juna im netz

Das Netz ist das, was Du draus machst

Das Netz und so, Internet und Gesellschaft

Ein terroristischer Anschlag auf das Netz

Oder was genau sind #prism und #tempora? Nachdem @CarolinN auf vocer.org schrieb: „Wir werden ausspioniert und keinen interessierts, oder?“ fühle ich mich schlicht in der Pflicht, irgendwas zu sagen. Weils mich nämlich doch sehr doll und echt ziemlich umfassend interessiert. Mein Beitrag ist allerdings mehr eine kommentierte Sammlung.

Was werden wir also tun, nachdem nun die belächelten Verschwörungstheorien Gewissheit wurden? Wir haben Prism – nur was machen wir daraus?

@spreeblick schreibt:

„Wir werden viel mehr für uns behalten. Denn wir können nicht mehr flüstern im Internet. Und der Traum vom grenzenlosen Menschheitsnetz, dessen gesammelte Offenheit auf Dauer für mehr Empathie und Transparenz sorgt, er ist ausgeträumt, fürchte ich. Widersprecht mir. Bitte.“

Das tun dann zwar nicht alle Angesprochenen, aber immerhin einige. @frauziefle schreibt in den Kommentaren:

„Meine Theorie ist ja, dass das web 2.0 nicht überwacht, sondern gleich zu solcherlei Zwecken ausgedacht wurde. Und ist es dann nicht vielmehr ein Sieg für uns, dass sich über diese Kanäle nicht nur offline-Beziehungen abbilden lassen, wie gehofft, sondern ganz im Gegenteil, ganz neue gewachsen sind? […] Ist das Internet deswegen kaputt? Ich glaube es nicht.“

Ihre Theorie mit dem Social Web ist, bedenken wir, wie uns das Mitmachnetz „erzogen“ hat, nicht unwahrscheinlich. Dass es im öffentlichen Raum von facebook, Twitter und Co. „Flüstern“ von Anfang an nicht gegeben hat, muss auch den meisten klar gewesen sein. Insofern doch eigentlich klarer Zwischensieg für die Netzgemeinde. Was ist aber mit dem privaten Schriftverkehr, dem 1:1 Chat, den Mails?

@gutjahr dazu in seinem Blog:

„In meiner Wut habe ich einen Brief geschrieben. Einen offenen Brief. Sind ja sowieso alle offen, unsere Briefe. Liebe Überwacher, diesmal seid Ihr zu weit gegangen. […]

Das Internet war nie ein rechtsfreier Raum, erst Ihr habt ihn dazu gemacht. Für mich seid Ihr die wahren Terroristen.“

Word! Doch es gibt noch mehr lesenswerte Statements im lädierten Netz:

@tante auf irights:

„Das Netz ist nicht kaputt. […] Denn das Internet ist mittlerweile zum selbstverständlichen Alltag vieler Menschen geworden; es ist Mainstream. Doch gerade damit ist es viel näher am „grenzenlosen Menschheitsnetz”, das die Internet-Pioniere sich erhofften, als noch vor wenigen Jahren. Das Internet ist nicht kaputt, es ist angekommen.“

Der Rückzug in Verschlüsselungstechnologien, oder die Abkehr von sozialen Diensten, sind für @tante keine Option. Sie stünden nicht jedem Nutzer zur Verfügung, und sie widersprächen der Freiheit des Netzes.

Aber was, verletzt oder zerstört oder nur derangiert hin oder her, ist dann die Lösung für unser Internet? Sind die Möglichkeiten: 1. Du kannst entweder Teil von etwas Großartigem sein, dann wirst Du auf die ein oder andere Weise missbraucht werden, oder 2. Du kannst Dich komplett abschotten, so a la „Stecker raus und aus die Maus“? Das sind mickrige Optionen…

Und sie sind deshalb so unfassbar mickrig, weil wir eines vergessen: Noch nie hat es so einen gewaltigen, miteinander kommunizierenden Schwarm gegeben. Noch nie haben so viele Menschen eine so deutlich zu vernehmende Stimme gehabt. Wir sind keine Einzelkämpfer mehr, wir müssen uns keine Individuallösungen überlegen. Wir brauchen kollektive Handlungen!

Für mich zumindest steht fest: Ich lasse mir das Internet nicht kaputt machen. Lasst uns wie Richard Gutjahr an unsere Überwacher schreiben. Lasst uns unsere Mails per Betreffzeile suchoptimieren. Lasst uns unseren kompletten Chat- Post- Kommentier- und Schriftverkehr taggen. Dann ist zumindest eines in der nahen Zukunft klar: Die Geheimdienste dieser Welt werden die Gehälter ihrer Mitarbeiter nach oben anpassen müssen. Denn hinter einem losgebrochenen social tsunami wird niemand mit dem Lesen hinterher kommen.

Ist das ein Risiko? Weil uns die Überwacher dann nicht mehr „beschützen“ können?

Noch einmal Richard Gutjahr: „Ob durch Euren Kontrollwahn 5, 50 oder 500 Anschläge verhindert werden konnten, ist mir am Ende piep-egal, spielt angesichts des Ausmaßes dieser globalen Bespitzelung keine Rolle. Freiheit lässt sich nicht in Menschenleben aufrechnen.“

So ist es. Es ist Zeit, sich zurückzubesinnen. Auf das, was WIR ALLE aus dem Internet machen.

Lieber Johnny Häusler (@spreeblick),

We are legion! Und täglich werden wir mehr.

berlinistbombe

  1. derberberich

    Hallo,
    Sehr guter Beitrag! Bei den ganzen Artikeln und Meinungen hat mir so eine Zusammenfassung gefehlt. Danke!

  2. derberberich

    Danke für diesen tollen Beitrag!

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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