juna im netz

Das Netz ist das, was Du draus machst

Kinder, Minenfelder

An unsere Sitznachbarin im ICE 70 nach Hamburg

Es ist nicht schön, wenn Menschen urteilen, ohne Dich zu kennen oder auch nur annähernd kennen lernen zu wollen. Es ist nicht schön, wenn das Bild, das andere von Dir haben, nicht mit Deiner Selbstwahrnehmung übereinstimmt. Es verletzt, wenn Vorurteile und Abneigungen sichtbar werden, ohne dass Du Dir bewusst wärst, irgend einen Fehler gemacht zu haben.

Menschlich hässlich aber wird es, wenn das Ab- und Vorverurteilen Kinder einbezieht. Wenn über ihren Kopf hinweg ein Bild reflektiert wird und sie plötzlich mit Gefühlen von Scham und Schuld umgehen müssen, ohne etwas getan zu haben.
Ein offener Brief.

Geschätzte Sitznachbarin im überfüllten und doch insgesamt überaus zivilisierten ICE 70 am Mittwoch nachmittag in Richtung Hamburg,

meine beiden Töchter und ich waren zu dem Zeitpunkt, zu dem Sie uns das erste Mal wahrnahmen, bereits etwa 50 Minuten auf der Suche nach einem Sitzplatz. Meine ältere Tochter hatte mehrere Taschen ins Gesicht geschlagen bekommen und meine jüngere Tochter weinte, weil die Aussicht, die gesamte Fahrt auf dem Boden zu sitzen, sie so sehr bedrückte. Kurz vor Frankfurt wurden wir von netten Menschen im Gang neben Ihnen zu einem Tischplatz gewunken und getröstet: „Wir steigen gleich aus, Sie können sich hierhin setzen“. 
Wir ließen uns dankbar auf die drei angebotenen Plätze sinken. Da die angezeigte Sitzplatzreservierung ausgefallen war und wir uns nicht auf sie verlassen konnten, sagte ich den Mädchen, sie sollten bitte kurz Geduld haben. Denn ich erwartete, dass wir vermutlich nicht dort würden bleiben können und wollte, sofern wir eventuell einen Platz behalten konnten, diesen in Anspruch nehmen. Spätestens seitdem wir in Frankfurt hielten, vermutlich aber bereits vorher, als mein übermüdetes Kind im Gang mit den Tränen kämpfte, waren wir Ihnen ein Dorn im Auge. Kurz nach der Weiterfahrt vom Frankfurter Hauptbahnhof begannen Sie einen lautstarken Monolog, an die Vorzeigemutter aus Ihrem eigenen Vierer gerichtet. Das Thema: Fehlende Rücksichtnahme von Menschen wie mir gegenüber Menschen wie Ihnen. Und mein Versagen bei der Erziehung meiner Kinder. Sie selbst hätten ja Ihre eigenen Kinder bei vollen Zügen immer auf einen einzigen Platz zusammen gesetzt, damit ältere Menschen, die nicht gut stehen können, ebenfalls einen Platz erhielten. Aber Rücksichtnahme, tönten Sie, sei ja Erziehungssache, und sowohl das eine als auch das andere sei für „manche Menschen“ (gemeint war ich) leider ein Fremdwort.

Was Sie nicht wussten: Genau das war mein Plan: Einen Sitz wieder freizugeben. Nur ohne fehlende Anzeige wusste ich nicht, welchen Sitzplatz ich anbieten hätte können ohne Gefahr zu laufen, schon Minuten später ohne Platz dazustehen. Auf einer über fünf Stunden dauernden Fahrt.

Wie dem auch sei: Sie hatten mich verurteilt. Sie sahen meine Kinder, die nach ihrem Ganztagsschultag in den vom Draußen Spielen verdreckten Sachen im Zug saßen. Sie werden das Haar meiner Mittleren bemerkt haben, das sie nur sehr unregelmäßig zu kämmen bereit ist – weswegen wir sie immer dann liebevoll Ronja Räubertochter nennen, wenn es uns nicht gerade in den Wahnsinn treibt. Vielleicht haben Sie die entzündete und bepflasterte Stelle am Bein meiner Großen wahrgenommen – ein Kettcar-Unfall. Oder Sie haben sich an dem MP3-Player gestört. Vielleicht auch an der Tatsache, dass ich nach einem achtstündigen Arbeitstag keine Zeit mehr hatte, uns ein Abendbrot einzupacken – weswegen die Kinder Eistee und Flammkuchen aus dem Bordbistro bekamen. Auch das Glas Wein, das ich mir mitbrachte, kann ein Faktor gewesen sein. Oder das iPad, auf dem ich den Kindern Bilder ihres Bruders zeigte, der zeitgleich mit seinem Vater unterwegs war. Was es auch war, Sie hatten uns ab Minute eins gefressen, wie man bei uns so schön sagt.

In der nächsten halben Stunde hörte ich Sie genervt aufstöhnen und fühlte Ihre missbilligenden Blicke. Mittlerweile teilten wir uns zu dritt zwei Plätze und hatten einem sympathischen, etwa gleichaltrigen Mann den Sitz gegenüber überlassen. Meine Kinder taten zu diesem Zeitpunkt nichts anderes als ihre Zeit mit mir zu genießen. Sie erzählten mir Häschenwitze und die Handlung von Büchern und Serien, die sie zur Zeit toll finden. Ich lachte und freute mich mit den Mädchen. Auch der etwa 12-jährige Junge der Vorzeige-Akademikermami mit selbstgeschnittenen Gürkchen und Äpfelchen, der neben Ihnen saß, schien sich über die Stimmung der beiden zu amüsieren. Dann richteten Sie unvermittelt Ihr Wort an mich:

„Ginge das auch ETWAS leiser?? Nicht JEDER ist an Ihrem Dialog interessiert!“
Ich entgegnete, das sei schade, denn ich persönlich würde gerade durchaus über die Witze der Kinder lachen müssen. Sie gifteten:
„Man kann Kinder auch vollkommen ANDERS erziehen! ICH habe das gemacht!“

Es war auch für die letzte Anwesende im plötzlich sehr leisen Zug offensichtlich, was Sie damit meinten.
Ich versuchte, ein wenig zu lachen, und fragte sie, wieviel Kontakt Sie denn heute zu Ihren Kindern haben. Dies war Ihre Antwort:

„Ich habe DREI Kinder, und ich habe heute hervorragenden Kontakt zu allen dreien! Sie sind auch alle HOCHBEGABT!“ (Ich weiß nicht mehr, ob ich mein „Natürlich sind sie das“ gedacht oder gesagt habe.) Daraufhin legten Sie mir noch dar, dass ich alles falsch machen würde, weil meine Kinder … nun, so grässlich seien. Das war zwar nicht Ihre Wortwahl, aber Sie sahen dabei meine Töchter an wie Insekten, vor denen man sich besonders ekeln müsse.

Ich bezeichnete Sie als extrem übergriffige Person und verbat mir weitere Äußerungen in dieser Richtung. Meine Große war entsetzt und den Tränen nahe. Ich meine, dass ich noch etwas zu Erziehungsstil und zu den sich amüsierenden Kindern hinzugefügt habe. Es ging allerdings etwas unter im Kommentar der Vorzeigemama: „Immer diese Diskussionen!“ (Was sie genau damit meinte, bleibt wohl ihr Geheimnis). Ich erklärte den beiden Mädchen daraufhin laut, dass sie wirklich ganz tolle Kinder seien und ich sehr froh wäre, ihre Mama zu sein. Und beglückwünschte Sie einige Momente später, weil Sie es geschafft hatten, meinen Töchtern einzureden, dass sie unerzogen, vorlaut und unerträglich seien und sie sich nun nicht mehr trauten, etwas lauter zu reden als zu flüstern.

Sie stiegen in Göttingen aus, meiner alten akademischen Heimat. Natürlich, dachte ich nur.

Und jetzt will ich Ihnen etwas sagen. Etwas, das nichts zu tun hat mit meiner persönlichen Verletzung, weil Sie sich nicht die Mühe gemacht haben, über all die Äußerlichkeiten hinweg zu sehen und dabei zu bemerken, wie liebevoll meine Kinder sind, wie sozial sie mit einander und mit anderen umgehen oder wie ausgezeichnet sie sich beide auszudrücken verstehen. Auch nicht mit meiner eigenen Gekränktheit, weil Ihr Bild von mir sich nicht mit meinem eigenen Bild decken will. Nein, hier geht es um etwas anderes:

Einfach so, ohne großartig darüber nachzudenken, haben Sie einem persönlichen Frust, für den meine Kinder nicht verantwortlich sind, Aus- und Nachdruck verliehen. Indem Sie mir für alle hörbar sagten, dass ICH in meiner Erziehung versagt habe, haben Sie eine Aussage über meine Kinder getroffen, die diese interpretiert haben. Meine Tochter schrieb mir daraufhin diese Notiz:

„Es ist ein Schock, von einem fremden Erwachsenen zu hören, dass man ein so schreckliches Kind ist. Ich fühle mich einfach nur Scheiße.“

Ihnen waren die anderen älteren Menschen ohne Sitzplatz in diesem Zug vollkommen egal. Es ging Ihnen ausschließlich um sich selbst. Sie reden von Rücksichtnahme, Erziehung und Respekt, und lassen alles drei aufs Schönste vermissen. Ihr Maß ist kaputt, es gilt immer nur für andere Menschen um Sie herum, nie für sie selbst. Und lachende und Witze erzählende Kinder über eine scharfe Kritik an der Mutter disziplinieren zu wollen – Kinder, die nicht ganz eine Stunde vorher mit den Tränen gekämpft hatten – ist nicht nur einfach rücksichtslos. Es ist vollkommen empathiebefreit.

Sie denken, Sie haben das Recht dazu, Jüngere, Schwächere und sogar Schutzbefohlene emotional zu unterdrücken. Sie glauben, alle anderen haben die Pflicht, sich Ihre Meinung nicht nur anzuhören, sondern als Fakt zu akzeptieren. Sie finden es richtig, Menschen, die Sie nicht kennen, zu beurteilen und es diesen Menschen auch noch mitzuteilen. Aber die heutige Gesellschaft ist zum Glück nicht mehr bereit, sich einer so verqueren Weltsicht wie der Ihren anzupassen.

Verbindlichst, Ihre Sitznachbarin im ICE 70.

P.S.: Wir sehen uns wieder. Man sieht sich immer zweimal im Leben.

  1. Irre, diese „alte Giftspritze“. Deine Kinder waren das, was sie nun mal sind, liebenswerte und aufgeweckte Kinder. Und die „Umgebungsvariablen“ waren wohl Streß pur, senkju vor dräffeling wif Deutsche Bahn.

    Respekt vor Deiner Selbstbeherrschtheit. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, aber es hätte durchaus justizabel werden können.

    Ich hoffe Deine Kinder lernen daraus, dass die Schuld wenn andere sie beschimpfen nicht unbedingt bei ihnen liegt, sondern es einfach auch daran liegen kann, dass der Aggressor einfach ein A… ist. 😉

  2. Das mit dem „sie habe hervorragenden Kontakt zu ihren Kindern” lassen wir mal so stehen. Mit Zweifel.

    😉

    • hm, vielleicht ist es in ihren Augen bereits ein Kontakt, zum Geburtstag einen Anruf und zu Weihnachten eine Karte zu bekommen, und wenn endlich der Friedhofszwang aufgehoben wird, wird sie vielleicht heimlich kompostiert wie Nachbars Katze, die man versehentlich totgefahren hat?

      allerdings wissen wir (auch Sie) nicht, was dieser bedauernswerten Person an diesem Tage bereits widerfahren ist, wodurch sie dermaßen dünnhäutig wurde, daß sie verbal um sich prügeln mußte, und durch Zurückhaltung kann dieser a href=“http://bidstrup.ru/images/comicses/0902.gif“>Kreislauf unterbrochen werden…

  3. Puh. Das ist echt bedrückend. Aber in Deutschland habe ich immer ein bisschen das Gefühl, dass die Ansichten der Dame der Grundtenor sind – wenn auch selten so explizit geäußert.

    Ich lebe gerade in Israel, und sprach vor ein paar Tage mit einer jungen Mutter aus den USA, die hier drei drei Jahre gelebt hat und jetzt ihren Umzug nach München plant. Sie meinte, ihre größte Sorge sei die Null-Toleranz-Grenze gegenüber Paaren/Frauen mit jungen Kindern im deutschen Alltag, im Flieger genauso wie in der Bahn genauso wie im Restaurant. Und die soziale Isolation die daraus resultieren kann. Seitdem ich hier bin, kann ich das total nachvollziehen – mir war vorher garnicht bewusst, dass es auch anders geht.

    Da wirkt es fast zynisch, dass die #regrettingmotherhood-Studie aus Tel Aviv kam; die Verbindung zwischen solchen Menschen im Zug und dem Phänomen fand ich spätestens nach diesem großartigen Kommentar hier schmerzhaft offensichtlich: http://www.resonanzboden.com/streitfall/alleine-mit-dem-hass-der-gesellschaft-jacinta-nandi-regrettingmotherhood/

    • Danke für Deinen Kommentar, Anna!
      Jetzt habe ich den Text von Jacinta Nandi auch endlich mal gelesen, bisher ist er mir echt durchgerutscht. Danke für den Link. Ja, und Ihr beide habt Recht. Es geht noch um einiges schlimmer und kinderfeindlicher, aber gerade die Resonanz auf dieses Erlebnis hier und die vielen Kommentare via twitter zeigen, dass viele Eltern ähnliche Situationen häufig erleben müssen. Und auch die Kinder schon sehr früh mitbekommen, dass sie in dieser Gesellschaft stören – mehr offenbar als so manches andere oder manch anderer Mensch.

      Dazu fällt mir selbst gerade auch nur ein :,( ein.

  4. Liebe Julia,- eine Situation, die ich sehr gut nachempfinden kann. Als ich am letzten Bahnstreikwochenende nach Bielefeld fuhr, habe ich eine ähnliche Frau erlebt. Beim ersten Lesen Deines Beitrages dachte ich, Du hättest genau diese wiedergetroffen, aber ein bisschen anders war’s dann doch. Vielleicht ist eine von dieser Sorte auf dieser Strecke wie so ein Gespenst immer gesetzt.

    Weil ich noch eine Schnupperbahncard hatte, die genau bis letzten Sonntag galt, dachte ich, es wäre eine gute Idee, in der ersten Klasse zu buchen, musste diesen Luxus allerdings bezahlen, indem ich diese Frau ertrug. Ich hatte mich ja darauf eingestellt, dass die Fahrt chaotisch werden könnte, aber auf die snobistischen Kommentare dieser Frau war ich echt nicht vorbereitet.

    Keine Frage, dass sie in erster Linie gegen „Herrn Weselsky“ wetterte. Aber auch jede andere Situation in diesem Zug wurden von ihr kommentiert: „Die läuft hier jetzt schon zum 10. Mal vorbei!“ beispielsweise, wenn Mitreisende sich erdreisteten, während der langen Fahrt mal aufzustehen und zu gehen (Bordbistro oder Klo). In Frankfurt standen wir eine Stunde und konnten wegen „Überfüllung“ nicht weiterfahren. Immer wieder bat das Zugpersonal in Durchsagen, dass Freiwillige aussteigen sollten, zuletzt gelockt mit 25-Euro-Gutschein und Ersatzzug nach Hannover. Ihr Kommentar dazu: „Das verstehe ich jetzt aber auch nicht, warum steigen die Leute denn nicht aus?“ Wer wollte das schon tun, wenn er einen Platz ergattert hatte. Sie konnte es angeblich nicht, weil sie ja bis (Hamburg-)Altona fahren wollte (und weiter bis Husum und nach St. Peter-Ording). Noch vor Hannover, wo ich umsteigen wollte, wurde dann durchgesagt, dass dieser Zug heute nur bis HH-Hbf, nicht bis Altona fahren würde. Da war sie dann den Tränen nahe und tat mir fast schon wieder leid. Ein letzter ihrer dämlichen Kommentare blieb mir aber doch noch im Kopf: „Wenn ich das gewusst hätte, wären wir doch erst am Montag gefahren!“ Man hätte ja auch kaum ahnen können, dass es an einem Bahnstreikwochenende Probleme geben könnte.

    Gerne würde ich Dir ein „Lass Dich nicht ärgern!“ in den Norden hinterherschicken, ich weiß aber, dass einem solche Situationen lange nachgehen, auch wenn man sie besser sofort abhaken sollte. Vielleicht klappte das auch, nachdem Du es hier niedergeschrieben hast.

    Ich habe in der letzten Zeit ein anderes Bild von Deiner Familie mitgenommen: Zum Beispiel als Deine drei Kids in der ersten Reihe beim Barcamp saßen und stolz beobachten konnten, wie ihre Mutter die Moderation gerockt hat. Und als alle drei das Sofa in der Leitstelle bevölkerten, dachte ich mir: „Was für eine coole, entspannte Familie!“ Danke, dass Du neben der Arbeit und ehrenamtlichen Projekten mit Volldampf Deinen Kids zeigst, dass sich das Kämpfen für eine bessere Welt lohnt.

    • Jana, danke für die letzten wunderbaren Zeilen, die mich gerade sehr gerührt und glücklich gemacht haben!

    • Renate Rosensein

      Das ist ein wirklich interessanter Kommentar, den Sie da schreiben. Ich habe selbst jetzt in meinem Alter schon diverse „ältere Damen“ erlebt, die sich so schrecklich benahmen, dass ich mich fremdschämte. Vielen Dank für die lieben Worte über unsere Enkelkinder beim Barcamp. Ich bin Julias Mom und habe dieses Camp auch miterlebt und finde durchaus, dass meine Familie richtig „cool“ ist. Danke!!!

  5. Anita

    Ach Mensch……………

    „zivilisierte 🙄 Flodders“ sind echt zum abgewöhnen.

    Ich weiß zwar nicht, welchem Jahrhundert diese entsprungen sind, aber es muss nahe der Steinzeit bzw. dem könglichen Hofe gewesen sein. 🙄

    GsD sind diese lästigen Menschen selten im Rudel anzutreffen.

    Und ich schließe mich Rainer an, bei mir wäre das längst nicht so ruhig abgegangen!

    Mal ganz davon abgesehen, was auch immer diese „Dame der höheren Gesellschaft“ so meint………….

    eine Bahnfahrt kann ein Highlight sein und da darf es durchaus was außer der Reihe sein, seien es Getränke oder Essen. Als ob man immer nur bio-dynamisch sein könnte. 🙄

    Und an die Dame noch ein kleiner Hinweis………..

    über ECHTE hochbegabte Kinder lässt sich NIEMAND in der Öffentlichkeit SO aus. Das haben nämlich weder die Kinder noch deren Eltern nötig. *grmpf*

    Sowas machen nur Menschen, die starke Minderwertigkeitsgefühle haben und sich so höher stellen wollen, als sie tatsächlich sind!

    • Liebe Anita,
      ich bin heute schon ganz froh, wie ich reagiert habe – so insgesamt. Vor ein paar Jahren hätte ich tapfer geschluckt und dann heimlich geheult. Es hätte Tage gedauert, bis ich darüber weggekommen wäre. Dieses Mal habe ich mir nicht vorzuwerfen, meine Kinder da ohne Hilfe stehen gelassen zu haben.

      Danke für Deinen Kommentar! Ich vermute heute genau wie Du, dass da mehr im Argen lag, bei ihr und den ihren … nun ja.

      • Anita

        Hallo Juna,

        weißt Du, bei Dir haben Deine Kinder gewiss mehr gelernt, als meine von mir. 😆

        Du hast das Ganze doch auf der distanzierten Ebene kommentieren können und bist damit Vorbild.

        Und mal ehrlich, wer noch nicht mal lachende Kinder in einem Zug ertragen kann, oder einfach mal ein Lächeln für Kinder übrig hat, der kann einem nur Leid tun.

        Hat ja schließlich keiner irgendwas zerrissen, beschädigt, ist über Bänke geklettert oder hatte einen Tobsuchtsanfall.

        Man sollte tatsächlich die „Kirche im Dorf“ lassen.
        😉

  6. Und deshalb weiß ich die 1. Klasse bei der Bahn so zu schätzen, da hab ich Ruhe vor plärrenden Kindern.

    Und ansonsten empfehle ich Kindern beizubringen, daß man im Zug halt ruhig(er) zu sein hat, um die anderen Fahrgäste nicht zu stören. Nicht jeder will halt Häschenwitze hören.

    • Ich habe den Kommentar zwar freigeschaltet, weiß aber weder genau, was Du mit „plärrenden Kindern“ meinst, noch was daran schlimm sein soll, in einem offenbar gebuchten Großraumabteil mit leise lachenden Kindern konfrontiert zu werden. Ich hatte ihr – daran erinnere ich mich erst seit heute mittag – übrigens auch die Reservierung in einem „Leiseabteil“ bei der Bahn empfohlen, schließlich gibt es die, ohne das Geld für die erste Klasse auf den Tisch legen zu müssen.

      Bleibt ein wenig Ratlosigkeit ob Deines Kommentars. Klingt für mich nach „Privilegierte können sich Ruhe leisten, alle anderen haben das Recht, Kinder jederzeit zu kritisieren“. Eine Gesellschaft, in der ich nicht leben möchte. Aber vielleicht habe ich Dich auch falsch verstanden.

      • Nein, du hast mich nicht falsch verstanden. Ich kann die Frau gut verstehen, daß sie sich von deinen Kindern genervt fühlte. Ich würde da ähnlich reagieren. Und ja, ich hasse Kinder. Da stehe ich dazu.

        Lerne was aus diesem Erlebnis und bring deinen Kindern bei, daß sie bei Zugfahrten gefälligst leise zu sein haben. Die anderen Fahrgäste haben ein Recht darauf, daß aus ihrer Fahrt eine Reise wird und sie nicht von plärrenden Kindern gestört werden.

        • Ich lerne etwas aus Deinem Kommentar, nämlich dass Du zu der Sorte Mensch gehörst, die keinerlei Toleranz für andere Menschen, Lebensentscheidungen und Umstände haben, diese aber – genau wie die Dame – rigoros von anderen Menschen einfordern. Du fühlst Dich gestört durch die bloße Existenz von Kindern („hassen“, aha.), es ist Dir aber vermutlich vollkommen egal, dass Du andere, wie mich, mit Deiner Intoleranz, Kleinlichkeit, eingeschränkten Weltsicht, Deinem erschreckenden Mangel an Mitgefühl und Deiner harten Wortwahl störst, sogar unterdrückst. Ich möchte mit empathiebefreiten Menschen wie Dir nicht das Geringste zu tun haben. Bitte verzichte auf weitere Kommentare, sonst sehe ich mich tatsächlich mal gezwungen, hier IP-Adressen zu sperren, und das hat bisher nicht mal Basementboi geschafft.

          In Deinem wie in meinem Interesse: Bleib in Deiner ersten Klasse, am besten in den Ruheabteilen, und schreib der Bahn wütende Briefe, wenn sie Familien in diese Abteile buchen. Was sie im Übrigen durchaus tun, selbst wenn man „Kleinkindabteil“ angibt, aber das nur am Rande. Sollte ich je erleben, wie Du eine Familie angehst, weil sich die Kinder Witze erzählen, mach Dich auf was gefasst.

        • Marc

          Lieber Torsten, Du irrst Dich: Mit Deiner Fahrkarte kaufst Du Dir bei der Deutschen Bahn eine Beförderung von A nach B – aber definitv nicht das „Recht darauf, daß aus ihrer Fahrt eine Reise wird und sie nicht von plärrenden Kindern gestört werden.“ Und deshalb, extra für Dich noch die Anmerkung: Wenn wir als fünfköpfige Familie mit der Bahn unterwegs sind, dann immer ganz bewusst in der ersten Klasse. Zum einen, aus ganz praktischen Gründen weil wir dort mehr Platz haben und zum anderen: einfach weil wir es können. Die meisten Mitreisenden reagieren übrigens zumeist positiv auf Kinder. Aber Aunahmen bestätigen ja leider die Regel. Und Kinder zu hassen… da muss was schief gelaufen sein im Leben…

        • Wie traurig und einsam muss ein Leben sein, wenn man andere Menschen hasst?!

    • Das ist das Klima, welches in Deutschland dazu führt, dass KiTas schliessen müssen, weil Nachbarn wegen der Lärmbelästigung durch die Kinder in der Zeit von 09:00 – 15:00 Uhr klagen, während der Lärm durch die doppelspurige Schnellstraße direkt daneben als gegeben hingenommen wird.

      Traurige Welt in der ein Kinderlachen die Menschen mehr stört als hupende Autos…

      • Der Bundesgerichtshof hat kürzlich immerhin entschieden, dass Kinderlärm hinzunehmen ist und kein Recht auf Mietminderung wegen Lärmbelästigung besteht.

        • Leider beinhaltet ein Gerichtsurteil keine Änderung der Geisteshaltung der Menschen, die sich durch Kinderlärm mehr belästigt fühlen als durch Verkehrslärm.

          Und sein wir mal ehrlich, wenn sowas vor Gericht geklärt werden muss ist doch im Grunde Hopfen und Malz für ein vernünftiges Zusammenleben mit den Nachbarn verloren.

    • Anita

      Wenn ich Deinen Kommentar wortwörtlich nehme (so wie es meine Art ist) dann lese ich etwas wie

      „möchte nicht belästigt werden“

      dieses Recht steht aber auch Familien mit Kindern zu!

      Denn diese müssen auch nicht mit jedem Kommentar gequält werden, wenn sie sich kindgerecht benehmen.

    • Ja Torsten, Du hast vollkommen Recht, nicht jede_r will Häschenwitze hören. Wo kommen wir denn da hin!

      Nicht jede_r mag im Übrigen (erwachsene) Männer mit Piratenkopftuch, die die eigene fehlende Erziehungskompetenz nutzen um anderen Erziehungsratschläge zu geben. Dennoch zeichnet es einen grösseren Teil dieser unserer Gesellschaft aus, soetwas zu tolerieren. Sogar Menschen die gern mit einem 1. Klasse Ticket der Bahn reisen, können das.

      Faszinierend an Menschen finde ich, dass viele von Ihnen im Leben dazulernen. Gib Dich nicht auf. Als Einstieg: https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz

      P.S.: Wird es Dir nicht langsam langweilig, den semi-professionellen Provokateur zu mimen?

    • Und deshalb weiß ich trotz allem Umweltbewusstsein manch Autofahrer so zu schätzen, da haben wir im Zug wenigstens Ruhe vor ihm.

      Und ansonsten empfehle ich dir, Torsten, dir darüber im Klaren zu sein, dass man im Zug halt so gut es geht mit anderen Menschen auskommen muss, um sich selbst und den anderen Fahrgästen eine entspannte Fahrt zu ermöglichen. Und spielende Kinder sind dabei das geringste »Problem«.

    • Philip Maas

      Wollte eigentlich nur Info über ICE 75…
      Tscha, so ähnliche Erfahrungen haben wohl alle Eltern schon machen müssen.
      Aber, liebe Julia, viel zu defensiv und zu viel Rechtfertigung. Selbst, wenn Kinder und deren Eltern sich vielleicht nicht so rational wie ihr verhalten, sind Herabwürdigung und Bloßstellung völlig inakzeptabel.
      Übrigens, wenn ich dabei gewesen wäre, ich hätte mich eingeschaltet und versucht, die Tante (nett) zu veralbern. Vielleicht sehen wir uns im März im ICE.

      Bis dann

      Philip

  7. Oh Mann, das klingt nach einer fürchterlichen Schreckschraube. Auf solche Begegnungen kann man echt getrost verzichten. Was soll denn das…?

    Was ich an deinem – verständlichen – Brief jedoch unpassend finde: Die andere Mutter wird von dir auch beurteilt, ohne die Gesamtsituation zu kennen. „…der etwa 12-jährige Junge der Vorzeige-Akademikermami mit selbstgeschnittenen Gürkchen und Äpfelchen, der neben Ihnen saß…“. klingt jetzt nicht so, als wärst du wertfrei.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, saßen die zufällig neben ihr, hatten geschnittenes Obst dabei und der Junge verhielt sich ruhig. Die können ja nun auch nichts dafür, dass die von der Dame mit reingezogen wurden.

    • Danke, Maren, für Deinen Kommentar!

      Du hast Recht, das klingt beim Durchlesen wertend. Ich habe hier allerdings tatsächlich die Perspektive der Dame gemeint und nicht meine eigene. Das einzige, was ich tatsächlich sehr schade finde an der Situation und der Anwesenheit dieser offenbar insgesamt sehr netten und umgänglichen anderen Mutter: Ihr Kommentar. Ich erwarte in einer so schwierigen Situation keine SChützenhilfe, obwohl ich sie selbst geben würde. Aber mit „Immer diese Diskussionen“ zu kommentieren, hätte sie sich stecken können. Ansonsten von mir ein vollkommen unbeabsichtigter Schlag in ihre Richtung, der dem Perspektivenwechsel geschuldet ist.

      • Aaaach, das hab ich nicht geschnallt, dass der Kommentar von ihr kam. Vielleicht war sie auch generell genervt von der Gesamtsituation. Ich will sie aber auch gar nicht weiter in Schutz nehmen und das dramatisieren. Das sollte nur ein Denkanstoß sein. 🙂

  8. Diese Erfahrung tut mir so leid. Die blöde Schreckschraube ist wahrscheinlich vom Leben gestraft genug, genau wie der Kommentator, der keine plärrenden Kinder will (was das sollte, weiss echt nur der Wind).
    Wer sich aber sehr glücklich schätzen kann, sind deine Kinder. Sie haben eine tolle, sensible, rücksichtsvolle, toughe Mutter!

  9. Oh ja, was für eine katastrophale Fahrt; Rücksichtnahme scheint für viele unserer Zeitgenossen heutzutage wirklich ein Fremdwort zu sein. Und ich meine nun nicht ausschließlich diese rechthaberische Person, die euch herabgewertet hat. Wenn ich lese, wie oft deine Kleine Taschen anderer Reisender abbekommen hat, dann ergreift mich die Wut gegenüber solchen Leuten – diese Ignoranten begegnen mir leider öfters beim Pendeln zur und von der Arbeitsstelle. Ich glaube, mir wäre schon in einer solchen Situation der Geduldsfaden gerissen; und ich bewundere, dass du es trotzdem geschafft hast, deine Kinder zu beruhigen und aufzumuntern und bei den Vorwürfen dieser schrecklichen Reihennachbarin noch halbwegs sachlich zu bleiben.

    LG
    Ulrike

  10. Lu

    Das tut mir leid, das hört sich nach einer schrecklichen Erfahrung an! Ich finde du hast toll reagiert.
    Ich bin ganz oft genervt von anderen Leuten im Zug, ich gehe immer in die leisen Abteile und da sind eigentlich immer Leute die laut telefonieren oder wo 1 die Bässe von deren Musik mithören muss, das sind ERWACHSENE. Es ist total normal keine Rücksicht zu nehmen. Natürlich sitzen da auch mal laute Kinder, aber erstens finde ich die weniger nervig und selbst wenn ich sie sehr nervig finde, es sind Kinder, keine Roboter und ich find´s total daneben in so einer Situation die Erziehung der Kinder zu kritisieren. Ich hab keine Kinder und ich stell mir das sehr anspruchsvoll vor, also meinen Respekt hast du. Ich wünsche dir, daß deine nächsten Zugfahrten schön sind!

  11. Liebe Julia,

    fühl dich erstmal so richtig gedrückt! Und dann beglückwünscht, so einer alten Zerre und einer vermeindlichen Vorzeigemama so selbstbewusst gegenüber getreten zu sein. Auch ich empfinde dieses Verhalten als typisch deutsch und bin mittlerweile leider zu dem Schluss gekommen, dass Menschen mit dieser Einstellung sachlichen Argumenten gegenüber verschlossen sind.
    Umso mehr kannst du auf deine Reaktion stolz sein. Ich selbst habe es heute morgen leider – nach kurzer Nacht und mit erkältetem Kind – einem älteren Grantler gegenüber auf die Frage, ob sie damals auch so waren, nur zu folgender Antwort gebracht: Nein, vermutlich schlimmer. Sie waren ja zu Fuß in Stalingrad.
    Unsachlich? Ja natürlich! Aber nach drei Stunden Schlaf und einem verrotzten Kind, dass begeistert beim Einkauf hilft war mir das Mittel egal. Die Wirkung zählte.

    Insofern nochmal: Sei stolz auf dich und lass die Leute reden. Ich bin sicher, deinen Kindern warst du in dieser Situation ein wunderbares Vorbild. Besser, als ich es heute Morgen war und besser als diese zutiefst unglücklichen Menschen allemal …

    Liebe Grüße auch an die Kinder
    Martin

  12. Nachtrag:
    Ja, ich bin immer noch stinkwütend. Ja, ich weiß, bringt nix. Und ja, unsachlich. Aber die immer wieder aufbrechende kinderfeindliche Stimmung in Deutschland finde ich unerträglich. Warum sind wir auf diesem Gebiet sowas von Weltmeister?
    Unter den Kommentatoren findet sich ja jemand. Vielleicht könnte er seine Haltung kurz erklären. Nur damit ich darauf klarkomme. Ich hab ja an mich schon den Anspruch, dass ich versuchen will, Menschen zu verstehen …

  13. Kinderfreundlichkeit ist in Deutschland stellenweise wirklich ein Fremdwort. Ich habe fünf Geschwister – da hab ich früher auch immer einiges mitbekommen von den Zeitgenossen, was ich jetzt gar nicht weiter ausführen will. Verletzend ist es allemal, deswegen kann ich deinen Erfahrungsbericht gut nachvollziehen.
    Mich persönlich stört Kinderlärm tatsächlich nicht. Jedenfalls würde ich mir niemals herausnehmen, deswegen so kratzbürstig zu reagieren. Weil es halt nun mal so ist, dass Kinder keine Maschinen sind, die man auf Knopfdruck deaktivieren könnte. Und das sollten auch Menschen akzeptieren, die selbst keine Kinder haben.

  14. Deborah

    Hmpf. So was ähnliches ist mir mal im Flugzeug passiert. Für solche Notfälle habe ich einen breiten, großen, scharzen Edding dabei, drücke ihn normalerweise meinem Sohn (also dem mittleren) in die Hand – die Mädchen sind zu gut erzogen um glaubhaft zu wirken ( ;-P ) und sag zu ihm: „Guck mal da, die Tante freut sich bestimmt über ein neues Muster auf der Handtasche.“

    Die Franchise für die Haftpflicht ist nur 1x pro Jahr fällig und beträgt 240 Euro…..

  15. Wer es nötig hat, öffentlich andere zu demütigen, um sich besser zu fühlen, stellt sich selbst an den Pranger. Und ein jämmerliches Armutszeugnis aus.

  16. Sandy

    Beim lesen hab ich mir meine Schwiegermutter vorgestellt…und vermute auch, dass da mehr im Argen liegt – denn sie hat definitiv keinen guten Kontakt mehr zu ihrem Sohn und hat ihr Enkelkind in den letzten zwei Jahren ein mal gesehen. Ich muss dazu sagen, dass wir seit fast zwei Jahren in China leben und meine Eltern bald auch erst das dritte Mal besuchen – aber das sind dann mehrere Wochen – bei ihr waren wir 2 Tage….und wir „Videotelefonieren“ meist mehrmals in der Woche…

    Wenn ich nicht wüsste, dass sie niemals alleine Bahn fährt hätte ich wetten können sie war es…bis ich mich in den Kommentaren an einen Flug erinnerte – gerade angekommen aus dem kinderfreundlichen China zum Weiterflug in Deutschland….

  17. Lass dich von solchen Menschen blos nicht unterbekommen! Was die anderen schrieben kann ich dir aus meinem wenn auch nur oberflächlichen Einblick in die Psychologie der Menschen bestätigen: Sie hat vermutlich selbst Probleme mit sich und ihren Kindern (welche auch immer) und du warst in dem Moment ihr Spiegel in dem sie das sah. Niemand würde versuchen das Gesicht in einem echten Spiegel zu kämmen – aber in so einer Situation greift man den Spiegel an, statt sein eigenes Thema zu erkennen und zu bearbeiten.

    Ich selbst finde Kinder im Zug klasse! Ich möchte nicht darauf verzichten, dass mich Kinder anstrahlen, wenn sie im Gang an meinem Platz vorbeikommen . Oder das ich mit der Familie, die mit mir am Tisch sitzt eine Runde Uno spiele.

    Früher bin ich beruflich oft erste Klasse gefahren. Wisst ihr was: Ich habe mich da unwohl gefühlt. Überspitzt gesagt lauter Anzugträger, die in ihre Notebooks gestarrt haben. Kein Wort der Kommunikation, kein Leben. Ich kam mir vor wie in einem Leichenschauhaus. Dann lieber dort sitzen, wo Leben ist!

    Und klar stört es mich auch mal wenn Kinder weinen oder laut sind und ich mich gerade konzentrieren will. Aber dann setze ich eben meine Kopfhörer auf, höre entspannte Musik und gut ist.

  18. Heiner Bremer

    Auch auf die Gefahr hin als Buhmann dazustehen: wer mit der Bahn reist und dazu noch mit Kindern (Plural! Mir ist es mit einem Kind ja schon zu riskant) und nicht von der Sitzplatzreservierung Gebrauch macht, dem ist schon mal nicht zu helfen…

    Und natürlich gibt es da draußen Idioten. Eine Menge sogar. Und die bekommt man auch nicht umgestimmt – selbst mit den besten Argumenten nicht. Ob deine persona non grata diese Zeilen liest… naja.

    Aber es ist doch viel mehr ein hervorragendes Beispiel um seinen Kindern zu vermitteln: jeder Jeck ist anders. Und vor allem: was andere (fremde!) über mich denken ist mal sowas von irrelevant.

    Tut mir also leid, daß ich hier nicht viel mehr als ein Achselzucken für dich übrigen habe. Das ist unsere Gesellschaft. Mit der müssen wir uns leider abfinden. Aber wir müssen uns ja auch nicht alles gleich zu Herzen nehmen.

  19. Hallo,
    nun habe ich die Geschichte nochmal gelesen und natürlich: Die unglaubliche Aroganz ist nicht hinzunehmen.

    Und dennoch muss ich als Kinderloser auch meinen Senf dazugeben.

    Ich mag Kinder (lieben tut man sie wahrscheinlich erst, wenn es die eigenen sind), und ich kann trotzdem sagen, dass ich von Kinderlärm belästigt wurde.

    Während eine langen ICE Fahrt, nach 4 Stunden, 3 Wochen Dauerworkshops in der Fremde, wollte ich nur nach Hause und eine Mutter mit zwei Kindern (vielleicht 4 und 6 Jahre?) stolpern in mein Abteil. Das jüngere Mädchen setzt sich an den Tisch und begrapscht mein Papier, der ältere Junge zwängt sich neben mich, plappert die Mutter voll, stolpert über mein Stromkabel… und ja, bestimmt schaute ich genervt. Ich denke es ist nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt, wenn ich behaupte, das Menschen ohne Kinder wahrscheinlich eine geringere Schmerz- und Stresstoleranz besitzen.

    Zum Glück fiel mir das auf, denn ich wollte gar nicht böse kucken. Als ich noch grübelte, wie ich positiven Kontakt aufnehmen könnte (ich kann ja nicht einfach fremde Kinder ansprechen), erledigt das der Junge, indem er mich fragte, wohin ich fahren würde. Ich erklärte es ihm. Und noch mehr, denn er schien wirklich ein fixer Junge zu sein, der an allem interessiert war. Dafür bot er mir auch von seinen Süßigkeiten an, was ich dann doch dankend ablehnte. Ich unterhielt mich gerne mit ihm. Zwischendurch erhaschte ich den Blick der Mutter, die sich lächelnd um ihr Jüngere kümmern konnte.
    Ich war stolz, dass ich nicht doch noch als sauer kuckender genervter Mitreisender galt.

    Vor kurzem saß auch ein 8-9 jähriger Junge im Flugzeug hinter mir. Er trat gerne gegen den Sitz und quetschte den neben ihm sitzenden Opa nach Infos über Flugzeugen aus. Irgendwann sagte der Opa, dass er doch aufhören solle, gegen den Sitz zu trommeln, da das andere stören könnte. Ich sah schnell zurück und sagte „Genau!“. Der Junge kuckte erschrocken. Und ich dachte nur „Mist. Das sollte nicht ernst sein.“ Also dreht ich mich schnell um und lächelte den Jungen an und sagte „Andere Mitreisende stört das, mich aber nicht. Verdammt langweilig hier rumzusitzen…“ Und schon lachte er wieder und plapperte. Uff.
    Ich denke einfach, dass beide Seiten einfach Verständnis für das Gegenüber haben sollten. Aber bitte, liebe Eltern, es bringt auch nichts das Kind mit einem harschen scharfen Nuscheln anzukeifern, dass es still zu sein hat, denn das Nuscheln der Eltern kann mehr nerven als die Kinder 😉

    Ich kann für meinen Teil nur sagen, dass es manchmal einfach Unsicherheit entspringt, dass sich Mitreisende seltsam verhalten. In meinem Fall löste das der Junge selbst.

    Das einzige was ich schade finde, dass diese „Übermutter“ der Geschichte, diese wohl nie lesen wird. Aber ob die so selbstreflektiert ist und ihren Fehler einsehen würde. Ich glaub nicht. Solche Menschen sind so von sich überzeugt, dass sowas von ihnen abprallt…

    • Das ist schöner Senf, mein Lieber! Ich danke Dir, nicht nur fürs Teilen, sondern auch und gerade für Deine Reaktion in den beschriebenen Situationen. Ich wünschte, so würden sich mehr Menschen einfach annähern – eben, mit Verständnis!

  20. Da kam eben ein Kommentarupdate und da ist mir dann noch was eingefallen: Locomore schickst sich als neuer Anbieter mit vielen Ideen an das Bahnfahren zu ändern. Unter anderem dadurch, dass „passende“ Reisegruppen zusammengesetzt werden sollen: Familien mit Kindern, Business-Leute, Brettspiel-Fans, die Social-Media-Nerds, etc. Aktuell läuft von denen EIn Crowdfunding: https://www.startnext.com/locomore/

    • Ach Mensch, da hab ich den Link zu dem Projekt vollkommen übersehen … stolpere erst jetzt darüber. Danke vielmals, und auch noch einmal ein spätes Danke für Deinen Kommentar!

  21. Liebe unbekannte Mami,
    ich bin gerade auf dem Weg zum ICE 70 nach Hamburg. Nur zufällig habe ich deinen offenen Brief entdeckt.
    Ich mache gerade mein Staatsexamen in Grundschullehramt und wünsche mir genau ihre Kids im Unterricht. Ich wünsche mir Kinder in verdreckten Hosen und mit zerzausten Haaren, um ihnen dann zu sagen wie großartig sie sind.
    Schade, dass ich nicht neben ihnen sitzen konnte. Ich hätte sicher herzlichst mitgelacht.
    Vielen Dank für ihren offenen Brief, den ich zufällig entdeckte und mich so mal wieder über manche Exemplare unserer Menschheit ärgern durfte. Auch das ist mal notwendig;)

    Ich sende ganz liebe Grüße an sie und ihre sicher prima Kids!

    • Vielen herzlichen Dank! Ich freue mich, dass es Menschen wie Sie sind, die in Zukunft Kinder unterrichten werden. <3

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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