Hier ein Bild von in den Himmel aufsteigenden Luftballons bei einem Luftballonwettbewerb

Blockaden, ungelöste

Seit Bestehen dieses Blogs hat er nicht so lange brachgelegen wie in diesem Moment. Der angekündigte Rückblick auf das Barcamp RheinMain (mit pathetischem Schlusswort und einem Ausblick) ist über den Entwurfscharakter noch nicht hinausgekommen. Ebenso wenig ein angefangener, sehr persönlicher Bericht über meine Ängste die Zukunft meiner jüngeren Schwester betreffend – die weder sich selbst noch ihrer Familie aktuell die Möglichkeit gibt, ein gerade erlebtes Trauma zu verarbeiten.

Stattdessen könnte ich Euch ein paar Links posten, dachte ich. Immerhin gäbe es aktuell ein paar wirklich gute Artikel, die ich Euch ans Herz legen könnte. Auch, weil ich das gerade bei twitter nicht tue.

Oder mit Euch über diese furchtbare Geschichte der jungen Frau sprechen, die sich für andere eingesetzt hat und nun nicht mehr 23 werden darf. Vielleicht auch ganz allgemein über die Zukunft, die wir als Gesellschaft haben könnten, wenn wir nur … [Stellt Euch hier eine kleine Klickstrecke durch meine vergangenen Blogposts und Diskussionen vor].

Ich hätte auch noch ein paar Pausenfüller – nette Bilderchen oder ein häufig angeklicktes Video, ein paar Reime … um den Blog nicht so ganz verwaisen zu lassen, während ich darüber nachdenke, was als nächstes kommt.

Aber irgendwie will es nicht werden. Nichts davon will sich in eine brauchbare Form gießen lassen. Alles wehrt sich gegen meine Bemühungen, es sprachlich festzuhalten oder auch nur zu kommentieren. Die Wahrheit ist: Ich bin ihn gerade leid, den stetigen Versuch, sich sprachlich diese Welt zurechtzuschreiben. Sie irgendwie zu fassen und für mich selbst zu erklären, bloß um dann beim nächsten Ereignis ratlos, kopfschüttelnd oder sogar verletzt dazustehen und mich zu fragen, was ZUM HENKER eigentlich an den Menschen so VERDAMMT kaputt ist.
Die unangenehme Wahrheit ist: Ich bin entsetzlich müde.
Seht es mir nach, wenn hier aktuell nicht viel passiert. Ich muss mich erst wieder finden.

 

Hier, einen Screenshot zum Schluss. Passt irgendwie auch:

magstdu

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13 Gedanken zu „Blockaden, ungelöste“

  1. Liebe Juna..
    du beschreibst ein Phänomen, dass sicherlich sehr viele kreative Menschen kennen.. egal, ob man schreibt, malt, fotografiert oder Häuser entwirft – wenn der Zugang verstopft ist, kann man sein Inneres nicht nach außen tragen.
    Es gibt Umstände im Leben, die uns daran hindern, den gewohnten Weg zu gehen – wir müssen kurz stehenbleiben, uns neu orientieren und Sachen hinterfragen.
    Das ist ein Prozess, der überlebenswichtig ist – aus ihm kann entweder Veränderung erfolgen oder aber neue Energie und Kraft, dem alten Weg treu zu bleiben..
    Ich wünsche dir, dass du aus dieser Blockade als Gewinner rausgehst und dann so weitermachst, wie du es dir vorstellst !
    Liebste Grüße – Eva

  2. Du bist nicht allein. Während die Welt heute blöd rumsültzt „Burnout ist out. Nachruf auf die Modekrankheit“ sehe ich bei vielen Bloggern die ich lese diese latente Verzweiflung das was in unserer Welt jeden Tag an Ereignissen passiert in Worte zu fassen. Manches ist so erschütternd dass man keine angemessenen Worte findet, wie eben der Fall der Studentin die für ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlen musste. Und der Täter wird nach Jugendstrafrecht behandelt werden, wahrscheinlich auf eine schwierige Kindheit verweisen können und die Tat wird als Körperverletzung mit Todesfolge bewertet werden, also maximal 5 Jahre Bau. Es tut unerträglich weh, aber was wäre eine angemessen Strafe?

    Manches ist auch ein Kampf gegen die Windmühlenflügel der Propaganda, wenn ich meinen täglichen Flassbeck lese, dann erkenne ich zwischen den Zeilen dort auch die nackte Verzweiflung ob der Ignoranz unserer Politik und der bloggende Ökonom sieht sich wohl in den Status der Kassandra gedrängt die zwar lauthals vor der Katastrophe warnt, deren Worte aber ungehört verhallen.

    Hinzu kommt wahrscheinlich auch der vorweihnachtliche Streß, denn der Countdown läuft und man will ja den Leuten die man mag ein besonders schönes Weihnachten bereiten und halst sich da wieder extra Streß auf den man eigentlich auch nicht braucht.

    Ich wünsche Dir liebe Julia sehr viel Kraft und gönne Dir jede Pause die Du benötigst um wieder auf Deinen Weg zu finden. Dieses Innehalten und Nachdenken zeugt jedenfalls von weit mehr Reife als es der Versuch weiterhin einfach Blogartikel „rauszuhauen“ tun würde. Manchmal muss man einfach den Bohrer aus dem Bohrloch ziehen und abkühlen lassen wenn man vermeiden will, dass er heißläuft und letztlich daran kaputt geht. (Sorry für diesen Maschinenbauvergleich, mir fällt dank akutem ählichen Problem keiner ein der weniger hinkt.)

    Take your time, Deine Freunde werden es verstehen und respektieren.

  3. Liebe Juna,

    laß Dich mal in den Arm nehmen. Ich kann Dich so gut verstehen: manchmal möchte man die Welt anschreien weil sie so schreiend ungerecht ist. Diese 23-jährige Lehramtsstudentin hat mich auch in ein Loch gezogen: wie kann so etwas sein?
    Aber da draußen gibt es auch andere Menschen. Und die warten auf Deinen nächsten Post. der irgendwann gemütlich aus Deinen Fingern über die Tastatur auf Deinen Blog wandert. Wie von selbst!
    Liebe Grüße
    Suse

  4. Hallo Juna,

    dass Leben ist tatsächlich oft ein mieser Verräter.

    Der Tod der jungen Frau hat mich tatsächlich anhalten lassen müssen. Ich konnte für einen Moment einfach nicht mehr fahren.
    Man möchte schreien. Was kaputt machen und stet nur ratlos rum und weiß nicht mehr weiter.

    Dies gemixt mit eignen Problemen und dem „idyllischen“ Weihnachtsstress……….. nein, dass ist keine gute Kombination.

    Gönn Dir die Ruhe und kümmer Dich um Deine Lieben.
    Manches braucht einfach seine Zeit, und das ist gut und richtig so.

    Ach ja, ich mag Dich <3

    Anita

  5. Liebe Juna, du siehst, viele verstehen dich sofort, ich reihe mich da ein. Wenn es sich sträubt, ist es halt nicht die Zeit dafür. Mitfließen mit den Gezeiten statt kämpfen ist dann wohl angesagt – die Lust, die Welt schreibend zu fassen wird dann irgendwann wieder ganz von selbst da sein. „Hallo du, ich bin wieder da, lass uns loslegen!“

  6. Hallo,
    ohne in das gleich Rohr tröten zu wollen (oder doch), das war ähnlich als ich mein Blogprojekt ad acta legte:

    Als ich dachte, dass nur noch Rants herausgekommen wären, hörte ich lieber auf.
    Als ich bereits beim Schreiben überlegte, was die Reaktionen wären, hörte ich lieber auf.
    Als ich das Gefühl hatte, das sich niemanden erreiche, hörte ich lieber auf.
    Als ich bemerkte, dass ich wenig Neues beizutragen habe, hörte ich lieber auf.
    Als ich bemerkte, dass das Offenlegen von persönlichen Gedanken nicht gerade akzeptiert wird, und ich gar nicht anders konnte, hörte ich lieber auf.

    Das meiste trifft bei Dir nicht zu, deshalb hoffe ich, bald wieder etwas zu lesen. Jemand der angesehen genug ist, und dennoch bescheiden genug um alle zu hören und noch dazu so schreiben kann, wäre ein echter Verlust.

    Ich wünsche Dir eine schöne Vorweihnachtszeit.

    Viele Grüße
    DD

  7. Liebe Juna,

    diese Art „Müdigkeit“ scheint derzeit weiträumig um sich zu greifen. Es mag bei jeder und jedem etwas anders begründet sein, aber der „Netzfrust“ breitet sich definitiv aus.
    Die Punkteliste von Berberich spricht mich unmittelbar an – mein eigener letzter Beitrag dazu heißt:

    Dienen statt ranten: Vom Umgang mit Aufregern

    leider geht das folgende Kommentargespräch auf die genannten Beispielinhalte ein, kaum einer auf den Tenor des Artikels. Da scheint große Ratlosigkeit zu herrschen.

    Wie auch immer: die Lust zu bloggen kommt nach meiner Erfahrung immer wieder – und nichts verpflichtet dich zu irgend einer bestimmten Artikel-Frequenz!

    Lass es dir gut gehen und hab‘ eine schöne Adventszeit!

  8. Kenne ich auch nur zu gut. Man hat etwas Spannendes gelesen, sich darüber Gedanken gemacht oder gar geärgert. Und dann weiß man nicht genau, wie man den Blogpost überhaupt beginnen soll, ohne sich dabei selbst in belanglosen „He said She said“ Standard Journalismusphrasen zu verlieren. Außerdem, es gibt da draußen schon so viele Menschen, die etwas dazu gesagt haben, was zählt da das eigene Wort? Wen erreicht man im Endeffekt und was kann man als kleines, unbedeutendes Individuum in der Internetcommunity überhaupt bewirken?

    Der Ausweg war für mich ein halbes Jahr Komplett-Auszeit von Social Media. Heute habe ich wieder Lust, Dinge schriftlich zu verarbeiten, die mich bewegen.

  9. Wie @Claudia stelle ich auch diese blog-netz-Müdigkeit fest. Mich eingeschlossen.
    Ist dann schon mittlerweile wirklich alles gesagt? Oder ist es die „Ruhe“ vor dem Sturm, oder das „warten“ auf den Sturm?

    Doch irgendwie, seltsam das alles.

  10. Ich kann Dich so gut verstehen!
    Symptomatisch: ich scrolle behände durch die Kommentare, ohne auch diese anderen, vielleicht interessanten Stimmen zu hören und mich zu vergewissern, ob ich vielleicht nur eine Dub- oder Triplette poste…
    Zeit zu finden und diese gefundenen Minuten, Stunden womöglich, perfekt synchronisiert zu bekommen mit der Fähigkeit, all die schwirrenden Gedanken auf deren Punkte reduziert zu bekommen– das will mir zur Zeit auch nicht gelingen. Dabei würde ich gerne meinen Beitrag zu den Gedanken dieser Welt leisten. Zeigen, bestätigen, dass es auch mich gibt – neben vielen anderen Menschen – der sich Gedanken macht über die Welt. Und manchmal, oft, auch Sorgen.
    Doch vielleicht löst gerade Du mit Deinem Blog, Deiner Präsenz auf Twitter, deinem jüngsten Jahresrückblick auf 2014, etwas in mir aus, das genau in diese Richtung führen kann: mich ganz unkompliziert und frei zu äußern und mich in die Welt tragen zu lassen. Ein kleines Stück weit. Und vielleicht auch einen großen Schritt weiter.

    Liebe Grüße
    Jochen

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