juna im netz

Das Netz ist das, was Du draus machst

In eigener Sache

Was war denn GUT an diesem Tag …

Hier ist ein Bild von bewölktem Himmel zu sehen

… würde meine Freundin, die seit heute auch Ehefrau ist, fragen, wenn sie vor einigen Stunden mein Gequengel mit angehört hätte.

(Ich so:)

„Mimimi, meine Kinder sind so anstrengend, meh, ich passe nicht mehr in das Standard-Outfit, das ich seit ca. 15 Jahren zu standesamtlichen Hochzeiten anziehe, Mensch, trag DU doch auch mal das dreijährige Kind durch die Gegend und KÖNNTET IHR ZWEI MÄDCHEN NUR MAL FÜR FÜNF SEKUNDEN AUFHÖREN, EUCH ANZUZICKEN!!!!!“

Ich fürchte, entspannt geht anders. Und ich ahne, dass ich mal gewusst habe, wie. Aber bevor ich mich weiter über das um halb sieben Uhr aufstehen, den Lärmpegel, der einer Boeing beim Start in nichts nachsteht, das Kind, das den Boden des Standesamtes mit seinem Bauch wischt, die abgehackten Konversationen mit dem Gatten, die geplatzte Naht an meiner guten Hose, weil ich das Kind vom Boden aufpflücken wollte oder die ewigen Diskussionen mit der Großen aufrege, will ich der Frage der Braut nachkommen.

Gut war:

Die kurze, weitgehend schmerzlose Trauung unserer in kürzester Zeit sehr liebgewonnenen Freunde.

Das Geschenk der Trauzeugin: Ein Gesangsduo, das „Bridge over troubled water“ a capella performt hat und mich, ohnehin angeschlagen (Trauungen machen mich fertig), sofort zum Weinen brachte.

Die Tatsache, dass durch das frühe Aufstehen alle weiblichen Familienmitglieder so etwas wie Frisuren hatten:

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Der Spruch meiner Großen, die nachmittags ihre kleinen Geschwister anbrüllte:

„Wenn Ihr mich nicht so ärgern würdet, wäre ich auch nicht so frustriert!!!“

Die Autofahrten des heutigen Tages – die Zeiten, in denen sich die drei gegenseitig vorlasen und so etwas wie einen Dialog zwischen dem Gatten und mir ermöglichten.

Das weitgehend friedliche Abendessen in unserem Lieblingsrestaurant, ohne umgekippte Apfelschorlen, ohne zerbrochene Teller und mit nur vier toilettenbedingten Unterbrechungen.

Das Gespräch mit meiner Großen über ihre Nachtischwahl. Ich: „Zitroneneis?“ Sie: „Ja.“ „Mit Schokoladensoße?“ „Ja.“ „Hm. Wilde Kombi.“

Ein Blick. Dann ein Test. Und sie entgegnet:

„Mist.“

 

Das Wort zum Samstag. Zumindest teilweise 😉

  1. Willkommen im Club der gestreßten Eltern. Falls es Dich beruhigt, es wird so schnell nicht besser werden. Hochinteressant finde ich Deine Bemerkung

    Ich fürchte, entspannt geht anders. Und ich ahne, dass ich mal gewusst habe, wie.

    Das kommt mir alles so bekannt vor. Und in solchen Situationen versuche ich mir dann vorzustellen, wie ich in z.B. einem Monat von der Situation denken würde. Hätte ich dann ein Lächeln auf dem Gesicht und würde denken „Na ja, typisch Kindermund“ oder so ähnlich, dann denke ich auch, dass es Verschwendung wäre mit dem Lächeln noch einen Monat zu warten und lächle gleich. 🙂

    Und noch ein Profitipp: Das Aufstehen um halb sieben ist gar nicht so schlimm wenn man sonst immer schon um 5 Uhr aufsteht. 🙂

    Gib Deinen Kindern einfach eine feste Umarmung und zeige ihnen, dass man Streß am besten bewältigt wenn man zueinander hält.

    • Ich danke Dir! Nein, dass es so schnell nicht besser wird, beruhigt mich nicht 🙂
      Wohl aber, dass es anderen genauso geht wie mir. Obwohl es mir natürlich leid tut, dass Du ebenfalls im Club bist. Es wundert mich allerdings auch nicht – bei Deinem Drumherum! 😉

      Genauso wenig wundert mich meine momentane Verfassung. Mir fehlen da ganz klar ein paar wichtige Nerven, die ich, sagen wir, vor einem dreiviertel Jahr noch hatte. Das liegt überhaupt nicht an den Kindern, sondern an den vielen weiteren Veränderungen, die in dieser Familie passieren. Gestern sagte der Gatte zu mir: So, und wenn wir dann 2014 hinter und gebracht haben, darf es auch mal wieder ruhiger werden, was?
      Ich gab ihm Recht. Aber auch das zeigt, wie sehr wir am Limit fahren. Ich finde nämlich, ein „Jahr hinter uns bringen“ eine grundfalsche Idee. Denn beim vielen „Hoffentlich ist das dann auch mal um“ entgeht einem so vieles. So bereits gesehen bei Freundinnen und Freunden, die sich an wesentliche Ereignisse aus den Jahren, in denen die Kinder noch kleiner waren, nicht erinnern können. Vor lauter Stress im Job, Stress mit den Eltern, Stress in der Beziehung, Stress mit der Gesundheit und Terminstress, der sich durch größer werdende Kinder ja noch verschärft, haben sie ganze Jahre vergessen, verdrängt.

      Ich will das nicht.

      Gleichzeitig fürchte ich, dass ich in den nächsten Monaten nichts werde signifikant ändern können. Wir müssen warten, ob sich die Selbständigkeit des Gatten für ihn als optimales Konzept erweist, und ich werde weiter mit derart hohem Output meine Diss zu Ende schreiben. Nachdem ich aber dieses Wochenende zum dritten Mal in Folge nachmittags völlig fertig auf der Couch einschlief und ich den Lärm dieser Familie kaum mehr körperlich aushalte, ziehe ich – und das gebe ich hiermit schriftlich – nächste Woche noch einmal kräftig die Notbremse. Werde mir Zeit für Sport nehmen, ein Buch lesen, einen Tag frei machen und vielleicht mit meiner frisch verheirateten Freundin auf ihre Trauung anstoßen … 🙂

      Es ist gut, dass ich so selbstbestimmt arbeiten kann, dass das absolut möglich ist. Der Verlust einiger weniger Tage, was ist das schon? Der „Verlust“ von Tagen wie gestern wiegt wesentlich schwerer – obwohl auch so viel Gutes hängenblieb, empfinde ich es so. Einfach, weil ich so entsetzlich dauergenervt war.

      Aber wir sind Menschen, und Menschen sind alles andere als perfekt. Das Bloggen und die Diskussionen gerade auch auf die Familie bezogen helfen mir immer wieder, das zu akzeptieren.

      Danke für den schönen Tipp mit dem „Lächeln im Nachhinein“. Mal sehen, ob ich das werde anwenden können. Bemühen werde ich mich auf alle Fälle!

      Aber um fünf aufstehen? No way! Um diese Zeit drückt mir gerade ein Dreijähriger, der nicht alleine schlafen will, seine Füße in den Rücken. Das würde ich ja verpassen, wenn ich dann aufstehe 😉 !

  2. Leben am Limit. Ja, das ist auch hier der Dauerzustand. Dieses Wochenende ein paar mal versucht einfach eine Weile zu schlafen, gescheitert an einem hyperaktiven Söhnchen das dann alles mögliche will.

    Der Lichtblick ist momentan dass es Frühling wird und die Kinder dann draußen Lärm machen können. 😉

    Und natürlich sollte man nicht abwarten bis irgend eine Zeitspanne vorbei ist. Wichtig ist, die Prioritäten richtig zu sortieren und vor allem auf den Körper zu hören. Der sendet nämlich schon lange vor dem finalen Kollaps dezente Signale, wir haben nur verlernt oder sind zu sehr im Streß um diese überhaupt wahrzunehmen.

    Um 5 Uhr würde ich auch nicht aufstehen, wäre da nicht eine gewisse Hundedame die ihren Morgenspaziergang haben will und ich bin eben momentan der einzige in der Familie, der das um 5 Uhr machen kann. 🙂 Positiver Nebeneffekt: Nach der Morgenrunde ist man wach.

    Ich wünsche Dir, dass Du diese schwierige Zeit bis zur Fertigstellung Deiner Dissertation überstehst ohne dass es zum Schlimmsten kommt. Pass bitte auf Dich auf. Burnout macht nicht wirklich Spaß, diese Lebenserfahrung muss man nicht unbedingt gemacht haben.

  3. Die „so etwas wie Frisuren“ finde ich super (da stimme ich Danares zu). 🙂 Schön, dass du trotz deiner Dauergenervtheit an dem Tag doch so vieles Gutes in dem Tag sehen konntest! Und sehr interessant und treffend finde ich auch deinen eigenen Kommentar. Eine Zeit hinter sich bringen zu wollen, da bin ich danz d’accord, kann so tückisch sein. Mehr noch, tödlich: Hoffen auf eine bessere Zeit und plötzlich ist das Spiel vorbei, aus, Ende. Deshalb finde ich deinen für sich in einer Zeile stehenden Satz „Ich will das nicht“ ganz grundlegend. Solche „einfachen“ Dinge muss ich mir auch immer und immer wieder bewusst machen.

  4. Silent Write

    Ich fühle mich zurückgesetzt in alte Zeiten.
    Morgendliche Hektik beim Herausputzen der Mädels, Frisuren herrichten für Feierlichkeiten und für mich selber blieb gerade noch genug Zeit für’s Nötigste … kölsche Wisch wie man bei uns so schön sagt 😉
    Diskussionen über das Outfit, weil die Mädels zwar Kleider tragen wollten, aber keine Strumpfhosen uvm. Nachvollziehbar, aber nicht zu ändern, wenn es nicht gerade Hochsommer ist. Die kleinen Katastrophen des Alltags.

    Ich weiß nicht, ob es dich tröstet aber meine Kinder sind heute fast 18 und 21, sie drohen mir, dass wenn ich mal alt bin und mich nicht mehr wehren kann, mir Strumpfhosen anziehen 😀 (die ich genauso verabscheue wie sie) aber im Großen und Ganzen lächele ich heute darüber und naiv wie man in der Zeit des Verblassens der Erinnerungen ist, wünsche ich sie mir manchmal (fast) zurück.

    Trotz allem behält man sie in schöner Erinnerung. Das alltägliche macht einen glücklich, das weiß man oft erst später zu schätzen. Bis dahin wünsche ich dir gute Nerven! 😉

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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