Leben in Zeiten der Hasenherzigkeit

Hasenherz und Löwenfuß
gingen mal spazieren
Hasenherz hat Puschen an
konnte nichts passieren.

von Betty Berger

Ich habe diese Woche ein Wort gelernt, das ich unbedingt mit Euch teilen muss. Hasenherzig. 

Es ist kein neues Wort, der Duden kennt es bereits und erklärt seine Bedeutung mit den Adjektiven „ängstlich, feige, furchtsam“. Das aber finde ich nicht zutreffend. Und kein bisschen vollständig. „Hasenherzig“ klingt nach so viel mehr.  Leben in Zeiten der Hasenherzigkeit weiterlesen

Katastrophe! Ausnahmezustand in sozialen Netzwerken

 

„Twitter ist super 15 Minuten nach der Katastrophe, und die Hölle in den Tagen danach.“

Patrick Breitenbach

Für das Barcamp Rhein-Main im November 2015 habe ich eine Session zu Katastrophenkommunikation in sozialen Netzwerken zusammengestellt. Dabei strebte ich eine möglichst wertfreie Betrachtung der unterschiedlichen Phasen dieser Art persönlicher Krisenkommunikation an. Die Ereignisse in Frankreich lagen nur einige Tage zurück, weshalb mein Vorhaben eine große Bereitschaft bei den Teilnehmenden beinhaltete, ein paar Schritte auch von ihrer eigenen Beteiligung zurückzutreten. Denn schließlich waren die meisten von uns in den vorhergehenden Tagen mehr oder weniger aktive Kommunikationsteilnehmende gewesen. Eine gemeinsame Analyse, so frisch nach den Terroranschlägen, setzt die Fähigkeit voraus, auch die eigene Betroffenheit, Hilflosigkeit, Wut oder Kritik hinten an zu stellen. Auf dem Barcamp ist das hervorragend geglückt. Dafür noch einmal Danke an alle Teilnehmenden! Katastrophe! Ausnahmezustand in sozialen Netzwerken weiterlesen

Von Depressionen und Schokokuchen

Momentan scheinen um mich herum mehr Dinge kaputt zu sein als heil. Ich bewege mich, manchmal vorsichtig, manchmal wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen, durch Scherben hindurch in eine Richtung, die ich für vorwärts halte. Ohne sicher zu sein, dass es auch wirklich so ist.

Unnötig, von den Anstrengungen zu schreiben. Oder von der Frustration. Oder von Tränen.

Stattdessen möchte ich von Kuchen erzählen. Von Depressionen und Schokokuchen weiterlesen

Leo Lausemaus nimmt sich eine Auszeit

Hausaufgaben mit unserer Drittklässlerin zu erledigen erfordert eine gewisse Menge an Wein. Dafür finden sich in ihrem Übungsheft lustige Dinge, die ich zu Bloganekdoten umschreiben kann. Heute las ich ein paar Fragen, die die Kinder nach dem gemeinsamen Lesen einer Geschichte beantworten sollten. Die Geschichte handelte von der Kindererziehung „zu Omas Zeiten“, und zwar an Omas konkretem Beispiel. Die Oma in der Erzählung berichtet ihren Enkeln von ihrer Kindheit und einer schweren Bestrafung im Schulunterricht wegen Fehlverhaltens. Hier zwei der Fragen mit den Antworten meiner Mittleren: Leo Lausemaus nimmt sich eine Auszeit weiterlesen

Wissen, Sehen, Vertrauen

Zuerst veröffentlicht auf fischundfleisch.

Vor etwa 13 Jahren bot sich mir die Gelegenheit, die Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger kennen zu lernen.

Sie forschte damals zu Kitsch in der Literatur, mit besonderem Augenmerk auf Nazi-Kitsch. Nicht gerade ein Thema, über das wir als angehende Germanist_innen an der Uni Göttingen häufig etwas hörten. Von Ruth Klüger allerdings hatte ich bereits mehr als nur gehört. Ich betrachtete mich zu diesem Zeitpunkt schon als heimliches Fangirl, bereitete sogar einen der drei oder vier Texte für das geplante Hauptseminar vor (das war einer mehr als sonst), und zwängte mich pünktlich mit etwa 40 anderen in einen Raum unseres Verfügungsgebäudes – ein Bau, der bedauerlicherweise den Charme eines alten Bahnhofsklos besitzt. Wissen, Sehen, Vertrauen weiterlesen

„Männer dieser Welt, distanziert Euch von sexuellen Übergriffen!“

Nach den Ereignissen in Köln posten und kommentieren die Wutbürger_innen Deutschlands mit Schaum vor dem Mund in den sozialen Medien. Ohne gesicherte Informationen verurteilt es sich bekanntlich auch viel besser, Fakten stören ja nur bei der Beurteilung der Lage – zumindest wenn eine wichtige Botschaft endlich Bestätigung findet. Monatelang wurden sie als Rassisten bezeichnet, nun sieht Deutschland, wie Recht sie von Anfang an hatten. Denn nach Köln ist klar: Alle Flüchtlinge sind klauende Sexualstraftäter! Jawohl! „Männer dieser Welt, distanziert Euch von sexuellen Übergriffen!“ weiterlesen

„Frauen, die schreiben, leben gefährlich“

Ein Buch zu Weihnachten! Von meinen Kindern!
Zugegeben, ich habe die Kinder selbst angestiftet, es mir zu kaufen. Aber hey! Das Ergebnis zählt!
Seit heute lese ich „Frauen, die schreiben, leben gefährlich“. Ein Buch von Stefan Bollmann voll mit Portraits geistreicher, schreibender Frauen aus vielen Jahrhunderten Literaturgeschichte. Gar nicht dröge, sondern liebevoll und immer mit einem Bezug zur Jetzt-Zeit gestaltet. „Frauen, die schreiben, leben gefährlich“ weiterlesen

2015 – in Euren Worten

Mit immer noch wehem Herzen und angeschlagener Seele blicke ich auf 2015 zurück. Ich bin dankbar für viele Erlebnisse, die das Jahr mit sich brachte. Aber ich bin auch fürchterlich erleichtert, dass die tränenreiche zweite Hälfte von 2015 nun zu Ende geht. Obwohl unsere Jahresgrenze willkürlich gewählt ist, gefiel mir die Tradition, diesen Schnitt in der Zeitrechnung als Markierung, Endpunkt und Neustart zu feiern, schon immer. Und auch wenn ich es seit einigen Jahren lediglich in Gedanken tue: Den Geistern von 2015 werde ich zu Silvester ein paar sehr, SEHR laute Böller nachwerfen. Virtuell zumindest. Mögen sie nie wiederkehren. 2015 – in Euren Worten weiterlesen

Das Netz ist das, was Du draus machst