juna im netz

Das Netz ist das, was Du draus machst

Allgemein

Nicht nach Plan

Seit zehn Tagen versuche ich, diesen Blogpost zu schreiben. Heute ist der erste Abend, an dem ich nicht vollkommen erschöpft und gedankenleer auf der Couch liege.

Also heute. Und das hier wird leider keine Spaßlektüre.

Eigentlich war 2015 DAS Jahr. Das Jahr, auf das ich ewig lange hingearbeitet habe. Das Jahr, in dem das jüngste Kind fünf wird (Fünf, ich meine: Fünf!! Eltern wissen, was das an plötzlichen Freiheiten bedeuten kann). Das Jahr, in dem die Firma des Gatten ohne Zukunftsängste läuft. Und das Jahr, in dem ich zum ersten Mal seit langer, langer Zeit etwas für mich tun wollte. Nur für mich.

Dummerweise habe ich mir nicht die Zeit genommen, mich ernsthaft zu fragen, was das sein soll.

Da ich immer arbeiten wollte, suchte ich bereits in den Endzügen meiner Dissertation im letzten Jahr nach interessanten Stellen. Einige frustrierende Absagen später stellte mich mein jetziger Arbeitgeber ein – drei Monate vor meiner Verteidigung. Pause zwischen der Arbeitswelt und der Welt des selbstbestimmten Vor-Sich-Hinarbeitens: Eine Woche. Aber ich wollte es ja so – zumindest dachte ich das.

Meine Arbeitsstelle: Vollzeit, jeden Tag etwa 110 km Fahrt insgesamt. Am frühen Abend die Kinder, der Haushalt, die Familienplanung. Die Orga für das Barcamp. Der Gatte. Elternabende, Krisensitzungen, Tanzauftritte, Geburtstagsvorbereitungen, Elternbeiratsarbeit, Bloggen. Vorträge vorbereiten, Kuchen backen, mit Mutter telefonieren … you get the point. Ich wollte es ja so – zumindest dachte ich das.

In der Prä-Panikattacken-Zeit, ich nenne sie kurz „PPZ“, tat ich gefühlte 100 Dinge am Tag, wie so viele andere Eltern auch, die neben Mutter- und Vaterrolle auch noch Partner sein möchten sowie eine Selbstverwirklichung in der Arbeitswelt planen. Vielleicht noch ein Hobby? Sport? Eine Handvoll guter Freunde?

Ich kann nicht behaupten, nicht gewarnt worden zu sein. Menschen sahen mich, meinen täglichen „Output“ und meine Energie und fragten mich häufig, wie ich das denn bloß alles schaffen würde. Seit drei Wochen ist die Antwort klar: Gar nicht. Zumindest nicht über längere Zeit.

Wer brennt, brennt auch aus

sagt meine kluge Freundin, die dies hier vermutlich lesen und dann hoffentlich über das Zitat lächeln wird. Es stimmt, ich brenne und brannte immer. Für Themen, für Menschen, für meine Kinder. Und für meine Arbeit, die mir sehr viel Spaß macht. Nun muss ich akzeptieren, dass ich viel zu schnell gebrannt habe.

Seit Wochen leide ich unter Angstattacken – sie kommen ohne weitere Vorwarnung und ohne sichtbaren Auslöser. Sie sind einfach da, legen sich wie eine Kette um die Brust, lassen den Atem schneller werden und gaukeln mir vor, dass mein Puls rast. Plötzlich kribbeln die Beine und Hände, mir wird schwindelig und ich fange an, zu hyperventilieren und am ganzen Körper zu zittern. Erstaunlicherweise kennen dieses Gefühl eine deutliche Zahl an Menschen, obwohl keiner gerne darüber redet.

Wenn sie vorbei sind, bin ich unruhig und gleichzeitig vollkommen erschöpft. Zwischendurch falle ich in tiefe Traurigkeit, die mich zusätzlich lähmt. Fast zwei Wochen versuchte ich, alleine damit fertig zu werden. Dann habe ich aufgegeben.

Kapitulation fühlt sich gut an

Eine einfühlsame Ärztin erklärte mir, was ich tun kann, wenn ich merke, dass ich Panik bekomme. Ich fand mit viel Glück einen Therapeuten, der mich bereits diese Woche empfangen hat. Ich nehme unterstützende Medikamente, die leicht beruhigen. Lese Bücher und Artikel über Panikattacken, meditiere, übe Entspannungstechniken und gehe laufen, wann immer es sich machen lässt. Ich trete mir selbst permanent in den Hintern, aber nicht, um weiter zu funktionieren. Funktioniert habe ich jahrelang. Das ist vorbei.

Ein Weg aus der Angst scheint zu sein, die Gründe für die Angst zu kennen. In der letzten Woche hatte ich keine schlimmen Attacken, da konnte ich endlich darüber nachdenken, was die Panik vor was-zum-Henker-weiß-ich-denn mir eigentlich sagen will. Es mag zu früh sein, das hier aufzuschreiben, aber als Zwischenfazit sollte es reichen:

Ich habe mir nie die Zeit genommen, mich selbst zu fragen, was ich eigentlich will.

Ich habe für alle anderen funktioniert, und das hat mich auf eine Art glücklich gemacht. Nun aber stehe ich – zum ersten Mal seit sehr langer Zeit – vor der ebenso gewaltigen wie wichtigen Frage:

Was tue ich mit dem Rest meines Lebens? Was WILL ICH?

Das hat mich offenbar so lange niemand gefragt, dass ich darauf 1. keine Antwort habe, und 2. sofort losheule, wenn ich jetzt gefragt werde. Ohne Witz. Bitte nicht ausprobieren, wenn Ihr mich seht. 🙂 Es handelt sich also ganz offenbar um Zukunftsangst. Nicht um die existenzbedrohende solche wegen wenig Geld oder keinem Job, sondern um die Frage nach dem Sinn des Lebens, MEINES Lebens. Unnötig zu erwähnen, dass das lediglich der Anfang meiner Suche und vielleicht ein Kern des Problems ist. Es gibt noch genügend andere, zusätzliche Konflikte der beutelnden emotionalen Art, die ich hier ausspare.

Wie weiter?

Für den November hatte ich große Pläne: Ich wollte meinen unbezahlten Urlaub bei den Geflüchteteninitiativen in Heidelberg verbringen. Aber was sind schon Pläne im Angesicht von Panikattacken?

Ich bin insgesamt sehr zuversichtlich, mich dennoch in meinem Tempo und in einem geringeren Ausmaß als ursprünglich geplant dort zu engagieren. Ich bin auch insgesamt sehr zuversichtlich, die neuen Probleme in meinem Leben in den Griff zu bekommen. Die Kämpfernatur in mir läuft sich bereits warm. Gleichzeitig muss auch sie akzeptieren, dass diese Ängste – so lange ich die Ursache nicht lösen kann – jetzt zu mir gehören. Deswegen muss ich sie nicht gleich umarmen und willkommen heißen. Aber ich muss akzeptieren, dass sie jetzt da sind. Ihnen einen Platz und einen Sinn zugestehen. Und dann warten, was passiert. In der letzten Woche ist dies hier passiert:

Je mehr ich akzeptierte, dass ich diese Ängste habe, desto weniger traten sie akut auf und nahmen mir die Luft. In einem Buch eines Coaches las ich, dass jeder Mensch Angst hat. Doch obwohl wir absolut bereit sind, die Ängste eines anderen Menschen zu akzeptieren und ihn nicht dafür zu verurteilen, negieren wir unsere eigenen und halten sie für einen persönlichen Makel, der ausgelöscht werden muss. Damit man wieder reibungslos funktioniert.

Aber ist das das Ziel? Kann es wirklich das Ziel eines Lebens sein, zu funktionieren? Immer weiter zu funktionieren, und die Warnmeldungen des Körpers – sie kommen in ganz unterschiedlichen Varianten – zu überhören?

Meine Seele weiß, dass ich so ziemlich alles überhört hätte, was sie mir an Warnmeldungen schickt. Also legt sie mich lahm. Einfach so.

Mein persönliches Ziel in den nächsten Wochen ist es, ihr dafür dankbar zu sein.

 

Warum schreibe ich das hier?

Hallo, mein Name ist Julia. Ich habe Panikattacken erleben müssen und komme nur schlecht damit klar. Vielleicht hilft es ja, das einfach mal ins Internet zu schreiben. Für Ängste, die überhand nehmen, sollte ich mich nicht schämen. Ich habe mir Hilfe gesucht und bin bereit. Ich schaffe das.

Für Euch, Ihr lieben Overachiever, Funktionierer und Perfektionisten: Vergesst nicht, Euch hin und wieder zu fragen, was Ihr selbst wollt.

Für Euch, Ihr lieben Multitasker: Schaltet ab und zu mal einen Gang zurück.

Für Euch, Ihr lieben Angstmenschen und Paniker: Jeder Mensch hat vor irgend etwas Angst. Das ist ok. Lasst Euch nicht das Leben davon kaputt machen.

Danke an dieser Stelle an Heiko, Kathrin, Meike und Chiara. Ihr wisst schon, wofür. 🙂

  1. Danke für diesen offenen und ehrlichen Beitrag. Auch ich leide neben einer schweren Depression an Angst- und Panikattacken. Dennoch wage ich nicht zu sagen, ich wüsste, wie es dir geht. Jeder erlebt das individuell. Aber du hast den wichtigsten Schritt getan. Dazu zu stehen, es nicht vertuschen, und Hilfe holen. Jetzt gib dir die Zeit, hinter die Gründe zu kommen. Das geht nicht von heute auf Morgen. Aber es wird passieren.
    Viel Glück und du hast das richtig gemacht!
    Uwe

  2. Ich wünsche Dir viel Kraft. Ich habe eine unbehandelte Phobie. Und ich habe mich bisher nicht getraut daran zu arbeiten. Mit den Jahren ist der Umgang besser geworden, aber eigentlich ist das kein Zustand. Ich sage mir: Irgendwann werde ich die Zeit haben, mich darum zu kümmern. Bis dahin verdränge ich es einfach. Das ist alles andere als ideal, das weiß ich, aber irgendwie kann man nicht aus der eigenen Haut heraus, nicht wahr?

  3. So wichtig für Menschen, die sich früher oder später extern den Takt des eigenen Lebens oktruieren lassen, teils auch willig. Danke für die Warnung ohne Zeigefinger, unaufgeregt und doch ohne Wattepackung.
    Fühl dich umarmt. (Wird Zeit, das mal wieder IRL zu tun.)

  4. Wir kennen uns ja leider nur online, aber du erinnerst mich immer an eine Freundin von mir. Diese ist der liebste Mensch der Welt, aufopferungsvoll, freundlich, engagiert, aber auch ein anpackendes Arbeitstier!
    Momentan läuft das bei ihr noch gut, weil sie noch sehr jung ist und ohne Kinder auch viel weniger Verpflichtungen hat als du. Was sie tut, tut sie freiwillig. Trotzdem mache ich mir manchmal Sorgen um sie, denn kein Mensch hält diese Arbeitsbelastung auf die Dauer aus.

    Was ich damit sagen will: Ich finde es toll, wie sehr du dich engagierst, aber niemand wird es dir zum Vorwurf machen, wenn du mal ein paar Schritte kürzer trittst! Niemand kann allein die Welt retten – auch wenn wir sie gar nicht retten müssten, wenn mehr Leute so wären wie du.

    Erhol dich gut!

    PS: Hast du mal über eine Kur nachgedacht?

  5. Liebe Juna,

    bin ja auch so eine overachieverin 😉 Bislang hatte ich nicht oft Panikattacken, aber doch immer wieder mal. Als mein Sohn letztes Jahr in die Krippe kam und damit die Elternzeit endgültig vorbei war (nämlich auch die vom Papa) war ich plötzlich unter der Woche alleinerziehend mit ebenso vielen km Pendeln wie du und es hat mich komplett ausgehebelt. Der Zeitdruck mit Öffnungs- und Schließungszeiten, plötzlich mit Auto unterwegs statt gemütlich im Zug hat mich dermaßen gestresst, dass echt alles zu viel war und so Dinge wie mit Auto an der Garage anfahren die Konsequenz waren. Vor lauter stressig.
    Hab dann auch die Notbremse gezogen und mich um einen anderen Job umgeschaut und mir selbst 2 Monate Zwangspause verordnet und einen Job, der mich weniger fordert. Die Rechnung ist aufgegangen.

    Ich wünsch dir alles Gute und überschaubare Ängste! Drück dich aus der Ferne,

    Katja

  6. thomasvonaltenberge

    Großen Dank für Deinen erschütternd schönen Text und viel Freude mit Dir selbst!

  7. cookie

    Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Da gibt es nichts zu suchen. Und nichts nachzujagen. Wenn du etwas möchtest, wirst du es tun. Wenn das, was du meinst tun zu müssen (Kinder versorgen, etc.) deine Energie aufbraucht, dann ist das eben das, was aktuell dein Leben ist. Wenn dann wieder Freiraum entsteht, wird der sich automatisch mit dem füllen, was du brauchst.
    Liebe Grüße und alles Gute.

  8. Jutta Käthler

    Liebe Juna im Netz, die Frage, was man will, ist manchmal schwerer zu beantworten als die Frage, was man nicht will. Dabei kann es sehr befreiend sein, einfach Dinge nicht (mehr) zu tun. Ich wünsche Dir alles, alles Gute!

  9. Von Herzen alles Gute!
    <3

  10. Iris

    Ich wünsche dir, dass du alle zusammenhänge, die dazu geführt haben, verstehst. Dass du noch besser deine körperzeichen verstehen kannst zukünftig. Dass du die passenden Maßnahmen für dich findest. Und bitte informiere dich ggf auch bei Betroffenen, wie man Medikamente langsam absetzt, auch unterhalb der kleinsten verschreibungseinheit. Das kann sinnvoll sein.

    Alles gute für dich und danke für den offenen Text.

  11. Marina

    Äh ja… selber schuld?! So what…

    • Liebe Marina,

      ich freue mich für dich, dass du mit dir selber im Reinen bist. Das ist sehr schön. Lass mich dir – obwohl eine solche Situation, wie Uwe schon schrieb, sehr individuell erlebt wird – folgendes mit auf den Weg geben:

      „Äh ja“ – Du scheinst ein wenig ratlos. Vielleicht weißt du mit psychischen Problemen nichts anzufangen. Ein Grund mehr für solche Texte. Wird Zeit, das Thema endlich aus der Tabuecke zu holen. Also Danke Juna für deinen offenen Text.

      „selber Schuld“ – Die Kategorie „Schuld“ ist im Zusammenhang von Ängsten und Panikstörungen völlig unangebracht. Anschuldigungen, egal in welche Richtung, helfen niemandem weiter. Glaub mir, mit Schuldgefühlen hast du als „Psycho“ sowieso schon genug zu tun. Es ist nicht hilfreich, einem kranken Menschen so etwas zu sagen. Außerdem ist die Kategorie „selbst“ auch sehr fragwürdig. Wer seinen Ängsten auf den Grund geht, landet zweifellos irgendwann bei sich und der Umwelt. Aber dass ein Kranker seine Angst „selbst verschuldet“ haben soll, zeugt einmal mehr von einer gewissen Ahnungslosigkeit deinerseits.

      „So what…“ – Ja, kann man so stehen lassen. Genauso individuell das Erleben einer eigenen Krankheit ist, so ist auch der Umgang der Angehörigen und Freunde in einer solchen Situation. Das Auseinandersetzen mit anderen Menschen und deren Schwächen führt für gewöhnlich sehr nah an die eigenen Schwächen und existentiellen Ängste. Dein Umgang damit ist deine ureigene Angelegenheit. Deshalb hast du durchaus das Recht wegzuschauen. Nur Verstecken und die Klappe halten, weil man sich und seine Krankheit anderen Menschen nicht zumuten will, dass ist ein Reflex vieler „Psychos“. Umso besser, wenn einer mehr, in diesem Fall Juna, diesem Reflex nicht nachgibt.

      Denk mal nach. Danke
      Martin

      Liebe Julia,
      ich weiß, dass du für dich selber sprechen kannst. Ich fühlte mich nur durch Marinas Kommentar persönlich angegangen. Und ich habe, bedingt durch meine eigene Biographie, keinen Bock mehr, solche Aussagen unkommentiert stehen zu lassen.

      Dir und deiner Familie wünsche ich von Herzen alles Gute. Halt die Ohren steif. Wenn was ist, weißt du, wie du mich und Heike erreichen kannst.

      Ich drück dich
      Martin

  12. Mensch, Julia. Ich hatte schon so meine Sorgen dass Du wieder eine Art von Streß hast weil Deine Tweet-Frequenz in den letzten Wochen deutlich weniger war als sonst. Aber gleich so heftig, das ist nicht fair. Aber klar, keiner hat gesagt dass es im Leben immer fair zugehen muss.

    Panikattacken kenne ich aus der Zeit vor etwa 25 Jahren. Damals hatte ich echt Angst aus dem Haus zu gehen, denn es könnte ja wieder so eine Attacke kommen. Ich habe dann auch analysiert woran es lag und angefangen zu kämpfen.

    Mittlerweile bin ich ein alter Knacker und sehr viel entspannter geworden. Den Punkt „es geht nicht mehr“ hatte ich vor ein paar Jahren als meine Frau die Krebsdiagnose hatte und ich dann Haushalt, Kinderbetreuung und Arbeit unter einen Hut bringen sollte. Da ist letztlich dann die Arbeit mal für 6 Wochen auf der Strecke geblieben und ich habe mich erholt und meine persönlichen Prioritäten neu sortiert.

    Heute habe ich gelernt, die leisen Signale meines Körpers besser zu verstehen (ist so ähnlich wie mit Frauen, vollständiges Verstehen ist sozusagen unmöglich 😉 ) und eben dann auch mal langsam zu treten wenn die Signale sagen „es ist wieder zu viel“. Ich weiß auch ungefähr was ICH will, auch wenn ich gerade mächtig Stress habe weil die Familie unbedingt einen Weihnachtswunschzettel will, aber materielle Dinge sind mir inzwischen gar nicht wichtig. Ich weiß, dass es mich nicht glücklicher machen würde wenn ich Gegenstand X bekommen würde. Warum auch? Gesundheit und Gelassenheit sind mir mittlerweile viel wichtiger als alles andere.

    Ich wünsche Dir viel Kraft aber auch die Gelassenheit die Du brauchst um auch mal Abstand vom Alltag zu nehmen und die Situation aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten. Wenn Du mal reden willst sollten wir telefonieren, skypen, hangouten oder was auch immer. Mit Blogkommentaren kann man nur schwer einen hilfreichen Dialog machen.

  13. Der Sinn eines menschlichen Lebens besteht meiner Ansicht nach darin, sich so gut es geht, KEINE Ziele zu setzen.
    Der Mensch, als einziges Lebewesen auf dieser Erde genießt den Luxus seine Zeit frei verschwenden zu können, ohne Sinn und Zweck und zwar deshalb, weil er sich nicht andauernd darum kümmern muss, sein Überleben zu sichern.
    Das Ziele & Zwecke ab einem gewissen Alter das Leben der meisten Menschen bestimmen, ist das eigentliche Unglück schlechthin. Die jugendliche Freude, Dinge einfach zu tun, weil sie an sich wertvoll sind, und nicht weil sie ein Mittel zu einem bestimmten Zweck sind, sollte man sich unbedingt bewahren.

  14. Rüdiger

    Mir sind solche Panikattacken zum Glück unbekannt. Für mich wäre der wichtigste Satz am Ende: Schaltet ab und zu mal einen Gang zurück. Das heißt, einige Aktivitäten streichen oder auf später (evtl. um Jahre!) verschieben.
    Das mache ich sogar als Rentner so. Ich weiß, dass ich mit Ehrenamt im Museum, Azubibetreuung beim alten Arbeitgeber und Studium genug zu tun habe. Ich werde NICHT diese oder jene weitere Aufgabe übernehmen, obwohl ich große Lust dazu hätte.
    Und was den Eltern-Stress angeht: ja, kenne ich. Dann laufen andere Sachen eben NICHT. Damit müssen sich andere eben abfinden. Basta.
    Sinn des Lebens: Manchmal dauert die Beantwortung dieser Frage Jahrzehnte. Da kann man nichts erzwingen. (Kierkegaard: Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.)

  15. Hallo Juna,

    ich danke Dir, dass Du „laut“ die Frage stellst: Was will ich?
    Es erleichtert mich enorm, dass ich nicht alleine ratlos bin. Ich freue mich zu lesen, dass auch andere Mütter suchen und einen Anspruch an sich haben, an geistige Herausforderungen und nicht nur „irgendwas“ machen wollen. Zudem ist es immer wieder faszinierend zu sehen, dass der Körper dei Notbremse zieht, wenn wir auf unsere Seele und unser Innerstes nicht achten. Du bist auf einem guten Weg und bestimmt wird er noch besser werden und Du wirst dort ankommen, wo Du sein möchtest.
    Danke für die Offenheit.
    Gordana

  16. Anita

    Hi Juna,

    DANKE für den Text und Deine Offenheit!

    Viel Geduld mit Dir selber wünsche ich Dir! Denn es ist mal gar nicht so einfach “ ’nen Gang runter zu schalten“. 🙂

    Und Gelassenheit, Rainer hat es gut formuliert!

    Und Ruhe, innere Ruhe und weniger Perfektionismus…. (und ja, ich weiß dass dies sehr sehr schwer ist, das auszuhalten, aber es geht 🙂 ).

    Von Herzen Alles Gute für Dich
    Anita

  17. Ich danke Euch allen für Eure Kommentare, Hinweise, und ganz besonders für die lieben Wünsche, die ich dieses Mal nicht zeitnah beantworten konnte. Ich habe sie in der Talsohle vor eineinhalb Wochen beinahe täglich gelesen. Es tut gut, zu wissen, dass an mich so liebevoll gedacht wird. Und dass ich alles andere als allein bin. 🙂 Aktuell geht es deutlich bergauf, und das liegt auch an Euren vielen Rückmeldungen hier und anderswo. <3 Von Herzen Danke!

  18. silke schmidts

    Hallo lieber Mensch,
    bin durch Frische Brise hier her gelangt und war interessiert ,was du so schreibst.
    in ähnlicher Weise ist es mir letztes Jahr im Dezember gegangenen auch ich habe, wie du ,erstmal gelernt,mir selbst zuzuhören.Was sagt mir mein Körper,was sagt mir meine Seele und ja ein dickes Danke,dass sie überhaupt noch was zu sagen hat,nachdem ich mich jahrelang taub gestellt habe .Die Signale sind ja schon viel viel früher da nur hat uns niemand beigebracht auf diese zu hören.
    Ein Buch möchte ich dir gerne ans Herz legen,wenn deine Panikattacken weg sind,es heißt Focusing und stellt eine Technik vor,wie wir auf unseren Körper und seine Signale lauschen und mit ihnen in Kontakt treten können.
    Vielleicht gefällt es dir ja.
    Ich wünsche dir bei deiner Reise zu dir selbst nur das Beste und grüße dich ganz lieb!

    • Vielen Dank Dir, für Buchtipp und Teilen Deiner Erfahrungen. 🙂 Alles Gute auch Dir, und weiter gutes Zuhören und Nachspüren, was Deine Seele braucht. Ich fürchte, so wie wir alle sozialisiert sind, ist es ein lebenslanger Prozess, zu lernen, hinzuhören. <3

  19. Silkeschmidt

    Also das Buch heißt “ Focusing in der Praxis“ und ist sehr liebevoll geschrieben.

  20. Ute

    wunderbar ehrlich und offen geschrieben und man sieht es ja an den Reaktionen, wie Viele sich auf einmal angesprochen fühlen und aufatmen dürfen, weil sie sich menschlich zeigen wollen. Gestern dachte ich: wir wollen immer wie Menschen behandelt werden und verhalten uns wie Maschinen. Und ganz ehrlich: ich glaube, „overachiever auf lange Sicht“ können nur Leute sein, die genau das, was du beschreibst, entweder erlebt haben oder es verstehen. Overachiever kann man nur werden und bleiben, wenn es Einem nicht um´s „achieven“ geht, sondern um den Prozess, um das Erleben, um das sich kennenlernen, wenn es einem bei ALLEM um SICH SELBST geht (und nein, das ist kein dummer Egoismus, das ist Selbstliebe). Der Grund für all diese Sachen ist ganz einfach: damit haben wir früher „Liebe“ bekommen, Aufmerksamkeit, Lob, „Zuwendung“. „Liebe“, die mit (bedingungsloser) Liebe nichts zu tun hat. Unser Körper und unsere Seele rebellieren jetzt, zum Glück! Es wird alles gut werden, danke, dass du dich so offen und ehrlich mitteilst, das macht mich wieder ein Stück lebendiger.

Hinterlasse einen Kommentar

Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

%d Bloggern gefällt das: