Juchu, noch steht die Welt! Zum Wochenstart habe ich ein paar Links zu Beiträgen, die mich aktuell sehr beschäftigen oder begeistern, zusammengestellt. Die meisten davon sind komplett Trump-frei! Das ist doch was. 

Über das berühmte „Maternal Gatekeeping“ – die angebliche Unfähigkeit, den Vater in die Erziehung und Pflege der Brut einzubeziehen –, schreibt Jochen:

„Patrick ist solch ein Vater, der sich gerne mehr an der Erziehung und Betreuung der Kinder beteiligen würde. Immer wenn er nachts aufsteht, um sein Baby zu wickeln, pfeift ihn seine Frau jedoch zurück. „Leg dich gefälligst wieder hin und schlaf! Ich will alleine unausgeschlafen sein. Und außerdem, so wie du wickelst, mache ich es lieber alleine. Keine Diskussion!“ Da kann Patrick natürlich nichts machen.“

Jochen nimmt augenzwinkernd anhand von aktuellen Berichten diesen Vorwurf an die Mütter auseinander. Danke für den Beitrag!

Heike bloggt über alternative Fakten:

„Ein Begriff, der an diesem Wochenende geprägt wurde. Wenn Ihnen das entgangen ist, dann hatten Sie vermutlich ein sehr schönes, winterliches Wochenende auf irgendeinem Skihang, fernab von digital und ich beglückwünsche Sie dazu. Denn das ist wohl ein Begriff, der einem einen Schauer über den Rücken jagt. Im gegebenen Kontext.“

Und sie überträgt diesen stark nach 1984 klingenden Ausdruck dann auch gleich auf die Kindererziehung, um anschaulich zu machen, was eigentlich das Problem ist.  Leider hat Heike insgesamt nicht mehr allzu viel Freude am Bloggen. Ich kann da nur schreiben: Bitte, bleib hier! Wir brauchen Dich.

Mathias Greffrath hat für das Deutschlandradio Kultur einen Beitrag zu Shakespeare und Trump geschrieben. Wie hätte die Vereidigung wohl als Shakespeare-Stück ausgesehen?

„Worauf der [Präsident] aufsteht, seinen Schwur zu leisten, und dann – und allen stockt, in Shakespeares Fassung jedenfalls, der Atem – die Hand nicht auf die Bibel legt, die schon Lincoln diente. „Seht auf die Hand“, kommt von den Rängen ein entsetzter Ruf. „Seht auf die Linke. Seht, so schwört ein Usurpator. Er schwört nicht auf die Republik, er schwört auf die Familienbibel. Und Frau und Kinder umringen ihn und triumphieren mit. Er stellt sich über die Nation.“

Ein paar Ideen, warum dieses Schauspiel nicht längst unterbunden wurde, hat der Autor auch. Und ich ziehe aus dem Beitrag darüber hinaus, dass es wirklich sehr sinnvoll ist, Shakespeare (erneut) zu lesen.

Und wo wir gerade bei Bildung sind, passt ein anderer Beitrag aus dem Feedreader ganz hervorragend. Lydia von Büronymus erklärt, was ein „Scheißtag“ in Wirklichkeit ist. Zum Glück gehört so ein Scheiß der Vergangenheit an. Vorher gibt es einen sprachwissenschaftlichen Exkurs in Sachen deutscher Fäkalsprache. Da sag‘ nochmal jemand, das Internet würde nicht schlau machen:

„Erschwert wird die korrekte Übersetzung dadurch, dass die Anglophonen ja auch noch ihren eigenen shit haben. „This is some fucked-up shit“ wird dann im Deutschen zu „Das ist ein Scheißscheiß.“ Oder so.“

Auf den nächsten Beitrag würde ich unter normalen Umständen auf keinen Fall verlinken. Aber manchmal muss getan werden, was getan werden muss. In diesem Fall: Auf zur deutschen Huffpost, denn die hat unter anderem mit Christa Goede über Initiativen gegen Hate Speech gesprochen, bei denen jede*r mitwirken kann:

„Heute ist es so, dass diese „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (vgl. Wikipedia) überall sichtbar wird: in den sozialen Netzwerken, in den Kommentarspalten und Foren der großen Zeitungen, in Diskussionen auf der Straße – überall blanker Hass! Argumente sucht man über weite Strecken vergeblich, stattdessen wird beleidigt und bedroht, was das Zeug hält.“

Habe ich gerade geschrieben, man muss tun, was getan werden muss? Das hat die Großmutter des Fräuleins Readonmydear ebenfalls gesagt. Und zwar als ihre Enkelin begann, Aufklärungsunterricht für Geflüchtete zu geben. Ein extrem lesenswerter Beitrag:

„Wieder und wieder versuche ich zu erklären, dass sexuelle Bedürfnisse etwas völlig normales sind, nur man muss sie steuern lernen und Menschen haben eben sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Es geht um Verhütung und Infektionskrankheiten und immer wieder um den Versuch darüber nachzudenken, wie man Intimität eigentlich herstellt. Es geht um die Frage: Wie spreche ich jemanden an und auch wann ziehe ich mich eigentlich aus.“

Zuletzt empfehle ich noch ein längeres Interview, und zwar mit den beiden Journalistinnen Dunja Hayali und Anja Reschke. Sie berichten über die Welle aus Hass, die ihnen entgegen schlug, weil sie öffentlich Pegida und die AFD kritisierten. Die Beleidigungen, von denen beide berichten können, sind nichts für schwache Nerven. Das Interview aber ist sehr empfehlenswert.

Ich wünsche Euch eine gute Lektüre und eine schöne Woche. Positioniert Euch, seid laut, bleibt respektvoll.