Hier ist ein Foto eines radschlagenden Kindes auf einer grünen Wiese zu sehen.

Das Kreuz mit der Schule

Mama Notes fragt nach einem in Deutschland auch zur Zeit wieder kontrovers diskutierten Thema: Schule, Betreuungszeiten, Kindheit. Geht die Kindheit flöten, weil die Kinder plötzlich bis 16 Uhr in der Schule sind? Heißt die Alternative, dass das betreuende Elternteil nie wieder arbeitet, weil es den Kindern nach Halbtagsbetreuung eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen möchte? Wie sieht das optimale Betreuungskonzept aus? Gibt es so etwas überhaupt? Konkurrieren gesellschaftliche Erwartungen mit individuellen Vorstellungen?

Dem Aufruf zur Blogparade folgten bereits einige gute Beiträgerinnen, insofern kann ich mich auf einen persönlichen Bericht beschränken.

Von 2008 bis 2012 lebten wir im Süden Deutschlands in einem kleinen Dorf. Der Dorfkindergarten hatte bis 12:30 Betreuungszeiten, de facto saßen die Kinder oft schon um 12 auf der Bank und harrten der Eltern. „Verlängerte Öffnungszeit“ gewährte einer Gruppe Betreuung von 7:45-13:30, dafür fielen aber die 3 Nachmittage, die sonst optional angeboten wurden, weg. Immerhin: Der Kindergarten hatte weniger Ferien als die Schule. Als unsere Große eingeschult wurde, mussten wir uns umstellen. Sie war nämlich plötzlich noch länger zuhause, plus die 12 Ferienwochen im Jahr. Kernzeit wurde angeboten, immerhin, auch Hausaufgabenbetreuung, aber natürlich kostete alles extra, und ich war durch die Geschwister ja ohnehin daheim. Also sah der Tag etwa so aus:

Gegen 8:00 Uhr lief die Große mit ihren Freunden in die Schule, ich brachte ihre kleine Schwester in den Kindergarten. Mit dem Baby erledigte ich den Haushalt, gegen 11:30 fing ich an, das Mittagessen vorzubereiten. Um 12 mussten wir die Mittlere vom KiGa abholen, oftmals war dann die Große bereits auf dem Heimweg, manchmal saß sie mit vorwurfsvollem Blick auf der Treppe zu unserer Wohnung, wenn ich gegen 12:20 mit den anderen beiden wieder zuhause war. Nach dem Mittagessen versuchten wir uns an der Hausaufgabenbetreuung. Auch im ersten Schuljahr gab es durchaus Tage, an denen die Hausaufgaben etwa 2 Stunden in Anspruch nahmen. Auf jedem Elternabend liefen die Eltern dagegen Sturm. Half alles nichts.

12 Wochen im Jahr wusste ich nicht, was ich der Großen am Vormittag anbieten sollte. Sie langweilte sich mit mir und dem Baby tödlich, war aber natürlich noch viel zu klein, um auf eigene Faust durchs Dorf zu ihren Freundinnen zu pilgern. Unnötig zu erwähnen, dass ich selbst in dieser Zeit rein gar nichts anderes gemacht habe als meine Kinder zu betreuen. Berufstätige Mütter in Teilzeit gab es bei uns durchaus, viele legten irgendwann ihre Arbeitszeiten auf die Wochenenden und in die Nachtschichten, denn: In den zweieinhalb Stunden am Vormittag lässt sich nicht arbeiten. In keiner Welt, mit keinem Arbeitgeber.

Nun zu jetzt: Mittlerweile haben wir zwei Kinder in der Schule, das dritte ist im Kindergarten. Sowohl als auch haben Betreuungszeiten von 8:00 bis 16:00 Uhr, falls gewünscht, auch länger. Unsere Ganztagsschule ist eine der ganz wenigen in Heidelberg, was jetzt mit entsprechendem Druck von der Landesregierung geändert werden soll. Dabei gibt es eine breite Front von Eltern, die sich aus verschiedenen Vorbehalten und Sorgen vehement gegen die flächendeckende Einführung wehren. Was ich persönlich als sehr, sehr schade empfinde. Ich erlebe den Alltag unserer Kinder nun wie folgt:

Um 8:00 Uhr läuft das gesamte Viertel zur Schule. Unterricht haben die Kinder der Elementarstufen bis etwa 11:45, an einem Nachmittag ist verpflichtender Unterricht für alle. Gegessen wird gemeinsam in der Mensa – das Mensaessen ist unter den Kindern ein beliebtes Konversationsthema am Nachmittag ;-). Nach dem Essen finden Hausaufgabenbetreuung  und verschiedene AGs statt. Unsere Kinder kochen, fechten, entspannen sich (Ja, es gibt eine „Entspannungs-AG“) und basteln. Wenn sie aus der Schule kommen, schmeißen sie ihre Schulränzen hier in den Flur und sind wieder weg, denn nach der Schule treffen sich die Kinder der Nachbarschaft, um, tja, ich habe überhaupt keine Ahnung, anzustellen. Ich darf Obst schnippeln, Getränke bringen und werde bei Problemfragen oder zu ärztlicher Notversorgung konsultiert. Ab und an lernen wir auf Tests oder machen ein paar Aufgaben, weil eines der Kinder in der Hausaufgabenbetreuung geträumt hat.

Die Kindheit meiner Kinder erlebe ich als freier und unbeschwerter als in der Halbtagsschule. Die Hausaufgabenbetreuung fällt quasi weg – was unter anderem deswegen positiv ist, weil Kinder erwiesenermaßen mit ihren Eltern schlechter lernen als mit anderen Erwachsenen, – die Kinder sind ausgelastet, und aufgrund der Wohnsituation haben sie unzählige Spielpartner, mit denen sie sich frei im Viertel bewegen können.

Von meinen Töchtern habe ich de facto mehr, weil ich von 8:00 bis 15:00 arbeiten kann. Momentan macht der selbständige Gatte die meiste Hausarbeit. Wenn die Kinder da sind, sind wir auch „da“. Wir müssen nicht noch mal eben schnell, hetzhetz, einkaufen, die Wäsche machen und das Kind nebenbei für einen Test abfragen. Familienleben? Ja, durchaus, aber vor allem an den Wochenenden und in den (zahlreichen) Ferien, plus Extra-Schließtage, die jeder Schule zustehen.

Es ist dieser Aufzählung zu entnehmen, dass ich das Modell verlässliche Ganztagsschule aus der eigenen Erfahrung nur unterstützen kann. Meine Kinder erleben eine durchaus selbstbestimmte Kindheit. Neue Lernkonzepte in den Schulen sorgen dafür, dass die Kinder individuell vorankommen (dürfen) und sich auch mal am Nachmittag Zeit nehmen können für Aufgaben, die sie vielleicht noch nicht verstanden haben. Das führt zu viel weniger Frust als ich es in der Halbtagsschule erlebt habe. Und die Kinder empfinden die Nachmittagsbetreuung nicht als Gegängel oder Frontalunterricht. Hier in der Nachbarschaft haben sie zudem den direkten Vergleich: Drei der Kinder, die hier wohnen, gehen nicht auf die Ganztagsschule. Zwei davon sitzen manchmal um fünf Uhr nachmittags noch vor ihren Hausaufgaben, während die Ganztagsschülerinnen lärmend um die Häuser ziehen.

Die Aufgaben in der Schule finden immer unter Anleitung von Erziehern, die sich die Zeit tatsächlich nehmen und den Stoff vermitteln können, statt. Das kann nicht jedes Elternteil leisten, zumal heute die meisten Familien nicht von einem Gehalt leben können und Modelle finden müssen, in denen beide erwerbstätig sind.

Der Sturm der Entrüstung, der sich momentan hier in Heidelberg in den Arbeitskreisen und Diskussionsrunden zur flächendeckenden Einführung von Ganztagsschulen Bahn bricht – ich kann ihn nicht so recht nachvollziehen. Die Konzepte hier sehen eine gewisse Flexibilität vor. Kein Elternteil wird gezwungen, das Kind auf einer Ganztagsschule anzumelden, beziehungsweise das Kind dann auch tasächlich die gesamte Betreuungszeit dort zu lassen. Wer es sich leisten kann, seine Kinder nachmittags zu betreuen, soll und darf dies jederzeit tun, die Stadt nimmt keiner Mutter und keinem Vater ihre Kinder weg. Gleichzeitig denke ich, es herrschen falsche Vorstellungen von potentiell übermüdeten, gestressten, „unfreien“ Kindern auf Ganztagsschulen. Nach meiner Erfahrung ist das Gegenteil der Fall. Unseren Kindern haben wir angeboten, ein-zwei Nachmittage zuhause zu verbringen. Nach kurzer Zeit baten sie selbst darum, in der Schule bleiben zu dürfen – „weil es lustiger ist“.

Überforderung der Kinder, Verkürzen der Kindheit, Stress wegen zu hohem Lernpensums und die vielen anderen Vorbehalte – ich habe sie vor allem beim Modell Halbtagsschule gesehen. Der Frust, den eine befreundete Familie aushalten musste, weil der Sohn bereits in der ersten Klasse zum Teil bis sieben Uhr abends an den Hausaufgaben saß … ich hätte ihn nicht haben wollen. Das ist kein Familienleben, keine freie und unbeschwerte Kindheit und keine Quality Time mit den Eltern.

Über die gesellschaftliche Notwendigkeit von Ganztagsbetreuungen für die Erwerbstätigkeit vor allem von Frauen brauche ich hier vermutlich kein Wort zu verlieren. Vermutlich auch nicht über die Vorteile von Ganztagsschulen für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund oder die Förderung von Kindern aus den so genannten „bildungsfernen“ (Bäh!) Familien, denn darum ging es in der Blogparade ja gar nicht. Es ging um Eltern, die ihr Kind liebevoll betreuen möchten und sich sorgen, ob die Kinder mit einem solchen Schulmodell noch genug von ihrer Kindheit haben werden.

Ich werde mich trauen, eine Empfehlung für diese Eltern auszusprechen: Wenn Ihr in der Lage seid, Euch das Schulmodell für Eure Kinder weitestgehend auszusuchen: Nehmt das, auf das die Peer Group Eurer Kinder gehen wird, sei es die direkte Nachbarschaft, seien es die engsten Freunde und Freundinnen der Kinder. Entspannt Euch, was das Lernpensum angeht. Die Ganztagsschule bringt keine Leistungsträger hervor, die alle viel besser lesen können als die Halbtagskinder. Sie lässt den Kindern insgesamt einfach etwas mehr Zeit, bei gleichem Pensum. Denkt daran, dass Schulwahlen korrigierbar sind. Ein unglückliches Kind wird umgeschult, fertig. Und denkt daran, dass auch ganz viel „unbeschwerte Kindheit“ an Orten stattfinden kann, an denen wir sie nicht unbedingt vermuten 😉 Ich habe viel Glück, unsere jetzige Situation ist für die bisher Beteiligten optimal.  Das wünsche ich auch Euch.

 

In einem älteren Beitrag habe ich etwas über den Bildungs- und Leistungsdruck auf die Kinder und Jugendlichen der heutigen Zeit geschrieben. Falls Ihr das gerne lesen möchtet, hier lang. Ja, es gibt einen enormen Bildungs- und Leistungsdruck. Nein, in den Ganztagsschulen Deutschlands ist er nicht in höherem Maße vorhanden als in den Halbtagsschulen.

Weitere Beiträge der Blogparade findet Ihr hier:

Mama oder Management?

Zweifachmama

MRSCGN

Frau Wundertoll

Frische Brise

Moms Office

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17 Gedanken zu „Das Kreuz mit der Schule“

  1. Hallo Juna,

    ich lese Deinen Beitrag sehr zwiespältig.

    Einerseits kann ich ihn unterstützen. Aber…………………….. bei der Aufzählung Deines Tagesablaufes komme ich schon ins stottern!

    Wie Du weißt, habe ich vier autistische Kinder. Zwar „nur“ Asperger Autisten, aber dies ist himmelweit von „leicht“ betroffen entfernt.

    Zudem lebt meiner pflegebedürftige Mutter, die im Rollstuhl sitzt hier im Haus.

    Mein Tagesablauf

    4.30 Uhr aufstehen, und so wach werden, dass ich meine durch lange Schultage gestresste „Bande“ um 5.45 Uhr aus dem Bett bekomme.
    6.20 Uhr das Haus mit 3 Gymnasiasten verlassen, damit der Bus erreicht werden kann. Denn die von mir „bevorzugten“ (einem sind wir zugewiesen worden) Gymnasien, mit dem ÖPNV erreicht werden können. Meist. nachdem irgendwelche „Unkklarheiten“ oder Zettel geklärt wurden, noch mit Schulbegleiter Eins ein Telefonat führen.
    6.50 Uhr Zwerg wecken, und seelisch auf die Schule vorbereiten. 7.55 Uhr Bus erreichen, der niemals zur gleichen Zeit da ist und die Verwirrung schlichten, die diese Unstrukturiertheit beim Zwerg auslöst. Mit Schulbegleiter Zwei Kontakt aufnehmen.
    8.30 Uhr meine Mutter für den Tag „richten“, Termine (Ärzte, Jugendamt, Therapie usw. usf.) auf „die Kette“ bekommen und ständig erreichbar sein, falls der Notfall eintritt (Notfall haha 🙄 ) und man ein Kind von der Schule abholen muss.

    Ab 12.00 Uhr den Wahnsinn des Heimholens gestalten, falls bereits Zwerg einfordert, geholt zu werden, da der Bus zu stressig ist. Dann, aufgrund verpflichtenden Langtages aber bitte jede Stufe zu einer anderen Uhrzeit und Tag; irgendein Kind abholen (13.10 Uhr, 14.10 Uhr oder 15.40 Uhr und 16.30 Uhr) an diesen Abholzeiten entlang bitte die weiteren Therapien planen, zu Notfallgesprächen wegen Mobbings oder Beratungsresistenter Lehrer (Notfall ……… erwähnte ich es schon???) und der unstruktierten, vor ALLEM an den Langtagen, Pausen aushalten, Idee haben und bis zum Abend sich fühlen, als ob man von einer „Dampfwalze“ überrollt wurde. Ich vergaß nun noch, dass meine Mutter selbstverständlich „zwischendurch“ ebenfalls Betreuung benötigt. Ach ja, dass Kommunikation mit den Schulbegleitern Eins und Zwei nachmittags durchaus normal ist, kannst Du zwischendrin min. noch eine Stunde einrechnen. Habe ich schon erwähnt, dass der Zwerg Hausaufgaben NUR macht, wenn ich daneben sitze??
    Nach Abschluß des Tages gegen 18.30 Uhr das Abendessen machen, nicht essen können, und die lagen Schultage verfluchen!!!

    Wobei, das reine Lernen oder Pauken hier bei uns wirklich nicht das Thema ist. Denn das ist einigermaßen strukturiert und dadurch erträglich.

    Bis halt auf, …………….. die beratungsresistenten Lehrer, die mit Autismus entweder Rainman verknüpfen, oder ………………… weil Kind ein Kompensationskünstler ist, vergessen das da noch was war (IST).

    Habe ich schon erwähnt, dass Therapien immer an weit entfernten Orten stattfinden müssen, weil Menschen, die sich mit Autismus wirklich auskennen und mit ADS umgehen können, leider nicht „nebenan“ wohnen???

    Aus Sicht einer Mutter, die diese Problematik hat, ist Ganztag und Langtag ……………………………
    ein Graus.

    Sozialstress PUR!

    Eine andere Form der Beschulung?????????????? Wo? Wie?

    Inklusion, sofort …………………. aber bitte qualifiziert mir die Lehrer und ändert die Voraussetzungen.

    Stoppt den Sozialstress.

    Wie Du merkst, ich habe eine Menge Frust, Wut und Verzweiflung.

    Und das, wo wir nachweislich mit Hochbegabung „gesegnet“ sind, aber halt auch mit Autismus.

    Lehrergespräche habe ich übrigens fast wöchentlich.

    Für „Die“, für die es problemlos läuft, mag das Konzept Ganztag gangbar sein.

    Aber für Familien für uns ………………………. ????????????????? Nein
    Hilfen oder Entlastung ……………………….
    Kennst Du schon den „erschlagenden“ Spruch des Tages „Sie müssen aber, er muss aber, machen sie mal, das muss aber …………………….. wieso geht das nicht?????????????“
    Gerne von Behörden und auch schon mal von den Therapeuten geäußert.

    Und ganz vielleicht sind von denen, die die „Welle“ machen, tatsächlich mehr Eltern wie wir dabei, die die Behinderung der Kinder einfach nicht zum Thema machen wollen. Oder gar nicht wissen, warum das Kind „läuft, wie ein Sack Muscheln“. Schade eigentlich!!! 💡

    Aber bitte, bedenkt, dass es in jeder Stufe (von ca. 100 Schülern) durchaus 10 Schüler, manchmal auch bis zu 20, gibt, die unter solchen Problemen leiden, dass Mobbing anziehen, „wie der Magnet das Eisen“ und deren Eltern einfach nicht mehr können.

    Vom Traum eine Arbeitsstelle zu finden, habe ich mich schon lange verabschiedet!!

    trotzdem
    Liebe Grüße
    Anita

    1. Liebe Anita,
      das ist ein sehr, sehr harter Tagesablauf, den Du da schilderst. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Deine Kinder in der momentanen Schulsituation „untergehen“. Gleichzeitig: In welchem deutschen Schulsystem würden sie das nicht? Sind das nicht zwei ganz unterschiedliche Probleme, die Du vermischst? Keine unserer (ich möchte einschränken: bezahlbaren!) Schulen ist wirklich auf die Betreuung besonderer Kinder, die gleichzeitig aber ein hohes intellektuelles Potential haben, ausgelegt. Das ist eine Schande für sich, aber sicherlich noch etwas anderes als die Frage nach Ganz- und Halbtagsbetreuungen.

      Nein, der Widerstand bei uns kommt von einigen wenigen, dafür umso lauteren Eltern, die nicht auf ein zweites Familieneinkommen angewiesen sind. Ihre Motivation ist mir persönlich völlig unklar. Was sie fürchten, weiß ich nicht. Ja, es gibt natürlich auch andere. Aber diese Eltern wollen kein anderes Schulsystem. Sie wollen einfach keine Ganztagsschule. Und es ärgert mich, wenn gesellschaftliche Entwicklungen aus Egoismus ausgebremst werden.

      Für die Bedürfnisse der Kinder einzustehen ist richtig und wichtig – wenn es denn die Bedürfnisse der Kinder sind und sie nicht mit den eigenen Bedürfnissen verwechselt wurden. Gleichzeitig ist der Widerstand gegen etwas, das vielen Menschen helfen kann, einfach nicht fair. Genauso falsch ist es, eine bestimmte Minderheit, die eigentlich gefördert werden sollte, durch verschiedene Maßnahmen zu diskriminieren. Aber, wie gesagt, in Deinem Fall denke ich da pessimistisch: Was würde eine „normale“ Halbtagsschule“ für Deine Kinder verbessern? Da muss ein ganz anderes Konzept her, und das haben wir nirgends, oder wir können es uns nicht leisten 🙁
      Was völlig ätzend ist, da sind wir, denke ich, einer Meinung.

      Kommentar: Ich habe zum ersten Mal auf diesem Blog einen Kommentar von mir im Nachhinein editiert. Im Eifer des heutigen Wortgefechts ließ ich mich zu einer, wenn auch eingeschränkten, pauschalierten Aussage, die den Begriff „Helikopter-Mütter“ enthielt, hinreißen. Anita hat mich daran erinnert, dass dieser Begriff, den ich eigentlich gar nicht benutze, blöd ist und eigentlich nicht in den aktiven Sprachgebrauch gehört. Daher ist die Aussage zugunsten einer weniger dämlichen Wortwahl gestrichen. Aber auch das kommt vor. Ich neige nicht dazu, anderen Eltern vorzuschreiben, wie sie ihre Kinder erziehen – aber ich habe mich über die Eltern, die hier den Aufstand proben, sehr, sehr geärgert.

      1. Ja, wir sind einer Meinung, dass ein Ganztag grundsätzlich gut sein kann und vielen hilft.

        Zum Begriff „Helicopter-Mütter“ habe ich aber eine zwiespältige Meinung. Mal wieder. 🙂 Weil man mich schon so genannt hat.

        Die Mütter, die Du beschreibst, könnten sich durchaus anderweitig sinnbringend und zielführend einsetzen, wenn sie denn wöllten.

        Ob ich nun was vermische, oder ob meine Kinder in einem anderen System „funktionieren“ könnten, ……………. ich weiß nicht.

        Ich weiß, dass ich bis vor 4 Jahren (ohne Diagnose), den verpflichtenden Langtag schon genauso abgelehnt habe, wie heute.

        Und wie man Schule ordentlich gestalten könnte, vielleicht sogar einen guten Langtag……………..

        da habe ich durchaus Ideen 😉

        Klassenstärke max. 20 Kinder
        verlässliche, gut ausgebildete Lehrer, die die Kinder ernst nehmen und auch deren Eltern
        Ruhezeiten und Ruheräume, wo Ruhe garantiert ist
        ein Schulgesetz, dass der Inklusion entspricht
        gut schallisolierte Räume
        Blendwirkung reduzieren und gute Belüftung

        und nochmal

        verlässliche und gut ausgebildete Lehrer, die sich auf die Kinder einstellen!!

        Dies sollte aufgrund sinkender Schülerzahlen, vorhandener Räumlichkeiten etc. pp. möglich sein.

        Aber nein, stattdessen werden Schulen zusammengeschlossen, Lehrerstellen reduziert und die Inklusion, Zentralabi, Zentrale Prüfungen und Ganztag „durchgepeitscht“, dauernd das Curriculum geändert, die Grundschule hat einen Lehrplan, der anders ausgelegt ist als der der weiterführenden Schulen aufgebaut ist. Somit ist ein aufbauendes Lernen manchmal seeeeeeeeeehr sehr schwierig.

        Aber grundsätzlich, ein Ganztag / Langtag ist eine Option, die ich nicht von vornherein ablehne. Nur sollte er gut begleitet sein und allen gerecht werden 😉

  2. Mir geht es ähnlich. Grundsätzlich ein „Ja“ für Lösungen, die ein Ganztagsangebot auch schon in der Grundschule ermöglichen. Aber ein ebenso klares „Nein“ für den verpflichtenden Ganztag. Der Haken: Jenseits der Großstädte gibt es in der Regel nur eine Schule, was die Wahlmöglichkeit einschränkt. Auch kann ich Deine Erfahrungen in der Grundschulzeit nicht bestätigen. Wenn Grundschulkinder regelmäßig noch bis 17 Uhr an den Hausaufgaben sitzen, dann stimmt vielleicht auch etwas nicht mit dem Schulssystem oder eben den ausführenden Lehrern? Wir haben übrigens bei uns eine „betreuende Grundschule“ auf privater Basis als Option. Das läuft gut, wird aber aktuell nur von einem Drittel der Kinder wahrgenommen. Noch einmal deutlich weniger haben sich jetzt gemeldet, als es u die Verlängerung von 15 auf 16 Uhr ging. Aber vielleicht haben wir „auf dem Dorf“ ja auch noch etwas andere Bedürfnisse, sodass man sicher nicht auf die Verhältnisse in den großen Städten schließen kann.

    1. Danke für Eure Kommentare!
      Ich plädiere keineswegs für eine „zwangsweise“ Ganztagsschule. Mehr noch: Das Konzept der zwangsweisen Ganztagsbetreuung kenne ich nicht, ich höre von so etwas zum ersten Mal. Hier und auch an anderen Orten, die ich kennen gelernt habe, ist das Modell immer noch höchstens optional Nachmittagsbetreuung, manchmal nicht einmal das. Bis zur dritten Klasse haben unsere Kinder nur einmal nachmittags tatsächlichen Pflichtunterricht – das entspricht im Übrigen bereits meinem Grundschulpensum von vor 27 Jahren. Auch in der weiterführenden Schule, nachdem der Samstag als Unterrichtstag wegfiel, hatten wir zweimal nachmittags Unterricht mit Anwesenheitspflicht, nur dass wir in der Schule kein Mittagessen bekamen und unsere Eltern sehen mussten, wie sie uns zwischen den Unterrichtszeiten betreut bekommen. Unsere Schule bevorzugt Eltern, die arbeiten, bei der Aufnahme, d.h., natürlich ist die Schule daran interessiert, dass die Kinder möglichst jeden Nachmittags dableiben. Sowohl aus Planungs- als auch aus politischen Gründen. Aber niemand wird gezwungen, und die Schulwahl ist grundsätzlich frei.

      Natürlich ist sie das wiederum nicht, wenn nur eine Schule im Einzugsgebiet existiert, und natürlich fällt und steht dann auch noch vieles mit den Pädagogen dieser Schule. Natürlich müssen auch besondere Bedürfnisse von Kindern, die mit bestimmten Alltagsanforderungen überfordert sind, mitbedacht werden. Aber um all das ging es hier nicht. Hier ging es um die Sorge, dass ein Kind auf einer Ganztagsschule per se weniger Freizeit, weniger Spaß, weniger Kindheit haben könnte. Hier rate ich zur Entspannung. Dass die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen, die wir aus verschiedenen Gründen dringend brauchen, weil es immer noch der Normalfall in Deutschland ist, dass die Familien NICHT wissen, wie sie ihre Kinder betreut bekommen bei durchschnittlich 1 1/2 Jobs in der Familie, verhindert wird von Menschen, die den „Zwang“ fürchten … hm. Wie gesagt, ich höre zum ersten Mal durch Euch von einem „Ganztagszwang“. Wenn dann im individuellen Fall nicht einmal auf die Kinder dabei Rücksicht genommen wird, ist das schlimm. Der Normalfall sieht allerdings, zumindest von dem, was ich kenne, anders aus.

      Die Bedürfnisse … nun, ich denke, hier wie dort gibt es Eltern, die ihre Kinder vor allem selbst betreuen wollen (und zum Glück können das manche sogar finanziell stemmen), und Eltern, die gerne arbeiten möchten. Nur sind die Bedingungen mitunter völlig anders. In unserem 3000 Seelen-Dorf gab es ebenfalls eine (eher teure) Nachmittagsbetreuung für die Kinder. Sie war aber so unattraktiv, dass kaum ein Kind gerne hingegangen ist. Was machten also die beruftstätigen Mütter, deren Kinder sich nach kurzer Zeit vehement gegen die Nachmittagsbetreuung wehrten? Sie nahmen sie dort wieder heraus und reduzierten ihre Berufstätigkeit. In der Nachmittagsbetreuung hier fühlen die Kinder sich wohl, es ist „normal“, als Kind auch nachmittags in einer Betreuung zu sein, es macht Spaß und wird für die Kinder attraktiv gestaltet. Das ist in kleineren Gemeinden nach wie vor schwierig zu leisten. Es heißt aber nicht, dass das Bedürfnis nicht da ist, sondern lediglich, dass sich die Eltern mit Workarounds selbst helfen – was wiederum eigentlich nicht im Sinne des Erfinders ist.

      Ich denke, momentan wird die Ganztagsschule völlig zu Unrecht schlecht geredet. Dabei hinkt der Vergleich, den man ansetzt – die „freie und unbeschwerte Kindheit“ dank Halbtagsschule ist die falsche Folie, das wollte ich mit meinem persönlichen Abgleich herausstellen. Dass man jedes Kind individuell behandeln MUSS (das fängt ja eigentlich bei der Einschulung bereits an), und dass man niemandem vorschreiben sollte, wie lange das Kind in der Schule betreut werden soll … ja, das sollte sich eigentlich von selbst verstehen. Wo es das nicht tut, läuft ganz gewiss etwas falsch. Aber, wie gesagt, mir ist der Fakt völlig neu.

    1. 😀 Deinen Beitrag habe ich auch sehr gerne gelesen. Ihr leistet tolle Arbeit, meine Kinder können sich sehr glücklich schätzen über das Modell, in dem auch Du arbeitest!

  3. Dann noch mal ich ……….. 😉

    Wir sind NRW.

    Viele Schulen haben hier den verpflichtenden Ganztag. Vor allem Gesamtschulen.

    An der Grundschule ist es optional möglich, aber keine Pflicht.

    An den Gymnasien gibt es den verpflichtenden Langtag, …………….. weil ……………………. , zwischen der 6. und der. 7. Schulstunde „Muss“ eine einstündige Pause liegen. Außer Eltern und Schulkonferenz stimmen hier einer anderen Regelung zu und dies auch erst ab der Oberstufe.

    „Dank“ G8 gibt die Stundentafel für die Laufbahnsicherung aber ein Kontingent vor, dass die 7. Stunde erzwingt. So wird der Langtag halt verpflichtend. Klasse 6 und 7 einer, Klasse 8 und 9 zwei Tage und in der Oberstufe „hagelt“ es zum Teil Hohlstunden. Dafür gibt es dann Unterricht bis in die 11. Stunde hinein. 🙄

    Hier in NRW ist ein „Eingehen“ auf die Schüler fast kaum möglich. Besonders, wenn sie meine Besonderheiten mitbringen.

    Manchmal wünsche ich mir es einfacher.
    Aber hab ich nicht.

    Verpflichtend ist immer dann großer Mist, wenn es nicht den Bedürfnissen der Kinder entspricht.

    Und von flexibel kann in „meinem“ Bundesland nun wirklich nicht die Rede sein. Die schaffen es ja noch nicht ein mal, Emfpehlungen des Landesverbandes für Autismus in das neue Schulgesetz einzuarbeiten. Nachteilsausgleiche sind ein Fremdwort. Entspricht es doch nicht dem Zentralabitur, dass ein Autist enorme Probleme mit Interpretation und Analyse („Was will der Dichter uns sagen“) hat und ein Sachtext ist halt nicht vorgesehen.

    Das man damit aber einen Autisten in den Overload oder die Schulverweigerung „zwingt“ ist Keinem so wirklich bewusst. Aber ich schweife ab. 😉 Tjaja

  4. Hallo Juna,
    bei uns im Städtchen ist die einzig weiterführende Schule eine Ganztagsschule. Von der kann ich auch wirklich nur Gutes berichten. Die Kinder fangen morgens um 7.45 Uhr und haben mo.,mi., und do. um 15.00 Uhr Feierabend. Dienstags und freitags um 13.00 Uhr.

    Die Hausaufgaben werden in Arbeitsstunden mit fachlich kompetenter Betreuung durch die Lehrer erledigt. Lediglich das Lernen und „Liegengebliebenes“ muss zu Hause nachgeholt werden.

    Leider ist das auf unserer Grundschule ganz anders. Es ist eine Halbtagsschule mit anschließender angebotener Betreuung. Wenn Du magst, kannst Du ja mein Beitrag zur Blogparade lesen.

    1. Gerne gelesen, danke fürs Verlinken! Es sind dieses Workarounds, die ich meine, die einerseits total toll sind (Kinder sind glücklich, Eltern sind solidarisch und tun sich zusammen), auf der anderen Seite dann – siehe Kommentar von Herrn Overstreet – manchmal den Eindruck vermitteln, es bestünde ja gar kein Bedarf für weitere Betreuung, bzw. die Angebote würden nicht wahr genommen.
      Denn oftmals ist man gezwungen, so richtig kreativ zu werden, weil entweder die Möglichkeiten nicht da sind, oder die Angebote für die Kinder einfach nicht attraktiv genug. (Nachmittagsbetreuung im ersten Jahr der Dorfgrundschule: Die Kinder sollten ruhig auf ihren Plätzen sitzen, still sein und was malen. Nach der Schule. Erstklässler. Naja, man kann sich denken, warum sie sich nicht wohl gefühlt haben ;))

      Ich kann Deinen Schluss nur unterschreiben: Wenn man eine Wahlmöglichkeit hat, sollte man sich die Schule genau ansehen und dann im Sinne des Kindes entscheiden. Dazu gehört sicherlich auch, den Kindern Raum zu geben, wenn sie ihn einfordern. In einer perfekten Welt könnten wir immer alle individuell auf jedes Kind und seine Bedürfnisse Rücksicht nehmen. In einer nicht ganz so perfekten können wir immer noch den besten Kompromiss für alle suchen. 🙂 Alles Gute für Deine großen Kinder, die sich jetzt von der Grundschule verabschieden.

  5. Hier wird fleißig diskututiert. Das allein finde ich schon einmal klasse.
    Das Problem scheint für mich unter anderem auch in den örtlich unterschiedlichen Gegebenheiten zu liegen.
    Eine unbeschwerte Kindheit ist aber definitiv nicht von der länge der Betreuung abhängig!

  6. Ich kann deinem Artikel nur zustimmen, denn wir haben ähnliches erlebt.
    Meine Tochter war auf einer Halbtagsgrundschule und hatte um 11:30h Schulschluss,
    nach dem Mittagessen ging bei uns der Stress mit den Hausaufgaben los.
    Ich glaube, wir haben uns in dem einen Jahr, mehr gezofft als jemals zuvor, was ich erklärt habe, war grundsätzlich falsch und überhaupt hätte ich ja so garkeine Ahnung:)
    Mitunter saß sie wirklich 2-3 Stunden an den Hausaufgaben, wir haben so viele verschiedene Wege probiert, es klappte einfach nicht. In der Zwischenzeit kam noch ihre kleine Schwester zur Welt, was die ganze Sache nicht unbedingt erleichterte.
    Nach 1,5 Jahren habe ich sie umgemeldet auf eine Ganztagsschule und bereue es bis heute nicht ein einziges mal!!!
    Sie bekommt dort ihr Mittagessen, macht super ihre Hausaufgaben und danach wird gespielt oder an den verschiedenen Angeboten teilgenommen.
    Sie hat mittlerweile ihre Schwimmabzeichen, kann Keyboard spielen und lernt kochen.
    Ganz ehrlich, dieses Angebot könnte ich ihr für den Preis nicht bieten.
    Fast die gesamte Klasse geht in die Ganztagsbetreuung, die wenigen Kinder, die Mittags nach Hause gehen, sind am Nachmittag dort wieder anzutreffen.
    Und wenn sie mal mit einer Freundin alleine spiele möchte, oder wir etwas anderes vorhaben, dann darf sie auch gerne mal früher gehen, alles super entspannt.

  7. Liebe Julia, das hier ist wirklich eine interessante Diskussion! Seit einigen Jahren arbeite ich ja als Musikerin an einem Gymnasium. Mein Senf zu diesem Thema:
    Ich möchte zunächst von unserer Schul-Homepage zitieren, dann weiß jeder wie die Situation bei mir bzw. uns ist:
    „Der Raiffeisen-Campus ist eine Ganztagsschule für alle Lernerinnen und Lerner ab Jahrgangsstufe 5. Die Lernerinnen und Lerner sind montags bis donnerstags von 08:00 bis 15:45 Uhr und freitags 08:00 bis 13:10 Uhr in der Schule.
    Wir erreichen damit, dass außerhalb der Schule von montags bis donnerstags keine weiteren Hausaufgaben erbracht werden müssen.
    Bei uns werden alle außerunterrichtlichen Angebote ausschließlich von qualifizierten Lehrkräften erbracht, die auch alle Mittagspausen etc. begleiten. So gelingt es uns, dass Lehrer und Lerner viel Zeit miteinander verbringen und das überschaubare Lehrerteam einfach näher und damit pädagogisch wirksamer mit den Kindern lebt.
    Der Raiffeisen-Campus hat echte 0% Unterrichtsausfall. Statt Vertretungen ermöglicht das hochmoderne Personalmanagement, dass zusätzlicher Fachunterricht in einem anderen Fach erteilt wird, sollte ein Lehrer oder eine Lehrerin den eigenen Unterricht nicht wahrnehmen können. So erteilen wir in acht Jahren mehr Unterricht als durchschnittliche sogenannte G9-Gymnasien.“
    Auch wenn das vielleicht nach Werbung für den Raiffeisen-Campus klingt, so möchte ich doch mit meinem Kommentar nur zeigen, dass es wirklich Gymnasien gibt, die ihre Rolle als Ganztagsschule sehr ernst nehmen. Unser Team weiß um seine Verantwortung für die Kinder, die uns für so viele Stunden am Tag anvertraut sind. Die Gestaltung bzw. Planung des Unterrichts- und Tagesablaufs geschieht immer mit dem unmittelbaren Blick auf unsere Lernerinnen und Lerner.
    Aus meiner Sicht, kann eine Ganztagsschule – wenn das pädagogische Konzept stimmt! – eine Bereicherung für das (Schul)Leben unserer Kinder sein.
    Liebe Grüße
    Heike

  8. Nachtrag:
    Ich muss vielleicht dazu noch ergänzen, dass ich in meiner Zeit als selbständige Musikpadägogin leider auch genug (zuviel!) andere Erfahrungen gemacht habe. Da gab es mehrere Kinder, die (5. Klasse) erst um ca. 17.30h zum Querflötenunterricht kommen konnten, weil sie mit dem Bus erst um 16.30h von der Schule nach Hause kamen. Die sind dann zu Hause schnell aufs Klo, haben flott in einen Apfel gebissen, sich Flöte und Kram geschnappt und auf zu Frau Ingenhoven geflitzt. Da dann bis 17.15h „total“ entspannt Musik gemacht um dann schnell Abendbrot zu essen, weil danach (um 19 Uhr!) noch die restlichen Hausaufgaben anstanden… Keine besonderen Kinder, keine Einzelfälle… Traurige Wahrheit an Ganztagsschulen ohne funktionierendes/sinnvolles pädagogisches Konzept! So…!
    (Unnötig zu erwähnen, dass man für ein Intrument Ruhe und Muße zum Spielen und/oder Üben haben muss, oder?!)

    1. Liebe Heike,

      danke für Deine Kommentare! Eure Schule klingt wirklich vorbildlich!
      Das, was Du im zweiten Kommentar schreibst, kann ich durchaus auch von anderen Schulen berichten, es müssen nicht einmal Ganztagsschulen sein. Gymnasialschülerinnen sind hier größtenteils auf Halbtagsschulen untergebracht, die nur ein-zwei Nachmittage/Woche Pflichtunterricht haben. Das Lernpensum, das zuhause geleistet werden muss, ist so hoch, dass den Kindern ab der neunten Klasse kaum mehr Zeit bleibt, zum Sport zu gehen, ein Instrument zu lernen, Freunde zu treffen. …
      Ich denke, es steht und fällt wirklich, wie Du auch sagst, mit dem Konzept der jeweiligen Schule. Ich gewinne den Eindruck, dass gerade die neuen Ganztagsschulen da etwas fortschrittlicher denken und sich auch trauen, mal andere Konzepte auszuprobieren,- was letztlich sowohl Schüler als auch Eltern enorm entlasten kann. Das heißt nicht, dass alles Gold ist, oder das Modell Halbtagsschule keine Zukunft mehr hat. Gerade die vielen Bedenken der Eltern zeigen ja, dass es auch weiterhin Bedarf nach Halbtagsschulen geben wird (die sich auch modernisieren müssen!). Meine Idee war wirklich, vor allem besorgten Eltern zu sagen: Wenn das Kind auf eine Ganztagsschule geht, bedeutet das nicht automatisch das Ende der Kindheit. 🙂 Danke für die Insights aus pädagogischer Sicht! Wenn Du magst: Bei der verlinkten Frische Brise ist auch ein Insight-Bericht aus der Sicht der Erzieherin als zweite Kraft in den Klassen. Ebenfalls ein interessanter und positiver Bericht für das Grundschulmodell „Ganztagsschule“.

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