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Der Stoßseufzer, In eigener Sache, Kinder

Von Schreikrämpfen und Selbstzweifeln

Wann macht das Familienleben eigentlich Spaß, frage ich mich derzeit. Hatte ich zu hohe Erwartungen an das Leben mit Kindern? Habe ich die eigene Kindheit im Rückblick verklärt? Meine unaufgearbeiteten Probleme mit der Trennung meiner Eltern in die Familie mit reingeschleppt? Oder liegt es gar nicht an mir, und meine Kinder sind einfach Terroristen?

Gestern, im Zeitraffer: Ich hole die ganztagsbetreuten Gören von ihren jeweiligen Einrichtungen ab. Berserkersohn um halb 3, Zickenelse und Trödelliese um vier. Freund (!) und Freundin der Achtjährigen dürfen mit. Und während ich noch mit meiner Mittleren diskutiere, warum ich nicht den Riesenstoß an Kindergartenkunstwerken, ihre Tasche, ihren Roller UND ihr Plüschtier tragen kann, nebst Jacken, eröffnet die Große ohne Begrüßung: „Mama, Du MUSST zuhause UNBEDINGT die Kleinen davon abhalten, uns zu stören. Wir wollen ALLEINE spielen!“ Die Mittlere, die bis dahin nicht im Traum daran gedacht hatte, mit den Größeren zusammensein zu wollen, horcht auf. Und plärrt los. So geht das dann den zehnminütigen Heimweg. Zu Hause bekommt die Große einen Tobsuchtsanfall und schreit die halbe Nachbarschaft zusammen, wie gemein ich doch bin. Das wissen die aber alle schon. Geht nämlich jeden zweiten Tag so.

Unter Androhungen von Strafen fügt sich die Große in ihr bemitleidenswertes Schicksal. Für einen Moment spielen alle (fünf? sechs? sieben?) Kinder oben im Zimmer. Dann schreit der Kleine. Die Heuschreckenplage stürmt ins Wohnzimmer, um den Haushalt innerhalb von zwei Minuten ins Chaos zu stürzen. Das heulende Kleinkind auf dem Arm, beantworte ich die maschinengewehrmäßige Fragensalve, die auf mich abgeschossen wird: „Können wir Gummibärchen? Was ist das da? Was passiert, wenn ich da dran ziehe? Wo sind Gläser? Uns ist langweilig, können wir fernsehen? Wieso ist das jetzt kaputtgegangen? Wo haben wir noch die Putztücher??“

Während der Kleine mir die Haare ausreißt („Ich will RUPFEN!“), bekommt die Mittlere vor Aufregung Nasenbluten. Ich versuche die Blutung einhändig unter Kontrolle zu bringen. Um dann festzustellen, dass ich soeben angepinkelt wurde.

Als sich alle drei später gewaschen und frisch angezogen beim Abendbrottisch anzicken, reicht es dann auch dem Herrn S., soeben hinter dem Rechner aufgetauchten Familienoberhaupt. Während sich die Mädchen unter dem Tisch treten und der Kleine den Boden mit Salamischeiben dekoriert, brüllt mein Mann in der Tonlage, um die ich ihn so sehr beneide: „Könnt ihr nicht wenigstens für zwei Minuten GANZ NORMAL sein???“

Und das, fürchte ich, ist das Problem. Ich fürchte, die drei sind „ganz normal“. Ich fürchte, es liegt an mir.

Um 21:36 Uhr, also kurz vorm Einschlafen, beschließe ich, am nächsten Tag einfach mehr Freude zu haben. An drei gesunden Kindern, die so lebendig sind, dass sie mir den letzten Nerv rauben. Meist hält der gute Vorsatz bis zum nächsten Morgen, kurz nach sieben…

  1. Juhu! 😀
    Irgendwann werden die groß. Und wenn sie aus dem Haus sind, machen wir nur noch Party. Jawoll! 🙂

  2. Alles wird gut. Irgendwann wirst du die Früchte deines Einsatzes ernten. Bei uns hat die Ernte bereits begonnen und manchmal denke ich wehmütig an die Zeit zurück als sie noch nicht 10, 12 und 15 waren 😉
    Liebe Grüße
    Steffi

  3. Der ganz normale Wahnsinn! Wir Mamas sind die wahren Superhelden 😉 Lg

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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