Wer sind diese Menschen, die tagein, tagaus in der Social Media unterwegs sind? Was treibt sie um?

Soziale Netzwerke versuchen, mit exzessivem Datensammeln Antworten auf die Fragen nach diesen „Netzmenschen“ zu finden. Eine gerade geleakte Studie geht einen anderen Weg. Sie behauptet, nach Jahren intensiver, empirischer Forschung, die Gattung der Netzmenschen ließe sich anhand von Beobachtungen in der Social Media in neun Untergattungen einteilen:

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Der Schwärmer/ die Schwärmerin

Der Schwärmer wurde in seiner Reinform früher wesentlich häufiger beobachtet. Seitdem der erste Zauber der Internetbekanntschaften verflogen ist, werden die echten Schwärmer seltener. Die schützenswerte Subspezies neigt dazu, sich in ihre virtuellen Gesprächspartner zu verlieben (oder zumindest eine Zeitlang für sie zu schwärmen). In der Social Media suchen Schwärmer während der Abwesenheit ihres aktuellen Bezugsobjektes nach den virtuellen Spuren. Gibt es einen Blog? Fotos? Ein facebook-Profil? Eine twitter-Timeline?
Die gemäßigte Form des Schwärmers ist der Dialogbereite. Social Media bedeutet für ihn Unterhaltung, Anregung und Flirt mit verschiedenen virtuellen Gegenübern. Er hat wenig Interesse am Teilen von Bildern oder Inhalten, es sei denn, sie regen andere zum Gespräch an. Gerne schaut der Schwärmer in verschiedenen Chatforen vorbei, ob ein/e Bekannte/r gerade online ist.

Die Posting-Variante des Schwärmers ist der Emo-Poster, eine wesentlich weiter verbreitete und eher nervende Ausprägung.

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Der/ die Liker/in

Der Liker oder auch „Plusser“ hinterlässt seine virtuellen Spuren vor allem in Form von „Likes“. Er treibt sich bevorzugt in den großen, sozialen Netzen herum und hat oft einen größeren Freundeskreis. Das Liken hat in diesem Fall auch oft eine zeitsparende Funktion. Oft lässt sich ein Schema des jeweiligen Likers erkennen. So kann einigen Likern nachgewiesen werden, bevorzugt Profilfotos anderer attraktiver Nutzer/innen zu liken (oder zu plussen). Viele schätzen den Liker. Das ewige Dauerliken ohne große Varianz aber kann die virtuellen Mitmenschen auch nerven.

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Der/ die Kommentator/in

Die bevorzugte Funktion des Kommentators im Social Web ist – genau – der Kommentar. Bei der Reinform dieser Subspezies wird beinahe nichts aus dem Interessengebiet des Kommentators unkommentiert gelassen. Dabei sind auch Kurzkommentare wie „Äh, ja“ oder „Unfassbar!“ häufig gelesene Statements eines geübten Kommentators. Stets überwiegt beim Kommentator das Kommentieren anderer Beiträge gegenüber dem eigenen Inhalt. Dennoch lässt sich feststellen: Die meisten Kommentatoren produzieren auch eigene Inhalte im Social Web.

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Der/ die Poser/ in

Der Poser möchte die Welt (oder zumindest seinen virtuellen Bekanntenkreis) möglichst umfassend an seinem Leben teilhaben lassen. Er verfasst zumeist Ich-Botschaften, und es finden sich zahlreiche Bilder von ihm selbst im Internet. Hat der Poser Kinder, landen in der Regel auch diese früher oder später stolz in den sozialen Netzwerken. Dem Poser ist die Rückmeldung extrem wichtig. Ignoriert man einen Poser auf längere Zeit, ruft er sich selbst per Direktnachrichten, E-mails oder Telefonate in Erinnerung. Eine extreme, leicht exhibitionistische Variante des Posers lässt sich auch gerne einmal halbnackt ablichten und hebt die eigenen Beiträge mit nicht immer erläuterndem Text („Hey, MÄDELS! Schaut mal! Legga, was?“) hervor. In der Regel ist der Poser harmlos. Es wurde bereits versucht, dem Poser Narzissmus nachzuweisen, aber viele Social-Media-Poser sind im RL eher introvertiert, wie man feststellen musste.

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Der/ die Lurker/ in

Eine bereits seit langem etablierte Untergattung der Social Web Menschen. Der Lurker versucht, sich möglichst nicht als Teilnehmer einer Kommunikation zu erkennen zu geben. In großen sozialen Netzen ist dieses Vorgehen weitgehend gesellschaftlich anerkannt. Die Lurker sind die schweigende Masse der Online-Kommunikation. In persönlichen Chats dagegen müssen Lurker zunehmend mit Widerstand rechnen. Auch hier ist die Forscherin einem Trugschluss aufgesessen, wenn sie denkt, bei jedem Lurker handele es sich um einen schüchternen, eher ruhigen Menschen. Die Studie zeigt, dass die Motive der Lurker für ihr hartnäckiges und selten durchbrochenes Schweigen zahlreich und mitunter sehr unterschiedlich sind.

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Der/ die Weltverbesser/ in

Der Weltverbesserer teilt, kommentiert und unterschreibt alles, von dem er sich eine Besserung der aktuellen Zustände erhofft. Online-Petitionen, Rasterfahndungen, Hilferufe, Spendensammlungen und viele, viele Informationen, wie dieser Planet eventuell zu retten wäre, würden sich die Menschen nur alle an etwas mehr Empathie versuchen. Dieser Subspezies wurde zu Unrecht der so genannte „Klicktivismus“ vorgeworfen. Der Weltverbesserer sieht in der Social Media nicht die neue Online-Form des Dauerprotestes. Vielmehr glaubt er an die Menschen, an die Macht der Masse und die Kraft des Verbrauchers, den Markt zu bestimmen. Er ist in seiner Seele Philanthrop. Eine mitunter anstrengende, aber schützenswerte Art, die nicht sehr häufig vorkommt.

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Der/ die Ranter/ in

Dort, wo der Ranter ins Internet gekotzt hat, wächst hinterher kein Gras mehr. Der Ranter ist im Dauer-Anpranger-Modus. Es gibt gewisse Parallelen zur Spezies der Weltverbesserer, z.B. im Hinblick auf das große Engagement, das der Ranter an den Tag legt. Die Ausrichtung ist allerdings oft pessimistisch. Viele Ranter sind dabei sprachlich sehr eloquent. Es ist eine Freude, ihre Anklageschriften, Plädoyers und Wutausbrüche zu lesen, und das Internet wäre ein armer Ort (abgesehen von der Unmenge an Katzen), gäbe es die Ranter nicht.

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Der/ die Paranoiker/ in

Der Paranoiker ist eine Subspezies, die zwar insgesamt immer häufiger vorkommt, sich aber in mindestens gleichem Maße aus dem Social Web zurückzieht. Daher ist es wichtig, vereinzelt auftretende Paranoiker auf sozialen Plattformen nicht durch hektische Bewegungen zu verschrecken. Nähern Sie sich dem Paranoiker vorsichtig und versuchen Sie, eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens und Einverständnisses zu generieren. Wenn der Paranoiker Sie mag, wird er Ihnen vielleicht seinen IRC-Namen geben.

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Der/ die Teiler/ in

Auch der Teiler gehört zu den immer seltener werdenden, schützenswerten Subspezies im Social Web. Seine Haupttätigkeit besteht darin, spannende, witzige oder auch informative Inhalte im Netz weiterzuleiten. Auf großen Plattformen verwirren die Teiler oft mit ihren ständigen Statusmeldungen. Hier haben sich für den Dauerteiler andere Netzwerke etabliert. Je nach Interessensgebieten ist der Teiler häufig auf Blogs, youtube oder den großen Online-Zeitungen zu finden. Eine hohe Frequenz eines Teilers lässt oft die Frage aufkommen, ob der Teiler keine Arbeitsstelle hat. Richtig ist bei dieser Vermutung, dass der Teiler einen wichtigen Bestandteil seiner Arbeit im Verbreiten von Inhalten sieht. Von Agenturen, Zeitungen und Werbeträgern wird der Teiler als Multiplikator geschätzt, wenn auch nicht in angemessener Weise hofiert. Ein Aussterben dieser Subspezies wurde bereits angemahnt.

Die Ergebnisse der Studie lassen auf das Vorkommen verschiedener Mischtypen schließen. Auch erste Kritik wird bereits laut: So hat die Studie vernachlässigt, dass eine bereits seit langem etablierte Untergattung der Netzmenschen auch immer mehr das Social Web bevölkert. Gemeint ist der/ die Gamer/ in, der als aktiver Teilnehmer an den Angeboten der Social Media in der großangelegten Studie von vorne herein ausgeklammert wurde. So gilt auch hier: Traue keiner Studie, die Du nicht selbst gefälscht hast!