Versuch eines persönlichen Rückblicks.

Das war es also, das seit Monaten mit steigender Intensität von einer bisher unerfahrenen Orga (inklusive mir selbst) veranstaltete Barcamp Rhein-Neckar im Heidelberger Dezernat 16. Gefühlt entsprach der Ablauf der Veranstaltung meinem Eindruck von der Arbeit im Orgateam: Menschlich, herzlich und vielfältig. Ich bin froh und auch stolz, Teil der Organisation für Heidelberg gewesen zu sein.

Ein Barcamp, das ist zum Einen der zur Verfügung gestellte Rahmen. Raum, Sponsoren, Catering, Organisation und Dokumentation. Zum Anderen, und das ist trotz intensiver Vorbereitungen, vieler Gedanken und Diskussionen einfach der wesentlichere Teil, besteht ein Barcamp aus den Teilnehmenden, ihrer Bereitschaft, Themen mitzubringen, zu diskutieren, mit anzupacken und nach anderen zu sehen. Ich habe aus eigener Erfahrung gewusst, wie toll das funktionieren kann. Aber selbst auf der Orga-Seite zu stehen und mit allen etwaigen Problemen und Problemchen zu rechnen … das ist dann noch einmal etwas anderes.

Für viele mitgedachte Schwierigkeiten sorgten wir vor. Eine Veranstaltungsversicherung sollte das Gebäude schützen, und die von Heidelberg Event ausgeliehenen Glühweintassen wurden mit einem Preis benannt, falls wir sie ersetzen müssen. Wir entschieden uns dafür, die ganz neuen Stühle des Dezernats zu verwenden und notfalls nachzukaufen. Hierzu rechneten wir einen kleinen finanziellen Puffer mit ein. Aber eigentlich hätte es vieles davon nicht gebraucht.

Der Barcamp-Gedanke

Jede_r bringt sich ein, jede_r packt mit an – das durften wir bereits im Vorfeld des Barcamps erleben. So räumten die Mieterinnen im Dezernat 16 auf Anfrage unserer Orga ihre Ateliers frei, um uns weiteren Platz für unsere Sessions bereitzustellen. Die Caterer machten uns einen – unter uns – eigentlich zu niedrigen Preis für das Essen am Mittag und Nachmittag, weil sie die Veranstaltung unterstützen wollten. Hinzu kamen viele kleine, unbürokratische Hilfen und Sponsoringbeträge von Privatpersonen – neben den größeren und sehr wichtigen Beträgen von Firmen und Start-Ups. Die Freifunker versorgten uns mit WLAN. Für sie bei der zu erwartenden Größe der Veranstaltung eine Premiere.
Und auch am Tag selbst sah ich, wie das Konzept live umgesetzt wurde. Fast 20 „Engel“ – ehrenamtliche Helfer_innen – meldeten sich für den 18.4. als Mädchen und Jungen für alles. Lutz erstellte eine Timelapse, @kinkerlieschen stellte die Fotos vom Barcamp per Dropbox zur Verfügung, und Ralph Kühnl sicherte uns zu, auch den Rohschnitt seines Fernsehbeitrags sehen und verlinken zu dürfen. Noch nie live gesehene Menschen standen vor mir und fragten mich, ob sie Tassen einsammeln oder das Wasser der Kaffeemaschine wechseln sollen. Die Sessionräume wurden für den jeweils Nachfolgenden immer prima aufgeräumt. Und am Ende des Tages fehlten uns lediglich drei von 240 Tassen. Aber von denen haben wir bekanntlich ohnehin nicht alle. 🙂

Unnötig zu sagen, wie sehr ich mich gerade über die Resonanz, persönlich oder via Internet, freue. Ihr wart und seid das Barcamp, und es war uns eine große Freude, dass Ihr dabei wart!

Bei aller positiven Resonanz ist es immer die Kritik, bei der so eine Orga am genauesten hinhört – und eigentlich ist das ja auch gut so. Neben vielen Anregungen und konstruktiver Diskussion in unserer Feedbackrunde fiel mir dabei ein Blogpost besonders auf. Jens schreibt hier etwas, das zum Nachdenken anregt. Er stellt für sich fest, dass Barcamps offenbar nichts mehr für ihn sind. Barcamps sind ursprünglich aus der Entwicklerszene hervorgegangen und werden tatsächlich im Laufe der letzten Jahre immer mehr zu Treffen, die auch und gerade gesellschaftliche Themen behandeln. Jens sagt, dass er diese stattfindende Entfernung vom „Internet“ kritisch sieht.

Das ist richtig. Und falsch. Denn das Internet wird schon lange nicht mehr nur bevölkert von Menschen, die es weiterentwickeln. Die Developerszene ist zwar immer noch eine der wichtigsten Szenen – aber das „Internet“™ ist längst im Mainstream angekommen. Und so reden die Teilnehmenden auf Barcamps mittlerweile immer mehr über Internet-Anwendungen: Über Social Media, Apps, Headsets, Virtual Reality, Cryptographie … und über Headlines, Blogs, Authentizität, Internet-Petitionen und Medienethik. Es geht also immer mehr auch darum, was unterschiedliche Menschen mit dem Internet anstellen. Das kann man kritisieren. Man kann es aber auch als eine Entwicklung sehen. Jens ist noch vor dem Mittagessen zur parallel stattfindenden Unkonf in Mannheim gegangen. Und das finde ich total gut so. Mit dem Team der Unkonf hatten wir bereits vor dem Barcamp Kontakt. Durchaus möglich, – sollten wir das Ganze wieder zum gleichen Termin starten – dass wir uns über das einfachere räumliche Wechseln zwischen den Veranstaltungen Gedanken machen werden. Denn das offene Format hat den großen Vorteil, auch Menschen für Themen zu begeistern, mit denen sie bisher kaum in Berührung kamen. Und sie dann an die Hand zu nehmen und zu sagen: Schau mal, in der Richtung soundso, da geht noch einiges mehr!

Die Menschen, die Ideen, die Begegnung. Alles entwickelt sich weiter.

Und für uns selbst heißt es: Nach dem Projekt ist vor dem Projekt.