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Alltag, Kinder

Von Depressionen und Schokokuchen

Hier ist ein Bild mit einer gemauerten Wand zu sehen. Auf einem kleinen Schild an der Wand steht "Einfach war früher"

Momentan scheinen um mich herum mehr Dinge kaputt zu sein als heil. Ich bewege mich, manchmal vorsichtig, manchmal wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen, durch Scherben hindurch in eine Richtung, die ich für vorwärts halte. Ohne sicher zu sein, dass es auch wirklich so ist.

Unnötig, von den Anstrengungen zu schreiben. Oder von der Frustration. Oder von Tränen.

Stattdessen möchte ich von Kuchen erzählen.

Diese Woche wollte unsere Große ihren Geburtstag mit der Jugendfeuerwehr nachfeiern. Dafür hatte sie sich ein Rezept für einen Schokokuchen herausgesucht. Ich half ihr zu Beginn, um dann im Wohnzimmer mit dem Gatten eine Diskussion zu führen, die wir vermutlich so oder so ähnlich bereits Dutzende Male geführt haben. Zwischendurch erklang gelegentlich ein Hilferuf aus der Küche.

Der Kuchen war fertig und sollte nun auf einen Teller oder eine Platte gehoben werden. Der Gatte ging in die Küche, versuchte, den Kuchen von der Springform abzuheben, und der Kuchen zerbrach in etliche Teile. Während der frustrierte Ehemann die Treppe hochstiefelte, begleitet von einem gefluchten „Nichts kann ich richtig!“, ging ich in die Küche, um der Großen beizustehen. Meinen Kommentar, dass da wohl nicht viel zu retten sei, ertrug sie recht gelassen.

Ich zerbrach die Teile des Kuchens weiter und verteilte sie auf einige Schüsseln und Teller. Den Kindern gab ich jeweils eine Kugel Eis dazu. Und versprach, morgen in meiner Freizeit einen neuen Kuchen zu backen. Während die Kinder den Kuchen löffelten, war ich dankbar – für die Gelassenheit des großen Kindes, für den Einfall mit den Schüsseln, und für die Zeit, die ich aktuell habe. Weil ich ihr vor einigen Monaten nicht hätte versprechen können, ihr einfach einen neuen Kuchen zu backen. Ich hätte nicht gewusst, wann.

Als wir am nächsten Tag über die Situation sprachen, sagte das Kind dieses:

„Papa, ich hätte Dir nie verziehen, wenn Du den Kuchen NICHT zerbrochen hättest.“

Ich will das Bild vom zerbrochenen Kuchen nicht überstrapazieren. Schon gar nicht, nachdem mir eingefallen ist, dass etwas ganz Ähnliches in einer alten Werbung für Baileys gemacht wird – ich schwöre, dass ich in der Situation selbst nicht den Clip vor Augen hatte. Aber wenn ich jetzt an die Kinder denke, wie sie in ihren Schüsseln löffeln, muss ich lächeln. Und überlege:
Vielleicht sind die vielen Scherben ja auch ein Glück. Auch wenn es jetzt furchtbar anstrengend ist. Vielleicht lässt sich aus den Scherben etwas Neues bauen. Vielleicht ja sogar etwas Besseres als vorher da war.

  1. „Vorwärts“ ist die Richtung, die Dich zu Deinem Ziel bringt. Aber der Weg dorthin ist nicht immer geradlinig sondern eher verschlungen. 😉

    Zu Deiner „großen“ Tochter kann ich Dir nur gratulieren. Das Mädchen hat ein sagenhaftes Talent darin, ihre gestresste Mutter aus den jeweiligen Fallgruben und Löchern in die sie gefallen ist rauszuholen und zum Nachdenken und Schreiben anzuregen.

  2. Wie bei den Waldbränden, die, habe ich mal gelesen, ab und zu nötig sind, damit wieder neues wachsen kann. (Allerdings kann so ein Waldbrand sehr gefährlich sein, das wollen wir nun auch wieder nicht.)

  3. Ute

    immer wieder schön, dich zu lesen

  4. Eine große Umarmung für dich und diesen schönen Text!

  5. Es wird nicht *vielleicht* was Besseres werden, sondern *ganz sicher*. Davon bin ich überzeugt, oder zumindest hoffe ich das. Sonst wären alle Anstrengungen ja umsonst. Kann ja nicht sein.
    Liebe grüße, und danke für den Text.

  6. Ich hätte allerdings das Kind (in meinem Fall: Sohn, 14) auch in den zweiten Kuchen mit einbezogen. Und als Prävention: nur diejenigen Personen einen Kuchen stürzen lassen, die es können 😉

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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