestehen. Da es eine Nachfrage nach Sex gibt und weiterhin geben wird, wird auch die Dienstleistung nicht verschwinden. Und je sicherer und geschützter wir Sexarbeit gestalten, desto weniger Markt existiert für Zwangsprostitution.
          Ich finde es toll, dass Ihr Euch für Frauen einsetzt, und bitte macht das auch weiter. Aber Frauen sind nicht gleich Frauen, und diejenigen, die ihre Erwerbstätigkeit wegbrechen sehen, weil ihr Gewerbe wieder kriminalisiert werden soll, die müssten doch auch gehört werden, oder? Oder findest Du wirklich, jemand – egal wer – hat das Recht, die Kompetenz sowie den Weitblick zu sagen: „Ich weiß, was gut für Euch ist, ich entscheide das jetzt, seid bitte mal still und dankbar“ ? Das ist dann doch nichts anderes als das, was das Patriarchat jahrhundertelang mit Frauen gemacht hat, oder? Für sie entschieden. Nein, das, so leid es mir tut, finde ich nicht gut.

          Zum Manifest der Zéronmännchen. Jeder feministische Mann ist selbstverständlich ein Zugewinn – Allies, wie ich heute gelesen habe. Männer allerdings, die ihr verschrobenes Sexualbild mithilfe des Feminismus durchsetzen wollen, sind allerdings sicherlich keine Verbündete im Kampf gegen die Unterdrückung der Frau. Die Zéromännchen wollen nichts anderes, als Frauen davon abhalten, für Geld mit Männern zu schlafen. Es passt nicht in ihr Weltbild, und alles andere ist bedauerlicherweise vorgeschoben.

          Hier zwei sehr gute Beiträge zum Thema, vielleicht findest Du sie interessant, auch wenn es nicht Deine Meinung ist:
          http://merlestoever.blogspot.de/2014/02/feminismus-im-alleingang-no-way-eine.html
          http://kleinerdrei.org/2013/11/warum-ich-den-appell-gegen-prostitution-der-emma-und-von-alice-schwarzer-ablehne/ (der ist auch oben nochmal verlinkt, falls Du Dir die Quellen angeschaut hast, kennst Du ihn schon.)
          Noch einmal danke, es ist immer schön, hier auch andere Meinungen vertreten zu sehen. 🙂

          • Hallo Juna,

            vielen Dank für Deine ausführliche Antwort: Darauf antworte ich jetzt aber wirklich nur noch ganz kurz ;o).

            Ich denke, der Grund, wieso so erbittert um das Thema Prostitution gestritten wird, ist, dass es um etwas sehr Grundsätzliches geht – und das wird m.E. in Deinem Kommentar in folgendem Satz deutlich:

            „Sexarbeiterinnen mit zufriedenen Haussklaven zu vergleichen ist Verharmlosung der Sklaverei, denn Sexarbeiterinnen in Deutschland sind frei.“

            Nein! Das sehe ich grundsätzlich anders. Nach meinem Empfinden von Würde ist Prostitution mit der Menschenwürde ebenso unvereinbar wie Sklaverei. Eine Gebärmutter darf man in DE nicht (ver)mieten, eine Vagina schon. Und Prostitution ist m.E. auch nicht einfach „Sex mit unbekannten Männern“. Es ist imo überhaupt kein Sex, sondern der Verkauf der Mitwirkung in männlichen Porno-Phantasien – allein auf die Befriedigung des Freiers ausgerichtet. Sex ist jedoch körperliche Intimität zu gegenseitigem Lustgewinn. Menschenbilder sind im Wandel und somit entwickelt sich zum Glück auch unser Gefühl für menschenwürdigen Umgang miteinander weiter – für meinen Geschmack zwar viel zu langsam, aber hey, Europa ist in dieser Frage insgesamt immerhin schon weiter als DE.
            http://www.emma.de/artikel/eine-klare-botschaft-fuer-das-21-jahrhundert-316553
            Vor 150 Jahren haben Menschen arrangierte Ehen auch hierzulande noch okay gefunden. War ja schließlich auch freiwillig…

            Die von Dir verlinkten Artikel kannte ich schon und stimme ihnen aus eben genannten Gründen nicht zu.

          • Guten Tag Juna,
            eine Sache möchte ich gern noch nachträglich kommentieren:
            Ich habe aber ein Problem, wenn – gegen existierende andere Meinungen – ständig generalisiert wird. Das “alle Freier” stört mich genauso wie das “alle Prostituierte”, “alle Frauen” und “alle Männer”, weil es mE keineswegs weiterführt.“
            Das ist imo hauptsächlich unserer Talkshow-Öffentlichkeit geschuldet, die Debatten überhaupt nur noch wahrnimmt, wenn sie provozieren und polarisieren. Ich denke, Alice Schwarzer weiß einfach – aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung – wie der Medienzirkus funktioniert und versucht, ihn so effektiv es eben geht, zum Transport ihrer politischen Anliegen zu nutzen.

            Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende für Dich 🙂
            die Netzgaertnerin

  3. Einen klugen und nachdenkenswerten Inhalt in eine unterhaltsame Form gebracht. Danke.

  4. Karolina

    „das ältest Gewerbe der Welt“ – für mich das stärkstre Argument für Prostitution.

    • Suedelbien

      Und für mich das stärkste dagegen, denn Prostitution ist kein Gewerbe. Das glauben nur sehr viele, weil sie das in Jahrtausenden praktizierten Patriarchats verinnerlicht haben.

  5. Suedelbien

    Prostitution ist reine Gewalt, weil sie dafür sorgt, dass Menschen (Freier) für Geld die Legitimation kaufen dürfen, andere Menschen zu missbrauchen. Was in den letzten Monaten von den Undines und Ambers und den ganzen privilegierten “glücklichen Huren”, den Großbordellbetreibern etc. für ein krass schiefes Bild in den Talkshows von der Prostitution verbreitet wird, zeigt sich leider auch in diesem Artikel und ist ein Symptom für die um sich greifende menschenverachtende und systemkonforme Kaltschnäuzigkeit im derzeitigen Neoliberalismus, basierend auf dem Patriarchat, das Männern suggeriert, einen Anspruch und ein Recht auf Sex zu haben; verschärft durch den Kapitalismus, der es zulässt, für Geld Menschen auszubeuten.

    Eine Gesellschaft, die Prostitution gutheißt, hat nicht begriffen, wie sehr sie sich und ihren Menschen damit schadet. Das gilt nicht nur für die Prostituierten allein, sondern eben für alle, z. B. für die Ehefrauen und Partnerinnen der Männer, die sich hinter ihrem Rücken Sex kaufen. Ihnen gibt man in der ganzen Debatte derzeit überhaupt keinen Raum. Prostitution unterwandert Vertrauen, zwischenmenschliche Nähe und das Begegnen der Menschen auf Augenhöhe. Wo Sex als Ware angeboten wird, geht es nicht um Menschliches, sondern ausschließlich um Geld (für die, die wirklich daran verdienen, hauptsächlich die Zuhälter, natürlich auch die ganzen Schleuser der Frauen aus den Ausland) und um Macht bzw. Machtmissbrauch. Unsagbar dumm auch die immer wiedergekäute Behauptung, Prostitution sei ein Job wie jeder andere auch. Wer das denkt, kann sich ja mal 12-jährige Mädchen beim Praktikum in einem SM-Studio vorstellen.

    Ich will eine Gesellschaft ohne Prostitution, weil ich als Frau nicht in die Situation kommen (noch nicht einmal dahin gedacht werden) möchte, mich als allerletzte Option für mein Überleben prostituieren zu müssen. Denn so geht diese Gesellschaft mit den in ihr lebenden Frauen um: Sie mutet ihnen die Option der Prostitution von vornherein zu, und das geht einfach nicht.

    Diesen Kommentar schrieb ich bereits unter einen Artikel der Straßenzeitschrift Hinz&Kunzt, in dem es sozusagen um einen „Tag der offenen Tür“ im „Prostitutionsgewerbe“ ging, hier nachzulesen: http://www.hinzundkunzt.de/huren-zeigen-ihre-welt/

    Er passt auch hier wunderbar hin. Ich wiederhole mich also, aber dessen werde ich nicht müde.

    • Liebe Suedelbien,

      ich habe mich schwergetan mit dem Freischalten Deines Kommentares. Nicht inhaltlich. Da Du nun grundsätzlich die Möglichkeit hast (bis auf Widerruf), auf diesem Blog ohne vorhergehende Moderation zu kommentieren: Kannst Du mir zusichern, Dich nicht so aufzuführen wie beim letzten Mal? Ich wäre Dir sehr verbunden, denn Zensur mag ich nicht so sehr.
      Viele Grüße!

      • Suedelbien

        Tut mir Leid. Ich kann dir nichts, aber auch gar nichts versprechen. Ich weiß nicht, was du damit meinst, „mich so aufgeführt zu haben wie beim letzten Mal“. Aus meiner Sicht haben sich andere ebenfalls „aufgeführt“ (allein diese Formulierung, würde ich niemals wählen). Alle haben einen Anteil an den jeweiligen Situationen. Hinterfrage deinen eigenen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
        Aber ich kann dich beruhigen: Ich werde schon nicht auf deinem Blog herumrandalieren. Anscheinend ist das deine Befürchtung? Ich muss ja wirklich ein ganz ganz schrecklicher Mensch sein 😀

        • Tja, was könnte genau mein Anteil in einem Krieg zwischen zwei Akteuren gewesen sein, die mich sowohl zum Argument als auch zur Zielscheibe ihrer jeweiligen Befindlichkeiten gemacht haben – mich, eine fremde Person? Die auch nach x-maligem „Hört auf, mich da reinzuziehen“, nicht aufgehört haben, mehr noch! Du hast mir damals explizit gesagt, ich sei mitbeteiligt, „mit Schuld“ an Deiner Befindlichkeit, einfach durch meine Anwesenheit, mein Zwischen-Euch-Stehen. Ohne, dass ich irgend etwas getan oder gesagt hätte.
          Um mir dann implizit vorzuwerfen, Interaktionen zu löschen (meine Interaktionen in MEINEM Profil!), mich dann zu blocken und seitdem mindestens eine Gelegenheit genutzt zu haben, mich dennoch im öffentlichen Raum zu diffamieren …
          nicht „aufgeführt“?
          Was wäre denn für Dich eine adäquate Beschreibung?
          Ja, Suedelbien, ich habe tatsächlich Angst, dass Du gegen mich, die Du nicht kennst, die Dir nie etwas getan hat, die nicht weiß, was Du ihr vorwirfst, die weder Deine Mutter noch Deine beste Freundin ist, nun Deinen persönlichen Krieg hier auf meinem Blog führen wirst. Sei so gut und belehre mich eines Besseren.

          • Suedelbien

            Nein. Ich befürchte, das hat keinen Zweck. Du wirst mir ohnehin nicht glauben. Du hast dein Urteil über mich ja schon längst gefällt. Da kann ich noch so viel klar stellen, ich werde nicht die geringste Chance haben.

            Ich bin einfach nur erschüttert und werde dich auf deinem Blog nicht mehr behelligen.

            Übrigens hat es einen für mich wichtigen Grund, unter meinem Nicknamen zu posten und nicht unter meinem Klarnamen. Ich wäre dir also dankbar gewesen, mich nicht mit diesem anzusprechen. Ist nun leider passiert. Egal, macht nichts.

          • Ist geändert, natürlich. Tut mir leid. Mach Dir aber bitte nichts vor: Es kann Dich jede/r finden.

            Du sprichst von „Urteil“, ich reflektiere auf Erlebtes, Empfundenes und Gelesenes. Es mag sein, dass Du Dich nicht darin findest. Aber es ist meine Realität. Leider hat Dich diese Realität noch nie wirklich interessiert, nicht?

    • Kinch

      Prostitution ist reine Gewalt, weil sie dafür sorgt, dass Menschen (Freier) für Geld die Legitimation kaufen dürfen, andere Menschen zu missbrauchen.

      Ich weiß ja nicht, ob du hier noch kommentierst: Aber ich finde es ziemlich krass, einen Missbrauch-Begriff zu verwenden, der auch freiwilligen und selbstbestimmten Sex mit einbezieht.

      Ich meine: Nicht nur, weil es die Diskussion verschleppt, sondern ich find’s auch ziemlich hart gegenüber den Opfern, die eben keine freie Wahl hatten.

      Ich will eine Gesellschaft ohne Prostitution, weil ich als Frau nicht in die Situation kommen (noch nicht einmal dahin gedacht werden) möchte, mich als allerletzte Option für mein Überleben prostituieren zu müssen.

      Das ist doch legitim. Aber ich verstehe nicht, wieso man sich da für ein Prostitutionsverbot einsetzt, da das ja überhaupt keine konstruktive Lösung darstellt. Das Problem ist ja nicht, dass du dich Prostituieren könntest, sondern, dass du in einer Notlage gerätst in der du es müsstest.

      Nach wörtlicher Interpretation deiner Aussage folgt: Wenn Prostitution die letzte Option für das Überleben ist und dann als Option gestrichen wird, was machst du dann? Dann bleibt nur das Sterben. Natürlich hypothetisch. In der Praxis wird sich keiner an das Gesetz halten, wenn man dadurch in der Existenz bedroht wird. Die Frage ist also eher, ob du in so einer Situation als letzte Option, eine legale, kontrollierte, sichere Prostitution hast oder eine illegale Prostitution.

      Übrigens: Die Überlegung ist ganz unabhängig davon, wie man zur Prostitution selbst steht.

      Generell stört mich bei der Diskussion, dass Prostitution zwar als Symptom Gesellschaftlicher Missstände angesehen wird, aber die Missstände selbst kaum angegangen wird. Wenn Schwarzer, die offensichtlich (ja, ist ad hominem) kein Problem mit Kapitalismus und Geld scheffeln auf Kosten anderer hat und auch nie etwas gegen Hartz4 unternommen hat (soweit mir bekannt) Prostitution generell als Armutsprostitution verteufelt, finde ich das schon ziemlich verlogen.

  6. Suedelbien

    „Leider hat Dich diese Realität noch nie wirklich interessiert, nicht?“
    Ich weiß nicht, wie du zu dieser Annahme kommst. Wie sieht es denn mit dir aus, umgekehrt: Hat dich denn meine Realität interessiert?

    Ich klinke mich an dieser Stelle aus, wie gesagt, ich werde dich nicht mehr behelligen. Wo ich nicht willkommen bin, werde ich mich nicht aufdrängen. Wo kein Gesang ist, lasse ich mich nicht nieder.

    Noch einen schönen Abend!

  7. Suedelbien

    https://twitter.com/junaimnetz/status/440956960532598784
    Ich habe dich nicht geblockt. Den Account Suedelbien gibt es auf Twitter nicht mehr. Wenigstens das möchte ich noch klar gestellt haben. Der Rest: Geschenkt.

  8. Wolfgang

    Ich lese immer wieder, Prostitution sei ein Verstoss gegen die Menschenwürde. Dabei ist doch gerade die Stigmatisierung von Prostituierten und Freiern ein Verstoss gegen diese Würde. Ich vermute mal, dass siech die Schreiber_innen mit dem Begriff der menschlichen Würde einfach nicht befasst haben.
    Grundsätzlich gilt doch: die Würde kann keinem Menschen genommen werden, es wird nur der Achtungsanspruch verletzt. Der Schutz der Menschenwürde ist einfach der Schutz vor der Verletzung dieses Achtungsanspruchs. Der Staat hat daher alles zu unterlassen, was die Menschenwürde beeinträchtigen könnte!
    Die Menschenwürde ist somit primär ein Abwehrrecht gegen die öffentliche Gewalt selbst!
    Sexarbeiter_innen oder Freier bestrafen zu wollen ist ein klarer Verstoss gegen die Würde dieser Menschen. Oder die Unterstellung, Vorkämpfer_innen für Rechte der Sexarbeiter_innen seinen „Handlanger“ der Bordellbetreiber ist genauso absurd und verächtlich.
    Suedelbin beschreibt weiter oben, die eigentlichen Nutzniesser der Prostitution seien Zuhälter und Schleuser. Sie verschweigt allerdings, dass Schleussung und Zuhälterei schwere Straftaten sind.
    Und es ist nicht die Prostitution, die Vertrauen in Partnerschaften zerstört. Da liegen ganz andere Ursachen zu Grunde. (Schon mal beim Kölner Karneval gewesen?)
    Der Slogan „Sexarbeit – ein Beruf wie jeder andere“ wollte doch nur auf die rechtliche Gleichstellung hinweisen. Prostitution kann schon kein Beruf wie jeder andere sein weil das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung nicht beschnitten werden kann! Deshalb müssen Frauen stark gemacht werden, dass sie diese Selbstbestimmung auch durchsetzen können. Und Männer diese Selbstbestimmung jederzeit auch akzeptieren und verinnerlichen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob für Sex Geld bezahlt wird oder nicht.
    Wenn Frauen für sich und ihre Familie Prostitution als einzigen Ausweg sehen – dann müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass diese Verhältnisse nicht mehr eintreten können. Wollen wir aber diesen Frauen auch noch die letzte Verdienstmöglichkeit nehmen?

  9. Liebe Juna,

    ich bin Dir sehr dankbar für Deinen Beitrag. Ich sehe das genauso. Ich finde es unheimlich schwierig, wenn Männer sich als „gut“ und „echt“ inszenieren und sich dabei bestimmten „feministischen“ Kreisen anschließen, die Sexarbeiter*innen grundsätzlich die Fähigkeit absprechen, für sich Entscheidungen treffen zu können.

    Ich finde es schwierig, wenn Männer (und die Frauen, die diese Männer unterstützen) im Prinzip alle anderen Menschen dieser Welt entmenschlichen und entwerten, da ja nun plötzlich die „echte“ Menschlichkeit nur dann zugestanden wird, wenn man eine ganz bestimmte Meinung zum Thema „Prostitution“ vertritt.

    Meinungsfreiheit und die Möglichkeit Argumente auszutauschen wird hier mit Füßen getreten, denn schließlich sind ja alle Leute (Männer und Frauen), die Prostitution (aus verschiedenen Gründen) nicht abschaffen wollen, keine Menschen mehr. Es ist höchstgefährlich für eine Demokratie, wenn im Namen von „Menschenrechten“ Hierarchien von Menschlichkeiten und Menschen nicht nur eingeführt sondern sogar explizit gefordert werden.

    Es ist schön und gut, wenn manche Leute der Meinung sind, dass Prostitution Gewalt ist. Ich teile diese Sicht nicht. Genauso wenig wie Ehe grundsätzlich Gewalt ist, weil es Gewalt in der Ehe gibt, ist auch Sexarbeit nicht grundsätzlich Gewalt, weil Sexarbeiter*innen Gewalt ausgesetzt sind.

    Verbote haben Prostitution noch nie sicherer gemacht, aber das ist den Prostitutionsgegner*innen egal. Verbote haben noch nie Nicht-Sexarbeiter*innen geholfen, weil nur in einem Verbotsregime jede Frau mit einem „von der Norm abweichenden“ Sexualverhalten als „Hure“ kriminalisiert und stigmatisiert wird. Es sind Verbote, die dazu führen, dass wir Prostituierte nicht als Menschen akzeptieren. Aber gut, heuzutage ist es ja feministisch (zumindest in manchen Kreisen) Prostituierte zu beschimpfen….. wenn sie nicht Prostitution abschaffen wollen. Und da wollen diese Leute mir auch noch weismachen, dass sie nix gegen Prostituierte haben? Ne, also wirklich.

    Anyway, danke für den Beitrag, Juna.

    • Ich danke Dir für Deinen ausführlichen Kommentar! Dieser Beitrag ist ja nun einige Wochen her, und ich habe durch Euch auch nach dieser Polemik hier viel dazugelernt. Es ist interessant, dass wir bei all dieser Diversität um uns herum, die so viele Themen betrifft, immer noch mit einer Art „Norm“ des Menschseins und der Sexualität zu tun haben. Und ja, ich sehe das wie Du: Zum Teil verstecken Menschen Intoleranz sogar hinter Engagement. Hoffentlich schämen sich diese dafür irgendwann 😉

  10. Liebe Anne Oster,
    an dieser Stelle könnte Dein Kommentar stehen. Aber während Du mich beleidigen kannst, wie es Dir passt – ich bin da hart im Nehmen – erlaube ich es nicht, wenn sich in einem solchen Ton an meinen Blogleserinnen und Kommentatoren vergriffen wird. Zum ersten Mal also schalte ich einen Kommentar nicht frei. Benimm Dich bitte woanders daneben. Grüße, juna.

  11. Glasbaustein

    Ich bin gegen Postitution – wenn sie auf Zwang aufbaut. Wer das freiwillig machen möchte, sollte das auch tun dürfen; wer Menschen (es gibt ja durchaus auch männliche Sexarbeiter) dazu zwingt oder zu zwingen versucht, gehört hart bestraft. Man braucht nur ein möglichst einfaches und sicheres Mittel festzustellen, wen man da vor sich hat. Und man braucht einen kleinen Schwenk in den Köpfen der Menschen. Es ist doch krank, eine Frau zu verteufeln, weil sie ganz offen und ehrlich Sex gegen Geld anbietet und dazu auch eine Preisliste aufzählen kann, während man es keineswegs seltsam findet, wenn jemand eine reiche Person nur des Geldes wegen heiratet. Das ist ebenfalls Sex gegen Geld, nur ist man dabei unehrlich.
    Zu Frau Schwarzergeld oder dem angehenden Diplom Hochbeetdesigner sage ich mal lieber nichts, wer sich von solchen Leuten vorschreiben lässt, wie er zu fühlen, zu denken und zu handeln hat, hat sowieso schon Probleme genug.

  12. (Ich nehme mir heraus zu antworten, ohne die anderen Kommentare gelesen zu haben. Entschuldigt, falls ich etwas wiederhole.)

    Mir stellte sich bei diesem Artikel die Frage, ob überhaupt irgendjemand – sei es eine einzelne Person oder eine Gesellschaft – die eigenen Vorstellungen von Moral mit Gesetzen für andere verbindlich machen darf. Sollten Gesetze nur dafür genutzt werden, um Menschen vor Schaden zu bewahren? So spontan würde ich sagen, dass es ein guter Maßstab für Gesetze ist, zu prüfen, ob Menschen vor Schaden bewahrt werden. Man kommt aber schnell in Zwickmühlen, zum Beispiel bei Abtreibungen oder der überaus allgegenwärtigen und enormen Gefahr vor Terroristenangriffen. Mit der Moral (wenn man das „Moral“ nennen möchte) ist es da leichter getan: Kinder sind lebendig sobald das Sperma die Eizelle erreicht und Terrorangriffe werden immer von den bösen Ausländern begangen.

    Aber mal abgesehen von dieser theoretischen Überlegung, gehöre ich als Christ in unserem Land ja eher zu der Personengruppe, deren Moral­vorstellungen zumindest teilweise in den Gesetzen verankert ist. In Betracht dieser Tatsache sollte ich vielleicht lieber die Klappe halten ☺. (Das Ende des Ironie Absatzes.)

    • Lieber Micha,
      auf gar keinen Fall die Klappe halten, nicht einmal, wenn es in einem ironischen Absatz angedroht wird. 🙂 Ich finde im Gegenteil, die Debatte ruft doch ganz deutlich nach einer globaleren Frage nach in Gesetze gegossenen Moralvorstellungen. Als Christ weißt Du mit Sicherheit, dass viele der moralischen Gesetze der Bibel zu Entstehungszeiten einen ganz konkreten, zumeist überlebenswichtigen Zweck erfüllt haben. Mitunter sind heute verbreitete Moralvorstellungen lediglich ein Überbleibsel dieser, ja, Verhaltensregeln. Heute ist das Zusammenleben und Fortbestehen zwar nicht mehr bedroht, wenn sich die Menschen nicht entsprechend verhalten, christlich tradiert werden bestimmte Dinge gerade in der katholischen Kirche aber dennoch. Hier finde ich Deinen Vorschlag so einfach wie richtig: Warum nicht alles an dem Schaden bemessen, der anderen eventuell zugefügt wird? Ja, da ist leider nicht alles schwarz und weiß, wäre auch zu einfach. Aber es wäre durchaus möglich, sich, sagen wir grob, 70% aller moralischen Aufregerdiskussionen schlicht zu sparen.
      Auf jeden Fall vielen Dank für Deinen Kommentar! Ist ja schon ein älterer Post, umso mehr freue ich mich, wenn bestimmte Aspekte der Diskussion weitergeführt oder – wie von Dir – sogar in einen allgemeineren Kontext überführt werden.

      • Ich finde im Gegenteil, die Debatte ruft doch ganz deutlich nach einer globaleren Frage nach in Gesetze gegossenen Moralvorstellungen.

        Ja ich glaube diese Debatte wäre sehr wichtig. Leider reicht es nicht, wenn zwei Leute in den Kommentaren eines alten Blogpost (no offence intended) darüber schnacken und es reicht auch nicht, wenn die Piraten oder die Grünen diese Meinung vertreten. Es müsste in der Mitte der Gesellschaft ankommen (ich nehme da immer meine Eltern als Maßstab). Und im Moment habe ich da die Hoffnung so gut wie aufgegeben.

        Als Christ weißt Du mit Sicherheit, dass viele der moralischen Gesetze der Bibel zu Entstehungszeiten einen ganz konkreten, zumeist überlebenswichtigen Zweck erfüllt haben.

        Ja, auch wenn ich nicht von allen Gesetzen weiß, welchen Sinn sie damals hatten. Bisher versuche ich nicht mich an die Gesetze zu halten (klappt eh nicht), sondern verwende Matthäus 22,39 als meinen hauptsächlichen Leitvers. Das kommt dem Gedanken, dass Gesetze nur zum Schutz der Menschen da sind, schon ziemlich nahe.

  13. Lieber Mark Herzog, ich habe mir die Freiheit genommen, den Kommentar hier hin zu kopieren – er ist auf der falschen Seite gelandet. Hoffe, das ist in Ihrem Sinne.

    Mark sagt dazu:
    „Zunächst: Ich bin aus persönlicher Überzeugung und weil ich offenbar hinreichend überzeuge noch niemals in meinem Leben in einem Bordell gewesen oder habe die “Dienste” einer Prostituierten in Anspruch genommen. Dazu brauche ich kein Zeromacho-Manifest. Sich bei der Bewertung der Bewegung “zeromachos” jedoch im Wesentlichen auf eine durchaus streitbare Alice Schwarzer einzuschiessen, ist definitiv zu kurz gedacht. Wenn ich unterstelle, dass Sex und Erotik und vor allem Zärtlichkeit mit das schönste, was ein Mann einer Frau geben kann, dann ist der Gedanke, dass es Mädchen gibt, die die Erfahrung, dass Sex die Krönung eines Ausdrucks von Zuneigung, Zuwendung und Liebe ist, in ihrem Leben nie machen dürfen, weil Sie oft schon durch Missbrauch im Kindesalter darauf konditioniert werden, dass ein Frauenkörper für den Konsum durch Männer gedacht sei, unerträglich, beschämt mich als Mann und ruft mein tiefstes Mitleid hervor. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass Sex nur in Verbindung mit Liebe möglich oder gestattet sei. So sehen Männer ihn – anders als die meisten Frauen – schon evolutionär nicht. Dass aber den Wunsch dem anderen gut zu tun, Genuss zu erzeugen, zu geben statt nur zu nehmen von einer Sucht nach Macht über den Körper eines anderen Menschen, vom Konsum der Hilflosigkeit als Erotisiacum verdrängt wird, ist unmenschlich und macht aus den Männern, die so handeln, Wesen, die nicht einmal im Tierreich ihres gleichen finden.

    Wenn es nur 10 Frauen in Deutschland gäbe, die zur Prostitution gezwungen werden, sei es durch Erpressung von Zuhältern und Menschenhändlern oder durch Armut, sind das 10 zu viel. Ich habe lange gezögert und nach Möglichkeiten gesucht, diejenigen Männer, die eine solche Zwangslage ausnutzen, zu kriminalisieren, ich habe keine gefunden. Wäre das möglich, würde ich zustimmen, wenn man zwischen “freiwilligen” und Zwangsprostituierten unterscheiden würde und dass man “freiwillige” Prostitution zuläßt. Aber die Unterscheidung ist beweisbar nicht möglich. Wer hier ernsthaft mitreden will, der muss nicht nur Alice Schwarzer hören, der muss einmal mit Manfred Paulus oder Simon Häggström reden (Polizei) oder mit Cathrin Schauer von KARO e.V.

    Wenn die ach so legalen Bordellbetreiber, deren Pressesprecher sich zu verteidigern der “freien Prostitution” aufschwingen und jene abgewirtschafteten Prostituierten, die sich bei Hydra organisieren und angeblich für die Mehrheit der sogen. “Sexarbeiterinnen” sprechen, ein sichtbares und glaubhaftes Engagement gegen den Zwang in ihrem Gewerbe dokumentieren würden, wären sie glaubhaft und ich hätte Hoffnung. Statt dessen werden Sie der Förderung der Zwangsprostitution überführt (Echterding) verhalten sich wie die Kapos bei den Nazis (was die Mädels in mein legales Haus treibt, geht mich nichts an) und stopfen sich die Taschen voll mit Geld, an dem tausend tote Seelen kleben. Fazit: Ich wünsche mir Schwedische Verhältnisse!“

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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