Es gibt so Kinderlieder, die fand ich schon immer schrecklich. “Grün grün grün sind alle meine Kleider” war für mich bereits als Kind ein Riesen-Aufreger. Und wie ich damals gehofft habe, es nie mit meinem eigenen Kindern singen zu müssen! Aber mit solchen Liedern verhält es sich wie mit diesen grauenhaften Blondinen-Witzen: Es scheint unmöglich, sie loszuwerden. Als unsere Tochter drei war, erinnerte mich der Kindergarten an mein Hasslied Nr. 1.

“… weil mein Schatz ein Jäger, Jäger ist.”

Ich meine: Was soll das denn auch? Als vier-, sechs-, achtjähriges Kind hat man ja schon einige Schätze. Bunte Murmeln, bemalte Steine, Kuscheltiere – ich hatte einen Teddy. Der war von Beruf Teddy. Also z.B. nicht “Jäger”. Mal davon abgesehen, hat man mir Sensibelchen eh in dem Alter nicht erklärt, was ein Jäger ist. Aber auch die anderen: Maler, Bäckermeister, Schornsteinfeger … Welcher Sinn soll sich denn da für ein kleines Kind erschließen? Jetzt mal von der vorgelebten Heteronormativität abgesehen – unsere Jungs sollten nämlich dann immer die weibliche Form der Berufe singen …

Umso großartiger, wenn sich jemand die Mühe macht, ein solches Lied ein wenig umzuinterpretieren. Auf der Kinder-CD “Giraffen-Affen” (die ich durchaus empfehlen kann, auch wenn das ein- oder andere ein wenig gewöhnungsbedürftig scheint:)) findet sich diese Version:

Grün,  grün, grün sind alle meine Kleider

Grün, ja, grün ist alles was ich hab

Darum lieb ich alles was grün ist

weil mein Schatz der Frühling ist

 

Gelb, gelb, gelb ….

weil mein Schatz die Sonne ist

 

Blau, ja, blau …

weil mein Schatz der Ozean ist

 

Bunt, bunt, bunt sind alle meine Kleider

Bunt, ja, bunt, ist alles was ich hab

Darum lieb ich alles, was bunt ist

weil die Welt voll Farben ist

 

Die Melodie ist auch ein wenig anders. Musiktheorie und ich werden zwar nie Freunde, aber ich würde behaupten, es ist zum einen ein wenig tiefer als das Original, zum anderen sind ein paar verminderte Töne dabei. Das gibt dem Lied etwas sehr schön Getragenes, Melancholisches. Auch die zweite Stimme lässt sich toll dazu singen.

Diese Version des Liedes gehört mittlerweile zum festen Familien-Repertoire. Ich hoffe, ich kann sie hiermit weiter geben. 🙂