juna im netz

Das Netz ist das, was Du draus machst

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Womanizer, Womanizer, uh, Womanizer … *sing*

Die wikipedia schreibt folgendes über den Begriff “Womanizer”:
Als Frauenhelden (englisch womanizer/womaniser) bezeichnet man Männer, die häufig (meist sexuelle) Bekanntschaften mit verschiedenen Frauen unterhalten, also promisk leben.

Dank einem kleinen, erfolgreichen Sexspielzeug kann diese Verwendung des Begriffes wohl als antiquiert gelten. Heute versteht frau unter einem Womanizer ein wiederaufladbares, handtellergroßes Superteil aus angenehm weichem Plastik, das dank einer besonderen Technik der Anwenderin ein vollkommen neuartiges Orgasmusgefühl verspricht. Die Marketingtexte klingen gut: Berührungslose Stimulation der Klitoris in acht Stufen, dabei ist das Gerät total leise, dann noch irgendwas mit pulsierenden Druckwellen … wenn er nicht ein kleines Vermögen kosten würde, hätte sich der Womanizer auf meine noch nicht existente Weihnachtswunschliste gemogelt. Was für eine nette Vorstellung, einen Womanizer im Kreise meiner Lieben auszupacken. Ich höre schon Mutter: “Du schenkst Deiner Frau ein Epiliergerät?” “Nein, meine Liebe, das ist ein Multiorgasmenproduzierer”. “Oh, ach so.” Großartig.

Für das Gerät sind ein paar schöne Erfahrungsberichte im Netz abrufbar, sogar als youtube-Besprechung. Einige Aspekte des Sextoys werden dabei regelmäßig wiederholt:
Vorteil 1 gegenüber bisher genutzten Hilfsmitteln und/ oder Partnern: Die Zeit bis zum Orgasmus verkürzt sich drastisch. So berichten viele von “unter zwei Minuten bis zum Höhepunkt” – ein statistisch ziemlich guter Wert, glaube ich. Außerdem sind die schmucken Details offenbar häufiges Besprechen wert. So ist der On-Off-Knopf wohl mit einem Swarovski-Stein gestaltet. Jahaa, Mädels, Swarovski! Glitzer!! Das Plastik wird als anschmiegsam bezeichnet, die schönen Farben gelobt … ich lass das jetzt mal so stehen.

Der Womanizer ist mit einer USB-Schnittstelle versehen, was mich zu dem Ausruf: “Schau mal, man kann ihn im Büro am Rechner aufladen” veranlasste. Nachdem ich noch etwas mehr über die geringen Betriebsgeräusche gelesen hatte, ergänzte ich: “Schau, man kann ihn sogar im Büro benutzen!”

Der googelnde Gatte entgegnete trocken: “Tja, damit werben sie offenbar auch.”

Und dann war ich für zehn Minuten sprachlos:

Der Spot ist … hochinteressant. Zunächst die Fakten: Wir sehen eine hübsche, junge, gepflegte Frau, die offenbar einen anspruchsvollen Bürojob hat. Zumindest wird der präsentierte Tag mit vielen Schnitten, die ein wenig wie ein Zeitraffer wirken, als eher stressig dargestellt. Die junge Frau muss telefonieren, am Rechner arbeiten, sich Notizen machen, organisieren, und das offenbar unter zunehmendem Druck. Visualisiert wird dieser durch fahrig oder erschöpft wirkende Gestik und Mimik. Eine Schrifteinblendung fragt dann, wie es mit einer kleinen Auszeit sei. Die junge Frau überlegt, steht von ihrem Platz auf und geht, sich umsehend, mit ihrer Tasche auf die Toilette. Der folgende, vermutlich interessante Teil wird zugunsten verschiedener Produktansichten übersprungen. Wir sehen die junge Frau erst wieder, als sie an ihren Platz zurückkehrt. Mit einem entspannten Lächeln stellt sie die Tasche beiseite und kehrt in ihren Arbeitsalltag zurück. Eine Schrifteinblendung behauptet etwas von Höhepunkten nach Plan.

Meine Entrüstung war keineswegs gespielt. Tatsächlich wird hier ein Bild weiblicher Sexualität vermittelt, das ich nicht unkommentiert stehen lassen kann. Selbstverständlich ist selbstbestimmte Sexualität ein wichtiges feministisches Anliegen, und Sexspielzeug als Hilfsmittel dafür sollte heute auf keinen Fall mehr ein Tabu darstellen. In diesem Kontext aber wirkt die Sexualität der Werbeprotagonistin nicht selbstbestimmt, fortschrittlich und offen. Sie wirkt wie ein Mittel, um entstehenden Druck abzubauen. Orgasmus als Kalkül, als geeignete Methode, sich dem Stress des Alltags in Nullkommanichts wieder stellen zu können. Der männliche Part der sexuellen Beziehung wird dabei auf die Fähigkeit, einen Orgasmus zu erzeugen, minimiert. Effizienz ist dabei das höchste Ziel – der Womanizer verspricht quasi turboschnelle Abhilfe, wenn es mal wieder nötig wird. @Makellosmag schreibt auf twitter sehr treffend, hier werde eine Karikatur der als männlich empfundenen Sexualität dargestellt – das Bild des sich auf,- und durch sexuelle Handlungen abzubauenden Drucks.

Mich erinnert die Darstellung im Spot an die Behandlung hysterischer Frauen im 19. Jahrhundert. Die Hysterie, ein bis heute etwas mysteriöses Krankheitsbild, das vor allem bei Frauen auftrat, wurde mithilfe von Klitorisstimulation behandelt – die betroffenen Frauen wurden vom Arzt mit Orgasmen “geheilt”. Ein Sexspielzeug, das leise und effizient selbst im Büroalltag einen Höhepunkt verspricht? Nach grünen Smoothies und Smartwatches, die den Schlaf überwachen und die Schritte am Tag zählen, scheint das der neue Weg der weiblichen Sexualität zu sein. Progressiv ist das allerdings lediglich in einem einzigen Sinne: Es passt zu unserem derzeitigen, durchoptimierten Bild des modernen Leistungsträgers. Du bist gestresst? Warum einen Gang runterschalten, wenn Du in unter zwei Minuten einen Orgasmus haben kannst? Und das ganz ohne Partner_in! Wow.

In den 50ern, schreibt @Landfamilie auf meine flehentliche Twitterbitte nach Austausch, wurde die gestresste Frau mit Alkohol therapiert – um in einer männlich dominierten Arbeitswelt brav den unterwürfigen Part spielen zu können. Die Zeiten ändern sich. (Oder?) Heute wird der Einsatz von Technik propagiert. Setzt man die beiden Werbespots zueinander in Beziehung, dient dies aber nicht der Luststeigerung bei Frau und Sexualpartner_innen, sondern der schnellen, effizienten Beseitigung von Stress durch die Anforderungen des modernen Lebens. Und auch im 2015er-Spot sind die Männer nicht etwa abwesend. Sie führen zwar keinen Orgasmus herbei, dominieren allerdings weiterhin die Arbeitswelt – die delegierenden und fordernden Hände sind alle – männlich.

Schöne neue Welt körperlicher Lust? Nun ja.

  1. Ich kann die Kritik nicht so ganz nachvollziehen. Warum muss ausgerechnet weibliche Sexualität einem höheren Ziel dienen und darf nicht “nur” dazu genutzt werden, “Stress abzubauen” oder “einen Gang runterzuschalten”? Ja, wir leben in einer kapitalistischen Gesellschaft, in der alles irgendwie darauf ausgerichtet ist, innerhalb der festgelegten Regeln zu funktionieren – auch der Sex mit der Partner_in am Abend funktioniert ja nie völlig unabhängig vom Arbeitsalltag und dient immer auch der Reproduktion der Arbeitskraft für den nächsten Tag. Und auch in Werbung für Kaffee geht es beispielsweise darum, das der Kaffee fit macht für einen Arbeitstag. Da könnte genauso kritisiert werden, dass die reine Lust am Kaffeetrinken nutzbar gemacht wird für eine kapitalistische Verwertung. Macht aber niemand. Ausgerechnet weibliche Sexualität soll nun aber irgendwie “rein” bleiben, darf keinen niederen Zwecken, keiner “Verwertung” dienen? Der Werbespot sagt ja nicht, dass weibliche Sexualität nur noch in der Mittagspause auf dem Büroklo stattfinden darf, aber warum darf weibliche Sexualität (in manchen Momenten) nicht genauso effektiv und in den Alltag eingetaktet sein, wie alles andere?
    Und den Unterschied zu irgendwelchen aufgezwungenen “Therapien” finde ich so offensichtlich, dass ich den Vergleich schon fast absurd finde.
    Viele Grüße
    Jochen

    • Und ich finde den Vergleich zwischen Sexualität und Kaffeetrinken absurd. 😀 So hinkt halt ein_e jede_r von uns mal, oder?

      Nun, eigentlich geht es mir genau darum: Das Eingetaktet-Sein, der Zweck, das Funktionieren. Ich sehe in Sexualität sicherlich keinen “höheren” Zweck, wüsste auch gar nicht, worin er bestünde – oder was ich als höheren und niederen Zweck ansehen würde. Aber ich denke, dass die Werbung ein recht zuverlässiges Abbild unserer Gesellschaft darstellt, in der alles optimiert und so effizient wie nur irgend möglich gemacht wird. Und ja, dagegen wehre ich mich ganz entschieden. Es kann nicht Sinn aller Dinge sein, dass wir so effizient wie möglich in eine kapitalistische Welt passen.

      Vielleicht magst Du noch erklären, wo ich von höherem Zweck weiblicher Sexualität gesprochen habe, bzw. was ich wohl damit gemeint habe. Es wäre interessant zu lesen, wo Du das reininterpretiert hast. 🙂
      Danke in jedem Fall für Deinen aufschlussreichen Kommentar!

      • Danke für deine Antwort.
        Du kritisierst, dass weibliche Sexualität als “Mittel”/”Kalkül”/”Methode” eingesetzt wird. Du schreibst es nicht explizit, wenn es alles das aber nicht sein soll, muss es da ja noch etwas höherwertiges geben. Oder? In einem Satz stellst du dem Ganzen, was du kritisierst, die “Luststeigerung bei Frau und Sexualpartner_innen” gegenüber. Das klingt schon etwas nach “natürlicher Lust” (im besten Fall bezogen auf mindestens eine weitere Person) auf der einen Seite als höherwertigem Zweck und auf der anderen Seite die “Methode zum Stressabbau” zu einem niederen Zweck und ohne Partner_in. Und auch der Abschlusssatz mit dem Bezug zu Huxleys schöner neuer Welt enthält ja diese Gegenüberstellung zwischen “natürlicher Liebe” auf der einen Seite und Sexualität als Mittel für eine funktionierende Gesellschaft auf der anderen Seite. Ich finde diese Gegenüberstellung nicht unproblematisch.

        Ich verstehe deine Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen, frage mich aber, warum diese doch sehr allgemeinen Entwicklungen ausgerechnet in Bezug auf die weibliche Sexualität kritisiert werden müssen. An weibliche Sexualität werden immer besondere Maßstäbe angesetzt und es gibt ja eine lange Tradition darin, weibliche Sexualität mit gesellschaftlichen Fehlentwicklungen in Verbindung zu bringen.
        Ich hoffe jetzt wurde meine Kritik etwas klarer.

        • Danke Dir. Ja, jetzt wird es klarer. Was gleichzeitig aber bedeutet, dass ich mich missverstanden fühle. 🙂 Zunächst: Die höherer Zweck-niedrigerer Zweck Interpretation war in keinem Fall beabsichtigt. Vielleicht sollte ich hier klarifizieren: Persönlich ist mir vollkommen egal, ob frau im Büroalltag ihre Pausen für einen Orgasmus nutzt, gesellschaftlich finde ich es sogar recht fortschrittlich, dass darüber immerhin irgendwie gesprochen wird. Also: Ich habe keineswegs etwas gegen diese Form der Sexualität, wenn jede Frau (und jeder Mann, und alle dazwischen) das persönlich für sich selbst entscheidet. Natürlich sagt meine Reaktion auch immer etwas darüber, wie ich mir Sex im Idealfall vorstelle, aber das kann ich eigentlich ganz gut reflektieren.

          Nein, was der Punkt dieses Blogposts ist, ist der Zusammenhang zwischen Funktion und Kontrolle im Spot. Hier ist das Problem in unserer Diskussion, dass wir beide aus vollkommen unterschiedlichen Blickwinkeln schauen. Du siehst die Anspielung auf Huxley – machen wir das Fass spaßeshalber mal auf und schauen in andere Dystopien hinein. Beinahe in allen Kontrollgesellschaften der Zukunft wird Sex als das Nicht-Kontrollierbare, das Irrationale abgelehnt. Sex ist eher der Feind einer funktionierenden Gesellschaft, eine Form der Disruption, wenn er (heimlich) ausgeübt wird. Gehen wir in die Geschichte, sehen wir, dass vor allem weibliche Sexualität jahrhundertelang sehr stark unterdrückt wurde und in vielen Gesellschaften bis heute noch wird. Ja, es gibt die Tradition, von der Du sprichst, und zwar vor allem in männlich geprägten Gesellschaften. Nehmen wir den Spot (und wirklich nur um diesen geht es mir hier), sehen wir eine Art moderner Adaption einer Kontrolle: Die hübsche Frau im Büroalltag, der offenbar männlich dominiert ist, steht unter Strom. Wir leben zum Glück nicht in einer Gesellschaft, die weibliche Sexualität stark unterdrückt. Obwohl vielen noch sehr fremd ist, darüber zu reden. Der Spot geht also den Weg, die weibliche Sexualität zu kanalisieren und optimal für die Anforderungen des Arbeitsalltags zu nutzen. Es geht schnell mal zwischendurch, schon ist frau wieder in der Spur und dient weiter den Herren. *lach*. Also zumindest dem Kapitalismus, in dem unser Selbstwert ohnehin schon in sehr starkem Zusammenhang mit unserer beruflichen Leistungsfähigkeit steht. Eventuell unterscheiden sich hier unsere beiden Perspektiven eklatant.

          Noch ganz interessant finde ich, dass Du die Frage aufwirfst, wieso nun ausgerechnet an weiblicher Sexualität die (Fehl-)entwicklungen unserer Gesellschaft gezeigt werden sollen. 1. Du lieferst das beste Argument dafür selbst, es hat Tradition, und an einem so sensiblen Thema mit einer solchen Historie wird viel sichtbar. Aber 2. muss ich auch noch loswerden: Wenn Du diesen Blog liest, wirst Du recht schnell zu dem Eindruck gelangen, dass ich in keinem Fall “nur” anhand der weiblichen Sexualität irgend etwas kritisiere. Ich nehme die Medien, Geschlechterrollen, den Markt, das Bildungssystem … wie es gerade passt und auffällt. 😉

          • Danke. Jetzt habe ich auch nochmal besser verstanden, wo unsere Differenzen liegen. Ich glaube eben, dass monogamer heterosexueller ehelicher Sex bzw die Fokussierung darauf viel mehr dazu beträgt, “frau in die Spur zu bringen und ihrem Herrn zu dienen” – allerdings ist das viel schwieriger zu kritisieren, weil es so natürlich erscheint.
            Danke für den Austausch.

          • Dafür habe ich zu danken. Und ich gebe Dir in dem letzten Punkt absolut Recht. Das ist definitiv mal einen Blogpost wert, auch wenn (gerade weil ?) es so viel schwieriger ist …

  2. Anita

    Hallo Juna,

    ich seh das dann mal ganz unwissenschaftlich.
    Nicht die Werbung als solches, sondern dass was sie aussagt.

    Mach/t Dich / Mich / Euch funktionabel.
    Egal mit was und wie, Hauptsache funktionabel.

    Und greift das eine Mittel nicht mehr, nimm das nächste. Und die Wahl der Mittel (hier dieses Sexspielzeug) ist “uns” dabei egal.
    Zeitlich streng getacktet muss das Optimum des Funktionerens sein / erreicht werden.

    Hauptsache in Sekunden abgearbeitet, die “Entspannungsphase”.
    Und ja, dass gilt auch für Kaffee (to go, um keine Zeit zu verlieren).

    Und da kommt der höhere Zweck, aller Entspannungsmechanismen, für mich ins Spiel.

    Ruhe, Muße und Zeit….. ist der höhere Zweck……….
    der niedere Zweck ist die Funktionabilität.

    Der höhere Zweck bedeutet auch langfristig entspannter zu sein. Der niedere Zweck greift nur kurzfristig und überholt sich (egal welches Mittel) sehr schnell.

    Und wenn ich bei dem Spot auf Sexismus abstellen will, dann greift er auf beiden Seiten. Die Frau darf mit “selbstbestimmten Sex” sich funktionabel halten, der Mann funktioniert (oder bestimmt, wer weiß das schon so genau) und wird gar nicht als Person geachtet.

  3. Ein weiterer trauriger Tiefpunkt in der Durchökonomisierung aller Lebensbereiche, der Einbindung ins Hamsterrad, dessen zunehmend totalitäre Macht darin besteht, dass die Hamster_innen nicht mehr anders wollen können…

    Ich nehm das mal zum Anlass, einen Artikel hier zu posten, der eine Gesamtschau auf diese Prozesse versucht:

    Dem Konsumismus trotzen! – Das Abseits als wirtlicher Ort von Prof. Dr. Marianne Gronemeyer

    • Vielen Dank für Deinen Kommentar, Claudia! Genau darauf wollte ich hinaus. Doch so präzise habe ich es nicht hingekriegt. 😉

  4. Reziprozität: Wäre ein Spot denkbar, in dem ein Mann auf die Toilette verschwindet, um …

    • Das ist ein interessanter Gedanke. Hab ich den Tag über mal im Kopf jonglieren lassen. Wenn der obige Spot denkbar ist, ist es auch ein Spot mit einem Mann, denn was sollte der große Unterschied sein? Dass weiblicher Sex “sauberer” ist in irgend einer Weise, ist ja ohnehin eine Erfindung.

      Versetze ich mich in die Position der Idioten Personen, die sich den obigen Spot haben einfallen lassen, würde ich allerdings argumentieren, dass dann der “spezifische Reiz”, also das Überraschungsmoment, dahin wäre. Denn männliche Sexualität wird bereits sehr häufig als ein Mittel, Druck abzubauen, thematisiert. Sie ist ohnehin schon schnell, praktisch und zweckgebundener als die weibliche. Das “Witzige” an dem obigen Spot wäre in dieser Argumentation, dass diese Darstellung von Sexualität nun auf die weibliche Sexualität ausgeweitet wird – das bricht das Bild und die Erwartung.
      Wie gesagt, das sind nicht meine eigenen Behauptungen. Das würde ich nur schreiben, wenn ich tatsächlich zu dem Team der Werber gehören und irgendwie einen Sinn in diesen Werbespot hinein interpretieren müsste.

      • Bleibt die Social-Media-Frage: Welcher Spot hätte das größere Potential für einen Shitstorm? Der männlich oder der weiblich besetzte?

        Ergänzung (im Edit-Modus): Ich habe ja nun sicher eine männliche Sexualität und gemeinsam mit meiner Frau zwei Kinder in die Welt gesetzt. Aber in einem Spot, bei dem der Mann während der Arbeit zum Masturbieren auf das WC verschwindet, würde ich mich wirklich NICHT repräsentiert fühlen 😉

        • Vielleicht bist Du ja sexuell offener zu allen Seiten, als Du es Dir eingestehen willst? Und würdest Deine feminine Ader in einer solchen Darstellung vermissen? 😀 😀

          Zu der ernst gemeinten Frage: Das käme wohl ziemlich auf die jeweilige Blase an, oder? Ich hätte mich über einen solchen Spot in ähnlicher Weise aufgeregt, auch wenn ich erwiesenermaßen kein Mann bin. Teilweise sogar aus den exakt gleichen Gründen. Allerdings … nach der letzten sollte-ich-es-Diskussion-nennen im Medium twitter bin ich nicht ganz sicher, ob das, was ich tatsächlich sage und schreibe (oder eben nicht), eigentlich einen Unterschied macht. Es herrscht ein dermaßen dämliches Lagerdenken bei einigen Menschen … es scheint oft komplett unerheblich zu sein, wer sich zu was genau differenziert äußert. Was noch nicht schwarz-weiß ist, wird dann einfach schwarz-weiß gemalt. Das geht so weit, dass man einfach mal behauptet, ich hätte während der #aufschrei-Debatte dauernd irgendwen gebasht (nicht meine Wortwahl). Das ist ebenso falsch wie verletzend gewesen. Hat aber niemanden interessiert – kein Mensch stellte das richtig, oder sagte im Nachhinein: Entschuldigung.

          Insofern, keine Ahnung. Beginnt mir auch ehrlich gesagt egal zu werden, aus dem oben genannten Grund. Sexismus gegen beide Geschlechter existiert. Machtungleichgewichte existieren auch. Ob eine Seite mehr brüllt als die andere, spielt keine Rolle.

          Ich habe den Beitrag oben ja auch nicht veröffentlicht, um Aussagen über potentielle Shitstorms in Social Media Blasen von überzeugten Männerrechtlern und ebenso überzeugten Feministinnen zu treffen, sondern um vor allem eine Gesellschaftskritik (meinetwegen auch Kapitalismuskritik) anhand eines Beispiels deutlich zu machen.

          • Zu den Diskussionen auf Twitter (eigentlich sind es ja eher Wortgefechte als wirkliche Diskussionen): Mir tut das immer wieder weh, wenn es sich derart aufschaukelt und wenn Menschen undifferenziert in ein Lager (ab)geschoben werden. Dieses »guilt by association« ist eine der schlimmsten Formen des »ad personam«, weil man sich gerade dagegen kaum sinnvoll wehren kann.

            Erstreckt sich Deine Kritik auf die gesamte Branche der Sex-Spielzeuge oder vor allem auf diese spezielle Werbung? – Man mag ja über Beate Uhse & Co. denken, wie man will, aber sie haben m. E. auf jeden Fall einen großen Beitrag zur Emanzipation geleistet [Beate Uhse begann ja ursprünglich ihre Geschäfte mit Material zur Empfängnisverhütung und mit sexueller Aufklärung].

            Jetzt muss ich mir noch die Frage stellen: Bin ich offen oder tolerant? – Auch wenn ich persönlich so ein Spielzeug wie in dem Spot nicht kaufen würde (wenn es das für Männer gäbe), scheint mir das Angebot doch legitim zu sein. Meine Kritik ist vor allem auf diese Art der Werbung gerichtet und nicht gleich auf das ganze System der Marktwirtschaft 😉

          • Ich glaube, da haben wir eine ganz grundsätzliche Übereinstimmung. Nein, ich finde (wie oben aber auch geschrieben) Sexspielzeuge ziemlich nett. Gesellschaftlich wie persönlich, auch wenn ich vielleicht eine eher eingeschränkte Nutzerin bin. Hab da aber wenig Vergleichswerte. 😉 Ich kritisiere wirklich nur die Richtung, die die Werbung nimmt – das Einordnen in einen wirtschaftlichen Kontext, in dem es um Effizienz und Leistungssteigerung geht – Anita und Claudia haben das in ihren Kommentaren nochmal sehr schön herausgearbeitet.
            Ob es immer gleich Systemkritik sein muss, ist eine gute und berechtigte Frage. Das ist anhand eines Spots natürlich ein bisschen drüber. Andererseits war für mich der Spot einfach ein Symptom von ganz vielen vergleichbaren, angefangen mit dem Trend zum quantified self. Aber das ist wieder ein anderer Kontext, ein anderer Blogpost, und ein ernsteres Thema als der Womanizer, über den ich mich hier lustig mache. (Nein, ja gar nicht über den Womanizer an sich. Abgesehen von den Kristallen. Honestly, Swarovski? Nur über den Spot halt.)

  5. Hi erstmal super Artikel. Doch welche unterschiede gibt es zwischen dem Womanizer Pro und dem alten Womanizer ?

    • Hi erstmal danke für den Kommentar!

      Keine Ahnung, welche Unterschiede da bestehen. Würde ich glatt drüber bloggen. Meine Adresse steht im Impressum, falls Ihr mir ein Exemplar zukommen lassen wollt. 🙂

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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