Me|lan|cho|lie, die (Substantiv): Zustand von Schwermut oder Traurigkeit, der sich ohne einen bestimmten Auslöser einstellt. Vom griechischen melancholia abgeleitet. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde die Melancholie als Krankheitsbild interpretiert.

Das Melancholie-Monster betritt die eigene Gefühlswelt nicht laut polternd wie der Liebeskummer. Es schleicht sich ein, etwa vergleichbar mit der inneren Leere. Seine Nahrung bezieht es sowohl aus alltäglichen Missgeschicken wie auch aus den Verstimmungen naher Angehöriger, die vom Melancholie-Monster gerne vollständig absorbiert werden. Der Melancholiker kämpft also in der Regel nicht nur gegen seinen eigenen Weltschmerz, er empfindet auch den der anderen nach. Dieses erstaunlich komplexe parasitäre Verhalten hat zur Folge, dass ein Melancholie-Monster, hat es sich einmal eingerichtet, schwer wieder hinauszubitten ist.

Thomas Mann schrieb einmal, dem Optimisten gehörten die Berge. Den Melancholiker dagegen zöge es ans Meer. Es wurde allerdings noch nie versucht, ein ausgewachsenes Melancholie-Monster nach dem eventuellen Zusammenhang zu befragen.