juna im netz

Das Netz ist das, was Du draus machst

Internet und Gesellschaft

Meine Meinung, Deine Deinung

[Triggerwarnung: Buzzwords, unliebsame Meinungen]

Seit kurzem befinden wir uns im Netz mitten in einer erneuten Diskussion um Meinungsfreiheit, Konformität und dem Umgang mit sprachlicher Gewalt im Internet. Martin Weigert hat für netzwertig in diesem Artikel einige Punkte sehr schön zusammengefasst. (Ich finde die Beispiele nicht gelungen, aber das sei hier außen vor.) Hintergrund meines Blogposts ist das seit einiger Zeit stärker werdende Unbehagen, wenn ich sehe, wie jemand aus der öffentlichen Massenkommunikation herausgeekelt wird.

Auf twitter kann man das sehr schön beobachten: Jemand fühlt sich durch eine bestimmte Meinung oder Haltung angegriffen, wird beleidigt oder bedroht, und ruft zum kollektiven Blocken auf. Das machen dann viele Menschen aus Solidarität, was eine Sperrung des betreffenden Accounts zur Folge hat. Funktioniert automatisiert, d.h. twitter prüft hier nicht nach, was im Einzelfall inhaltlich vorgefallen ist. Nun gibt es seit einigen Tagen einen Account, der sich @blockempfehlung nennt und dieses Verhalten systematisiert:

Keinen Bock auf Maskus, Nazis, Macker, Derailing, Rechtsstaatmeinungsfreiheitgeschrei und Diskriminierung? Hier gibts die Blockempfehlung.

Die Motive der Menschen, die hinter diesem Account stehen, mögen nachvollziehbar sein. Die von mir geschätzte nightlibrarian hat hier ein paar sehr gute Argumente für ein solches Verhalten zusammengefasst. Ich empfehle ihren Blogpost als Gegenlektüre.
Das Problem ist in meinen Augen aber tiefergehend: Die @blockempfehlung ist ein Symptom für eine ganz grundsätzliche, zumindest zu problematisierende Einstellung vieler Menschen in öffentlichen Netzwerken. Sie hat etwas mit dem Verständnis von Meinungsfreiheit, mit dem öffentlichen Pranger und mit dem Umgang mit sprachlicher Gewalt zu tun. Ich will versuchen, das einmal auseinander zu nehmen – denn alle drei Punkte erscheinen häufig miteinander vermischt:

Der öffentliche Pranger: Prominentestes aktuelles Beispiel: Diese PR-Frau, die nach Afrika reiste und es schaffte, die Quintessenz des Rassismus auf 140 Zeichen einzudampfen (verlinkt bei netzwertig). Was an sich bereits eine Kunst ist. Ich denke, sie ist absolut zu Recht gefeuert worden. War dafür der öffentliche Pranger und eine persönliche Hetzjagd notwendig? Sicherlich nicht. Die Form sprachlicher Gewalt, die ihr in der Folge ihrer Äußerung angetan worden ist, spottet jeder Beschreibung. Die Motive dahinter: Solidarisierung, Verteidigung der diskriminierten Menschen etc., sind absolut ehrbar. Aber die Art und Weise … meine Güte, dahinter steht EIN MENSCH.
Dass sich hier fehlbare Menschen äußern, wird, wie mir scheint, öfter mal vergessen. Es gibt einen Weg, Kritik zu äußern, der nichts mit sprachlicher Gewalt zu tun hat. Selbst wenn man selbst Opfer von sprachlicher Gewalt wird. Für Beschimpfungen und Androhungen sollte es – auch als (verständliche) Reaktion – keinen Raum geben.

Was zum zweiten Punkt führt: Der Umgang mit Formen sprachlicher Gewalt. Wovon sich der/die einzelne diskriminiert fühlt, gehorcht keiner Norm und lässt sich schwer erfassen. Wir können (und sollten) also niemandem erklären, wovon er sich beleidigt fühlen muss oder nicht angegriffen fühlen darf. Das Mittel des Ausblendens von Teilnehmern auf twitter halte ich im individuellen Fall für ein sehr sinnvolles Instrument. Auf meinem eigenen Blog kann ich beleidigende Kommentare der Moderation unterziehen. In sozialen Netzwerken schmeiße ich Menschen raus, die mir blöd kommen. Alles kein Problem. [4]
Ein Problem wird es dann, wenn ich meine individuelle Erfahrung zu generalisieren versuche. Genau in diesem Moment mache ich nämlich den Fehler, von meinen eigenen Gefühlen auf die Gefühle anderer zu schließen. Und ihnen vorschreiben zu wollen, wovon sie sich diskriminiert zu fühlen haben. Das ist, verzeiht meine Ausdrucksweise, Bullshit. Und im umgekehrten Fall lassen wir ein solches Argument gar nicht zu. [1]

Ein weiterer Aspekt: Wir befinden uns in einem öffentlichen Raum. Dieser Raum ist für alle da, auch wenn das vielleicht im Einzelfall den Menschen nicht in den Kram passt. Ihn für sich und die eigene Meinung zu beanspruchen ist ungesund und führt mindestens zu nachhaltiger Frustration. Denn an einem bestimmten Punkt stellt man immer fest, dass die Menschen um einen herum nicht jede der eigenen Anschauungen teilen. Früher oder später ergibt sich also ein Dissenz. Und was dann?

Damit wäre ich bei der Meinungsfreiheit: Auch wenn der Account @blockempfehlung mich wohl nun in die Schublade der „Rechtsstaatenmeinungsfreiheitsschreier“ stecken wird: Meinungsfreiheit ist eng definiert: Das Unterbinden abweichender Meinungen ist in einer Demokratie nicht zulässig. Das gilt nicht nur institutionell, sondern selbstverständlich auch im täglichen Miteinander von Privatpersonen. Aber das kollektive Unterbinden unliebsamer Meinungen ist genau das, was wir in sozialen Netzwerken derzeit erleben – die twitter-blockempfehlung, wie gesagt, ist nur ein weiteres Symptom für dieses Verhalten.

Ich schätze mich derzeit glücklich. Meine politischen und gesellschaftlichen Ansichten sind in meinem Teil der Blase der Mainstream. „Wir“ sind links, engagieren uns für Gleichstellung und Soziales, finden Feminismus wichtig und Nazis scheiße. Einige von uns sind vegan. Das ist ein schönes Gefühl. ABER:
Was ist denn, wenn sich das Verhältnis umkehren sollte? Wenn die eigene filterbubble, die mir den Rücken stärkt, plötzlich nicht mehr meiner Meinung ist? Habe ich dann das Recht auf meine Meinungsäußerung verwirkt? Muss ich mich dann kollektiv blocken und sperren lassen, weil ich finde, dass Deutschland mehr Flüchtlinge aufnehmen sollte, und mich traue, das offen zu sagen? Würde ich dann, hampelnd und „Meinungsfreiheit“ brüllend, abgetan und als Verursacher sprachlicher Gewalt hingestellt? Und was könnte ich dann dagegen tun? Ist die Gleichschaltung von Meinungen denn ok, solange es sich dabei um die „richtige“ Meinung handelt? Dürfen dann diejenigen mit der „richtigen“ Meinung, zur Not auch mal mit sprachlicher Gewalt, gegen die mit der „falschen“ Meinung vorgehen? Und wer bestimmt, welches die richtige Meinung ist? Die Mehrheit, oder? Auch den folgenden Satz will keiner lesen, aber: Verzeiht: Genau so hat der Faschismus funktioniert. [2, 5]
Wir sollten uns in unserer Rechtschaffenheit, zu beurteilen, was man denken darf und was nicht, fragen, welche Ansicht dahinter steckt. Ist es eventuell die Meinung, dass es sich bei Menschen unliebsamer Ansichten um Menschen zweiter Klasse handelt? Sind doch alle Menschen gleich, aber einige eben gleicher? Und wo ziehen wir dann die Grenze? Alle blocken, die wir ätzend finden. Und dann? Alle blocken, die Menschen verteidigen, die wir ätzend finden? Fein. Und dann alle Menschen blocken, die finden, man müsse durchaus einmal über das Recht auf freie Meinungsäußerung sprechen? Hm.
Wer findet, das sei nun wirklich überspitzt, der lese sich noch einmal die Selbstbeschreibung des twitter-Accounts von oben durch. Und dann diesen Artikel, der zeigt, wie willkürlich ein solcher Ausschluss aus dem Diskurs sein kann.

Wenn wir so weitermachen wollen, hat Patrick Breitenbach Recht. Dann besteht unser wirkliches Problem nicht in den Algorithmen unserer Überwacher. Dann besteht unser Problem in der eigenen Rechtschaffenheit und unserer Null-Toleranz-Politik gegenüber unliebsamen Meinungen.

Ein Wort zu den geforderten Schutzräumen im Internet: [3]
Den einzelnen Individuen werde ich, siehe oben, sicher nicht vorzuschreiben versuchen, wovon sie sich angegriffen fühlen dürfen. Das ist ihr individuelles Gefühl. Und ihre individuelle Entscheidung ist es, jemanden aus ihrem Diskurs zu entfernen. Aber bitte: Bevor Ihr gleich kollektive Blockempfehlungen aussprecht, den öffentlichen Pranger bemüht oder einem Aufruf zum Spamblock folgt: Überlegt einmal, ob das das Verhalten ist, das Ihr selbst erfahren wollt. Wenn der Wind sich dreht.

Anmerkungen:

[1] Etwas weiter ausgeführt: Etwa 6 Jahre meines Lebens war ich aufgrund meiner Kinder auf Wickelmöglichkeiten bei gemeinsamen Unternehmungen angewiesen. Oft (nicht immer) befanden sich die Wickelmöglichkeiten in der Damentoilette. Ich habe mich davon kein einziges Mal diskriminiert gefühlt. Ein Wickeltisch ist nämlich zunächst einmal ein Service eines Dienstleisters, und nicht patriarchale Struktur, die Frauen auf ihren angestammten Platz innerhalb der Gesellschaft weist. Finde ich es nachvollziehbar, dass sich Feministinnen davon diskriminiert fühlen. Nein, nicht unbedingt. Gestehe ich es ihnen zu? Aber selbstverständlich! Bin ich irritiert, wenn sie finden, ich solle mich aus Solidarität ebenfalls davon diskriminiert fühlen? Ja, sehr, sehr irritiert!

[2]„Das hat im Internet nichts zu suchen“ ist einer dieser Sätze, die ich als höchst anmaßend empfinde. Doch, das hat es. Leider. Das Internet ist, so wie wir es verwenden und ich es gerne weiter verwenden möchte, dezentralisiert und basisdemokratisch. Alles andere will ich persönlich nicht. Die Gefahren sind zu groß (siehe Faschismus).

[3] nightlibrarian bezieht das Verhalten der BlockempfehlerInnen vor allem auf die NetzfeministInnen, die oft unter schwerer und unsachlicher Kritik stehen. Ein Zusammenschluss derjenigen, die sich vor sprachlicher Gewalt schützen wollen, und eine (möglichst sachliche) Empfehlung, um welche Accounts frau einen Bogen machen sollte, fände ich überaus sinnvoll. Vielleicht erwägen deren Mitglieder ja auch, die betreffenden Teilnehmer einfach zu muten, statt zu versuchen, sie aus dem öffentlichen Diskurs zu entfernen.

[4] Natürlich beziehe ich mich in diesem Blogpost nicht auf Straftatbestände. Auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum, und bestimmte Äußerungen sind keine „individuelle Meinung“, sondern schlicht und einfach Straftaten.

[5] Ebenso interessant ist es, sich anzusehen, wie Menschen, die sich eigentlich für Gerechtigkeit einsetzen, mit zweierlei Maß messen. Da werden offene Beleidigungen toleriert, weil derjenige, der sie ausspricht, die „richtige“ Meinung vertritt. Im umgekehrten Fall aber wird laut gebrüllt und zum Spamblock aufgefordert.

Weitere interessante Links zum Thema: (Liste wird ergänzt)

Genderama

Die Stellungnahme von tofutastisch zu ihrer Beteiligung an der Blockempfehlung

Der turbozopf über die blockempfehlung, Trigger-Warnung: Nett ist anders 🙂

 

Update:

Julia Seeliger kommentiert meinen Artikel lieber auf ihrem eigenen Blog. Kommentar wie zugehöriger Artikel mögen etwas lieblos hingerotzt sein, aber es finden sich ein paar interessante Links und Hintergründe zum Thema.

Hier findet Ihr einen aktuellen Artikel von Peter Tauber. Er nimmt auch sich selbst vor, mehr Achtsamkeit in der digitalen Kommunikation zu üben, und hat auch gleich einen Begriff dafür mitgeliefert: Digital Caring.

Und hier geht es zu einem und noch einem Artikel von kritikkultur, der sich offenbar bereits vor einiger Zeit mit dem Umgang miteinander auseinandergesetzt hat.

Blogblume rantet. Und ich finde es lesenswert!.

  1. Es ist immer eine Frage der Betrachtung, des Standpunkts, des Weltbilds. Als ich nach einer der Lampedusa-Tragödien gebloggt habe, „Lasst sie doch ersaufen“, hat es Hassmails geregnet. Nicht einer hatte den Text gelesen.

    In Texten reichen oft einige Triggerworte, und der Kontext wird gar nicht mehr wahrgenommen. Die Empörungsmaschine läuft sofort an. Auch viele meiner Tweets kann man wunderbar missverstehen, wenn man meine Schreiberei nicht kennt.

    Wer sich nicht mit einem Text auseinandersetzen will, soll es halt bleiben lassen.

  2. sol

    Du denkst voll gut – nur leider 70-90% weit genug.
    Wegen Meinung/.. fehlt die Frage von
    – INgroup/.. GrüppchenBildung
    – Totalitarismus/ MedienMacht.
    Voll nicht kapiert hast Du den anti-sexistischen Tweet #HasJustineLandedYet – die (Süd)Afrikanerin protestiert damit berechtigt gegen die Vergewaltigung schwarzer Frauen und Mädels, die über Aids einfach nur Mord ist. (Britisch/SüdAfr. Humor – siehe MontyPython)
    Insgesamt ca. 50% Denkergebnis – besser als andere anderen.
    Fröhlich-feministischen Freitag!

    • Ich habe mich nicht im Einzelnen auf die Folgen des Tweets bezogen – und keinen der Hastags kritisiert. Was ich kritisiere, sind die persönlichen Drohungen, die sie und ihre Familie erhalten hat. Da waren Dinge dabei, die ich – genauso wenig wie den ursprünglichen Tweet – nicht wiederholen werde.
      Vielleicht kannst Du erklären, was Du mit dem ersten Punkt meinst, damit ich das auch verstehe 🙂 Und Entschuldigung für das späte Freischalten: Dein Kommentar war im Spam-Ordner. Sollte nun nicht mehr passieren 🙂

  3. Auf Twitter bildet sich gerne ein Mob. Gut, heute nennt man das Shitstorm, aber früher eben Mob. Schnell wird eine Kollektivmeinung(1) gebildet, die viele übernehmen.

    (1) Kollektivmeinung meist = Feindbild

    • 🙂 Danke für Deinen Kommentar! Ich sehe Deinen Punkt. Gleichzeitig: Macht es immer Sinn, sich auf den jeweiligen Kontext zu berufen? Im Fall der PR-Dame (und ich habe mich aus dem hübschen Shitstorm aus Überzeugung herausgehalten) bleibt der Tweet auch nach wohlwollender Kontextualisierung und der Erklärung, sie habe „bloss witzig sein wollen“, Hipster-Rassismus in Reinform. Das hätte sie meinetwegen am Stammtisch machen können, dann lachen vielleicht die besten Freunde über den miesen Scherz. Aber als Teil öffentlicher Kommunikation? Woah.
      Was ich schön finde an der vielschichtigen Pofalla-Meldung, und so verstehe ich auch Deinen obigen Kommentar: Man schützt sich selbst und andere vor Empörung und dem Mitmachen bei Hetzjagden, wenn man sich die Zeit nimmt, den jeweiligen Kontext zu erfassen. Zwar nicht immer, aber doch mit zuverlässiger Quote. (Bei Pofalla ist dem nicht so. Ich weiß immer noch nicht: Geht der jetzt zur Deutschen Bahn? ;))
      Auf der letzten re:publica haben Jörg Braun und Sabria David so schön von verlangsamter Kommunikation gesprochen. Das ist sicher ein Weg.

      • Ingo Neitzke

        Von der dringend nötigen Verlangsamung wird seit langer Zeit als Entschleunigung geredet und geschrieben. Für gründlicheres Denken, weniger Missverständnisse, gefahrlosere Satire(-Spielerei)… eine bessere Welt.

        Solange der alle Lebensbereiche massiv unter Druck setzende Hauptbeschleuniger – unser Geldsystem – nicht konsequent korrigiert wird, solange wird es beim Reden bleiben. Der kaputte, bizarr umverteilende Geldkreislauf ähnelt einem kranken Blutkreislauf.

        Möge der Artikel besonders bei denen wirken, die viel und gern von gewaltfreier Kommunikation reden und die sehr stark sind im Fordern von Toleranz.

        Verbale Gewalt wird ähnlich unterschätzt, wie andere unauffällig dosierte und sich längerfristig summierenden Schädigungen. Sie tötet. Für die Umwelt schwer erkennbar und schlecht verfolgbar hinter subtilen Masken der Niedertracht.

      • Hatte mich eigentlich auf die „blockempfehlung“ bezogen und darauf, wie schnell eine solche „Empfehlung“ ausgesprochen werden kann. War aber missverständlich, entschuldige.

  4. soulless

    Ein dickes Lob, so ziemlich das Beste was ich dazu bisher gelesen habe weil ruhig und gut erklärt.

  5. Vielen Dank für den unaufgeregten, aus meiner Sicht wichtigen Artikel. Erlaube mir kurze Kommentare zu drei Punkten, die mich umtreiben:

    1) @blockempfehlung schlägt im Moment auf Twitter (Ich wette mal, dass von den Offlinemenschen noch niemand davon gehört hat.) einige Wellen. In meinen Augen haben sich die Personen durch ihre Anonymität selbst in Knie geschossen. Wenn ich eine Meinung habe, sollte ich auch den Mut haben, dazu zu stehen. Alles andere ist feige. Mich stört @blockempfehlung nicht weiter, ich habe mal kurz drüber gelesen und finde deren Tweets reichlich kindisch. Blocken werde ich @blockempfehlung aber nicht. Das ist mir zuwider, weil ich ein demokratisches Netz möchte, in dem jeder seine Meinung sagen darf.

    2) Gruppendruck in sozialen Netzwerken: Ja, kann es durchaus geben, ich würde aber gern von Gruppendruck der Filterblase sprechen. Kleines Beispiel? Ich beziehe mich jetzt mal auf zwei Accounts, denen ich nicht folge, bei denen ich aber ab und zu aus Interesse lese, und denen ich im RL wohl eher nicht begegnen möchte. Es geht um @steinbacherika und @EinAugenschmaus. Meiner bescheidenen Meinung nach haben beide Accounts mehr gemeinsam, als beiden wahrscheinlich lieb ist. Ziehe ich nun über @steinbacherika her, wird dies auf Twitter vermutlich folgenlos bleiben. Schreibe ich etwas provokatives und negatives über den Lobbyismus von @EinAugenschmaus, so dürfte die Wahrscheinlichkeit eines Aufregers ungleich größer sein.
    Wie ich mich davor schütze? Indem ich meine Timeline versuche, politisch ausgewogen zu halten (von links über desinteressiert nach rechts) und bewusst auch Leuten zu folgen, die eine konträre Meinung vertreten. Nichtsdestotrotz lasse ich mich von einem kleinen Pofallawitz nicht abhalten. Die Grenze zwischen Witz und Realität sind da einfach zu fließend.

    3) Ist das Blockphänomen ein Netzphänomen?
    Nein! Vermutlich ist es eher ein Problem der politischn linken. Achtung Buzzwords: Animal Farm, Stalinismus, Trotzki, DDR, DieLinke, Umgang mit Joschka Fischer nach der btw13.
    Letzteres hat mich übrigens besonders geärgert. Man mag von Joschka Fischer halten, was man will. Wenn ich aber wüste Beschimpfungen lese, wenn er sich zur Wahlniederlage 2013 äußert, schüttle ich mit dem Kopf. Frage ich dann freundlich nach dem Grund für den Ärger, und es kommt lediglich die Antwort „Der alte Sack soll endlich die Klappe halten.“ dann bestärkt das leider meine Vorurteile zum Thema „Meinungsfreiheit im linken politischen Spektrum, obwohl ich mich ja selber dazu zähle.

    • Vielen Dank für Deine Anregungen, Martin!
      Zu 1) stimme ich Dir voll zu – weswegen ich dahingehend ja auch eher von „symptomatisch“ spreche. Und, ja, auch ich halte nichts davon, die blockempfehlung zu blocken. Warum auch? An ihr hängt sich nun eine wichtige Debatte auf.
      Zu (einem Aspekt von) 3) Dass twitter wie immer herhalten muss (oder eben facebook) liegt an der hübschen Archivierung und der öffentlichen Abrufbarkeit. Was wir offline erleben, ist später in der Wiedergabe durch unser subjektives Wahrnehmen stark eingefärbt. Online kann ich direkt in die Diskussionen hinein sehen und noch Tage später beurteilen: Was wurde wie gesagt, wer hat worauf reagiert etc. Eine tolle Sache, weil sie Dinge sichtbar werden lässt, die für mich in der Offline-Welt reine, schwer greifbare Vermutungen waren. Auch eine Chance (schrieb heute ein Twitterer). Sehe ich auch so.

      Zu 2) Hier bin ich natürlich schwer interessiert. Das ist das zweifache Maß, das ich als Bild gerne bemühe. Durch den Personenkontext findet eine Umwertung statt. Plötzlich ist etwas ok, weil es „die richtige“ sagt. Auch das kann ich bis zu einem gewissen Punkt sogar nachvollziehen – denn die Motive für einen kleinen Shitstorm gegen Dich wären nicht verwerflich: Auch hier ginge es letztlich um Schutz. Dass das enorm zu problematisieren ist, fällt immer noch wenigen auf.

  6. „der neue faschismus wird nicht sagen, ich bin der latente faschismus. er wird sagen, ich bin der antifaschismus.“
    Ignazio Silone

    • Man munkelt dies, ja 🙂 Und obwohl ich weiß, worauf Du mit diesem Zitat hinweisen möchtest, kann ich es, so ohne Kontext, nicht unkommentiert unter diesem Post stehen lassen. Ich will das erklären:
      tl;dr
      Mein Problem ist, dass dieser Satz oft missbraucht wird, etwa im Zusammenhang einer Rechtfertigung rechten Gedankenguts. Es entsteht schnell eine Situation, in der beide Seiten einander des Faschismus bezichtigen. Ich habe oben explizit nicht geschrieben: Das ist Faschismus, oder, damit ist irgendwer ein Faschist. Es wäre reiner Blödsinn, würde ich das behaupten wollen. Ich denke, dass die meisten Menschen in einer bestimmten, oft nachvollziehbaren Absicht handeln. Wer blockt, versucht sich meistens, zu schützen. Wer zu einem Spamblock aufruft, handelt oft in der (Fehl?)Annahme, auch andere damit zu schützen. Nur in zweiter Linie wird das Sperren des Accounts und damit das Vertreiben aus dem öffentlichen Raum hingenommen. Da muss man nach dem Gefühl und der individuellen Situation schauen, in der sich der- oder diejenige befindet, anstatt von „den Blockern“ zu reden. Generalisierungen nützen hier nichts. Würde ich denken, hinter all dem stünde stets systematische, böse, kalkulierte Absicht, gäbe es diesen Blogpost nicht. Und ich wäre nicht mehr auf twitter 🙂 Die verhärteten, emotional stark aufgeladenen Fronten lassen sich nicht durchbrechen, indem man der jeweils anderen Seite faschistisches Handeln unterstellt. Das ist nichts anderes als das von mir kritisierte Toleranz-Gebrülle, das beobachtbar immer lauter wird, je mehr die eigene Toleranz abnimmt.

      Was können wir machen? Jede Menge! Wir können uns bewusst machen, was in der Kommunikation passiert. Wir können achtsam kommunizieren, z.B. indem wir nicht mehr sagen: Du bist sexistisch/rassistisch/faschistisch/was auch immer. Das ist eine Aussage über einen Charakter, die weh tut. Der Betroffene geht in eine verständliche Defensivhaltung. Man könnte stattdessen sagen: Dies und jenes war sexistisch, hier hast Du Dich sexistisch verhalten. Das gibt dem Gegenüber die Möglichkeit, das eigene Verhalten neu zu bewerten. Hierzu muss man sich in die Situation des Anderen ein Stück weit hineinversetzen und versuchen zu verstehen, woher ein bestimmtes Verhalten kommt. UND man muss sich im Klaren darüber sein, dass die eigene Meinung nur das ist: Eine Meinung. Und man selbst davon vielleicht überzeugt ist. Aber die Möglichkeit besteht, dass man falsch liegen könnte.

      Das sind viele, viele Punkte, und ich denke, 140 Zeichen reichen für Derartiges nicht aus. Aber wie wäre es mit einer Neubewertung der eigenen Maßstäbe und einer Analyse, wann man selbst „Toleranz“ und „Meinungsfreiheit“ brüllt, und wann man sie dem Gegenüber dann lieber nicht zugestehen möchte. Dafür brauchen wir keine Diskussion über den neuen Faschismus als Antifaschismus, das heizt nur zusätzlich an, was vielleicht besser gekühlt werden sollte.

      Toleranz, Verständnis und das Berufen auf Meinungsfreiheit verstehen wir oft als eine Art Einbahnstraße. Das geschieht in den seltensten Fällen bewusst. Wir sollten niemandem böse Absichten unterstellen, bis zweifelsfrei bewiesen ist, dass derjenige sie tatsächlich auch verfolgt.

      Anders als dieser unmöglich lange Kommentar vermuten lässt, freue ich mich über Deinen Kommentar hierzu. Vielleicht können wir – weiter so freundlich und offen – darüber im Diskurs bleiben 🙂

      • liebe juna,

        am 27. dezember twitterte @blockempfehlung das folgende:


        (TW : Rassismus, Blackfacing) EinBeíspiel von vielen:
        twitter.com/hauwech3/statu
        #htpps://twitter.com/hauwech

        klickt man auf drauf, so kommt man auf den link zum post:
        „antirassisten sind die wahren rassisten“
        auf dem blog von @sciencefiles.
        (über #blackfacing)

        zwei mit einem streich?
        @hauwech3, weil er den beitrag von @sciencefiles lobte („brilliant zerlegt“) und von der binnenlogik von @blockempfehlung her ja wohl auch @sciencefiles selber?

        und hier liegt das eigentliche problem:

        wie bei allen beiträgen von @sciencefiles handelt es sich auch bei diesem um einen gut geschriebenen und hochargumentativen post über das theater, das nach der wettendass-sendung plötzlich anhub und in dessen gefolge die gutdeutschen dann wohl entdecken sollten, daß michael ende ein rassist sei und jede darstellung von jim knopf oder anderen „poc“ eine ebensolche tradition?
        und jeder aufrechte antirassist den sternsingern, wenn ein kind mit schuhcreme im gesicht dabei wäre, die tür vor der nase zuschlagen sollte?

        es soll ja nicht rassistische menschen geben, die das für völlig übertrieben und eine künstlich hochgezogene diskussion halten. auch das argument, das von einer organisation kam, die schwarze menschen vertreten will, zum rassismus gehöre keine solche absicht, ist ja nicht nur in rechtstaatlicher hinsicht, eher sehr fragwürdig?
        und @sciencefiles wies in seinem beitrag zu recht daraufhin, daß die tradition des #blackfacing eben nicht nur und nicht einmal vor allem rassistische untertöne hatte. und heute sicher schlicht nicht mehr hat?

        es ist als sicher anzunehmen, daß von harten kern der ganzguten abgesehen, die meisten, die sich auf twitter wie immer brav mitempörten, von den ministrels und ihrem blackfacing das erste mal am tag nach der sendung hörten. das war wohl dann dieses berühmte bewußtmachen.
        ich leugne keineswegs, daß es problematisch ist, wenn deutsche theater kaum schwarze menschen (nein, ich sage nicht poc. ich wähle meine worte nicht nach der neuesten mode) beschäftigen, sodaß sie dann für othello keinen haben, der sich nicht blackfacen müßte. weil sie für „weiße“ rollen keine schwarzen dem publikum zumnuten wollen. darüber sollte man sicher reden. aber jim knopf unter generalverdacht stellen und möglichst noch die sternsinger und den karneval dazu und sich möglichst noch im nachhinein ereifern,
        daß pierre brice gar kein indianer war: das hilft wohl kaum gegen den tatsächlichen rassismus in ämtern und in internetforen?

        @blockempfehlung w i l l aber keine diskussion.
        sie wollen, daß accounts verschwinden.
        was sie auch würden, wenn genug leute zustimmung blökend auf spamblock drücken, wozu @blockempfehlung schlicht die verkappte aufforderung ist.
        sieht so eine freie gesellschaft aus? es ist lächerlich, michael klein, der @sciencefiles betreibt und in england lebt, als rassisten abzutun. er ist sicher nicht beliebt, weil er auf auswüchse des staatsfeminismus in schulen und unis mit polemischer schärfe eingeht, aber eben auch mit gutgeschriebenen texten und fundierten argumenten? daß wir das nicht mehr lesen sollen, ist die forderung von accounts wie @tofutastisch, die eingestandermaßen hinter @blockempfehlung mitsteckt.
        (warum sind die andren anonym? anonyme denunzianten, die andre meinungen unterdrücken wollen, sind wir wieder so weit?)
        und deren hauptargument gegen mißliebige in dem vierjährigenwort #kackscheisse besteht.
        eigentlich fällt mir dazu nur judith holofernes ein, in ihrer berühmten replik auf BILD:

        „ich glaube , es hackt“

        wer blockt, so schreibst du, versucht sich meistens zu schützen.
        eben.
        e r schützt sich. selber.
        wer einen bestimmten content aber nicht in der TL h a t, der braucht sich nicht mit vorauseilendem blocken davor zu schützen? s o empfindlich muß ja nun keiner tun. vor allem nicht, wenn es um die errichtung eines prangers geht, der wahllos tatsächliche pöbelnde rassisten mit klugen polemikern in einen topf wirft, umrührt und alles selbstgefällig greinend zur superbösen kackscheisse erklärt?
        weil einem die ganze richtung nicht passt?
        wer zu einem spamblock aufruft, handelt oft in der (fehl)annahme, andere damit zu schützen, schreibst du.
        wovor? vor der wirklichkeit?
        dieses ganze triggerwarnungsgetue ist der mißbrauch von angeblicher sensibilität als argument? patronising nennt man das im englischen:
        wissen, was für andre nicht gut ist. oder was sie nicht wollen werden.
        da müssen vielleicht einige noch erwachsen werden?
        das kann weh tun und anstrengend sein?

        nimmst du übrigens im ernst an, hinter @blockempfehlung stehe keine kalkulierte absicht, genausowenig wie hinter @Masku_Sammlung?
        lucky you. 🙂
        achtsam kommunizieren? wie du hier? und wie ich es versuche?
        gerne.
        wenn ich aber keinen account habe, dann kann ich auf twitter gar nicht mehr kommunizieren?
        @Turbozopf hat das alles noch viel drastischer gesagt, du hast es mit einer triggerwarnung versehen. aber im prinzip hat er schlicht auf das grundgesetz verwiesen. muß man das nun auch schon mit #triggerwarnungen versehen? 🙂
        und diese unsäglichen generalverdächtigungen andersmeinender als nazis etc gehen nun mal von einem hardcorelager auf twitter aus, die damit kritik generell verhindern wollen. und die sich als links empfinden. das ist keine unterstellung. auf @sciencefiles findest du beispiele noch und noch. alle mit quellen und zitaten belegt. s o sollte das sein. empfindlichsein wollen, emotiönchen behaupten, weil einem schlicht die einfachsten argumente fehlen, d a s alles hat im öffentlichen raum nichts zu suchen?
        genausowenig wie pranger?

        sorry, für die länge.
        aber mein erster kommentar war ja eher kurz. 🙂
        auf meinem blog mit dem ich hier kommentiere, findest du noch einige posts zum thema #ochdomino.
        die @faserpiratin, die damals ein mädchen, das es dann angeblich nie gab, mit rüden rabauken in einen topf warf, die @faserpiratin war die erste followerin von @blockempfehlung.
        dann zog sie zurück und will heute nicht mehr drauf angesprochen werden.
        s o sensibel ist sie nun geworden? 🙂

        von all meiner polemik sollst d u dich nicht gemeint fühlen! 🙂 von dir geht freundliche und ruhige sachlichkeit aus.
        das ist schön.

        viele liebe grüße

        @MelekSgrafitto

        • Danke für den ausführlichen Kommentar!
          Nur ein Satz zur #Blackfacing-Debatte, denn da sind wir ganz offenbar sehr verschiedener Ansicht: Diskriminierung liegt im Auge/Gefühl desjenigen, den sie betrifft, das bedeutet für mich: Wenn sich ein Mensch von einem Verhalten verletzt fühlt, unterlasse ich es selbstredend, wenn ich es kann. Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, ob dieses Gefühl gerechtfertigt ist. Denn nach welchem objektiv gültigen Maßstab sollte ich das denn tun? #Agreetodisagree?
          #ochdominogate: Das war eine schlimme Geschichte. Ich denke, in diesem Fall sind so ziemlich alle Beteiligten unter Inkaufnahme seelischer Schäden verarscht worden. Von einer einzelnen Person, deren Motive mir völlig unklar sind. Für mich damals „nur“ ein klassischer Betrugsfall, ein Fake, wie er eben vorkommt, leider. Für die Diskussion zwischen Feministinnen und Maskulinisten eine Katastrophe. Die Chance, sich darüber zu unterhalten, dass beide Seiten zutiefst getroffen waren, ist verpasst worden. Stattdessen sind die Gräben tiefer geworden, und jede Seite hat der anderen vorgeworfen, ihre Haltung dazu sei nicht zu rechtfertigen/ ihre Gefühle zu dem Thema „falsch“. Hier wiederholt sich ein Punkt, den wir jetzt schon mehrfach hatten, daher breche ich ab und konzentriere mich auf die Mitte Deines Absatzes:
          Ich stimme Dir zu, in der Regel reicht nicht folgen/ nicht lesen/ nicht diskutieren völlig aus. Und wenn jemand selbst findet, er oder sie sollte nun einen anderen blocken, braucht es auf gar keinen Fall eine Blockempfehlung für andere TeilnehmerInnen. Das Ausschließen aus einem Diskurs kann nicht der Weg sein, den wir gehen wollen. Wie auch schon oben geschrieben. Ich bleibe aber bei meiner Behauptung: Ich unterstelle so lange entweder mangelnde Reflexion oder, im Auge des jeweiligen Betrachters, gute Absichten, bis einwandfrei das Gegenteil bewiesen wurde. So durchaus auch im Fall von @tofutastisch. Jetzt kann man sicher diskutieren, ob das eine Verhalten mimosenhaft, das andere gerechtfertigt, das dritte übersensibel ist. Man kann es aber auch einfach lassen, weil es zu nichts führt. Die Erfahrungen und Gefühle machen uns zu sehr individuellen Menschen, die nicht immer rational handeln, und die auch, wenn sie es tun, selten mit den Vorstellungen von rationalem Handeln anderer Menschen nachzuvollziehen sind. Hier hilft eigentlich nur, den einzelnen Menschen nicht als Teil einer Gruppe unter einem bestimmten Label zu sehen.
          Und, da ich gestern bereits darüber eine kleine Diskussion auf twitter hatte: Unzulässige Verallgemeinerungen sind auf beiden Seiten mE gang und gäbe. Zwar will keine/r mit fundamentalen Männer- oder Frauenhassern in einen Topf geworfen werden, gefallen lassen muss sich das offenbar aber jede/r irgendwie am Diskurs Beteiligte. Das ist ungerecht, und zwar für beide Seiten. Es gibt nicht „die“ Feministinnen, genauso wenig gibt es „die“ Maskulisten. Viele Engagierte sind wesentlich näher an der Einstellung des jeweils anderen, als sie denken. Das aber scheint nur von außen wahrnehmbar zu sein. Ein ziemliches Dilemma, wie ich finde. …

          Du scheinst mir zu den Menschen zu gehören, die sich einen Diskurs über das Thema wünschen. Das freut mich sehr. Ich habe mittlerweile auch andere kennen gelernt, die das wollen und sehr offen agieren, auch (oder gar: selbst? ;-)) auf twitter. Weshalb ich mich auch vorhin einmischte, als es um den Namen für Euren neuen Account ging. Das Problem hierbei ist: Diejenigen, die sich NICHT auseinandersetzen wollen, lesen keine Artikel, die von Euch verlinkt werden. Unfair, ist aber so. Diejenigen, die Ihr erreichen und mit denen Ihr in eine Diskussion treten wollt, schreckt Ihr mit solchem Gepolter ab. Am Ende finden sich diejenigen, die vorher bereits Eurer Meinung waren, und vielleicht nicht einmal alle von ihnen. Versteh mich nicht falsch, ich meine das wirklich gut. Ein etwas behutsameres Wording polarisiert nicht so extrem, öffnet aber vielleicht dort Möglichkeiten, wo Ihr vorher noch keine gesehen habt. Das nur zu einer etwas ausführlicheren Erklärung meines Kommentars vorhin. 🙂

          • liebe juna,

            hab ich hier nochmal gastrecht?
            einiges zu @freespeechenemy würde ich gerne loswerden.
            1. inzwischen ist nur noch michael klein von @sciencefiles dafür zuständig.
            2. i c h würde nach wie vor die frageform vorziehen, also:
            „sind sie xy ein feind der demokratie, weil sie das und das sagen, oder fordern, zb einen account wie @blockempfehlung betreiben/unterstützen?“
            michael klein hat nun die listenform und die behauptung gewählt, also:
            „xy i s t das. “
            das ist provokativer, aber da er seine kriterien ja offen angibt, wohl auch vom recht auf meinungsfreiheit gedeckt. @sciencefiles steht ja selber auf der liste der blockempfehler, wg angeblichen rassismus, weil er bei #blackfacing auf ein paar fakten hinwies.
            3. @freespeechenemy war noch keine 30 minuten alt, als @tofutastisch schon alle masken fallen ließ und schnarrte:
            „bitte @freespeechenemy wegblocken“
            also in diesem fall wird es auch dir schwerfallen, nochan gute absichten zu glauben?
            w e g blocken ist etwas zu deutlich? ich habe in meinem post auf @http://meleksgrafitto.wordpress.com
            „kackscheisse wegblocken? eine triggerwarnung“
            alles weitere dazu gesagt. kannst du gerne hier verlinken.
            so mit triggerwarnung etc. 🙂
            4. heute habe ich dann die probe gemacht. kann man auf @MelekSgrafitto nachlesen.
            ich fragte ca 10 follower von @blockempfehlung, ob ihr folgen eine unterstützung und billigung der methode sei oder bloße information? und zwar nur öffentliche personen, politiker, journalisten , autoren, lehrer etc.
            sind so einige dabei.
            genau einer, nämlich @TitusLuca hat offen geantwortet, er folge keinesfalls weil er das billige, sondern weil er wisse wolle, wer da warum empfohlen werde. und der ist in der JU köln. 🙂 manchmal mag ich die alten demokratischen parteien am liebsten, weil sie gewisse regeln doch einhalten. keiner mobbt so wie die piraten?
            alle andren reagierten entweder, indem sie mich blockten, gar nicht antworteten, oder erzählten, daß sie sich nicht rechtfertigen müßten oder nicht genau wüßten, was @blockempfehlung sei. ein schweizer lehrer meinte, er blocke nur richtigen spam. auf die rechtsstaatsmeinungsfreiheitsgeschreinummer angesprochen schwieg er dann auch.
            das heißt, die öffentlichen sind feige und wollen mal wieder nix gewußt und gemacht haben und keine fragen beantworten. ich sehe da ein muster?

            guter gruß

            @MelekSgrafitto

          • Jeder, der seine Meinung äußert, ohne ausfällig zu werden, wird hier freigeschaltet. 🙂 Dass Du bei dem Thema nicht vollkommen sachlich bleiben kannst, weil Du sehr stark involviert bist, kann ich gut verstehen. Ich habe die Reaktion auf Eure bzw. jetzt nicht mehr Eure Initiative mitbekommen und kann im Falle der Dame, die Du im Besonderen nennst, nicht mehr von gutem Willen ausgehen. Es scheint ihr vollkommen egal zu sein, dass es mittlerweile diverse sachliche Beiträge gibt, die das Verhalten mehr als kritisch sehen.
            Trotzdem muss ich noch einmal anmerken, dass ich denke, der Gebrauch des Wortes „Feinde“ war in diesem Zusammenhang keine gute Idee. Ich reite nun etwas darauf herum, ich weiß.
            Zu der Sache mit den Piraten: Auch hier: Du möchtest nicht in einem Atemzug mit frauenverachtenden, frauendiskriminierenden Menschen genannt werden. Aber selbst verallgemeinerst Du sehr stark. „Die“ Feministinnen, „die“ Piraten. Würde es nicht helfen (und Dir auch ein wenig Ruhe zurückgeben), wenn Du da versuchen würdest, Dir die Menschen als Einzelpersonen – und eben individuell Handelnde – vorzustellen, statt als eine Art unter einem bestimmten Label handelnden Mob?
            Ich denke, momentan ändert sich einiges. Ich habe bereits wirklich schöne, ruhige Artikel gelesen, die das momentane Auftreten einiger (weniger) sich selbst den Netzfeministinnen zurechnenden Menschen kritisieren. Und dabei die Position vieler Männer, die sich Männerrechtler nennen, aber nicht vorhaben, Frauen zu unterdrücken, stärken. Siehe als Beispiele: http://www.donnerhallen.de/2013/12/08/meine-fernbeziehung-zum-netzfeminismus/ und http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2014/01/01/kulturelle-trends-2014-selbstzensur-matschbirne-mannerrechtler-weniger-fleisch/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+claudia-klingers-digital-diary+%28Claudia+Klingers+Digital+Diary%29
            Wäre es nicht von enormem Vorteil, genau diese Wahrnehmung jetzt mit Ruhe und freundlicher Diskursbereitschaft zu stärken?
            Ist das viel verlangt? Natürlich. Sehr viel. Ist es möglich? Das müsst Ihr mir sagen. Fest steht: In der Mitte, da, wo die militanteren Stimmen etwas leiser werden, finden sich die Positionen und entdecken plötzlich, dass sie so weit voneinander entfernt gar nicht waren. 🙂
            Einen Gruß auch an Dich, und alles Gute!

  7. Guter Artikel, vielen Dank dafür.

    Mich würde manchmal interessieren wie sich die Menschen die hinter @Blockempfehlung stehen (oder ähnlich im Netz verhalten) im realen Leben mit ihren Mitmenschen auseinander setzen. Ich habe im privaten und beruflichen Umfeld viel mit anderen Menschen zu tun, die oft genug eine andere Meinung vertreten wie ich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei anderen nicht so ist. Es wäre doch auch sehr langweilig und begrenzend wenn alle um mich herum das gleiche Weltbild hätten wie ich.
    Gerade die Diskussion und Auseinandersetzung mit Andersdenkenden kann mein eigenes Leben bereichern. Das gilt meiner Meinung nach offline und online. Und wenn als Konsens nur übrig bleibt ‚we agree to disagree‘ ist das für mich auch in Ordnung.

    Für mich ist die Meinungsfreiheit ein sehr hohes Gut. Auch wenn mir manche der vertretenen Meinungen nicht gefallen.
    Ich halte mich gerne an den Spruch der ja fälschlicherweise Voltaire zugeschrieben wird: „Ich missbillige, was du sagst, aber würde bis auf den Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen“

    Vielleicht sollten wir alle mehr Voltaire lesen 😉

    • Was, das ist gar nicht von Voltaire? Danke, wieder etwas gelernt. 🙂
      Ich schätze, es gibt vermutlich ganz unterschiedliche Motive, online so aufzutreten. Ein Punkt könnte sein, dass der digitale Raum natürlich von sich aus bereits eine Art Schutz bietet. Hier kann ich mich, wenn ich es möchte, unglaublich daneben benehmen, ohne dass mir, wie vielleicht im wirklichen Leben, dafür mal eine gelangt wird. Ich denke aber, das betrifft nur einen kleinen Teil der InternetnutzerInnen. Die Mehrheit wird sich online wie offline ähnlich verhalten. Der virtuelle Raum ist aber größer, wir hören mehr Stimmen. Somit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass einige dabei sind, die wir „nicht so stehen lassen“ können. Und das Übergehen dieser oder, wenn es denn unbedingt sein muss, das achtsame Kommunizieren mit ihnen, ist offenbar eine soziale Kompetenz, die, obwohl sie immer wichtiger wird, immer noch nicht ausreichend geschult wird. :/
      Danke für die Anregung!

  8. Danke für dieses sehr ausführliche Posting. Ja, ich halte es wie die Sabine mit Voltaire, jeder darf seine Meinung sagen. Und aus der Usenet-Vergangenheit kann ich nur hinzufügen, es gibt zwar ein Recht, seine Meinung zu äußern, aber es gibt für niemanden die Pflicht diese auch wahrnehmen zu müssen.

    Das mit der Blockempfehlung auf Twitter finde ich sehr bescheuert um es mal so auszudrücken. Denn wenn ich jemanden nicht lesen will, dann folge ich ihm nicht und gut ist es. Warum soll ich also jemanden blocken? Nur um zu vermeiden, dass hin und wieder bis zu 140 Zeichen von ihm via Retweet in meiner Timeline aufschlagen? Das kann ich verschmerzen und einfach darüber hinweg scrollen so wie ich es auch mit anderne Tweets mache die salopp gesagt in die Kategorie „Grundrauschen“ fallen. (Natürlich nicht Deine Tweets )

    Schlimm finde ich es auch, wenn dann Leute schauen wer so einem „Bäh“-Account folgt und diese Leute sofort entfolgen wenn man sie denn in der Timeline hat. Ich habe jetzt zum Jahreswechsel mal bei den Leuten denen ich folge aussortiert und es sind einige rausgeflogen weil die Tweets einfach pubertierend waren und das habe ich dank 13-jähriger Tochter daheim live, das brauche ich nicht auf Twitter. Lediglich einen habe ich entfolgt weil er einen sehr fremdenfeindlichen Tweet rausgehauen hat und ich mich dann entschlossen habe, so etwas nicht unbedingt haben zu müssen.

    Das ist auch ein Unterschied zwischen den neuen Social Networks und den früheren Diskussionsplattformen wie dem Usenet. Im Usenet hast Du die Leute, die getrollt haben einfach ins Killfile oder ins Scorefile gepackt. Socrefiles sind toll, da kann ich Postings von Leuten „killen“ die sich als Trolle geoutet haben, aber eben auch unterscheiden, ob der Troll z.B. auf mein Posting antwortet, dann sehe ich das noch. Und ja, das Scorefile und Killfile waren lokal und gingen niemand etwas an, manche bekräftigten die Neuaufnahmen dort mit einem kräftigen „Plonk“, andere hielten sich an den Grundsatz „sei weise, plonk leise“. Und man konnte die Trolle wegen der Hierachie des Usenet themenbezogen blocken, denn manche war in ihrem Fachgebiet sehr wohl Experten, in andern Themen jedoch Deppen. Ganz toll war auch die BBDB (Big Brother Database), das war sozusagen die Krone der Schöpfung weil man dort einfach eine Art Kommentar für jeden seiner „Freunde“ ablegen konnte und dann beim Lesen ihrer Beiträge einfach erinnert wurde „pass auf, der nimmts sehr genau“ oder „Besserwisser“ whatever. Alles schön lokal auf meiner Kiste um meine persönliche Wohlfühl-Filterbubble zu bauen wie das so schön jetzt heißt. Bei ganz extremen Trollen gab es im Usenet sogar die UDP (Usenet Death Penalty), diese Absender konnten dann auf keinem NNTP-Server mehr was posten. Also vergleichbar mit einer Account-Sperre in den Sozialen Netzen.

    Wobei bei mir persönlich die Schmerzschwelle schon relativ hoch hängt denke ich, ich habe in meiner Twitter-Timeline auch Leute drin deren Meinung ich nicht teile, die ich aber trotzdem für „informativ“ halte. Wünschen würde ich mir hier tatsächlich einen Assistenten der zu jedem dieser Kontakte meine persönliche Einschätzung mit anzeigt, eben „for my eyes only“, meine Einschätzung dass xyz ein Dummschwätzer ist muss ja nicht von jedem geteilt werden und hat auch sonst keinen zu interessieren. Aber nett wäre es schon, wenn ich die „Mini-Dossiers“ für die 920 Leute denen ich aktuell folge nicht alle im Kopf haben müsste sondern irgendwo hinschreiben könnte. 🙂

    Hier versagen aber die Social Networks. Natürlich könnte ich mir in Twitter mit Listen behelfen, aber wenn ich xyz jetzt in eine Liste „Vollpfosten“ packe, dann sieht er das und eigentlich muss er das nicht. Oder ich muss meine Kreativität ankurbeln um einen nett klingenden Euphemismus für „Vollpfosten“ zu finden.

    Aber jemanden blocken nur weil jemand eine Blockempfehlung ausspricht? Nein, von mir entfolgt zu werden muss man sich schon redlich verdienen und auf Twitter habe ich noch niemanden geblockt. Wobei ich Blockempfehlungen durchaus nutze wenn ich an mein Adblock-Pro-Plugin im Browser denke. Da liefere ich mich dem Filterlisten-Ersteller sozusagen aus, wenn der sagt irgendwas ist Werbung, dann sehe ich es nicht, selbst wenn es mich interessieren würde.

  9. liebe juna,

    ich noch mal.
    ich würde gerne.
    mir die leute als individuell handelnde, denkende, fühlende vorstellen und nicht als einen unter einem bestimmten label agierenden mob. und wer meine politischen tage auf twitter verfolgt, der weiß, daß jeder, der mich persönlich anspricht, immer eine ausführliche antwort kriegt. vielleicht erinnerst du dich an montag, an die junge frau ,@ek… , die so empört war, daß @freespeechenemy sie aufführte und mit der ich eine volle stunde redete und redete..

    das problem ist nur, was mache ich bei denen, die als ein solcher mob h a n d e l n und nicht mit mir reden, sondern hier bei den kleinen accounts angst und schrecken verbreiten, sie könnten, um ein tofuwort nochmal zu genießen, weggeblockt werden? ich kenne eine kluge junge studentin, der mein gestriger post auch gewidmet ist, die ihren twitteraccount bisher nur privat und eher unpolitisch nutzte, als sie aber einen freund auf @blockempfehlung wiederfand, packte sie nun wirklich die wut und prompt retweetete sie die beiträge von @turbozopf und @sciencefiles zum thema. vorher hatte sie blockempfehlung gefragt, warum der freund da stehe, aber eine antwort geben die ja nicht. @freespeechenemy und auch ich reden mit jedem.
    es würde mich interessieren, was du von meinem text gestern hieltst und ich würde mich freuen, nachdem ich dir hier alles vollschreibe, wenn du zeit und lust hättest, dort direkt zu kommentieren. trotz vieler besucher, traute sich bisher kein einziger dort zu kommentieren. ich muß ja auch langsam einen ruf haben… 🙂
    ich habe damals auch mit dem vater von #ochdomino per dm geredet, nicht nur @maltewelding und glaube bis heute, da gab es ein junges mädchen und das war seine tochter und er hat sie dann geschützt mit der fakebehauptung, die alle aufheulend vor freude schluckten. und seine werbeagentur konnte er schließen. auch das sind ergebnisse von mobbing.
    ich bemühe mich, nicht zu verallgemeinern. wenn ich polemisch bin , bin ich nicht wütend, mein vorbild ist da karl kraus. aber du kennst ja auch den satz von lessing:

    „wer über gewissen dingen den verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.“

    und was ich heute und gestern von deinen twittergedichten retweetete, zeigt dir auch meine andre seite. bzw die gedichte, die du in http://meleksgrafitto.wordpress.com vor allem findest.
    meine politischen anfälle kommen nur einmal im monat. 🙂

    ja, es ändert sich was. es gibt nun auch frauen, die auf dem blog von @LucasSchoppe1 zustimmend kommentieren. der auch auf den listen von @blockempfehlung und @Masku_Sammlung steht. allein d a s macht beide zur groteske?
    ich kenne aber auch eine engagierte piratin, die wegen @blockempfehlung die partei verließ. das war ihr einer zuviel.

    du bist freundlich. das ist sehr viel. ich mag dich.

    @meleksgrafitto

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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