juna im netz

Das Netz ist das, was Du draus machst

Der Stoßseufzer, In eigener Sache, Kinder

Deine Mudda!

Hier sieht man jemanden, der ein Tablet in die Kamera hält

Die Lehrer_innen unserer Schule setzten vor kurzem eine „Lösung“ für ein unschickes Problem um. Schüler hatten ein Foto eines Lehrers „in unvorteilhafter Pose“ auf ein großes soziales Netzwerk hochgeladen. Das war natürlich nicht fein, und mit den Schülern musste auch dringend gesprochen werden. Fanden die Eltern. Die Lehrer_innen fanden, es sei viel naheliegender, einfach alle Smartphones auf dem Schulgelände zu verbieten.

Es gab eine Abstimmung mit dem Elternbeirat, die im Wesentlichen darin bestand, dass wütende Lehrer_innen den Eltern weismachten, sie handelten im Interesse ihrer Kinder. Nur der Gatte und eine weitere Mutter stimmten gegen das pauschale Smartphone-Verbot. Zu wenig. Besonders traurig: Gerade wirbt die Schule um Gelder für die Anschaffung von Tablets, damit die Klassen … naja, der Widerspruch wird Euch ohnehin sofort auffallen.

Vor der re:publica also kommt das große Kind mit einem Wisch nach Hause: Kenntnisnahme des Smartphone-Verbots auf dem gesamten Schulgelände, ich solle unterschreiben. Das habe ich sein lassen. Nach der re:publica dann eine Notiz im Heft der Großen. Wir müssten unterschreiben, hier, jetzt, sofort und sowieso. Ginge ja nicht an, dass jemand aus der Reihe …

Doch. Zum Entsetzen unserer Tochter war ich die einzige hochnotpeinliche Mutter, die es wagte, sich der Anordnung der Schule zu widersetzen. Wir haben ein Elternheft, über das wir uns mit den Lehrern austauschen können, da schrieb ich hinein (Auszug):

Liebe Frau …,

wir unterschreiben grundsätzlich keine Kenntnisnahmen zu kontraproduktiven und – darüber hinaus – undurchsetzbaren Verboten. Da aber [Name des Kindes] bisher kein Smartphone hat und wir ihr während ihrer Grundschulzeit auch keines kaufen werden, kann ich Ihnen versichern, daß sich unser Kind an das pauschale Verbot halten wird. […]

Eine Bemerkung hierzu sei mir erlaubt: Smartphones stellen für unsere Jugendlichen das wichtigste Kommunikationsmedium der heutigen Zeit dar. Die dahinter stehende Technologie wird höchstwahrscheinlich einmal entscheidend in ihrer Berufswahl sein. Pädagog_innen sollten die Kinder anleiten, sie unterstützen und soziale Regeln im Umgang mit der Technologie festlegen, anstatt ein Verbot durchzusetzen, das von Menschen initiiert wurde, die mit der Technik offenbar nicht umgehen können. […]

Ich weiß, dass aus diesen Zeilen ersichtlich wird, wie massiv ich mich ärgere. Ich ärgere mich aber nicht nur über das Verbot und die schlichte Unmöglichkeit seiner Durchsetzung, oder die Inkonsequenz der Lehrer, die mit den Schüler_innen dann im „Medienunterricht“ das Tablet nutzen wollen. Ich ärgere mich auch, dass ich jetzt „Deine Mudda“ bin. Die einzige Mutter, die zumindest IRGEND ETWAS dazu gesagt hat. Aus der Elternschaft von über 400 Elementarstüflern. Wow! Ich bin meiner Tochter peinlich, weil ich nicht wie alle bin. Und ich hoffe ganz doll, dass sie irgendwann anders auf diese Sache schauen kann. Dass sie dann sagen kann: Meine Mutter. Und dabei denken: Diejenige, die geschrieben hat, wie unsinnig einige Erwachsene sich aktuell benehmen.

Heute im Elternheft übrigens der Vermerk: „Ich werde Ihren Einwand gerne an die Schulleitung weiterleiten.“ Klar. Deine Mudda.

 

Pauschales Smartphoneverbot an unserer Schule. Oder wie ich es nenne: Gesamtgesellschaftliches Versagen.

— junebug (@junaimnetz) 12. Mai 2014

 

  1. Ich bin stolz auf Dich. Und Deine Tochter wird es früher oder später auch verstehen.
    Und sag ihr es wäre viel peinlicher wenn Du „gekuscht“ hättest. Wer der Herde folgt sieht nur Ärsche. 😉
    Wer andere Wege geht wird neue Erfahrungen machen und daran wachsen.

  2. Ich bin da auch ganz zuversichtlich, dass deine Tochter irgendwann denken wird: verdammt cool, meine Mutter.

  3. Anita

    Juna, Deine Tochter wird irgendwann durchaus verstehen, dass „Querlegen“ eine gute Option ist, wenn man gut argumentiert.

    Das ihr bereits an der Grundschule diese Problematik habt, erstaunt mich jedoch ein bisschen.

    Verboten wurde an den weiterführenden, dass Foto’s gemacht werden, das Handy-Verbot wird kommen. Wir hatten eine 13-jährige, von der Nacktfoto’s über den Schulhof „gingen“. Geht gar nicht!!!

    Verbot deswegen, weil die Diskussion darüber den Lehrern zu schwer fällt. Sie sich selbst a) in die Materie einarbeiten müssten und die endlos langen Diskussionen scheuen. Diese „gehörten“ ins Elternhaus. 🙄 Ja ne, is klar passiert auf dem Schulhof und die Eltern sollen es aus der Ferne regeln. 🙄

    Da ich jetzt Dich als verantwortlich ansehe, wäre es bei Dir „Eulen nach Athen tragen“.

    Aber die Eltern, die die Kinder einfach nur gewähren lassen, während sie sich selber „verwirklichen“, die diskutieren halt eben nicht. Schon gar nicht mit ihren Kindern.

    „Schöne“ Misere.

    Es wird die Verantwortung hin und her geschoben. Mit Verboten reagiert und die Kinder haben keine klare Struktur oder Leitlinie.

    Früher war es Bluetooth heute FB und Whatsapp. Weder wird das Verschicken von Bildern verhindert (wobei Nacktfoto’s von jugendlichen Schülern auf dem Schulhof wirklich nichts zu suchen haben) noch haben die Kinder einen Lerneffekt.

    Aber die Diskussionen, die ich mit Lehrern führte, zeigte deutlich die Hilflosigkeit und die Sprachlosigkeit.

    Steht ja auf den weiterführenden Schulen immer das Pensum im Vordergrund. Und das dadurch keine Zeit wäre. Und mit einem einzigen Tag im Jahr (auch nur in zwei Jahrgängen) kann man dieses Problem nicht aus der Welt schaffen. Da erscheint ein Verbot im ersten Moment schneller Abhilfe zu schaffen.

    Auf SVZ hatten wir das Problem, dass keine Ahnung über das Recht am eigenen Bild unter den Schülern bestand. Und das ist ein grundlegendes Problem. Denn das Runterladen, Verlinken sowie Kommentieren geht so verdammt schnell. Aber wieder wird eher auf die Polizei und den Anwalt verwiesen, als präventiv in der Schule auf die Kinder und Jugendlichen einzuwirken.

    LG von einer ebenfalls hochpeinlichen Mutter, die die Klappe nicht halten kann 😉
    Anita

    • Danke Dir für den ausführlichen Kommentar, der, wie ich finde, die ganze Situation blendend umreißt. Ja, tatsächlich bin ich auch überrascht, dass das Ganze schon bei 8-jährigen Kindern losgeht. Überrascht bin ich auch, dass die Menschen, die doch sonst bei jedem Eingriff in ihre eigenen Freiheiten laut aufbrüllen (Donnerstag nur vegetarisch in der Kantine??? Was, 130 auf Autobahnen?????) zwar ihren Kindern Smartphones schenken, aber dann ein so pauschales Verbot abnicken. Das passt für mich nicht zusammen.

      Ein Zeichen dafür, dass auch die heutige Elterngeneration im Umgang mit den digitalen Medien doch eher unbedarft ist. In meinen Augen macht das den Medienkompetenz-Unterricht zu einer Pflichtübung bereits in den unteren Klassen, nicht zuletzt weil, wie Du sagst, da ganz viel Bewusstsein bei Kindern, Eltern und Lehrern für so Dinge wie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung fehlt.
      So lange aber die Eltern von auf unserer Schule insgesamt fast 2000 Kindern (Grund- und weiterführend) nichts sagen, werden die Smartphones eben weiter verboten.

      Dein Beispiel mit dem Nacktbild ist gut: Natürlich darf so etwas nicht die Runde auf Schulhöfen oder sonstwo machen. Aber wie kam es zu dem Nacktfoto? Wer hat es gemacht? Viele Jugendliche fotografieren sich selbst nackt. Das ist etwas, was sie ohnehin tun und weiter tun werden, gabs neulich einen schönen Artikel drüber, den such ich noch mal. Ansetzen muss man dort, wo man den Jugendlichen erklärt, dass so etwas nicht auf Whats App darf. Es gibt Wege, die Kinder im Umgang zu begleiten. Verbote haben noch nie zu irgend etwas geführt, was nur halbwegs Sinn gemacht hat. :((

      Danke für Deinen Zuspruch, von einer peinlichen Mutter zur anderen 😀

      • Anita

        Das Foto hat das Mädchen selber gemacht. Hat es ihrem Freund geschickt. Der hat es geteilt. Dann wurde es verlinkt und per Wahtsapp über den Schulhof „getragen“.

        Abhilfe hier, die Jugendlichen müssen wissen was geschehen kann, was man besser unterlässt.

        Die Jugendlichen müssen wissen, was es für Konsequenzen hat und diese auch spüren!!!

        Und das man halt nicht der „Hammelherde“ folgen muss, um sich nicht selber ins Aus zu schießen. 😆

        Und halt braucht es die ständige Diskussion über Nettikette und sozialen Umgang miteinander!! Und ebenso um die Grenzen des Anderen, bei aller Freiheit für den Einzelnen.

        Auch brauchen wir, ganz besonders bei den Kindern, die Stärkung des Selbstbewusstseins.

        Und dies gilt AUCH für das Internet. Wie es einfach zum normalen Leben und zu Entwicklung dazugehört.

        Und da bin ich bei meinem „Lieblingsproblem“ gelandet.

        Wie kann Schule mit dem Elternhaus ZUSAMMEN Kinder erziehen. Wo ist die gemeinsame Linie. Ist den Kindern damit gedient, alles zu besitzen?? Alles zu dürfen?? Und vollkommen selbstständig alles selber zu erfahren??

        Eltern sein ist anstrengend. Da man in den Konflikt und in das Gespräch gehen muss. Vielen „Selbstverwirklichern“ ist das aber zu anstrengend, quer durch alle Schichten, aber *wunder mich sehr* in den intellektuellen und finanzstarken Familien stark vertreten.

        Und gerade die jungen Lehrer verwundern mich da ebenso. Sie möchten so gerne die „Freunde“ der Kinder sein Ähhhhhhh NEIN. Vertrauensperson JA, Ansprechpartner JA, Haltgeber JA, aber Freunde???

        Und auch Eltern sind / sollten nicht die Freunde der Kinder sein.

        Darüber kann man mehr erreichen, als mit einem haltlosen Verbot.

  4. Anita

    Noch ganz kurz

    Zitat: „Überrascht bin ich auch, dass die Menschen, die doch sonst bei jedem Eingriff in ihre eigenen Freiheiten laut aufbrüllen (Donnerstag nur vegetarisch in der Kantine??? Was, 130 auf Autobahnen?????) zwar ihren Kindern Smartphones schenken, aber dann ein so pauschales Verbot abnicken. Das passt für mich nicht zusammen.“

    Oh doch passt wunderbar.

    Bei dem einen geht es um Freiheit für sich selber und Selbstverwirklichung. (VeggieDay etd.)

    Bei dem anderen geht es auch um Freiheit. Die Freiheit sich aus der Verantwortung zu ziehen!

    • Ha! Ja, jetzt, wo Du es sagst … 🙂 „Die Freiheit, sich aus der Verantwortung zu ziehen“. Ich werde Dich zitieren, das ist so treffend wie gut.

  5. Liebe Tochter [Name bitte einfügen], du kannst stolz auf deine Mudda sein!
    Steffi

  6. OMG ich krieg Puls beim Lesen von sowas! Ommmm 😉 Da stimmt so vieles auf so vielen Ebenen nicht. Hast Du ja alle schon genannt.
    Ich gratuliere Dir zur Peinlichkeit. Später wird Deine Tochter stolz auf Dich sein!

  7. Möchte mal wissen, wie die das anstellen, es gibt ja (fast) keine anderen Mobiltelefone mehr – ganz zu schweigen davon, dass es sich kaum lohnt, andere zu kaufen. Und bei uns hier gibt es z.B. Fahrschüler ( Bus etc.) auch an der Grundschule, wo es durchaus sinnvoll ist, wenn sie einen Ausfall etc. gleich von der Haltestelle aus melden können oder sich ggf. abholen lassen können. Kostenfreie Telefonhäuschen stellt die Schule ja sicher nicht überall auf, oder?
    Also hier wäre sowas schwer durchzusetzen.
    Was an den weiterführenden Schulen allerdings gilt, ist, Handys jeder Art dürfen dabei sein, müssen aber ausgeschaltet werden auf dem GESAMTEN Schulgelände.
    Wer dagegen verstößt, darf das Telefon in die Obhut des Sekretariats geben und die Eltern dürfen es abholen… ( Auch nicht ganz korrekt, aber durchaus nachvollziehbar, weil es halt extrem schwer ist, das sonst durchzusetzen und Handies im Unterricht einfach wirklich ablenken und stören. Spannend ist, dass aufgrund der Attentate die Lehrer quasi verpflichtet wurden, ihre Mobiltelefone lautlos angeschaltet zu lassen, damit sie im Falle eines Amoklaufs wenigstens schnell agieren können…) Nunja – wie wir sehen, gibt es viel Medienkompetenz-Vermittlungs-Einsatz-Bedarf und wir sollten doch langsam einen Verein gründen, der sich das deutschlandweit zur Aufgabe macht, freiwillig die Schulen zu besuchen und zu unterstützen… so im Nachgang zu den #rp14-Panels und Überlegungen… was haltet ihr davon?

    • Danke vielmals, Su! Ich finde Deine Idee grandios. Die nächsten 11 Wochen bin ich noch sehr stark eingebunden, und wie man immer wieder sieht, habe ich viele Herzensthemen, für die ich mich gerne noch mehr engagieren möchte. Hier allerdings wäre etwas, bei dem ich tatsächlich ganz viel von dem, was ich kann, einbringen könnte: Texten, Präsentationen, Öffentlichkeitsarbeit … Dass es Bedarf gibt, ist unbestritten. Dass dieser Bedarf auch wahrgenommen wird, sieht man auch immer mal wieder – ich habe unter dem Titel „Medienkompetenz, die 28.“ hier unsere Schulerfahrungen mit dem Verein „Innocence in Danger“ verbloggt. Tatsächlich kostet so eine Veranstaltung richtig viel Geld, und bringt mE nach wenig Erfolge. Hier in BaWü gibt es noch andere Vereine, die es sich ehrenamtlich zur Aufgabe gemacht haben, zu informieren, die können das aber nicht flächendeckend gewährleisten. Es wäre toll, sich da mal dahinter zu klemmen und zu schauen, inwiefern man auch mit eigener Struktur und Vorgehen sich zB. dort anschließen und deren Netzwerk nutzen kann. Als zweites habe ich nach Deinem Kommentar natürlich an die DMW gedacht ;)) Wäre ja evtl. auch ein Projekt, das Anklang finden könnte. Ich gebe meine Arbeit ab, und dann mach ich mal die Welle. Machste mit? 😀

      • Klaro 🙂 ich hab auch erst Ende Juni wieder mehr „Freiheit“ … das passt doch gut. Und dann melden wir das bei der Social Entrepreneurship Akademie an als projekt und suchehn uns da Coachees #hach #Perspektive „MedienkompetenzInititativeDeutschland- MID“ oder so ,)

  8. Hi Juna,

    grade auf Twitter hast Du mir wieder in Erinnerung gerufen, dass ich mich damals in meiner Antwort auf Deinen Kommentar („Die Sache mit dem Whatsapp“) FÜR ein Verbot von Smartphones ausgesprochen habe. Kam mir im ersten Moment seltsam vor, weil ich eigentlich kein Freund von Verboten bin. Hattest aber natürlich recht 😉
    Heute würde ich es vielleicht so ausdrücken: Solange die Lehrer noch nicht die nötige Kompetenz haben und solange noch nicht jedes Kind ein Smartphone hat, ist ein Verbot eventuell die praktikabelste Lösung. Mir geht es nur darum, dass ich mir nicht reinreden lassen will, was ich MEINEM Kind in meiner Welt erlaube. Und da bin ich eben der festen Überzeugung, dass Übung von Üben kommt und wir MIT unseren Kindern so früh wie möglich diese Welt entdecken sollten.
    Und, ja: Es ist Unsinn, Tablets anschaffen und Smartphones prinzipiell verdammen zu wollen. Es ist noch ein verdammt langer Weg…

    Ach ja: Toller Post – und richtige Haltung. Bald schon wird das Deine Tochter auch so sehen!

    Liebe Grüße

    Richard

    • 😉 da ich deine Kommentartreads mit Juna nicht kannte, sag ich mal : ich hatte das auch so verstanden, dass wir als Eltern durchaus andere Kompetenzen haben können als Lehrer und uns daher auch andere Freiheiten für unsere Kinder herausnehmen dürfen… und deshalb ein lehrerseitiges generelles Verbot auch ablehen können…

    • Danke Dir! Selbiges gilt für Deinen, wesentlich differenzierteren Post, den ich sehr gerne gelesen habe. 😉 Ich denke, ich hätte meine Enttäuschung über das Vorgehen unserer Schule gar nicht verbloggt, wenn sie mir nicht mit diesem dämlichen Zettel zum Unterschreiben gekommen wären. Ich fühlte mich unmündig behandelt und unangenehm kontrolliert. Ich schrieb ja gerade schon: Die Argumentation, warum es ausgeschaltet bleiben soll, leuchtet mir – wie auch hier in Deinem Kommentar – durchaus ein. Aber dann müssen jede Menge Pädagoginnen herumrennen und das Verbot durchsetzen. Tablets und Smartphones dürfen dann im Unterricht nicht eingesetzt werden. Es darf keine Klassenblogs oder Facebook- oder WhatsApp-Gruppen geben, über die Hausaufgaben und Referatsvorlagen getauscht werden. Das kann man schon so machen. Aber was nimmt man sich damit weg!

      Für mich heißt der Weg: Klare Absprachen und Regeln, die für alle einhaltbar und dennoch verbindlich sind. Die können dann auch von Klasse zu Klasse variieren, so lange man sich argumentativ damit auseinander gesetzt hat und zu einem guten Kompromiss für alle gekommen ist. Aber das macht Arbeit. Andererseits: Wie viel Arbeit wird es machen, das Verbot bei ca. 2000 Schülern durchzusetzen? Das hat sich wohl niemand überlegt 😉

      Der Gipfel war für mich dieses Schreiben. Es ist wohl so, wie Du auch sagst: Ich habe nicht vor, mir in meine Erziehung hineinquatschen zu lassen. 😀

    • Anita

      Ich habe gerade den verlinkten Post und dort auch den verlinkten Vertrag gelesen.

      1. Dein Post klärt ganz anders auf, als die Handy-„Liebhaber“ an unserer Schule, die alles in die Kompetenz der Kinder legen.

      Wenn ich auf einem Elternabend also solche Argumente zu hören bekäme, und das eigentliche Problem Schulhof – soziale Inkompetenz dann zum Thema würde, dann hätte ich nichts gegen Handy’s (mal abgesehen davon, dass meine beiden Ältesten eines haben und auch gut damit umgehen können und sogar die Igno-Funktion perfekt beherrschen 😉 )

      2. Der verlinkte Vertrag wäre etwas, was man in abgewandelter Form an Schulen installieren könnte.

      Und ja, ich kann die Lehrer verstehen, wenn sie in Sachen Medienkompetenz nicht zwingend auf der Höhe sind.

      Aber in Sozialkompetenz sollte ein breites Wissen vorhanden sein!! 💡

      Und DA hakt es.

      Gegen Mobbing in jedweder Form muss man geduldig am Ball bleiben. Und Aufmerksam sein!

      Das perfide am digitalen Mobbing ist halt, es wird noch viel seltener festgestellt, als das, was in den Toiletten und in den Ecken der Pausenhöfe stattfindet.

      Die Lehrer erscheinen hier halt chancenloser.

      • Hallo Anita,

        danke für Deine Antwort. Nur kurz zu Deinem letzten Punkt mit dem „wird seltener festgestellt“. Da bin ich mir gar nicht sicher. Oder vielmehr: Ich stelle es mir gerade andersherum vor, es wird viel schneller publik. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Tochter mir sofort zeigen würde, wenn jemand in ihrem Umfeld z.B. über Whatsapp gemoppt wurde, gerade weil sie dessen Nutzung nicht vor uns verheimlichen muss. Und dann gibt es ja auch noch die Eltern, die (was ich OK finde) regelmäßig in die Accounts ihrer Kinder gucken. Das ist in Schulklos und Ecken des Pausenhofs viel schwieriger.

        • Anita

          Hallo Richard,

          die meist „schweigende“ Mehrheit der Klassenkameraden sagt erst was, wenn die wirklich hervorragende KL etwas anfragt.

          Ansonsten schauen sie gerne weg. Oft aus Angst.

          Da ich mit Mobbing leider intensiv beschäftigen musste, habe ich diese Erfahrung vielfach machen müssen.

          Meine Kinder kommen alle vier jederzeit, wenn ihnen was „bitter aufstößt“. Aber Du und ich scheinen hier eher Einzelfälle zu sein. Das wir also uns genau dann Zeit nehmen, wenn die Kinder ein Problem haben. Bei mir bleibt oftmals was liegen, weil ich mich um die „Problemchen“ kümmern muss. Andere Eltern aus den jeweiligen Klassenverbänden wissen nichts bis überhaupt gar nichts über das Leben ihrer Kinder. Und preisen dies dann als Selbstverwirklichung und Selbstständigkeit ihrer Kinder.

          Ich finde aber den Mut meiner Kinder durchaus beachtenswert. Und auch den von Deiner Tochter. Denn im Zweifel könnte ja ein Gespräch mit Lehrer oder Klasse oder ähnliches folgen.

          LG Anita

  9. Brendan

    Juna, ich bin selbst mit einer Lehrerin verpartnert – stehe sozusagen auf der anderen Seite – und weiß, was die für einen Job haben. Der einzelne Lehrer hat neben seiner Unterrichtsverpflichtung und den administrativen Aufgaben kaum Zeit und Gelegenheit, sich um Weiteres zu kümmern, erst recht wenn es sich um eine engagierte Lehrkraft handelt. Und auch die Schulen als Organisationseinheit sind in ein enges Korsett gebunden. Sicherlich ist zu überlegen, ob und wie elektronische Medien im Rahmen des normalen Unterrichts eingebunden und thematisiert werden können, vielleicht sogar wie soziale Regeln im Umgang mit der Technologie aussehen können –aber ist das im Rahmenplan vorgesehen? Wie viele Stunden stehen der einzelnen Schule dafür zur Verfügung? Gibt es geeignete Kräfte, die das umsetzen können und werden sie dafür anderer Stelle von Arbeit entbunden? ( oder sollen die das in ihrer Freizeit machen? )
    Fundamentale soziale Regeln im Umgang miteinander (nicht nur mit Technologie) sollen die Kinder allerdings meiner Meinung nach von den Eltern beigebracht und vorgelebt bekommen. Das Argument, das hier so ähnlich auch in den Kommentaren kam: Passiert auf dem Schulhof, also liegt es in der Verantwortung der Lehrer, wenn sich mein Kind wie der letzte Honk benimmt, höre ich immer wieder und halte ich für grundfalsch. Die Verantwortung für das Benehmen ihrer Kinder können die Eltern eben nicht an der Schulgrundstücksgrenze abgeben – auch wenn sie vermehrt meinen, es tun zu dürfen. Um es ganz platt und überspitzt auszudrücken: Lehrer sollen den Kindern Bildung und Wissen vermitteln, für die Erziehung sind die Eltern zuständig. „Ich mache mich nicht über andere lustig und stelle sie nicht in der Öffentlichkeit bloß – egal, ob es um ein Nacktbild geht, das ich an eine Litfasssäule klebe oder ein unvorteilhaftes Foto, das ich ins Netz stelle.“ Bei Kindern, die das nicht von ihren Eltern vermittelt bekommen, nützt auch der beste Unterricht nichts. Schule ist nun mal kein Reparaturbetrieb für falsch gelaufene Erziehung; war es nie und wird es niemals sein.

    • Hallo Brendan,

      Du hast recht. Aber genau deshalb halte ich es ja für falsch, wenn es sich die Schulen und Lehrer so einfach machen und alles verteufeln und verbieten wollen. Deshalb schrieb ich ja in meinem „Die Sache mit dem Whatsapp“-Post, dass nicht Smartphones mobben, sondern Menschen. Klar sind wir Eltern in der Verantwortung, wenn es darum geht, unseren Kindern richtiges Sozialverhalten beizubringen. Da hilft es aber nicht, wenn Lehrer uns Eltern und unsere Kinder als die „Bösen“ darstellen, wenn wir trotzdem oder gerade deshalb Smartphones und Social Media so früh wie möglich erlauben.
      Ich weiß, Lehrer haben viel zu tun (ich auch). Dennoch würde ich sie gerne stupsen, einfach mal Facebook und Twitter zu nutzen.

      Gruß

      Richard

      • Brendan

        Hallo Richard,

        habe deinen Post noch nicht gelesen. Versuche ich mal, in Ruhe zu machen. Nur soviel: müssen an Grundschulen Kinder ein Smartphone dabei haben? Meiner Meinung nach nicht. Ich überlege auch, meiner Kleinen schon eines zu geben – und die geht noch in den Kindergarten! Wenn sie dann mal eins hat und zur Schule geht und dort das Mitführen eines Smartphones nicht erlaubt ist, dann lässt sie es halt zu Hause. Es gibt wahrlich Schlimmeres! Ebenso wie hier zu Recht gesagt wird, dass Eltern für sich Freiheiten herausnehmen dürfen im Umgang mit ihren Kindern, darf lehrer- bzw. schulseits eben auch einiges verboten werden. Zu Hause dürfen Eltern ihren Kindern einen Hund schenken, das Kind darf den aber nicht einfach nicht so aufs Schulgelände mitbringen. Die Eltern können ihrem Kind erlauben, in der Wohung oder im Haus Fahrrad zu fahren, darf das Kind in der Schule auch nicht. Und wenn die Eltern ihren Kleinen ein Smartphone schenken wollen und Ihnen zu Hause alles mögliche erlauben, damit zu machen – dürfen sie das. Die Schule darf aber eben auch genau dieses in der Schule verbieten, wenn sich herausstellt, dass Kinder mit dieser Technik eben nicht gelernt haben, verantwortungsbewusst damit umzugehen. Und damit wird keineswegs in irgendwelche elterliche Freiheiten eingegriffen.

        Gruß
        Brendan

        • Ich glaube, dem würde ich an keiner Stelle widersprechen, Brendan. Nur die Sache mit dem Hund, die würde ich vielleicht doch gerne wenigstens diskutieren… 😉

          • Lieber Richard, lieber Brendan.
            Für mich ist das schlicht der falsche Ansatz. Smartphones sind nicht nur „Daddelei“. Sie mit dem Mitbringen eines Haustieres zu vergleichen finde ich merkwürdig. So lange sich in unseren Köpfen nicht dahingehend etwas Entscheidendes tut und wir verstehen, dass diese Technologie für die Kinder von enormer Wichtigkeit für ihr späteres Leben sein wird, werden bei diesen schiefen Vergleichen die Eltern zustimmend nicken.

            Was alles verändert werden könnte, wenn wir diesen Hebel im Denken umlegten und mit den Kindern nicht nur zuhause, sondern in der Klassengemeinschaft Chancen und Risiken der sozialen digitalen Medien besprechen würden. Da reden wir die ganze Zeit davon, wie wichtig diese Form der Kommunikation ist, wie entscheidend ein verantwortungsvoller Umgang, wie weltbewegend zum Teil die Initiativen und Möglichkeiten, die aus unserer Kommunikation und unserem sozialen Kapital heraus entstehen. Aber in der Schule soll das bitteschön außen vor bleiben. Man nimmt ja auch keine Hunde mit.

            Ich freue mich über die Diskussion mit Euch, und setze voraus, dass Ihr wisst, dass ich polemische Einwürfe immer auf die Sache beziehe, und nicht auf meine Kommentatoren, die ich immer sehr schätze 😀

        • Ich sag’s mal so, Juna: An „meiner“ Schule dürften sowohl Smartphones als auch Hunde mitgebracht werden 😉

    • Hallo, Brendan. Danke für Deinen ausführlichen Kommentar!
      Du hast mit Deiner Argumentation Recht, gehst allerdings von den falschen Prämissen aus. Wenn ich nun anfange, darüber zu reden, was Schule sein sollte und was Schule tatsächlich ist, komme ich heute zu nichts anderem mehr 😉 Ein wenig habe ich bereits in diesem Beitrag geschrieben: http://www.junaimnetz.de/iq
      „Lehrer sollen den Kindern Bildung und Wissen vermitteln“ ist ein schönes Bild, und ich bin komplett einverstanden. Allerdings: Welches Wissen vermitteln die Lehrer_innen? Ich erinnere mich noch, wie meiner Generation ständig gesagt wurde, sie sollten aufhören, Computer zu spielen, und lieber Physik lernen. Physiker sind sie nicht geworden, sie sind Spiele-Entwickler 😉

      Du verstehst sicher, worauf ich hier überspitzt hinaus will: Es ist nicht die Schuld und Verantwortung der einzelnen Lehrkräfte, dass unser Unterrichtsplan aus den 50ern stammt, das Kultusministerium den Arsch nicht hochkriegt und wichtige Anpassungen von homophoben Spinnern vereitelt werden, siehe #idpet in BaWü. ABER: Von den mir bekannten Lehrkräften, und unter meinen Freunden und ehemaligen Studienkollegen befinden sich viele, protestiert auch niemand lautstark gegen völlig überholte Lehrpläne. Immer noch sind Deutsch und Mathe die hierarchisch wichtigsten Fächer, immer noch findet kaum Türkischunterricht statt (und wenn, nur als freiwillige AG), immer noch hängen wir in unseren Fächergrenzen fest. Die Qualität des Informatikunterrichts hat sich ebenfalls kaum gebessert, er ist auch nicht „wichtig“, Fächer wie soziales Handeln und Kommunikation existieren nicht, dafür lernen tausende Schüler jedes Jahr weiter den völlig überholten Hyperzyklus in Biologie, weil diese Theorie immer noch im alten Linder steht. Schule sollte Bildung und Wissen vermitteln, aber bitte nicht wahllos. Sondern die Bildung und das Wissen, die unsere Kinder auf die Gesellschaft, in der sie leben, vorbereiten. Eine Gesellschaft voller Smartphones, Software, voller Klimakatastrophen, politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen, Diskriminierung von Randgruppen – eine Gesellschaft in einem Einwandererland, in dem Türkisch die zweithäufigste Sprache ist. Und: Ja, natürlich hat Schule (allem voran die Grundschule) einen Erziehungsauftrag. Natürlich muss sie in die Bresche springen für Kinder, deren Eltern Bestimmtes nicht leisten können. Das, was Du schreibst, lese ich als Herausreden. 10 Semester lang bekommen unsere Pädagog_innen Unterricht im „Erziehen“, lediglich beim gymnasialen Lehramt liegt der Fokus mehr auf den Fächerinhalten. Und diese Fächerinhalte … siehe oben. Ich hab Hals.

      Wir versagen gesamtgesellschaftlich. Lehrer wie Eltern wie Politiker wie … wir versagen jämmerlich. Und statt sich das mal einzugestehen, schiebt jeder den schwarzen Peter weiter. „Wir haben keine Zeit“, „Wir können das nicht“, „Wir müssen ja auch gar nicht, ist gar nicht unser Auftrag“ … 🙁

      Wie im Post oben schon steht: Ich mache den Eltern genau_den_gleichen Vorwurf. Keiner von uns kriegt seinen Hintern hoch.

      • Brendan

        Hi Juna,

        da schreibe ich so gut wie nie irgendwelche Kommentare und dann gleich so was. Wo anfangen? Also aufs Wesentliche beschränken. Ich habe, meiner Meinung nach natürlich nur, nicht den falschen Ansatz, sondern wir haben zwei unterschiedliche Sichtweisen – und zwar auf die Bedeutung der neuen sozialen Medien. Für Dich und sicherlich viele andere Blogger und im Netz sonst wie Aktive – und mit aktiv meine ich mehr als nur shoppen und lesen (was ich tue), in „Netzwerken“ rumhängen (was ich nicht tue) und daddeln (was ich extrem selten tue) – ist dieser ganze Bereich sicherlich seeeeehr bedeutsam. Für mich und sicherlich viele andere auch ist es das eben genau nicht. Es ist nur das Internet, es beeinflusst die Arbeitswelt, indem man damit arbeiten muss – nicht zwangsläufig in ihm – und erleichtert einiges im Privatleben bzw. erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten der Freizeit. That’s ist. „Enorme Wichtgkeit“, „weltbewegnd“ – das sind alles Zuschreibungen, die so meiner Meinung nach nicht stimmen oder zumindest für einen Großteil der Menschen und sicherlich auch für einen großen Teil der Nutzer einfach nicht zutreffen. Natürlich wachsen unsere Kinder damit auf aber ehrlich gesagt erschließt sich mir nicht der Sinn, Kinder in der Grundschule damit großartig zu konfrontieren. Die haben genug damit zu tun, grundlegende Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben (mit der Hand!) und Rechnen (mit dem Kopf oder auch mit Papier und Stift) zu lernen und von mir aus auch Grundlagen des sozialen Zusammenlebens einzuüben – wenn die Eltern nicht dazu in der Lage sind, es ihnen beizubringen. Ein Smartphone ist in diesem Zusammenhang nur das: eine Daddelei.

        Um etwas anderes zu nehmen als den Hund: Verkehrserziehung (also Auto und Straße, diese Art Verkehr). Enorm wichtig, lebens- und überlebenswichtig. Die Entwicklung des Verkehrs mit Auto, Eisenbahn und Flugzeug war weltbewegend, umstürzend. Und hält unsere Welt immer noch zusammen. Und was gibt es: Verkehrserziehung als eigenes Unterrichtsfach? Als Querschnittsthema in allen Fächern? Ab und zu schaut mal ein Polizist vorbei und erklärt den Kindern, wie sie sich zu verhalten haben. Die richtige Nutzung von Fahrrad, Straße, Zebrastreifen, Ampel und co. wird doch aber eher außerschulisch gelernt; und Autofahren sogar erst ab 18! Allenfalls ein paar Stunden ab und zu mal in einem Sachkundefach oder in der Vorbereitung auf einen Ausflug. Reicht ja auch völlig aus. Dass man bei Rot nicht über die Ampel geht, gehört nicht zum originären Bildungsauftrag eines Lehrers. Sorry, aber so ähnlich sehe ich das mit dem Internet und allem was dazugehört auch: es muss sicherlich mal zum Thema gemacht werden – und über Art und Weise und Umfang kann man bestimmt prima Examensarbeiten schreiben. Aber im Alltag einer Grundschule sowohl physisch als auch thematisch haben Smartphones meiner Meinung nach nichts zu suchen.

        Zum Rest vielleicht ein andermal mehr.

        Grüße
        Brendan

        • Anita

          Hallo Brendan,

          für Grundschulkinder gebe ich Dir im gewissen Maße recht. Aber bereits ab der 6. Klasse weiterführende Schule werden Hausaufgabengruppen gegründet. Ein Kind ohne Smartphone und schlimmer noch ohne Whatsapp kriegt nichts mehr mit.

          Ab der 8. Klasse gibt es sogar Lehrer, die FB-Gruppen oder Whatsappgruppen gründen, um Arbeitsmaterial zur Verfügung zu stellen. Damit die Eltern dies dann zu Hause ausdrucken, um Kosten zu sparen. Die „Harmlos“-Variante ist da noch der Download-Bereich der Schule, wenn denn der Server läuft.

          Da meine Kinder bereits 17, 15, 12 und 7 sind, ich mich also im System Schule nun schon seit 11 Jahren tummeln muss, habe ich leider diesbezgl. einen Erfahrungsschatz anhäufen müssen.

          Und „sozialen Kontext“ mit „Verkehrserziehung“ zu vergleichen ist mir zu knapp. 😉

          Denn dass ist das eigentliche Thema.

          Auf

          Zitat: „Zum Rest vielleicht ein andermal mehr.“

          freue ich mich.

          LG Anita

          • Brendan

            Hi Anita,

            ich habe mich auch ausdrücklich auf die Grundschule bezogen!
            Und ich habe auch nicht „sozialen Kontext“ mit „Verkehrserziehung“ verglichen, sondern den Umgang mit 2 Techniken. Eine schon etwas älter – die (motorisierte) Fortbewegung – und eine etwas jünger – digitale Kommunikation. Selbstverständlich hinkt jeder Vergleich, sonst wäre es keiner. Aber beide lassen sich durchaus unter dem Stichwort „sozialer Kontext“ betrachten und vergleichen: Eigenverantwortung, vorausschauendes Handeln, Rücksichtnahme usw. Hey, Verkehrserziehung ohne sozialen Kontext gibt es gar nicht. Gerade Letzteres sollte man mal so einigen Verkehrsteilnehmern mal klar machen!

            Gruß
            Brendan

        • Was aber, wenn Du irrst, Brendan. Wenn Juna und ich nicht die Ausnahme sind, sondern nur die Vorahnung dessen, was kommen wird?
          Ich bin ziemlich sicher: In wenigen Jahren wird die digitale Kommunikation, und um genau die geht es, gesamtgesellschaftlich so bedeutend sein, wie bisher das Schreiben mit der Hand. Nichts, kein Beruf, kein Hobby, wird mehr ohne auskommen. Und das Schreiben mit der Hand wird etwas sein, das an Eliteschulen in AGs am Leben erhalten wird. Eine Horrorvorstellung? Mag sein, für viele von uns heute. In Zukunft aber einfach: Normalität. Wann? Darüber lässt sich streiten. Aber streiten wollen wir hier nicht, finde ich.

    • Anita

      Hallo Brendan,

      ich habe Hochachtung vor Lehrern die mit Einsatz bei der Sache sind.

      Ich weiß, dass weder die Rahmenlehrpläne NOCH das Stundenraster einer Schule und somit dem jeweiligen Lehrer wenig bis gar keine Zeit zur Verfügung stellt um zusätzliches zu leisten.

      Ich bin als Mutter in der Verantwortung, ja ich persönlich, wenn meine Kinder sich „wie die Axt im Walde verhalten“! Ich gebe hier meine Verantwortung nicht ab!

      Aber,

      wenn mein Kind gemobbt wird, von Mitschülern, auf dem Schulhof (oder in der Hausaufgabengruppe)

      dann

      kann ich als Mutter eben NICHT mal einfach andere Eltern ansprechen und das Problem „lösen“. Habe ich probiert, bin mit Kind gemeinsam auf die Fr…. gefallen und werde es nie mehr tun!

      Denn ich kenne nur den Ausschnitt der Wahrnehmung meines Kindes. Ich weiß im Zweifel über mein Gegenüber (andere Eltern) nichts und kann nicht oder nur schlecht einordnen, wie es dazu gekommen ist und wie ich es abstellen könnte.

      Hier sind Lehrer als Mediatoren gefragt.

      1. um die andere Wahrnehmung zu erfragen
      2. um ein möglichst ganzheitliches Bild zu bekommen (Befragung von weiteren Mitschülern)
      3. um Abhilfe zu schaffen, in dem dann halt auch die anderen Eltern in die Verantwortung genommen werden (das ist für mich selbstverständlich 😉 )

      Dies ist ein langwieriger Prozess und bedarf der Mitarbeit aller betroffenen Familien. Manche muss man halt da auch „zwingen“. mitzuarbeiten.

      Und mal ehrlich, in weiterführenden Schulen kann man das Thema recht einfach in den Fächern Religion, Philosophie, Deutsch, Politik und SoWi und den anderen sprachlichen Fächern unterbringen.

      In einigen Schulen gibt es den Klassenrat, eine zusätzliche Stunde, wo die Schüler ihren Bedarf anmelden dürfen. Außer Feiern wird dort aber selten was besprochen.

      Warum eigentlich? Wenn die Schüler kein Thema haben, dann kann die Lehrperson eines vorgeben. Und eine Wochenstunde wäre hier prima genutzt. 💡

      Und mal ehrlich, durch Ganztagsunterricht verbringen Kinder mehr wache Zeit in der Schule als im Elternhaus. Sie bewegen sich in erzwungenen sozialen Strukturen. Und was dort geschieht muss in erster Linie auch dort angesprochen werden. Ich sehe da Paralelen zur Aufsichtspflicht, zu der ich als Mutter verpflichtet bin. Ich kann mein Kind aber auf dem Schulhof nicht beaufsichtigen. Also gebe ich diese Pflicht für einen Zeitraum X ab. Denn ich kann weder „anderLeutsKinder“ erziehen, dass steht mir nicht zu, noch kann ich mein Kind 24/7 bewachen und beaufsichtigen. Da verweist man mich des Schulhofes. 😉

    • Lieber Brendan, ich muss mich zitieren…( aus meinen zugegeben langen Post)
      „Möchte mal wissen, wie die das anstellen, es gibt ja (fast) keine anderen Mobiltelefone mehr – ganz zu schweigen davon, dass es sich kaum lohnt, andere zu kaufen. Und bei uns hier gibt es z.B. Fahrschüler ( Bus etc.) auch an der Grundschule, wo es durchaus sinnvoll ist, wenn sie einen Ausfall etc. gleich von der Haltestelle aus melden können oder sich ggf. abholen lassen können. Kostenfreie Telefonhäuschen stellt die Schule ja sicher nicht überall auf, oder?
      Also hier wäre sowas schwer durchzusetzen.“ – es gibt tatsächlich auch an Grundschulen den Bedarf für Kommunikationsgeräte. Natürlich müssen das nicht Smartphones mit allen funktionen sein… aber verhindern werden wirst Du es nicht. Es hängt eben viel davon ab, wo Du bzw. die Kinder zuhause sind. Und ein Abschalten und Nicht -rausholen finde ich, kann man in der Klasse schon durchsetzen – und finde es auch vernünftig.

  10. Anita

    Hi Brendan,

    bei uns kommt das Verbot aber auf der weiterführenden Schule. Unter ähnlichen Voraussetzungen wie bei Juna. 💡

    Zitat: „Aber beide lassen sich durchaus unter dem Stichwort “sozialer Kontext” betrachten und vergleichen: Eigenverantwortung, vorausschauendes Handeln, Rücksichtnahme usw. Hey, Verkehrserziehung ohne sozialen Kontext gibt es gar nicht. Gerade Letzteres sollte man mal so einigen Verkehrsteilnehmern mal klar machen!“

    unterschreib ich sofort. 😉

    Aber zurück zu social Media, Smartphone und Schule.

    Das Verbot wird bei uns ausgesprochen, weil die Schule sich hier hilflos fühlt und einen verantwortungsbewussten Umgang nicht durchsetzen kann.

    Die Elternschaft nimmt das hin. Alternativ argumentieren sie mit der Freiheit ihrer Kinder. Aber niemand sieht sich in der Verantwortung, den Kindern sozialen Umgang beizubringen.

    Jedenfalls mein Eindruck, nach mehreren fruchtlosen Gesprächen in der Elternschaft und bei Nachfragen in der Lehrerschaft.

    Ich scheine mit der Meinung, dass Erziehung im Kontext Schule / soziale Verantwortung nur gemeinsam gelingen kann, ein wahrer Exot zu sein.

    Ich möchte nicht, dass die Schule mir die Erziehung abnimmt. Ich bräuchte nur deren Unterstützung. 😉

    LG Anita

    • Nein, als Exot würde ich Dich in diesem Zusammenhang nicht bezeichnen, Anita 😉 Ich sehe es ja ähnlich. Witzig finde ich, dass in vielen anderen Bereichen die Schulen heute aufgrund ihrer Integrationspolitik den Eltern vieles abnehmen – eben auch und ganz bewusst Erziehungsaufgaben (Entschuldigung, Brendan, aber es ist nun mal einfach nicht richtig, dass Grundschule nicht auch erzieht), weil sie es als ihre soziale Verantwortung sehen, Benachteiligte mitzuziehen und ebenso zu fördern, gerade wenn die Eltern zu Hause z.B. Hausaufgabenbetreuung, Lernen auf Tests und so vieles mehr nicht leisten können. Bei dem Bereich der Medienkompetenz aber wird das plötzlich gänzlich in den Bereich der Familie zurückgeschoben.
      Ich für meinen Teil sehe es so wie Du: Ich brauche lediglich eine Unterstützung, das Einigen auf eine Linie. Viele Familien brauchen aber wesentlich mehr als das. Es mag sein, dass im Bereich der medialen Erziehung ganz andere Wertungen der digitalen Medien als meine eigene eine Rolle spielen, so wie Brendan es gesagt hat – und dass tatsächlich die meisten Menschen auch heute noch das Internet als ein nettes Gimmick, über das man gut Bücher bestellen kann, sehen. Ich glaube aber, diese Menschen liegen falsch. Alles, aber auch alles deutet darauf hin.

      Zu Eurer Verkehrserziehungs-Analogie: In unserer Schule gibt es häufig Verkehrsunterricht, und auch das Fahrrad fahren inkl. „Fahrradführerschein“ wird von der Schule geleistet. Wir haben Aktionen wie den „laufenden Schulbus“, und nicht nur gelegentlich kommt ein Polizist vorbei. Wenn der Bereich der digitalen Medien nur ein Viertel so stark abgedeckt wäre, wäre ich, was die Grundschule betrifft, zufrieden. In den weiterführenden Schulen sollte Programmieren und Online-Kommunikation Pflichtfach werden. Alles andere geht an der Realität heutigen Arbeitens vorbei, zumal, wenn man es mit dem vielen Unsinn vergleicht, den die Schule einem heute immer noch so beibringt. Ich sage nur: Auswendig lernen von Zahlen im Geschichtsunterricht, die lediglich einen Mausklick entfernt sind. 333, bei Issos Keilerei. 😉

      • Anita

        Naja, auf den Mausklick verlassen sich die Lehrer dann schon, wenn es um Referate geht. Aber sie geben selber unzuverlässige Quellen an, deren Inhalte wissenschaftlich bereits überholt sind.

        Medienkompetenz soll ab der 5. Klasse einfach so vom Himmel fallen. Ein Exel-Kurs wird von einer großen Bank finanziert. Einen ITG-Kurs gibt es zwar, aber außer ein bisschen Gimp oder PowerPoint kommt da nicht bei rum. Schreiben auf einer Tastatur wird vorausgesetzt, aber nicht gelehrt.

        Da passt was nicht übereinander.

        Auswendig gibt es nur noch Grammatik und Vokabeln.

        Dafür ist Charakterisierung und Analyse von Texten immens wichtig. Zwar auch mit aktueller Literatur, aber immer noch von der Meinung des Lehrers abhängig.

        Und der Info-Kurs wird nur angeboten (frühestens ab Klasse 8 (WPB II) für Interessierte, wenn Lehrer vorhanden sind. Kapazitäten es als LK zu nehmen gibt es aber nicht.

        Und einige Info-Lehrer schaffen es nicht, den Schulserver am laufen zu halten oder die technischen Voraussetzungen sind sehr mangelhaft.

        Da bringt ein Whiteboard in der Grundschule, der Beamer im Klassenraum und dergleichen wenig und ein Ipad / Tablet scheitert dann an der Finanzierbarkeit.

        Als Beispiel, in NRW muss ein grafikfähiger Taschenrechner angeschafft werden. Die meisten Modelle sind sehr teuer. Außerdem programmierbar und damit für das ABI nicht zugelassen. Ein Tablet würde dieses Problem auch nicht lösen.

        Es wird auf diesem Gebiet nicht halbherzig sondern gänzlich ohne Sachverstand hantiert.

  11. Klasse gemacht und überaus mutig! Musste direkt an den Beitrag von Max Woodtli zum zweiwertigen Denken. In unseren Schulen dominiert noch immer das „richtig“ oder „falsch“, dazwischen passt kein Blatt Papier, nicht einmal ein kariertes für Mathe! 😉

    P.S: Fürchte, meine Tochter schämt sich auch ab und an über mich, weil ich „anders“ bin als die anderen Väter…

    • Danke an Dich für Lob und Anregung! Und danke auch an alle anderen! (Ich bin so frei und antworte hier im Kollektiv.) Es ist schön, Zuspruch zu erhalten. Aber auch die enorm wichtige Diskussion und der Widerspruch hier auf dem Blog bringt mich selbst so viel weiter 😉 Der Austausch hier mit Euch ist für mich das, was das soziale Netz ausmacht, und eben das, was ich meinen Kindern auf keinen Fall vorenthalten möchte 😉

      Bitte so weiter, ich möchte gerne noch mehr hören und diskutieren.

  12. Reznoir

    Diese Schule bewegt sich auf sehr dünnem Eis. Das Verbot wird momentan so durchgesetzt, dass Schüler ihre Mobiltelefone (Smartphone oder nicht) weggenommen bekommen, wenn sie damit erwischt werden. Zum Teil bleiben die Geräte tagelang unter Verschluß, weil sich die Person, die es wieder rausgeben könnte nicht auffinden lässt. Das ist rechtlich nicht mal zulässig. Ich finde gut, dass du nicht unterschrieben hast!

    • Hallo, Reznoir! Danke für diesen Hinweis zur rechtlichen Lage. Ich dachte so aus dem Bauch heraus erst, unsere Schule würde es bei diesem Wisch mit der Kenntnisnahme belassen. Aber sie haben hochoffiziell die Schulordnung entsprechend geändert. Ich denke, ich werde da bei Gelegenheit mal nachhaken und ein bisschen stören. 🙂

      • Anita

        Die Schulordnung zu ändern bedarf aber der Beteiligung aller Gremien.

        Bei uns auf der weiterführenden, müssen Lehrer, Eltern und SV hier gleichberechtigt abstimmen.

        Seit einem Jahr läuft das Verfahren nun schon und wird erst zum neuen Schuljahr in der Schulordnung verankert.

        Da Du sagtest, dass es eine Schule bis zu Oberstufe ist, müsste dies bei Euch auch so sein!! 💡

        • Ich sehe, die Nachforschungen könnten sich lohnen! Nein, die SV wurde komplett übergangen, aber der Gesamtelternbeirat hat mitgezogen. Ich habe mich auch gewundert, wie schnell das offenbar umgesetzt wurde. Also, Ihr macht mich wirklich neugierig … das finde ich raus! 🙂

          • Anita

            Ihr müsst doch eine paritätisch besetzte Schulkonferenz haben. 💡

            Deren Mitglieder sind alle gleichberechtigt!

            Schau mal, was die Schulordnung und das Schulgesetz hierzu sagt. 😉

  13. Anita

    http://www.zeit.de/2014/26/cybermobbing-pubertaet-erotikvideo/komplettansicht

    tja, und hier ist ein Beispiel, wie perfide die Freiheit genutzt wird. Und da ich a) die Formen des Mobbings gut kenne und b) wir ja an der Schule einen ähnlichen Fall hatten, ich denke, dass es real so geschehen ist.

    • Gerade gelesen. Die Geschichte ist zweifelsohne schlimm, aber was daran hätte verhindert werden können, wenn man in der Schule die Mediennutzung komplett verbietet, ist mir jetzt ehrlich gesagt nicht klar. Das Mädchen wurde bereits zwei Jahre lang mit den herkömmlichen sozialen (und sehr schwerwiegenden) Methoden gemobbt, ohne dass es jemand mitbekommen oder etwas unternommen hätte. Zudem hat sie, obwohl ihre Mutter offenbar Ahnung hat, das Video selbst gedreht und ist nicht etwa heimlich in der Umkleidekabine fotografiert worden. Hier müsste man doch fragen, warum es dieses Video gab, und warum es so viele Jugendliche sofort verbreitet haben.

      Ich hoffe für die Beteiligten solcher Fälle, dass sie die schlimmen Erlebnisse aufarbeiten können. Dafür der Existenz der Smartphones die Schuld zu geben, scheint mir allerdings viel zu kurz gegriffen. Im Übrigen, es gibt mittlerweile beinahe jeder Jugendliche an, selbst bereits erotische Fotos von sich per Whats App versendet zu haben. In den allermeisten Fällen geschieht dann nichts. Früher haben die Jungs Polaroidaufnahmen von ihren Penissen gemacht. In seltenen Fällen wurde dann mal eines dieser Bilder kopiert und an irgendwelche Pinnwände gehängt. Sowas lässt sich nicht mit Technologieverboten regeln, sondern lediglich mit Medienkompetenz und einem besseren Verständnis für die Kinder, sowie einem verpflichtenden Unterricht in Sachen digitaler Kommunikation und Rechte am eigenen Bild. Bei diesem Mädchen wäre es vermutlich, so leid es mir tut, das aus der Darstellung des Artikels zu lesen, bereits vor etwa zwei Jahren an der Zeit für einen Schulwechsel gewesen. Vielleicht hätte eine neue Umgebung den dahingehenden Realitätsverlust und die Unvorsichtigkeit ihrerseits verhindert. In der Schule, scheint es, mussten die Smartphones während der Schule auch in den Taschen bleiben. Verhindert hat das – nicht das Geringste. Leider.

      • Anita

        Falls ich den Eindruck erweckt habe, dass ich für ein Smartphone-Verbot in der Schule bin, um SO ETWAS zu verhindern, dann tut es mir leid.

        Denn das bringt gar nichts. Da waren wir uns weiter oben schon einig.

        Ich bin mit Dir einer Meinung, dass hier Eltern und Lehrer massiven Nachholbedarf haben, wie man seine Kinder gut vorbereitet.

        Was in dem Artikel allerdings sehr gut klar wird, dass Kindern, die Anerkennung suchen, sich nun andere „Welten“ öffnen, mit viel größeren Gefahren; um eben Anerkennung zu bekommen.

        Das Mädchen hat ja in dem Artikel klar gesagt, dass es sich wohl gefühlt hat, als der ursprüngliche Adressat sie um das Filmchen gebeten hatte.

        Und noch etwas wird in dem Artikel sehr gut klar, dass Eltern und Lehrer sehr sehr hilflos sind. Vor allem, wenn sie die Augen verschließen.

        So, und nun die spannende Fage. Wie kommt man diesen Erscheinungen bei?
        Wie bekommt man die Kinder dazu, ihr Leben nicht an der Zahl ihrer „Freunde“ oder „Follower“ zu messen?
        Wie bekommt man den Außenseitern erklärt, dass die „Fames“ gar nicht ruhmreich sind?
        Was kann Schule hier tun und real leisten?
        Was kann das einzelne Elternhaus tun?
        Was kann die Elternschaft hier tun?

        Denn das sind die Fragen, die sich mir bei der Beschreibung des ganzen Verlaufes der Geschichte, durch den Kopf gegangen sind.

        Und das eine Schule dann plakativ (nach einem solchen Geschehnis) ein Handyverbot fordert, ist ein Zeichen von Hilflosigkeit. Die Gründe für die Hilflosigkeit haben wir ja oben schon mal angerissen.

        Ich finde aber, dass der Artikel zur Diskussion und zu Deinem Artikel gut passt. Entschuldige, dass ich erst jetzt ausführlich dazu Stellung genommen habe.

        • Das macht es klarer, danke. Ich bezog mich auch auf das, was ich zwischen den Zeilen im Artikel las. Zwar nimmt die Psychologin Stellung, dass Mobbing auch vor dem Internetzeitalter stattgefunden habe, dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass auch hier latent davon ausgegangen wird, mit Medienentzug könne man vielem beikommen – so ist ja auch die einzige Aktion der Mutter, die letztlich von einem gewissen Erfolg gekrönt ist, ein Medienverbot für die Tochter. Vermutlich sehe ich mittlerweile überall Drogen- und Suchtmetaphern, und gehe automatisch in die Gegenhaltung :D.

          Deine Fragen sind absolut richtig. Genau diese sollten sich wesentlich mehr Menschen konstruktiv stellen. Wenn das im Falle dieses Mädchens früher passiert wäre, hätte es den „Katalysator Smartphone“ vielleicht in dieser Geschichte nicht gegeben.

          • Anita

            Zitat: „mit Medienentzug könne man vielem beikommen – so ist ja auch die einzige Aktion der Mutter, die letztlich von einem gewissen Erfolg gekrönt ist, ein Medienverbot für die Tochter. Vermutlich sehe ich mittlerweile überall Drogen- und Suchtmetaphern, und gehe automatisch in die Gegenhaltung :D.“

            Der Gedanke ist gar nicht so abwegig.

            Früher war der Hausarrest dazu da, ein Kind aus bestimmten Cliquen herauszubekommen. Über das Netz ist der Schulhof mit nach Hause gekommen, 24/7

            Und mal ehrlich, wie viele Eltern sind dann so ehrlich, „wir kommen nicht mehr klar“ und holen sich Hilfe, die über eine reine Elternberatungsstelle hinausgeht?

            Man denke, man geht zum Kinder- und Jugendpsychiater und lässt sich auf Psychotherapie ein, welch Unding *Sarkasmus off*

            Aber das wäre etwas, was dem Mädchen geholfen hätte. Denn ein reiner Schulwechsel tut es leider nicht immer. In 2 oder 3 Jahren unter solchen Bedingungen kann sich viel entwickelt haben, was nicht mehr händelbar ist (ohne Hilfe).

            Denn das fehlt mit in dem Artikel, dass die helfenden Organe hier klar Stellung beziehen, Das das Vergehen als „nicht so gravierend“ von der Staatsanwaltschaft eingeschätzt wurde. Das das Mädchen Unterstützung und Gespräche bekommt.

            Das zeigt eindeutig das Gespräch zwischen ihr und ihrer Freundin, dass sie immer noch nicht verstanden und schon gar nichts verarbeitet hat. Sie wird wieder in so eine „Falle“ laufen.
            Und ich habe leider den Eindruck, dass der Mutter der „äußere Eindruck“ wichtiger ist, als das Wohlergehen ihrer Tochter.

            Meine Tochter hat vor 12 Wochen auch Mobbing per Whatsapp. Es hat sehr lange gedauert, bis ich an sie und ihren Verstand rangekommen bin, um sie dazu zu bewegen, sich aus den Gruppen zu verabschieden und die Mobber zu blocken. Es ist anstrengend – Punkt.

            Eine Anstrengung, die viele Eltern nicht leisten (wollen). Diese wirken auch in dem Fall überrascht, wenn das Kind auf einmal zum Ausnüchtern im KH landet. Haben sie doch nicht mitbekommen, dass Kind schon „so weit“ ist. Oder „plötzlich“ schwanger……….

            Es gibt einen feinen und kleinen Unterschied zwischen Überwachung und an den Kindern „dranzubleiben“. Der Verselbständigung wird zu früh zu viel Raum geboten. Danach wird die Kommunikation schwierig. Wie man an der Mutter aus dem Bericht sehr gut sehen kann.

            Das zentrale Thema ist und bleibt also, wie bekomme ich die Kinder schadlos groß, statte sie mit ausreichendem Selbstwertgefühl aus, halte Kontakt zum Kind und leite es durch den Dschungel des Erwachsenwerdens. Und dies unter den neuen Rahmenbedingungen, die vieles schneller und vor allem viel öffentlicher werden lassen.

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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