juna im netz

Das Netz ist das, was Du draus machst

  1. CoMa_spinnt

    Mit den Klassenkameraden, bei denen meine Kommentare gar nicht erwünscht sind, sondern ich nur einfach ein „Kontakt“ sein soll, hast du bei mir den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich fühle mich spontan erleichtert! Man MUSS diese Kontakte nicht haben!
    Ich habe einige Leute bei Facebook, an deren Alltag ich sonst nicht teilnehmen könnte, und die mir Freude machen. Darum würde ich mein Profil wohl nicht löschen. Aber entschlacken ist schon mal ne Maßnahme. 🙂

    • Ja, und sicher eine gute, die ein bisschen zufriedener machen kann! 🙂 Und die weit Entfernten auf diese Weise halten zu können, ist eine schöne und positive Verwendung des Netzwerks!

  2. Anita

    Ich, die ich kein Facebook-User bin, habe gerade erst wieder erleben müssen, wie schnell sich bei Facebook etwas so sehr verselbstständigt, Kommunikation gestört ist/wird und wie sehr man auch aneinander vorbeireden (kann).

    Davon ganz ab, ist mir persönlich die Zugehörigkeit zu einem Forum mit speziellen Ansprüchen wichtiger (auch das kommentieren auf einigen Blogs), weil es differenzierter zugeht.

    Ich lese gerne differenzierte und durchdachte Berichte. Ich schreibe nicht, um gemocht zu werden, sondern um meine Gedanken zu ordnen, Hilfen anzubieten (im Forum) und vor allem selber lernen zu dürfen.

    Diese Voraussetzungen sehe ich bei Facebook nicht als erfüllt an. Auch einige andere andere ähnliche Plattformen machen das „messen an Freundschaften“ mit.

    Bei den vielen Nutzern und Bloggern, die ich lesen durfte habe ich einige wirklich kennenlernen dürfen. Aber diese grundweg als Freunde zu bezeichnen, ist mir zu viel. Über jeden (aus der Netz“arbeit“ real entstandenen) Kontakt freue mich jedoch sehr!

    • Und ich profitiere von Deinen differenzierten Meinungsäußerungen 🙂 Danke sehr! Du bringst mich da gerade auch für meinen bevorstehenden Blogumzug auf eine gute Idee … Mal sehen …
      Grüße an Dich!

  3. Michael

    Ich bin ein seehr intensiver Facebook-Nutzer. Und ich finde es grundsätzlich nicht gut, wieviel Zeit ich sinnlos (?) damit verbringe.
    Dein Blogeintrag und auch schon Deine Ankündigung auf Twitter haben mich zum ersten mal wirklich dazu gebracht, mir Gedanken darüber zu machen, was Facebook mir eigentlich bringt – und ob die Zeit, die ich damit verbringe wirklich so sinnlos ist.

    Vorweg: Obwohl ich Facebook viel nutze und (zugegebenermaßen) auch ein bisschen gegen die zahlreiche Socialmedia-Kritik verteidige, kann ich es absolut nachvollziehen und verstehen, wenn jemand aus bestimmten Gründen nichts damit zu tun haben möchte. Denn die gerechtfertigten Gründe dafür sind zahlreich.
    Ich finde es aber auch gut, wie Du, Juna, Deinen obigen Post formulierst: Sehr subjektiv, auf Deine konkrete Erfahrung bezogen, nicht verallgemeinernd, ebenso andere Erfahrungen und Meinungen zulassend.

    Und ich bin mir inzwischen sicher, dass meine Erfahrung eine andere ist.
    Wichtig ist es an dieser Stelle wohl, auf das eigene Verhalten zu achten. Zwar ist durchaus auch die Reaktion der digitalen Kontakte von Bedeutung (ich finde die Feststellung, dass eine Verbindung zwischen Menschen auf Gegenseitigkeit beruht, eine ganz bedeutsame), das maßgebliche für den Einfluss, den ein (digitales) soziales Netzwerk auf mich hat, sind aber die Interaktionen und Erwartungen, die ich damit verbinde.
    Was ist Facebook also für mich?

    1. Eine Kommunikationsplattform. Als vehementer WhatsApp-Gegner bin ich auf Facebook als Kommunikationsmethode quasi festgelegt, wenn ich einen Großteil meiner sozialen Kontakte aus dem RL zuverlässig erreichen will.
    Nebenbei sind für manche Sachen die „Gruppen“ in Facebook echt praktisch. Komfortabler als Mailverteiler.

    2. Eine Möglichkeit mit Leuten in Kontakt zu bleiben – So, wie CoMa das oben schon beschrieben hat: Meine aktuell (noch) besten Freunde wohnen ca. 350km von mir entfernt. Wir sehen uns relativ selten und telefonieren eigentlich auch nicht miteinander. Gerade deshalb ist es schön, hin und wieder auf Facebook etwas aus dem Leben dieser Menschen zu sehen und so mit ihnen zumindest in ein „Kommentar-Gespräch“ zu kommen.

    3. Eine Möglichkeit unwichtige Sachen (mit)zuteilen. Es gibt so viele tolle Musikstücke, Lyrics, Videos, Texte, … im Internet, aber nicht nur dort, auf die man stößt und die auch für andere interessant sein könnten.
    Ich poste sowas auf Facebook. Es gibt eigentlich immer relativ wenig Resonanz darauf (ich bin Like-Zahlen zwischen 0 und 4, meist 0 gewöhnt), und trotzdem freue ich mich, wenn irgendjemand das auch gut findet.
    Umgekehrt handhabe ich das genauso: Ich lese die Beiträge anderer und gucke mir das, was mich wirklich interessiert, genauer an. Die kriegen dann auch Likes, unabhängig, ob die Person etwas bei mir geliked hat, oder nicht, und wer die postende Person ist.

    4. Die Newsletter-Funktion. Ich lese einfach lieber Facebook-Posts von meinen Lieblings-Onlineshops, -Musikinterpreten, und anderen Organisationen als E-Mail-Newsletter. Im Grunde kommt es aber auf das gleiche raus.

    5. Eine Möglichkeit mit weniger wichtigen Leuten in Kontakt zu bleiben.
    Also all diejenigen, die ich irgendwo auf der Schule oder bei irgendeiner Veranstaltung oder einem gemeinsamen Projekt kennengelernt habe und deren Bekanntschaft vielleicht irgendwann in einem bestimmten Zusammenhang nochmal interessant werden könnte.

    6. (Ganz selten) eine interessante Diskussionsplattform. So ist letztens unter einem Post von mir eine tolle politische Diskussion entstanden, zwischen zweien meiner Freunde, die sich persönlich nicht kennen, aber zwei grundsätzlich verschiedene politische Ansichten haben und diese sehr überzeugend vertreten und für sie argumentieren können. Die Diskussion war absolut lesenswert und wurde von einem der beiden Diskussionspartner hier veröffentlicht:
    http://www.fabian-schicker.de/?p=67

    Ich denke, mit dieser (nach absteigender Priorität geordneten) Liste habe ich die wichtigsten Bedeutungen, die Facebook für mich hat, abgedeckt. Ich kann daran für mich nichts negatives feststellen. Insbesondere die Problematik, in sozialen Netzwerken nur auf möglichst große Anerkennung in Form von Like- und Freundschaftszahlen aus zu sein, kann ich an mir nicht feststellen. Das belegen, denke ich mal, auch die wenigen Likes meiner Posts und die Anzahl und Herkunft meiner „Freunde“ (246, zu 100% Bekanntschaften aus dem RL).
    Fazit: Auch nach genauerer Reflexion bleibt Facebook für mich (!) sinnvoll. Es ist aber gut, mal darüber nachgedacht zu haben.

    • :)) Ich glaube kaum, dass die Zeit, die Du dort verbringst, sinnlos ist – siehe Netzwerkpflege und Beeinflussung! Vielleicht gefällt Dir der Barcamp-Vortrag, wenn er denn online ist 😉
      Deine ersten Punkte haben mich – vor nicht so schrecklich langer Zeit – einmal zu facebook gebracht. Und das hat in den ersten drei Monaten sogar Spaß gemacht, auch wenn ich mich bereits zu diesem Zeitpunkt in den Augen der „erfahreneren“ facebook-Nutzer in meinem Profil ziemlich lächerlich gemacht habe. Wer teilt schon Petitionen gegen die Privatisierung von Wasser? 😉

      Ein gutes, funktionierendes facebook-Netzwerk ist vom persönlichen Einfluss her nicht zu unterschätzen – in beiden Richtungen. Denn nicht nur wir werden beeinflusst, wir beeinflussen auch andere. Die richtige Verhältnismäßigkeit aber war, alles in allem, bei mir nicht mehr gegeben. Ich werde sehen, wie es sich „ohne“ lebt 🙂 Und ich bin mir völlig der Ambivalenz bewusst – wie ich schon schrieb: Da halte ich selbst eine Session über soziale Netzwerke, und mache dann kurzen Prozess mit dem, in dem ich am längsten aktiv bin. Nach Euren Kommentaren denke ich, vielleicht war das Ganze von vorne herein von mir falsch aufgesetzt. Ist möglich. Aber so war es nicht mehr haltbar.
      Danke Dir!

  4. Ich kann deine Beweggründe absolut nachvollziehen, gehe aber auch mit vielen „Pluspunkten“ von Michael konform. Zusätzlich nutze ich Facebook vor allem, um auf meinen Blog zu verweisen. Viele feministische Bloggerinnen halten sich ja recht anonym im Netz (was ich durchaus verstehen kann), aber gehören in irgendeiner Form einer bestimmten Blogging-Community dazu. Darum hab ich mich bislang gar nicht gekümmert, wohl aber sehe ich das Verlinken meiner Posts als Möglichkeit auch Leuten „diese“ Inhalte zugänglich zu machen, die sich sonst nicht dafür interessieren würden. Grade eben weil ich darüber schreibe, weil sie mich eben kennen.
    Und ein schönes Erlebnis, dass ich dazu hatte, war jemanden mal wieder zu treffen, mit dem ich über 18 Jahre keinen persönlichen Kontakt mehr hatte, der aber seit ein paar Jahren halt auch unter meinen „friends“ war. In diesem RL-Treffen hat sich dann herausgestellt, dass er meinen Blog liest und er hat anerkennend resümiert, dass er sich vorher nie über all diese Gender-Themen Gedanken gemacht hat, aber dass ich ein paar wichtige Impulse für ihn geliefert hab. Und allein das reicht mir um auf fb präsent zu sein und meine „Weisheiten“ in die Welt zu posaunen.
    Ich sehe es einfach als riesige Spielwiese, die ich nicht jenen kampflos überlassen will, die andere Sichtweisen vor sich hertragen. Bisschen so wie „sex-positive“ Feministinnen alternativen Porno machen und wie David gegen den Mainstream-Porno Goliath halten.
    Immer wieder einmal miste ich meine friends Liste aus von solchen SchulkollegInnen, mit denen ich eh nichts zu tun hab, oder die auch nie was posten, und dann lasse ich aber auch wieder bewusst welche drinnen, weil ich mir denke: nein, genau diese Person sollte die Möglichkeit haben, auch mal eine andere Meinung, auch mal ein anderes Weltbild auf seinen/ihren Radar zu bekommen. Genauso tut es mir als Realitätsabgleich gut, wenn ich sehe, was Leute außerhalb meiner kleinen Welt so treiben – aber auch innerhalb 🙂

    Eine andere Sache sind Menschen, die ich gar nicht persönlich kenne, oder die mir irgendwie über Umwege Freundschaftsanfragen schicken. Ich frag dann immer ziemlich genau nach, wer das denn ist, und warum gerade ich usw (ich nutze fb nicht mit meinem Klarnamen, da ich sonst aufgrund meines Jobs dauernd Anfragen von Teilnehmerinnen bekommen würde). Durch solche „außergewöhnlichen“ Kontakte sind mir schon viele tolle Unterhaltungen beschert worden – und auch ein traumhafter Urlaub in einer Region, wo ich sonst nie hingekommen wär – würde die Person nicht so viele Fotos posten. 🙂

    Momentan bastle ich mit FreundInnen grade an kreativem Krimskrams, den wir dann immer wieder mal auf fb stellen, einfach um zu schauen, was gut ankommt usw. Würd ich das nicht, würden diese Dinge einfach irgendwo im digitalen Nimbus verloren gehen, wenn sie denn überhaupt dort hingelangen. Was ich schade fände.

    Unabhängig davon nutze ich fb als Infoquelle. Grade für feministische Anliegen. es gibt so tolle Seiten, mit so großartigen Links. Insofern würd ich auf diesen Infostream einfach nicht verzichten wollen.

    Aja, und manchmal tue ich es mir wirklich an, online über fb Pinnwände hinweg Menschen meinen Unmut über ihren unsensiblen Umgang mit Rassismen kundzutun. Da könnte man auch sagen, bringt eh nix diese Grundsatz-Diskussionen. Ich sehe es allerdings als ein Akt der Zivilcourage. Es geht für mich dabei weniger, jemanden zu bekehren, als einfach zu zeigen, dass es auch noch andere Sichtweisen gibt, und dass sich durchaus Leute trauen zu zeigen, dass was nicht ok ist. Genauso wie ich das im Bus auch tu, wenn jemand grundlos neben mir blöd angemacht wird, nur weil die Person zufällig ne andre Hautfarbe hat. –

    Insofern möchte ich dieses Schlachtfeld nicht allen andren (ohne mich) überlassen. Auch wenn es meine Daten sammelt. Aber da denk ich irgendwie ganz pragmatisch: Smartphone, ecard, Kreditkarte, biometrischer Reisepass, Überwachungskamera, Mitaufzeichnung von Handygesprächen, Google, email, 101 Kundenkarten….da ist ein fb account mehr oder weniger auch schon wurscht. – Manchmal beschleicht mich zwar die Angst, es könnte mir wie Sandra Bullock in „Das Netz“ ergehen, aber dann denk ich mir: so viele Daten wie ich in die Welt streue, müssen die erst mal bereinigen, um mir ne neue Identität zu geben. Leicht mach ichs ihnen sicher nicht 😉

    • Ich danke Dir für dieses positiv-Statement und finde meinen eigenen Anspruch in Deinem fb-Verhalten umgesetzt. Schön, wenn Du damit auch gute Resonanz bekommen hast. Ich habe mich mit dem gleichen Verhalten im besten Falle ignoriert, mitunter sogar angegriffen gefühlt. Und während es offenbar alle prima finden, Emo-Postings, Katzenvideos und neue Profilbilder zu posten (sofern sie überhaupt aktiv sind), gingen die Dinge, die mir wichtig sind, irgendwann im Stream verloren. Und das ist, wie gesagt, nicht einmal schlimm, wenn 95% damit total einverstanden sind. Aber ich habe dadurch diesen positiven Ansatz, die Plattform nicht dem Blödsinn zu überlassen, irgendwann aufgegeben. Freue mich sehr darüber, dass es noch Menschen wie Euch (und meine erwähnte Handvoll Kontakte, für die ich mir Alternativen ausdenken muss), auf facebook gibt 🙂 Auch die Idee, das ganze als Newsforum zu benutzen, finde ich grundsätzlich prima. Vielleicht hätte ich mir Frust erspart mit dem Umstellen auf einen solchen Gebrauch. Mittlerweile erfüllen twitter und feedreader diese Funktion.
      Was Michael und Du jetzt in die Kommentare schreibt, hätte ich oben wohl noch stärker herausstellen sollen: Ich bin absolut für das soziale Netzwerken und sehe auch Sinn in jeder dieser Plattformen- es kommt auf den (bewussten) Gebrauch und eben auch auf die Pflege an. Mit der Einseitigkeit aber kam ich persönlich nicht mehr gut klar.
      Nochmal Danke!

  5. Jetzt noch eine große Bitte: Wenn Ihr eine URL habt, bitte verlinkt sie in den Kommentaren. Der Klick auf das Profilbild verweist immer nur auf den Gravatar. Das ist schade. So kann Euch keiner außer mir finden!

  6. Meine Vorkommentatoren haben es bereits deutlich gemacht: Es kommt darauf an, wie du die Plattform nutzt. Die zunehmende Geschlossenheit, egal ob bei Facebook, die mal eben die Kontaktmailadressen auf *@facebook.com änderten, oder Google, die auf Youtube nur noch Google+-Identitäten die Kommentierung erlauben, oder eben auch Twitter, die die Anzeige von Instagram-Bildern flugs abschalteten – sie ist allen kommerziellen Plattformen zu eigen.
    Ich bin selbst vor anderthalb Jahren bei Facebook ausgestiegen, mit einem ähnlich radikalen Ansatz wie du. Ich habe sämtliche Posts, alle Bilder, alle Kommentare einzeln gelöscht, weil sie nur so auch tatsächlich nach einer möglichen Reaktivierung nicht auf einmal wieder auftauchen und noch weiter genutzt werden.
    Ich habe mich wieder angemeldet. Allerdings mit einem grundsätzlich veränderten Verhalten. Ich poste bestenfalls Links zu Inhalten, die ich auf anderen Plattformen nicht an deren Inhaber verschenke (ein wie ich finde unverschämter Anspruch Facebooks). Als Kontakte nehme ich nur Personen auf, die ich auch persönlich kennengelernt habe. Personen jenseits der Familie, die Blödsinn posten, blende ich vollständig aus. Auf ihr Profil schaue ich nur dann, wenn es dafür einen Grund gibt.
    Ich gehe auch davon aus, dass man mit mir ähnlich verfährt. Wenn nicht – auch prima.
    Mittlerweile ist es also ein sich selbst aktualisierendes Adressbuch mit gelegentlichen Updates von Menschen aus meinem Lebensweg. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    Die Augen davor zu verschließen ist natürlich ein Weg, den Unzulänglichkeiten der Plattform zu begegnen. Aber eben ein ziemlich pauschaler, der auch die positiven, bereits in den Kommentaren angesprochenen Aspekte ausschließt.

    Jedes Netz ist, was du draus machst. Nicht nur im Internet, sondern auch die im Leben jenseits davon.

    • Ich denke, meine Idee, da auszusteigen, ist weder radikal noch hat es etwas damit zu tun, die Augen zu verschließen. Immerhin kannte ich die ganzen Schwachpunkte der Plattform und habe dennoch einen Account gehabt – genau wie ich auch bei google bin. Das Ganze war keine Kurzschlussreaktion, es hat sich angekündigt. Die Gespräche am Wochenende waren nur der letzte Schubs, und der hat mir, denke ich, gut getan. Es ist jetzt nicht so, als hätte ich keine anderen Kanäle, um mit den Menschen, die mir aus dem dortigen Netzwerk wichtig waren, zu kommunizieren. Und radikal wäre es vermutlich eher gewesen, allen sozialen Netzen mal eben den Rücken zu kehren und statt dessen etwas „Sinnvolles“ zu tun – vielleicht so wie das, was @cuirhomme vorschlägt. Aber da liegt das Problem: Ich HALTE es ja für ein Netzwerk, das das Potential hat, etwas sehr, sehr Sinnvolles zu sein. Nur war das eben für mich nicht mehr der Fall. Vielleicht ist es mir auch einfach nicht egal genug, was Menschen, die ich mag, in ihrer Freizeit und auf solchen Plattformen so treiben. Vielleicht nehme ich vieles persönlicher als ich sollte. Vielleicht hätte ich das Ganze weniger idealisiert (Ha, da ist es wieder! :)) auch einfach als sich selbst aktualisierendes Adressbuch (#ilike!) benutzen sollen. Aber: Hätte, hätte, Fahrradkette! Und schlussendlich bin ich so auch nicht. Es ist mir eben nicht egal.
      Pragmatisch gesprochen habe ich durch das Löschen momentan einen Zeitgewinn von ca. 20 Min./Tag. Ist auch nicht unbedingt zu verachten, auch und gerade, wenn es um das Leben jenseits der digitalen Welt geht. 🙂
      Danke für Deine Anregungen. Wie gesagt, ich bin mit Sicherheit nicht fertig mit dem Thema.

  7. Gute Entscheidung!

    Man kann allerdings über FB auch gut regulieren wer was sieht und Informationen für einen festgelegten Nutzerkreis verteilen.

    Ich persönlich bin auf FB nicht mit meinem Klarnamen angemeldet und achte darauf wer sich alles in meiner Freundesliste befindet.

    Ich nutze dieses Portal nicht zum netzwerken sondern zum trollen und spammen. Spaß muss ja sein 😉

    Erschreckend finde ich aber wie andere Nutzer in meiner Timeline mit ihren Informationen und auch grenzwertigen Bildern umgehen.

    • Danke Dir! Ja, das ist oft Unkenntnis. Ich weiß, was Du meinst. Ich glaube kaum, dass den Betreffenden immer so klar ist, was sie alles preisgeben, nur weil ihre Privatsphäre-Einstellungen nicht vernünftig vorgenommen wurden. Tjaja.

      Trollen und Spammen? ;)) Interessant!

      • Ja natürlich – Viel Posts wenig Inhalt! 😉
        Funktioniert auch bei twitter xD

        Das schlimme ist, dass es den Leuten nicht bewusst ist. Das sollte es aber. Das Geschrei wenn die Daten in irgend einer Form in fremde Hände gelangen ist dann groß.

        Unsere Gesellschaft wandert ins Netz – grundsätzlich ist das ja nichts schlechtes! Die Angebote sind reichlich vorhanden.

        Aber der gewissenhafte Umgang wird in keiner Form beworben. Die Nachteile die sich daraus ergeben sind bekannt.

        Die wenigtens allerdings ziehen die Konsequenzen daraus und beenden das Ganze oder informieren sich in irgend einer Form über den sicheren/bewussten Umgang.

  8. Das ist ja eigentlich schon der von Dir in Aussicht gestellte Kommentar – „wenn ich dazu komme“ – zu meinem Artikel: http://cuirhommeblog.wordpress.com/2013/11/26/ich-ist-ein-anderer/ 😉

    Ich finde dieses von Dir beschriebene Verbinden (Verlinken) von Menschen und Diskursen auch ganz wunderbar. Nur sind da (mindestens) zwei Einwände, an denen ich mich immer wieder aufreibe und die ich mir erlaube, hier etwas scherenschnittartig zu formulieren:

    1. „…wenn du in deinem direkten Umfeld niemanden hast, der ähnlich tickt.“ Ja, wir sind immer auf der Suche nach Menschen, mit denen wir unsere Vorlieben, Gedanken, Nöte oder halt einfach unsere Lebenszeit möglichst gerne/gut teilen können. Wir bevorzugen die ähnlich Tickenden – oder fieser: die Gleichgeschalteten – und blenden immer mehr den Raum aus, in dem wir uns befinden, übersehen die Menschen, vielleicht auf die Konflikte neben uns. Unsere Kontakte, ja die Zuneigung zu den Nahen und Nächsten verwahrlost (ich wäre für ein Smartphone- und Networking-Verbot für Eltern! wenigstens für einige Stunden täglich, bevor Kinder oder Partner angesichts der attraktiveren Konkurrenz resignieren).
    Zivilcourage beschränkt sich auf die Gegenrede in den Portalen (und damit auf Selbstmanifestation), während wir übersehen, dass die alte Frau gegenüber seit Monaten nicht mehr im Garten sitzt oder der krebskranke Nachbar vor zwei Wochen beerdigt wurde. Mein Eindruck: gelebte Entsolidarisierung. Gemeinschaft wird immer mehr virtualisiert, wir nomadisieren zwischen ständig neu zu erschliessenden Aufmerksamkeits- und Diskurs-Oasen. Wo die Reise hin geht, weiss ich nicht. Aber mir zieht es den Boden unter den Füssen weg.

    2. Es ist das Inter-Netz der Gewinner. Entweder ihr seid alle unglaublich gewieft und gescheit, oder ihr verbringt vertammi viel Zeit mit dem Verfassen eurer Beiträge. Wahrscheinlich beides. Ich habe/bin aber weder noch, kann mir das nicht leisten. Auch wenn ich mir alle Mühe gebe. Die neuen Medien bieten Chancen, ja! Aber wem? Einer Info-Elite, die es versteht, die Technologie zu nutzen und die für die „Pflege unseres Netzwerkes“ genügend Ressourcen besitzt: http://cuirhommeblog.wordpress.com/2013/09/21/die-info-aristokraten-medienluge-2/
    Ich beneide die A-Blogger, Favstars und Kloutscore-Kings nicht darum, dass sie via neue Medien Aufmerksamkeitskapital anhäufen. Aber vergesst bitte nicht die Elendsmediatisierten, die Anonymen und Vergessenen, die sich an Cat-Content und Big-Macs-on-Instagram sattchatten. Die Kluft zwischen den Prosumern von EXCLUSIVE-content und JUNK-data wächst unaufhörlich. Wir schaufeln Gräben tiefer, die eigentlich zuzuschütten wären.

    steffenpelz sagt sehr schön: „Jedes Netz ist, was du draus machst. Nicht nur im Internet, sondern auch im Leben jenseits davon.“
    Ich möchte das noch steigern und gestatte mir deshalb die (provokative) Gleichung: Kerzen ziehen für die Menschen im Pflegeheim ist sinnvoller als Bloggen.

    • Nein, das ist noch lange nicht der Kommentar zu Deinem Artikel 😉 Weil in diesem Post bestimmte wichtige Aspekte – die Frage nach der Identität, die bei Dir wiederkehrend ist und die Du unheimlich spannend von verschiedenen Seiten beleuchtest, schlicht zu kurz kommt. Aber der Reihe nach, und dann später bei Dir weiter:
      1. Du machst da eine Dichotomie auf, die weder kognitionspsychologisch noch erfahrungstechnisch belegt werden kann. Es ist fast so, als würdest Du von einem Empathie-Kontingent ausgehen, das aufgebraucht wird durch mitfühlende Diskurse im Netz. „Ich habe letzte Woche die Online-Petition unterschrieben, deshalb brauche ich jetzt nicht zu schauen, wem es direkt vor meinen Augen schlecht geht.“ Das Gegenteil ist der Fall: Die meisten Menschen, die durch Gespräche und Erfahrungen sensibilisiert werden, übertragen dies in die anderen Bereiche ihres Lebens. Das funktioniert natürlich in beide Richtungen. Wir verbringen viel Zeit mit neuen Technologien, sicher. Das ist aber nicht unbedingt die Zeit, die wir früher spielend mit unseren Kindern verbracht haben. Oder mit Sozialarbeit. Dazu könnten wir ein paar Thesen aufstellen.
      Auch bei der von Dir erwähnten Gleichschaltung fehlt mir etwas, und zwar wiederum der Vergleich zum RL „früher“ (TM). Ich bin doch früher (TM) auch nur mit meinen engen Freunden in die Kneipe gegangen und habe mich über die Themen unterhalten, die uns wichtig waren. Was ist das anderes als eine klassische Filterbubble? Zudem schreibe ich da oben nicht, dass es mir auf den Keks ging, wie anders die Menschen um mich herum waren – das ist nämlich nicht der Fall. Im Gegenteil genieße ich es sehr, wenn jemand mit völlig anderer Sichtweise auf die Dinge schaut. Kann ich was lernen. Nein, was ich meine, ist, dass scheinbar für mich die Verbindungen ihren Wert verlieren, wenn ich merke, dass es anderen nur um das eigene Ego geht. Dann wird aus einer Verbindung, die das Potential der gegenseitigen Beeinflussung, Hilfe, Anregung, was auch immer hat, eine, die ich persönlich nicht mehr gebrauchen kann. Auch und weil ich mich gerne kümmere, sowohl um die Online- als auch um die Offline-Verbindungen.
      2. Schön, dass Du noch einmal auf Deinen Post verweist. Ja, da sind wir ja auch noch nicht fertig 🙂 Und: ich persönlich verbringe sehr viel Zeit mit dem Schreiben, für dies und das. Bin also bedauerlicherweise auch nicht einfach so furchtbar gescheit, ist alles angelesen 😉 Ich sehe die Gräben, von denen Du sprichst, und habe ja auch bereits dementsprechend bei Dir kommentiert. Deine Zuspitzung am Schluss teile ich bedingt. Meine Zeit zum Bloggen habe ich vor allem abends, wenn die Kinder im Bett sind. Zum Kerzenziehen ins Altersheim würde ich vermutlich auch gehen. Allerdings sind die hier zeitlich nicht allzu flexibel, um 21:00 Uhr brauchste da nicht aufzutauchen.^^ Am besten wäre es vermutlich, sich sozial zu engagieren UND dann darüber zu bloggen. Nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“. Denn das Bloggen ist wie auch andere soziale Netze ein Sprachrohr, über das andere wiederum für Themen sensibilisiert werden. Und das das Verhalten anderer Menschen beeinflussen kann, positiv wie negativ. Vielleicht ist das, was @krachbumm da oben schreibt, die richtige Verfahrensweise: Wenn es so ist, wie Du sagst, ist es umso wichtiger, dass Menschen wie Du und ich und alle hier weiter gegen an reden. Um nicht die BicMacs auf instagram gewinnen zu lassen. Als Gewinnerin des Netzes fühle ich mich, angesichts der bloßen Zahlen, nicht. Ich fühle mich ganz schrecklich in der Minderheit 😀
      Danke Dir! Lesen uns nachher noch drüben bei Dir!

      • Nein, von Kontingenten halte ich in dem Zusammenhang nichts. Es geht mir einzig um die Ressource Zeit. Wollte ich so viel lesen, nachdenken, videofilmen, schreiben und bloggen, wie ich meine tun zu müssen, damit ich nicht in Vergessenheit gerate, oder um die Aufmerksamkeit zu erhalten (angesichts dessen, was mir als die Möglichkeiten des Netzes ständig offenbart wird) dann müsste mein Tag 100 Stunden dauern. Würde ich mich nicht anstrengen wie verrückt, hättest du mich nie KENNEN gelernt und wäre ich aus vielen Live-Streams längst raus gefiltert.

        Ich meine, die aufgewendete Zeit fehlt mir, um mich um die kranke Nachbarin zu kümmern, mit meinem Sohn einen Text zu besprechen oder mich als Gemeinderat zu engagieren etc. Was habe ich denn mit den 2 bis 5 Stunden täglich früher alles angestellt? Herrje! Zum Glück sind meine Kinder beinah erwachsen und brauchen mich nur noch beschränkt, den Gelderwerb erledige ich blind und mein Schatz schränzt mich regelmässig von der Kiste statt sich scheiden zu lassen. Zum Glück ist das Liebe.

        Ja, ich glaube auch an diese Wechselwirkungen zwischen Lebenswelt (hier) und Weltleben (da), stehe aber im Konflikt, weil die beiden – sagen wir – Sphären mehr und mehr ineinander greifen. Das empfinde ich als Bereicherung und Bedrohung zugleich.

        Die Filterbubble Kneipe oder Club ist eine höchst durchlässige… Wie oft ist mir hier unverhofft eben genau das Leben begegnet, das mich entscheidend weiter gebracht hat – und sei es eine Keilerei oder ein Unfall – was die in Software eingebauten Barrieren (schonungslos) verhindern. Ok, das dreidimensionale Leben ist ja nicht gänzlich getilgt und ich kann immer noch auf Glatteis ausrutschen. Ich bin einfach weniger draussen als früher…

        Das Bloggen als Sprachrohr? Ja, wir finden uns. Sogar immer mehr und ausschliesslich. Die Räume werden eng meine ich – wie im Fussball – das Spiel blockiert, konzentriert drauf, den Ball nicht zu verlieren. Dafür spielen wir immer schöner und gescheiter, wie Barça 😉

        Ich möchte mich (und Euch) einfach nicht hier in Diskurszirkeln und Wissensburgen selbstoptimierend verschwinden sehen, während 99 Prozent der Weltbevölkerung im Dunkeln sitzen oder der Elendsmedien-Bulimie verfällt.
        Ich weiss, ich bin eine alter Sozialromantikbesoffener. Und ich freue mich über Deine ernüchternde Widerrede.

  9. Auf der einen Seite entstehen diese großartigen Verbindungen – ich lerne seit Beginn meiner intensiveren Internetzeit so viele großartige Menschen kennen, von denen ich einige bereits im RL erleben durfte – Auf der anderen Seite verkommen die alten Verbindungen zu Schulfreunden, Kommilitonen, selbst zu einigen Familienmitgliedern zu bloßen Zahlen auf einem facebook-Account.

    Das Problem kenne ich gut. Leider hänge ich noch immer am Facebook Tropf, einfach weil ich viele Freunde in Taiwan gefunden habe. In Taiwan wird Facebook noch viel intensiver von den Menschen benutzt als hier in Deutschland. Wenn ich wieder in Asien bin, werde ich dort systematisch eine alternative Kommunkationssrtuktur (E-Mail, Telefon, SMS) aufbauen und dann meinen Account löschen.

    Die meisten Menschen meiner deutschen Liste sind schon lange zu Zahlen verkommen. Eigentlich kann man sie aus der Liste auch entfernen, denn entweder kommuniziere ich mit ihnen wirklich per Mail, Telefon oder im direkten Gespräch, oder man hat sich so weit aus einander gelebt, dass man sich ohnehin maximal nur noch als Bekannte sehen würde.

    In Taiwan habe ich übrigens nie einen einheimischen Blogger oder eine einheimische Bloggerin wahrgenommen. Ich habe drei gute Freunde, die ihren Blog 2007 geschlossen haben, weil facebook kam und da ja eh alle mitlesen. Aufgrund dieser Erfahrung und im Zusammenhang mit den steigenden Facebook Anmeldungen in Deutschland vermute ich mal sehr stark, dass die Blogosphäre auch in Deutschland vom Aussterben bedroht ist, sofern hier nicht die technischen Entwicklungen voran getrieben werden, über die ich berichtet habe und zu denen du in deinem Artikel verlinkt hast. Vielen Dank noch einmal dafür! 🙂

  10. Fast hätte mich dieser Beitrag motiviert, aus FB endlich auszusteigen! Grade hab ich wieder gelesen, dass FB sogar speichert, was man eintippt und dann NICHT ABSCHICKT! Die kennen wirklich gar keine Grenzen des Datensammelns…

    Ich nutze FB nur wenig, speise meine Blogartikel automatisch ein, hab eine „Seite“ für mein Veggie-Blog (ich dachte, das nütze dem Buchverkauf, bzw. wollte es halt probieren) und schau ansonsten selten rein.

    „Wer teilt schon Petitionen gegen die Privatisierung von Wasser? “

    Ich. 🙂 Und ich finde da gar nichts Lächerliches dran!!! Es ist genau die Art „Content“, die ich vornehmlich „teile“: meist eher auf Twitter, gelegentlich auch auf FB und G+, wenn ich eine Sache besonders unterstützen oder bekannt machen will. Spannende Gespräche mit einigem Tiefgang erlebe ich fast nur auf Blogs – eigenen und anderen.

    Da ich kaum nahe oder „ferne Freunde“ habe, die ich nur per FB mitbekomme, war für mich immer fraglich, wen ich da eigentlich „frienden“ soll. Wildfremde Leute wollten das – zeitweise hab ich abgelehnt, zeitweise zurück gefragt, wie sie auf mich kommen… und wenn sie dann meinten: Über dein Blog oder dieses und jenes Thema/Gespräch – ja, hey, dann hab ich sie halt bestätigt. Schließlich will ich gelesen werden -. einen Freundschaftsanspruch hab ich mit solchen superschwachen Kontakten nie verbunden.

    Einen weiteren großen Teil „FB-Freunde“ machen echte Bekannte, bzw. „Online-Freundinnen“ aus, mit denen ich mal an anderer Stelle etwas Konkretes zu tun bzw. erlebt hatte. Die schreib ich aber im Bedarfsfall immer noch per E-Mail an – weil ich auch selber nur so verlässlich erreichbar bin.

    Kurzum; so richtig WARM bin ich mit FB nie geworden. Mal nächtlich mit Musik, Videos, oder Katzen-Content „Spass haben“ mach ich lieber auf G+ – und eher selten.

    Warum bin ich also heute nicht ausgestiegen? Weil mir der liebe Mensch mit der größten Spende für mein aktuelles Hilfsprojekt (ein alter Online-Bekannter) auf meine Nachfrage, was ihn motiviert hat, nicht auf Betterplace, sondern auf FB geantwortet hat! Und mir auch sagte, dass mein DORTIGES Posting für ihn ausschlaggebend war…

    Na, damit ist auf jeden Fall klar: So lange das Projekt läuft, bleib ich auf Facebook – wenn auch wie bisher nur sehr sehr lauwarm…

    Ach ja, vielleicht interessiert jemanden das Projekt – wirklich jede Spende freut mich riesig und motiviert zum weiter machen:

    http://www.betterplace.org/p16145

    Ist zwar nicht „Kerzen ziehen“, aber mindestens so konkret und hilfreich!!!

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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